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Veröffentlicht am 13.01.2017

Potenzial leider nicht ganz ausgeschöpft

Im nächsten Leben vielleicht
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INHALT:
Hunger, Schmutz, Verzweiflung. Das ist bitterer Alltag für Tenleigh und Kyland, die in einem armen Minenarbeiterdorf in den Bergen von Kentucky aufwachsen. Die einzige Chance, ihre trostlose Heimat ...

INHALT:
Hunger, Schmutz, Verzweiflung. Das ist bitterer Alltag für Tenleigh und Kyland, die in einem armen Minenarbeiterdorf in den Bergen von Kentucky aufwachsen. Die einzige Chance, ihre trostlose Heimat für immer zu verlassen, ist das Stipendium des ortsansässigen Kohleunternehmens. Doch nur einer kann es gewinnen, alle anderen müssen bleiben. Da ist kein Platz für Freundschaft – oder Liebe. Trotzdem ändert sich alles, als Tenleigh und Kyland sich kennenlernen. Die beiden Konkurrenten wehren sich mit aller Kraft gegen ihre Gefühle füreinander, denn was passiert, wenn einer von ihnen gewinnt? Wenn nur einer gehen kann? Und der andere zurückbleibt?

MEINUNG:
Ehrlich gesagt habe ich bei dem Cover und dem Klappentext nicht einen typischen New Adult bzw. Young Adult, denn die Protagonisten gehen noch zur Schule, erwartet, welches es dann letzten Endes doch war.
Sowohl Kyland als auch Tenleigh kommen es leben in sehr ärmlichen Verhältnissen im US-Bundestaat Kentucky und mussten schon sehr schwere Schicksalsschläge hinnehmen. Der tägliche Kampf ums Überleben ist immer wieder Thema. Allerdings zeichnet die Autorin hier ein absolutes Schwarz-Weiß-Bild der Gesellschaft. Die Armen sind die Guten, die immer hilfsbereit sind, sich für andere aufopfern und ihr Wohl immer über das der Menschen stellen, die sie leben. Die Reichen sind böse, egoistisch, homophob und bereichern sich auf Kosten der Armen. Mir ist das zu einseitig dargestellt gewesen und erzeugt auch kein realistisches, authentisches Bild.

Leider kam mir der besagte Konkurrenzkampf um das Stipendium etwas zu kurz bzw. war nicht vorhanden. Unterschwellig ist das Wissen, dass nur einer von beiden es bekommen kann immer da und beeinflusst auch ihre Beziehung sehr, aber wirklich drauf eingegangen wird darauf nicht, sondern wird immer nur mal in einem Satz erwähnt. Anstatt dessen dürfen wir als Leser dabei zu sehen, wie beide sich dabei zerfleischen, obwohl sie sich doch sehr lieben. Aus der Grundidee hätte die Autorin mehr machen können.

Die Autorin wird auch nicht müde, immer wieder wiederholen, wie wichtig Tenleigh ihre Heimat ist und dass sie ein Mädchen vom Land ist. Diesen Aspekt finde ich zwar schön, denn solche Orte gehen oft kaputt, gerade weil junge Leute meistens von dort wegziehen, aber es wurde mir einfach zu oft wiederholt. Apropos Wiederholung…Tenleigh und Kyland treffen immer ganz überraschend aufeinander und einer erschreckt sich dann (eigentlich ist es fast immer Tenleigh). Ein, zwei Mal finde ich diese Art der Begegnung ganz unterhaltsam, aber auf Dauer wird das lächerlich und das wurde es. Kein Schimmern, was sich die Autorin dabei gedacht hat.

Die Liebesgeschichte zwischen Kyland und Tenleigh ist zuckersüß und hat den Charakter der einzig waren großen Liebe und das merkt man leider auch. Zunächst fand ich das alles noch sehr süß und es ging mir zu Herzen, doch das ganze Geschmachte umeinander nimmt einen relativ großen Raum für meinen Geschmack ein und hat mich leider auch irgendwann genervt. Tenleigh und Kyland klammern sich aneinander und an ihre Liebe als wären sie kurz vor dem Ertrinken. Beide betonen immer wieder, dass der andere der schönste, klügste Mensch mit dem größten Herz ist und dass man die Seele des anderen kennt (O-Ton Tenleigh). Beide sind bereits für den anderen alles aufzugeben, auch das Stipendium, was ich von Tenleigh unfassbar naiv fand. Mit aller Verzweiflung klammert sie sich an Kyland und die Liebe zu ihm. Das ist in meinen Augen nicht mehr romantisch, sondern grenzt schon an Besessenheit. Kyland steht dem ganzen eigentlich in Nichts nach.
Es gibt nach Vergabe des Stipendiums einen Bruch in der Story und auch in der Beziehung von Tenleight und Kyland, dem ein Zeitsprung von 4 Jahren folgt. Dem Bruch liegt verursacht Kyland durch eine bestimmte Aussage, von der ich aber gleich ahnte, dass das gelogen ist (weil Kyland ist ja ein Guter) und so wars dann auch. Tenleigh hat es natürlich erstmal geglaubt, sich 4 Jahre gegrämt, aber eigentlich wusste sie immer, dass er ein Guter ist (sie kennt schließlich seine Seele). Naja…ein wenig übertrieben das Ganzes, wie so vieles in dem Buch.

