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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.05.2019

Eine Familiengeschichte-Spannend wie ein Krimi, ergreifend wie ein Liebesroman und lehrreich wie eine Geschichtsstunde

Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf
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Die Familiengeschichte der „Schönaus“, aus Leipzig geht in die zweite Runde. Nachdem die Nationalsozialisten sich weiter breitmachen und immer mehr Menschen schikanieren, beginnt für Dorchen Schönau eine ...

Die Familiengeschichte der „Schönaus“, aus Leipzig geht in die zweite Runde. Nachdem die Nationalsozialisten sich weiter breitmachen und immer mehr Menschen schikanieren, beginnt für Dorchen Schönau eine schwierige Phase, ihre Liebe zu dem jüdisch stämmigen Journalisten Levin, ist in diesen Zeiten zum Scheitern verurteilt. Lotte dagegen ist glücklich mit ihrem Richard und geht zunächst völlig im Familienleben auf, während Bruder Heinrich sich zum strammen Nazi entwickelt und fanatisch zu Führer und Vaterland steht. Konflikte im Familienverband sind da schon vorprogrammiert und werden die kommenden Kriegsjahre entscheidend prägen…..

Im zweiten Band des Familienromans „Des Lebens labyrinthisch irrer Lauf“ von Autorin Heike Wolf, begleiten wir wieder die Hauptprotagonistin Charlotte Schönau, durch für sie persönlich besonders schwierige Zeiten (1935-1957), weiter durch ihr Leben.
Alle drei nun erwachsenen Schönau-Geschwister, entwickeln sich in völlig unterschiedliche Richtungen, wobei sie sich immer weiter voneinander entfernen. Ihre unterschiedlichen Charaktere kommen nun zum Tragen. Während Charlotte die Gabe nutzt sich alles schönzureden und sich Scheuklappen zulegt, wird Dorchen erst einmal schwer vom Schicksal geprüft, bis sie sich ganz langsam zur gnadenlosen Rebellin wandelt. Bruder Heinrich, wird eine Enttäuschung für die gesamte Familie, da er trotz seiner humanistischen Bildung, als Nazi und SS-Offizier nicht vor Denunziation und Verrat zurückschreckt!
In den Roman wurden viele Facetten der grausigen Nazi-Willkür, Schikanen aus der Besatzungszeit und etliche historische Ereignisse eingebaut. Geschickt werden diese von der Autorin in die Handlung eingeflochten. Ihre Figuren werden nicht geschont, sie erleben erschreckendes Leid, Hunger, Gewalt oder werden gar zu Opfern! Ein Taschentuch sollte man bei der Lektüre bereithalten, viele Szenen sind bedrückend und ergreifend. Wie schon der vorausgegangene Band, fesselt der flüssig zu lesende, spannende und bildhafte Schreibstil den Leser an die Seiten.

Beide Bände geballte „Schönau“ Familiengeschichte haben mich unglaublich fasziniert, grandios unterhalten, mein Geschichtswissen aufgefrischt und einiges über unsere deutsche Vergangenheit gelehrt, das mir so noch gar nicht genau bewusst war. Kann beide Bände nur wärmstens empfehlen, am besten natürlich der Reihe nach gelesen, für Liebhaber historischer Romane und Zeitgeschichte ein besonders gehaltvolles und aufregendes Vergnügen!

Veröffentlicht am 13.05.2019

Eindrucksvoller biografischer Roman

Mein Leben als Sonntagskind
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Das Mädchen Jasmijn Vink merkt mit ihrem Eintritt in die Vorschulgruppe, das sie anders ist. Sie kann als einzige schon sehr gut Lesen und anstatt ihr Wissen zu vertiefen, soll sie nun mit all mit den ...

