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Veröffentlicht am 25.01.2024

Herausragende Kurzgeschichten über Rassismus

Nachbarn
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Diane Olivers (1943-1966) vierzehn Kurzgeschichten fühlen sich wie ganze Geschichten an, die viel Größer sind, als ihr kurzer Umfang es vermuten lässt. Sie porträtiert literarisch bemerkenswert und mit ...

Diane Olivers (1943-1966) vierzehn Kurzgeschichten fühlen sich wie ganze Geschichten an, die viel Größer sind, als ihr kurzer Umfang es vermuten lässt. Sie porträtiert literarisch bemerkenswert und mit feiner Beobachtungsgabe die 50er und 60er Jahre in Amerika, geprägt von Rassismus und Ausgrenzung, erschreckend realistisch und bedrückend aktuell. Es ist ein großes Geschenk, dass die Autorin nun die Aufmerksamkeit bekommt, die sie verdient, nachdem sie viel zu früh verstorben ist.

Die erste und titelgebende Kurzgeschichte "Nachbarn" erzählt aus der Perspektive der großen Schwester, wie die Familie damit umgeht, dass der Jüngste, als einziges schwarzes Kind auf eine Schule für Weiße geht. Dieser dialogreiche Kurztext veranschaulicht den persönlichen Umgang mit Rassismus gegenüber der schwarzen Bevölkerung auf sozialer Ebene und zeigt eine Dimension von vielen in diesem Buch, die mit Ungewissheit, Angst und Verzweiflung einhergehen.

Dieses Buch hat die Kraft die eigene Weltsicht zu erschüttern. Ich lese sehr gern Kurzgeschichten, aber "Nachbarn" kann man auch lesen, wenn man Kurzgeschichten sonst meidet. Man fühlt sich schnell ein und erlebt eine Wandelbarkeit der Texte in Wort und Schrift, die beeindruckt. Die Figuren sind vielschichtig und werden sehr einfühlsam gezeichnet.

Wie geht man mit so viel Hass, Anfeindung und Ablehnung um und was macht das mit einem? Das zeigt u.a. Winifred, die in "Die Kammer im ersten Stock“ als einzige Schwarze an der Uni Rassismus erfährt und gesundheitlich darunter leidet. Dahinter steht eine persönliche und politische Frage, die nachdenklich macht. Absolute Leseempfehlung für diese Kurzgeschichten-Sammlung.

Veröffentlicht am 25.01.2024

Alle achtzig Minuten zwei Glühwürmchen im Garten

Himmelwärts
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„Es war einmal, da war die Schwerkraft noch nicht so schwer. Da war unser Lachen noch ohne das Summen zwischen den Atomen.“

Die „Snack-Jedis“ Toni-Pepperoni und ihre liebste Pommesfreundin
YumYum zelten ...

„Es war einmal, da war die Schwerkraft noch nicht so schwer. Da war unser Lachen noch ohne das Summen zwischen den Atomen.“

Die „Snack-Jedis“ Toni-Pepperoni und ihre liebste Pommesfreundin
YumYum zelten gemeinsam im Garten. Ihre Mission: Kontaktaufnahme mit Mama, denn Tonis Mutter ist an Krebs verstorben und YumYum ist überzeugt, sie ist irgendwo da draußen, denn „im Universum geht keine Energie verloren“. YumYum ist nämlich sehr wissbegierig und durchforstet das Internet nach Informationen „wie die kleine Raupe Nimmersatt“. „Wusstest du…?“ ist mit Abstand ihr Lieblingseinstieg in einen Satz. Mit einer Anleitung haben beide heimlich ein kosmisches Radio gebaut und funken mit ihren Walkie Talkies himmelwärts. Als sich dann überraschend eine Astronautin von der ISS meldet, können die beiden es kaum glauben. Neugierig stellen sie Zanna alle möglichen Fragen und lernen eine Menge über gefährliche Chips, schwerelosen Salat, wie sehr man die Erde vermissen kann und schließlich kommen sie auch auf den Tod zu sprechen, über den sonst keiner reden will: „Der Tod ist wie Lava.“

Erzählt wird in der Ich-Perspektive von Toni, die sich auch immer mal wieder direkt an ihre Leserschaft wendet. Denn Toni schreibt alles auf, weil sie die Erinnerungen an ihre Mutter nicht vergessen will. Deswegen schweifen ihre Gedanken immer wieder zu ihrer Mutter ab und in „Tonis Notizbuch“ erinnert sie sich an gemeinsame Momente und den Abschied. Dieser einfühlsam dargestellte Verlauf der Gedanken und die Taubheit und Schwere, macht Tonis seelischen Zustand erlebbar. „So als wären meine Gedanken eine fremde Stadt, […] und ich finde nicht mehr nach Hause.“

Das Erleben von Verlust und das Festhalten an der Vergangenheit ist allgegenwärtig, immer wieder abgelöst von Momenten der Leichtigkeit und Freunde in der Gegenwart. In diesem kleinen Zeit- und Handlungsrahmen passiert eine Menge, ohne das die Kinder das Zelt verlassen. Es geht um Freundschaft, Trauer, auch um überfürsorgliche Kontrolle und Angst, die Weiten des Universums und das Menschsein. Mit schönen mutmachenden und trostspendenden Botschaften, die ganz mühelos einfließen, wie der Wobbeltanz, der alles Schwere abschüttelt.