Sexszenen stören mich ansonsten nicht, aber hier waren sie einfach nicht gut gemacht bzw. passten sie nicht in diese süße Liebesgeschichte der beiden. Es war schlichtweg zu vulgär und zu triebgesteuert, was einfach nicht zur Art der Geschichte gepasst hat. Ich fand es eher störend bzw. hätte mir gewünscht, dass die Autorin das feinfühliger, weniger offensiv formuliert hätte, weil es ist einfach kein Erotik-Roman.

FAZIT:
Auf Grund der neuen Grundidee habe ich mich unheimlich auf diesen Roman gefreut, aber mir war die Liebesgeschichte einfach zu viel. Weniger wäre hier mehr gewesen. Ich hätte mir lieber mehr Handlung gewünscht als die das ständige Geschmachte und Zerfleische, weil ihre Liebe von Anfang keinen guten Start hat. Ich kann dieser alles verzehrende Liebe sowieso nicht so viel abgewinnen, aber hier fiel es mir besonders schwer, da beide als solch perfekten Menschen dargestellt werden. Leider waren mir auch zu viele stilistische Wiederholungen dabei, die Roman zum Teil eintönig gemacht haben. Für mich ist auch der Titel völlig unverständlich, denn man kann sich sicher sein: Es gibt ein Happy-End.
Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 22.12.2016

Leider mehr eine Erzählung als ein Roman

Realitätsgewitter
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INHALT:
Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie ...