Das Mädchen Jasmijn Vink merkt mit ihrem Eintritt in die Vorschulgruppe, das sie anders ist. Sie kann als einzige schon sehr gut Lesen und anstatt ihr Wissen zu vertiefen, soll sie nun mit all mit den anderen Kindern spielen, toben, lärmen….doch das mag sie nicht. Sie möchte lieber alleine sein, lesen und mit ihrer Hündin Senta den Tag verbringen. Warum sollte sie mit der Lehrerin reden wollen oder sich dieser Gruppe anpassen.
Jasmijn braucht zum Glücklichsein nur die ihr vertraute Umgebung, eine neue Situationen, unbekannte Menschen oder gar Kaufhäuser sind ihr ein Graus! Immer wieder muss sie sich zwingen normal zu erscheinen, obwohl sie doch am liebsten die Flucht ergreifen würde! So manches Mal nimmt sie sich aber dennoch ein Auszeit und agiert dann nach Jasmijn-Art, leider zum Entsetzen ihrer Umgebung….



Mit autobiografischen Zügen im Roman „ Mein Leben als Sonntagskind“, offenbart die Autorin die Gefühlswelt eines besonderen Mädchens, das sich so gänzlich von der Masse unterscheidet. Es wird von einer Auseinandersetzung mit der Normalität des Lebens erzählt, die diesem Kind so schwerfällt.
Erst als Erwachsene erfährt auch die Autorin Judith Visser, das sie am Asperger-Syndrom leidet. Deshalb kann sie das Leiden der Protagonistin Jasmijn im Roman so gut wiedergeben, da sie es aus eigener Erfahrung kennt.
Viele Erlebnisse aus dieser Kindheit machen betroffen, man fragt sich ab und an, merkt denn niemand was in Jasmijn vorgeht, was mit ihr los ist!
Denn auch die Eltern erkennen das Problem nicht umfassend genug um ihr weiter zu helfen. Jasmijn ist zumeist allein auf sich gestellt. Da es ihr an Empathie fehlt, kann sie die Gefühle anderer Menschen nicht einschätzen und ihre eigenen Gefühle auch nicht mitteilen….ein Teufelskreis!
Sehr eindrucksvoll und offen erzählt die Autorin aus ihrem Leben, das sich viel in ihrem Kopf abspielt, jenseits der Wirklichkeit.
Der Roman ist so ergreifend geschrieben, das ich die ein oder andere Träne verdrücken musste!



Ein Buch das aufrüttelt und sicherlich hilfreich ist die Gefühlswelt von Menschen mit Autismus besser zu verstehen. Eine Aufforderung seinen Mitmenschen mehr Verständnis entgegenzubringen und besser auf sie zu achten….denn oft sind die Dinge anders als sie scheinen! Ein arrogant wirkender Mensch ist vielleicht nur schüchtern und unsicher!
Jeder ist anders, ob in seiner Wahrnehmung, seinen Aktionen und seinem Auftreten. Verständnis, Rücksichtnahme und Akzeptanz sind im Umgang miteinander wichtig, diese Botschaft ist deutlich spürbar! Ein Buch das mich sehr berührt und gut unterhaltsam hat, trotz der ernsten Problematik.

Ganz toll gemacht:)

Veröffentlicht am 08.05.2019

Aktuell, rasant und spannend:)

Zara und Zoë - Rache in Marseille
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Zwillingsschwestern unterschiedlich wie Tag und Nacht. Zara, korrekte und erfolgreiche Profilerin bei Europol, Zoë, eine eiskalte skrupellose Mafiosa.
Als Zara zu einem grausamen Mordfall an einer jungen ...

Zwillingsschwestern unterschiedlich wie Tag und Nacht. Zara, korrekte und erfolgreiche Profilerin bei Europol, Zoë, eine eiskalte skrupellose Mafiosa.
Als Zara zu einem grausamen Mordfall an einer jungen Migrantin nach Marseille beordert wird, kommt sie ihrer Schwester und ihren Wurzeln sehr nahe und erkennt, um im Milieu erfolgreich einzugreifen braucht sie dringend die Hilfe ihrer verhassten Schwester…denn hier hält sich niemand an Regeln!


