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Veröffentlicht am 30.03.2017

Weibliche Freundschaften, weibliche Sexualität und das Brechen von sozialen Normen

Sula
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Die Geschichte über das Kind und später die junge Frau Sula, die sich weigert nach den Regeln ihrer Nachbarn zu spielen und somit für ziemlich viel Gesprächsstoff und Ärger sorgt, behandelt viele Themen, ...

Die Geschichte über das Kind und später die junge Frau Sula, die sich weigert nach den Regeln ihrer Nachbarn zu spielen und somit für ziemlich viel Gesprächsstoff und Ärger sorgt, behandelt viele Themen, die den Leser absolut fasziniert und nachdenklich zurücklassen.

Im Mittelpunkt dieses Romans stehen die Frauen. Die Frauen in Sulas matriarchalischen Familie und Sulas Freundschaft zu einem anderen Mädchen namens Nel.

In der Freundschaft zwischen Sula und Nel beschreibt uns Morrison auf wunderbar poetische Weise die Verschmelzung zweier Persönlichkeiten, die Intensität einer Freundschaft die von einem gemeinsamen Geheimnis, einer gemeinsamen Last, zusammengehalten wird.

In der Familiendynamik von Sula und ihrer Mutter und der Großmutter, werden die Ambiguität von jemanden "lieben" und jemanden "mögen" erkundet, sowie die Frage gestellt, ob Liebe immer eine morale Emotion ist oder ob Menschen dieses Gefühl in einem Akt von Souveränität missbrauchen können.
Damit stellt sie den Glauben, dass Mütter ihre Kinder stets mögen und aus Liebe ihr Bestes wollen, auf sehr interessante Weise auf den Kopf.

In der erwachsenen Sula, ihrer Mutter und Großmutter, werden auch Feminität und weibliche Sexualität behandelt und wie es oft im Gegensatz zur männlichen Sexualität Zorn und Neid auf sich zieht.
In Sula speziell, die die sozialen Regeln bricht, keine Scham zu spüren scheint und ihr moraler Kompass auch etwas schief liegt, zeigt Morrison wie eine Person von einer ganzen Gemeinde zum Sündenbock auserkoren und verunglimpft werden kann.

All dies und mehr bringt Toni Morrison einem mit einem opulenten und erhabenen Schreibstil nahe und dies gelingt ihr in einer sehr begrenzten Zeit von 174 Seiten.

Dies war mein erster Roman von Toni Morrison, was ich nicht stolz zugebe, und ich werde definitiv mehr von ihr lesen.

Veröffentlicht am 11.11.2016

Gelungenes Familiendrama

Was ich euch nicht erzählte
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Dieses Buch hatte einen recht simplen Drama-Plot und war eher eine Charakter-basierte Geschichte, darin aber sehr gelungen.

Es ist das Portrait einer Familie nach dem Tod der "Lieblingstochter" Lydia. ...

Dieses Buch hatte einen recht simplen Drama-Plot und war eher eine Charakter-basierte Geschichte, darin aber sehr gelungen.

Es ist das Portrait einer Familie nach dem Tod der "Lieblingstochter" Lydia. Durch diese Begebenheit werden die Probleme, Zweifel und Geheimnisse der verschiedenen Familienmitglieder entwirrt, während sie dabei auch versuchen, ihre Trauer zu verarbeiten.

Dabei wird ein Blick sowohl in die Vergangenheit und Zukunft geworfen, sodass sich das komplette Bild langsam zusammensetzt und immer klarer wird.

Wir sehen, wie sich die Träume der Eltern auf die eine oder andere Weise nicht erfüllten und welche Fehler sie machten und wie sie diese Träume, Fehler und Unsicherheiten auf ihre Kinder projiziierten und welchen Ausmaß und Wirkung dies haben kann.

Es werden auch Themen wie Rassismus, Sexismus und gemischtrassige Ehen behandelt. Dabei ist es aber dennoch ein sehr ruhiges und trauriges Buch, aber auch komplex und kraftvoll.