Die farbigen Illustrationen sind grandios gestaltet und haben mir sehr gefallen. Sie fügen sich perfekt ins Buch ein. Jede von ihnen ist eine kreative Überraschung. „Tonis Notizbuch“ hat zudem eine farbliche Wiedererkennung. Besonders toll fand ich das Totoro-Onesie und das Mama-Regal. Der Text ist ebenso kreativ und begeistert mit Wortzusammensetzungen, vielen Ideen und witzigen Dialogen. Deswegen ist "Himmelwärts" auch nicht unangenehm bedrückend, sondern tiefsinnig, philosophisch, lebendig, lustig, lehrreich und klug. Eine besondere Liebeserklärung an die Erde und das Leben. So tröstlich, bereichernd und schön. Ganz große Leseempfehlung, für diese besondere Gefühlsachterbahn.

Veröffentlicht am 25.01.2024

Gartenpläne naturnah verwirklichen

Kleiner Garten - so viel drin
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Anja Klein zeigt an ihrem persönlichen Garten beispielhaft, wie es geht. Sie erklärt unkompliziert, leidenschaftlich und ermutigend, worauf es ankommt. Anja war damals in in der gleich Situation und wollte ...

Anja Klein zeigt an ihrem persönlichen Garten beispielhaft, wie es geht. Sie erklärt unkompliziert, leidenschaftlich und ermutigend, worauf es ankommt. Anja war damals in in der gleich Situation und wollte ihre Gartenpläne verwirklichen. Dafür hat sie in ihrem Schrebergarten 40 m2 eingezäunt und ein Ernte- und Blumenparadies angelegt. Fotos dokumentieren die Vorgehensweise Schritt für Schritt und zeigen ein tolles Beispielergebnis, das wirklich Lust auf ein eigenes Projekt macht. Durch die zahlreichen Fotos, ein paar Zeichnungen oder grafischen Darstellungen wird man sehr inspiriert und anschaulich durch alle Prozesse begleitet. Perfekt für Einsteiger. Was muss ich bei der Planung beachten? Was ist für die Bestandsaufnahme wichtig? Zu Beginn hat man viele Fragen und Anja hat außerdem Tipps, um anfängliche Fehler zu vermeiden.

„Lass dir Zeit beim Anlegen deines Gartens, der erste Schritt ist vielleicht schwer, der zweite schon einfacher und irgendwann sitzt du da und kannst kaum glauben, dass du das geschafft hast.“

Mir hat besonders gefallen, dass es sehr kompakt gestaltet ist, ohne Unmengen von Variationen und Informationen, die nur überfordern. Dazu die einfach Schritt-für-Schritt-Anleitungen. Ist das Bohnen-Tipi nichts für einen, blättert man zwei Seiten weiter und findet bereits etwas anderes. Dadurch ist es zwar nicht so ausführlich, aber für Anfänger völlig ausreichend, um auf den Geschmack zu kommen. Anja begrenzt sich dabei auf Gemüsebeete, Kräuter, Obstbäume zum Ernteglück und für die Farbpracht dürfen Stauden und Sommerblumen nicht fehlen. Dazu gibts auch Tipps für die Ernte im Topf. Letztlich kann man es ganz bequem genauso oder ähnlich umsetzten, und von Anjas Erfahrungen profitieren. Durch die schönen Fotos sieht man, wie schön und ertragreich bereits ein kleiner Garten sein kann und man lernt, dass man das Projekt an die eigenen Bedürfnisse und den Geldbeutel anpassen kann. Inspirationsempfehlung für Gartenprojekte!

Veröffentlicht am 25.01.2024

Diese Mädchen sind klug, erfinderisch und geben niemals auf!

Cosima und der Diamantenraub
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"Cosima und der Diamantenraub" ist eine ungewöhnliche Geschichte über vier mutige Freundinnen mit Behinderungen, die in einer aussichtslosen Lage einen waghalsigen Plan schmieden, um sich und andere vor ...

"Cosima und der Diamantenraub" ist eine ungewöhnliche Geschichte über vier mutige Freundinnen mit Behinderungen, die in einer aussichtslosen Lage einen waghalsigen Plan schmieden, um sich und andere vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren.