Der Autor Alexander Oetker startet mit einer neuen Krimiserie „Zara und Zoë“ Teil 1: „Rache in Marseille“, die seine Leser natürlich auch wieder nach Frankreich führt. Der Thriller ist mit zwei wirklich interessanten Charakteren besetzt. Zwillingsschwestern mit zwei völlig konträren Lebensentwürfen, die eine brav und anständig, die andere eine Frau die nicht lange fackelt und keine Grenzen kennt.
Die Handlung ist rasant, auch der Schreibstil ist prägnant, energisch und kraftvoll darauf ausgerichtet. Kurze Kapitel unterstützen den schnellen Plot und die drastische Entwicklung der Geschehnisse. Jede Person hat einen individuellen Stil, angepasst an Wesen und Niveau. Ein recht eigenwilliger Stil, der aber gut zu dem Verlauf der Story passt, gefällt mir sehr!
Die Idee mit dem Zwillingspaar finde ich großartig, sie gibt den Ermittlungen eine ganz eigene Dynamik. Die Location Marseille hat dazu auch diesen Gegenpol-Charakter mit Vorzeigekulisse und schäbiger Vorstadtcité, das ergibt ein wirklich gelungenes Bild.
Brandaktuelle Probleme werden im Buch aufgegriffen, die mit Islamismus, Fremdenhass, Drogenproblematik, Populismus, Politik, Korruption und Anschlägen zu tun haben. Die schöne Kulisse auf dem Cover mit dem braunen Hintergrund ist dafür wohl Symbolik. Schön gemacht: Zur einfacheren Ortsorientierung bieten die beiden Innencover zwei Karten der näheren Umgebung.


Ein unterhaltsamer Thriller, mit brutalem und aktuellem Stoff. Die Lektüre ging unglaublich flott voran, durch die interessante Form des Handlungsverlaufs und dessen geschickte Verabreichung.

Freue mich schon auf weitere Fälle mit den beiden coolen Schwestern:) es war ein wirklich prima Auftakt!

Veröffentlicht am 29.04.2019

Spannendes Geschichtserlebnis und Begleitung einer Leipziger Familie durch bewegte Zeiten

Bürgerin aller Zeiten
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Während Charlotte Schönau, kurz vor dem Fall der Mauer, ihren 80ten Geburtstag plant, blickt sie zurück auf ihre ereignisreiche Familiengeschichte in ihrer Heimatstadt Leipzig. 1909 geboren, wächst sie ...

Während Charlotte Schönau, kurz vor dem Fall der Mauer, ihren 80ten Geburtstag plant, blickt sie zurück auf ihre ereignisreiche Familiengeschichte in ihrer Heimatstadt Leipzig. 1909 geboren, wächst sie und ihre zwei jüngeren Geschwister Dorchen und Heinrich, während der Kaiserzeit, dort in großbürgerlichen Verhältnissen heran. Doch der Erste Weltkrieg erschüttert die heile Welt der Familie und prägt deren Kinder- und Jugend-Zeit. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft ist nach dem Kriegsende sehr groß und die Hoffnung auf bessere Zeiten ist auch bei Familie Schönau enorm hoch……

Autorin Heike Wolf führt uns im ersten Teil (1913- 1933) ihres historischen Familienromans „Bürgerin aller Zeiten“ zuerst einmal zurück in die Kaiserzeit. Zusammen mit den drei Schönau-Geschwistern, erlebt der Leser diese Epoche, den Beginn und das Ende des 1. Weltkrieges und die unruhige Zeit der Weimarer Republik in diesem Teil des Romans. Es sind bewegte Zeiten und die Autorin versteht es gekonnt, den Leser mit ihren geschickt gewählten Charakteren zu begeistern. Es gibt Figuren jeglichen Couleur, von der herrschsüchtigen, arroganten, kaisertreuen Großmutter, bis zum jüdischen besten Freund und Anwaltskollegen des Vaters, oder die selbstbewusste und manipulative Freundin Klara, die Charlotte zwar benutzt, aber auch aus ihrem Schneckenhaus lockt. Schwester Dorchen dagegen nimmt kein Blatt vor den Mund und beeindruckt durch ihre burschikose und selbstbewusste Art.