Die alltäglichen, menschlichen Machenschaften stehen hier im Vordergrund und obwohl dies sehr simpel erscheint, wird es eigentlich nie langweilig.

Wer ein Familiendrama lesen möchte, welches den Schwerpunkt auf die Figuren und deren Gedanken sowie Persönlichkeit legt, dem würde ich dieses Buch empfehlen.

Veröffentlicht am 11.11.2016

Witzig und pfiffig.

Digby #01
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'Trouble is a Friend of Mine' zieht einen mit viel Witz und Biss schnell auf seine Seite.

Der Dialog ist sarkastisch und urkomisch, die Figuren sind unglaublich sympathisch und ihre Dynamik miteinander ...

'Trouble is a Friend of Mine' zieht einen mit viel Witz und Biss schnell auf seine Seite.

Der Dialog ist sarkastisch und urkomisch, die Figuren sind unglaublich sympathisch und ihre Dynamik miteinander ist herrlich - so trifft unsere Protagonistin Zoe auf Digby, einen irgendwie seltsamen Typen, und will eigentlich nichts mit ihm zu tun haben, aber sie wird ihn einfach nicht los. So entwickelt sich zwischen den Beiden zunächst eine erzwungene Kameradschaft und schließlich eine Freundschaft.

Digby ist allerdings sehr abenteuerfreudig und steckt seine Nase so ziemlich überall rein - er ist "Trouble" - und so wird auch Zoe mitgezogen.

Diese Contemporary war süß, charmant und witzig - dabei aber auch echt unkonventionell, clever und pfiffig.
Der Plot war interessant und wurde eigentlich echt nicht langweilig. Es war eher eine Achterbahnfahrt, aber ohne Übelkeitsgefühl und bis zum Ende spaßig!
Auch die Figuren neben Zoe und Digby haben gut dazugepasst und zur Geschichte beigetragen.

Die Abenteuer, die die beiden hatten waren spannend, aber es wurden auch ernstere Themen angeschnitten und geschickt in die Geschichte mit eingebunden, was mir sehr gefallen hat.

Ich würde es für Zwischendurch empfehlen!

Veröffentlicht am 11.11.2016

Einzigartig und poetisch.

Ich gebe dir die Sonne
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Ich muss sagen, am Anfang fand ich es ein wenig schwer mich in dieses Buch einzufinden.

Der Schreibstil ist etwas... anders. Jandy Nelson macht von sehr vielen Metaphern und Sinnesbildern Gebrauch, was ...

Ich muss sagen, am Anfang fand ich es ein wenig schwer mich in dieses Buch einzufinden.

Der Schreibstil ist etwas... anders. Jandy Nelson macht von sehr vielen Metaphern und Sinnesbildern Gebrauch, was zunächst sehr überhäuft und verwirrend wirkt.
Oder ich hatte zumindest anfänglich Schwierigkeiten zu verstehen, wovon die Figuren eigentlich reden.

Nach einer Weile gewöhnt man sich aber eigentlich dran und zumindest mich hat es dann nicht mehr so irritiert.

Den Perspektivenwechsel der beiden Zwillinge und somit auch den Zeitwechsel fand ich echt spannend (Noah erzählt mit 13 Jahren und Jude mit 16, was vor und nach einem tragischen Erlebnis passiert sind).

Die zwei Stimmen sind interessant, eindringlich und gleichzeitig auch sehr verschieden. Noah lernen wir als die jüngere, introvertiertere Stimme kennen, als sehr artistisch und unschuldig was Erfahrungen angeht. Während Jude die extrovertiertere und amüsantere Stimme ist, die aber eine große Last mit sich trägt und versucht etwas in der Vergangenheit wieder gutzumachen.

Nachdem ich mich eingefühlt und mich an die Figuren gewöhnt habe, haben sie wirklich beide wirklich unglaublich an meinem Herzen gezogen. Man fühlt ihren Schmerz, ihre Verzweiflung und aber auch ihre Freude vollkommen mit.