Die Handlung spielt im November 1899 in London im Heim für beklagenswerte Mädchen, in dem Cosima, Diya, Mary und Pearl leben. Die vier Freundinnen halten zusammen und haben einzigartige Talente. Cosima ist zielstrebig und voller Ideen. Mit ihrem Tatendrang steckt sie die anderen an. Diya lässt sich von ihrem Rollstuhl nicht einschränken, sie ist, wissbegierig und erfindet nützliche Sachen, während Pearl echte Kunstwerke erschafft. Die Behinderungen, und die sich dahinter verbergenden chronischen Erkrankungen, spielen keine große Rolle. Ganz selbstverständlich gehen die Mädchen damit um, sind sehr respektvoll und einfühlsam im Umgang miteinander und damit eine große Inspiration für Wertschätzung und Genügsamkeit. Denn die grausamen Heimleiter-Geschwister Mr. und Miss Makel machen die Situation für die Mädchen unerträglich. Sie geben ihnen Nummern, statt sie beim Namen zu nennen. Sie demütigen sie mit Strafarbeit oder lassen sie frieren, um Kaminholz zu sparen. Die meisten Kinder haben Eltern und Geschwister, wurden ihren Familien aber wegen ihrer Behinderungen entrissen. Die haben jedoch keine Ahnung, wie die Kinder misshandelt werden. Cosima hat niemanden, der sie besucht und es ist ihr ein wichtiges Anliegen, dass Geheimnis ihrer Herkunft zu lüften. Als eines Tages der berühmte Entdecker Lord Francis Fitzroy das Heim besucht und alle zwanzig Mädchen adoptieren will, schlagen bei den Freundinnen alle Alarmglocken. Fortan versuchen sie, herauszufinden, was er vorhat, um ihn aufzuhalten und schmieden einen unglaublichen Plan - sie wollen das goldene Diadem aus der Empire-Ausstellung stehlen. Können vier Kinder mit Behinderung einen so großen Coup durchziehen?

Erzählt wird die Geschichte in der dritten Person, auch wenn Cosima den erzählerischen Mittelpunkt bildet. Mir hat sehr gefallen, dass die Geschichte so originell, humorvoll, vielschichtig und abwechslungsreich ist. Neben der Spannung und den tollen Charakteren, gibt es berührende und tiefsinnige Momente, besondere Details, wie die Bedeutung von Cosimas Namen oder dem Taschentuch, das sie findet. Die Botschaft dahinter ist klar: Kinder mit Behinderungen sind nicht weniger wert und sollten nicht weggesperrt werden. Dass dazu passende Finale und schlussendliche Ende, war sehr zufriedenstellend. Insgesamt eine richtig tolle Geschichte, mit vereinzelt passenden Illustrationen.

Veröffentlicht am 19.01.2024

Fantasievolles Abenteuer

Lila Leuchtfeuer
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Lila Leuchtfeuer lebt mit ihrem Vater und ihrer Mutter in Siebenwirbelwinde in der Funkensprüherstraße 9. Sie ist voller Tatendrang und möchte selbst einmal Magichanikerin werden, wie ihr Vater, der der ...

Lila Leuchtfeuer lebt mit ihrem Vater und ihrer Mutter in Siebenwirbelwinde in der Funkensprüherstraße 9. Sie ist voller Tatendrang und möchte selbst einmal Magichanikerin werden, wie ihr Vater, der der beste Magichaniker im Tiefenland ist.

In dieser fantasievollen Welt ist alles ein bisschen ungewöhnlich und schräg: statt Brieftauben gibt es Briefkrähen, statt Besen dienen Fässer als Flugobjekte und Kater Teufelchen bringt mit großem Vergnügen Pech über die Stadt. Man trifft hier ganz außergewöhnliche Wesen, wie Wurm-Fürsten, Sandteufel, Zauberer und Heizwanzen, die sich jeder im Winter an die Seite wünschen würde. Die Autorinnen Lena Schneider und Tijan Sila haben viele kreative Ideen („Erd-Apfels“- genial), spaßigen Wortwitz und Spannung einfließen lassen. Die Illustrationen von Ariane Camus verzaubern mit ihrer schlichten Individualität und zeigen vor allem die Charaktere in bestimmten Situationen. Die Umgebung wird so gut beschrieben, dass man sie sich wunderbar dazu vorstellen kann.

Es gibt magische Gegenstände, mit einer eigenen Persönlichkeit, wie Hubert, der kluge Hammer, der Lila, gemeinsam mit dem Waldgeist Willi, der in Form eines Eichhörnchens zwischen Tieren und Menschen vermittelt, auf ihrem Abenteuer begleitet. Denn Lilas Vater ist einige Tage verreist und, entgegen seiner Anweisung, übernimmt Lila den nächsten Auftrag. Ausgerechnet Hexe Smert braucht eine Reparatur, die zu einem unheimlichen Abenteuer einlädt, bei dem der Knecht der Hexe und ein Hahn die Freunde begleitet.

Es ist eine fantasievolle und aufregende Geschichte, die von Freundschaft, Mut, Tatendrang und Leidenschaft erzählt, und hin und wieder ganz schön gruselig wird, wenn dunkelste Magie und schrecklichste Alchemie ins Spiel kommt. Das empfohlene Mindestalter von 9 Jahren finde ich gerechtfertigt, denn es gibt hier einen fiesen Schurken, der ein bisschen an den Kinderträumen nagt.

Fazit:
Herrlich fantasievoll, mit viel Wortwitz und Magie entstand beim Lesen eine Atmosphäre, die ich sehr mochte. Ebenso wie den gradlinigen Verlauf, obwohl zeitweisen die Handlung aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt wird, was zur Spannung beiträgt. Die Geschichte ist zwar abgeschlossen, aber es könnte eine Fortsetzung geben, die ich definitiv lesen würde.