Der flüssig zu lesende und bildhafte Schreibstil lässt den Leser nur so durch die Zeiten rauschen! Glänzend recherchiert, ein Roman zum Miterleben und mitleiden:) Gut, das schon der zweite Band in den Startlöchern steht, denn am Ende des Buches angelangt, möchte man natürlich sofort wissen, wie es mit der Familie Schönau weitergeht! Ein absoluter Page Turner, mit sympathische und auch unsympathischen Figuren, wie sie das Leben eben bereithält. Es zeigt auch deutlich wie sich Menschen verändern können, sich anpassen, leiden, lieben oder Problemen aus dem Weg gehen. Das macht das Buch einfach faszinierend und wahnsinnig unterhaltsam! Freue mich nun schon sehr auf die Lektüre des zweiten Teils:))

Das Buch hat mich begeistert und bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung, *****plus, Daumen hoch!

Veröffentlicht am 19.04.2019

Spannungsreicher historischer Roman aus der Perspektive einer bürgerlichen Familie im 13. Jahrhundert

Die Perlenfischerin
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Bei der Zerstörung der alten Handelsstadt Stadt Bardowick wird Anfang des 13. Jahrhunderts die Familie des Baumeisters Gerold Ostmann, von Herzog Heinrich aus ihrer Heimat vertrieben. Mutter Magda wird ...

Bei der Zerstörung der alten Handelsstadt Stadt Bardowick wird Anfang des 13. Jahrhunderts die Familie des Baumeisters Gerold Ostmann, von Herzog Heinrich aus ihrer Heimat vertrieben. Mutter Magda wird bei dem Überfall schwer verletzt und ihre kleine Tochter Ida ist wie vom Erdboden verschluckt. Sohn Bendix bleiben seine Schuldgefühle, da er nicht besser auf die Schwester geachtet hat! Während die Familie als Vertriebene, am Ende in Lübeck landen, wird die verletzt im Fluss treibende Ida, von der alten Heilerin Neslin gefunden und aufgezogen. Das sechsjährige Mädchen hat jegliche Erinnerung an die Geschehnisse verdrängt und beginnt ihr freies Leben in den Flussauen zu genießen. Die alte Kräuterfrau schätzt die Natur und lehrt Ida die Suche nach den wertvollen Perlmuscheln…..


Im spannungsreichen Roman „Die Perlenfischerin“ von Autorin Sabine Weiß, ergänzen sich fiktive Charaktere mit historischen Geschehnissen und bekannten Personen der Zeitgeschichte auf gekonnte Weise. Man erfährt im Laufe des Buches sehr viel über das Leben der einfachen Bürger, deren schwere Schicksalsschläge, das Ausgeliefertsein des im Rang höherstehenden Adels und die daraus folgende Machtlosigkeit. Es wird fühlbar, wie grausam diese Zeit war und wie wenig Wert ein Menschenleben damals besaß, jeder Bürger war nur eine Schachfigur als Spielball der Reichen und Mächtigen.
Die Autorin versteht es, den Leser mit bildreichen, teils liebevollen, aber auch grausamen Szenen, einem abwechslungsreichen Ortswechsel und natürlich mit einer Flut von Emotionen, an das Buch zu fesseln.
Die junge Frau auf dem Cover entspricht meiner Vorstellung von Ida perfekt und im Innenteil ergänzt ein Stadtplan von Lübeck und eine Karte der Örtlichkeiten die Übersicht. Gleich auf den ersten Seiten gibt es einen Hinweis zu den Personen der Handlung, sehr hilfreich, so mag ich das!
Das Buch macht gleichzeitig auf ein längst vergessenes Naturgut aufmerksam, dass auch heute vereinzelt noch in unseren Flüssen verborgen sein kann, die Perlmuschel! Sie zu Schützen und eine Denaturierung der Fluss und Auenlandschaft Deutschlands anzustreben ist ein weiteres Ziel des Romans.


Das Buch hat mich wirklich begeistert und ich habe die Zeitreise ins 13. Jahrhundert sehr genossen! Ich liebe auch seine Botschaft, die Natur mehr zu schätzen und zu schützen. Das sollte unser Anliegen für eine bessere Zukunft sein, ohne Ausbeutung und Zerstörung nur wegen Profit und Gier! Das lehrt uns die Geschichte und die geht ja bekanntlich immer weiter, hoffentlich!

Sehr empfehlenswerte Lektüre:)