Die beiden Stränge werden auf sehr gelungene Weise und schön zusammengeführt (wobei ich persönlich einiges vorhergesehen habe).

Alles in allem, fand ich I'll Give You the Sun echt einzigartig und poetisch und sanft.

Zum Schluss möchte ich aber noch zwei Dinge erwähnen, die mich gestört haben, weil ich das nicht ungesagt lassen will:

- Ich fand Oscar, Judes romantischen Gegenspieler, sehr klischeebehaftet. Er ist der ältere Junge, hat einen britischen Akzent, ist "anders, spannend, attraktiv", hat eine dunkle Vergangenheit und spricht in kitschigen Sätzen.

- Teilweise fand ich die Figuren zu jung für alles, das passiert ist. Insbesondere Judes Beschreibung als wilder Teenie mit 13 Jahren und ihre sehr frühe Entjungferung. Klar bin ich mir bewusst, dass es sowas durchaus gibt. Aber es hat dennoch einen bitteren Beigeschmack hinterlassen. Außerdem klangen die Figuren teilweise auch älter, als sie es waren.

Aber man kann auch bei diesen Punkten ein Auge zudrücken. Mir hat dieses Buch sehr gefallen und Aspekte davon haben mich sehr berührt und noch lange beschäftigt. Ich würde es empfehlen und werde selber auch weitere Nelson Bücher lesen.

Veröffentlicht am 11.11.2016

Die platonische Liebe steht im Vordergrund.

Jane & Miss Tennyson
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Ich denke First & Then ist keine typische Lovestory, denn obwohl es durchaus eine romantische Liebe in diesem Buch gibt, steht eher die platonische Liebe zwischen der Hauptfigur und ihrem Cousin Foster ...

Ich denke First & Then ist keine typische Lovestory, denn obwohl es durchaus eine romantische Liebe in diesem Buch gibt, steht eher die platonische Liebe zwischen der Hauptfigur und ihrem Cousin Foster im Vordergrund. Es geht darum, wie die beiden lernen miteinander klarzukommen, einander kennen lernen und letztendlich zu Freunden und Familie zusammenwachsen.

Genau aus diesem Grund fand ich auch die zwei Figuren am ausgefleischtesten und interessantestem.

Dagegen blieb die zweite Beziehung, die romantische, zwischen Devon und Ezra eigentlich recht flach.
Denn ich fand nicht unbedingt, dass wir Ezra recht gut kennengelernt haben und auch nicht, dass er und Devon genug Interaktionen hatten. Aus diesem Grund kam mir eigentlich der Aufschwung von Gefühlen am Ende recht plötzlich und zu stark und unbegründet.

Ich finde, wenn der Grad an Gefühlen etwas zurückgeschraubt oder der Grad an Interaktionen vor diesem Aufschwung etwas aufgeschraubt gewesen wäre, hätte das ganze organischer gewirkt und wäre auch nachvollziehbarer gewesen.

Dennoch mochte ich die Figuren eigentlich sehr, insbesondere Devon, Foster und Jordan. Der Letztere hätte von mir aus eine größere Figur sein können.

Auch die unterschwelligen Themen wie Selbstfindung und Erwachsen-werden, sowie Trauer und Verlassenheit fand ich recht gut integriert und gelungen -- sie haben die Story zu etwas größerem gemacht.

Der Schreibstil war flüssig und angenehm, weshalb ich eigentlich recht schnell mit dem Buch fertig war.

Alles in allem, würde ich sagen steht die Beziehung zwischen Devon und ihrem "neuen" Bruder im Vordergrund, als die von Devon und Ezra, obwohl die Aufmachung etwas anderes vermuten lässt - was aber meiner Meinung nach recht positiv ist. Es gibt hier und da Besserungsmöglichkeiten, aber dennoch fand ich es für ein Debüt durchaus gelungen.