INHALT:
Marlas Leben ist ein einziges Realitätsgewitter. Wenig Sex, viel iPhone. Viel Bewegung, wenig Sicherheit. Sehr globalisiert, aber immer noch ganz schön deutsch. Marla funktioniert perfekt. Sie hat immer die richtige Maske auf. Doch plötzlich bekommt ihr hochglänzender Panzer kleine Brüche. Plötzlich ist da eine schwere Traurigkeit, die langsam von ihrem Bauch nach oben spült. Um nicht zu ertrinken, macht sie sich auf den Weg zurück in ihr Heimatdorf. Und landet schließlich auf Sylt. Eine Reise ins Erwachsenwerden und zu sich selbst.
COVER:
Das Cover ist ein Eye-Catcher, obwohl sich mir der Bezug zur Katze nicht wirklich erschließt, auch nach dem Lesen nicht. Trotzdem finde ich es sehr schon schön und wenn das Licht richtig darauf fällt, dann leuchten die gelben Augen der Katze. Wie nicht anders vom Aufbau Verlag gewohnt, ist eines der auffälligsten und schönsten Cover dieses Jahr für mich.
MEINUNG:
Dies war mein erster Roman von Julia Zange. Bis dato habe ich nie etwas von ihr gehört. Im Laufe des Lesens habe ich aber mal zu ihr recherchiert, weil es mich immer sehr interessiert, ob der Autor auch wirklich in der Stadt geboren ist, in der der Roman spielt. Ich bin selbst in Berlin geboren und aufgewachsen. Julia Zange es nicht. Das Bild, welches Julia Zange in dem Roman von Berlin gegeben hat, kam mir sehr fremd vor. Ich muss dazu sagen, dass ich seit fünf Jahren in Hamburg lebe und natürlich verändert sich eine Stadt in der Zeit, aber ich habe immer mehr das Gefühl, dass die Stadt von Zugezogenen geprägt ist. Die Dinge, die man Berliner gerne zuschreibt, kann weder bei mir selbst feststellen, noch bei meinen Freunden, die wirklich auch echte Berliner sind.
Julia Zange vermittelt in diesem Roman ein ultra-hippes, modernes Berlin, das überflutet ist mit viel internationalem Publikum. Das ist zumindest mein Eindruck aus diesem Roman. Marla, selbst zugezogen, also keine echte Berlinerin, hat nur internationale Freunde/ Bekannte bzw. umgibt sich mit diesen. Das vermittelt natürlich auch ein gewisses Bild der Stadt, kann aber auch an Marla selbst liegen, was ich nicht ausschließen will.
Man muss ganz klar sagen, dass man auch der englischen Sprache mächtig sein muss für diesen Roman, denn die Autorin übersetzt die Gespräche nicht. Das wirkt natürlich authentisch, jung und modern, aber ich finde sie schließt damit auch gewisses Publikum aus bzw. verfolgt die allgemeine Erwartung, die in Deutschland herrscht, nämlich dass jeder fließend Englisch kann. Mich hat das persönlich ein bisschen gestört, auch wenn ich die Sätze gut verstanden habe.
Eine gute Geschichte braucht meistens nicht viele Seiten, aber hier waren es einfach zu wenige Seiten. Ich konnte keinen richtigen roten Faden erkennen, geschweige denn eine Handlung. Es vielmehr eine Momentaufnahme aus Marlas Leben. Es mehr Erzählung als ein Roman. Die Seiten sind nur so dahin geflogen, doch am Ende wusste ich nicht recht, was ich davon halten sollte. Eigentlich beschreibt der Klappentext auch schon die komplette Handlung.
Marla ist Anfang 20 und weiß nicht so recht, was sie mir ihrem Leben anfangen soll. Sie lebt zunächst vom Geld ihrer Eltern, hat das Studium nach den ersten 2 Wochen abgebrochen und lebt ohne Ziel in den Tag hinein. Die Klappentext beschriebene Traurigkeit ist allerdings immer spürbar. Ich hatte auch nicht den Eindruck, dass Marla vorgibt perfekt zu sein. Die Menschen, mit denen sie verkehrt, kennt sie eigentlich überhaupt nicht richtig. Natürlich erzählt sie denen nicht ihre ganzen Sorgen und Probleme. Das wirkt eher authentisch als in irgendeiner Art gezwungen. Dieses Zitat beschreibt ihre soziale Situation recht gut:
„Für den Rest des Abends schweigt mein Telefon. Obwohl ich 1675 Facebook-Freunde habe.“ – (S. 94)
Man spürt recht schnell, dass Marla einsam und irgendwie verloren ist und einfach irgendwo einen Rückhalt und Geborgenheit sucht. Zunächst dachte ich, dass sei für dieses Alter relativ normal, bis sie in ihre Heimat fährt. Den Eltern, denen man dort begegnet wünscht man wirklich keinem und ich habe Marla deutlich besser verstanden und wirklich Mitleid mit ihr gehabt. Der Roman hat für mich die Botschaft vermittelt, dass man endlich anfangen muss sein eigenes Leben zu leben und sich nicht in irgendwelche finanziellen und emotionalen Abhängigkeiten bringen, die sowieso nicht für einen gut sind.
FAZIT:
Das Buch, welches ich eher als Erzählung bezeichnen würde, ist sehr kurzweilig und gerät leider schnell wieder in Vergessenheit, da mir einfach ein roter Faden gefehlt hat. Mit dem Bild von Berlin konnte ich auch nicht so viel anfangen, auch wenn ich nicht ausschließen möchte, dass in einigen Kreisen so läuft. Dennoch habe ich Marla als authentische Protagonistin empfunden, über die ich gerne mehr erfahren hätte.
Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 22.12.2016

Netter Weihnachtsroman

Hasen feiern kein Weihnachten
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INHALT:
Weihnachtsfans und Weihnachtshasser passen einfach nicht zusammen: Dieser Erkenntnis muss sich Tessa kurz vor dem Fest der Liebe stellen. Seit Jahren verbringt sie Weihnachten ihrem Freund Ole ...

INHALT:
Weihnachtsfans und Weihnachtshasser passen einfach nicht zusammen: Dieser Erkenntnis muss sich Tessa kurz vor dem Fest der Liebe stellen. Seit Jahren verbringt sie Weihnachten ihrem Freund Ole zuliebe an den Stränden Thailands, doch diesmal kommt alles anders: Kurz vor Heiligabend und dem Abflug nach Bangkok zerbricht ihre Beziehung mit einem Paukenschlag. Notgedrungen und um den Herzschmerz zu vergessen, verbringt Tessa die Feiertage bei ihrer liebevoll-verrückten Familie auf dem platten norddeutschen Land. Hier in Kappeln warten Weihnachtslieder singende Gartenzwerge, Lametta, Bratäpfel am Kachelofen sowie eine Riesenportion Trost und Liebe, aber auch der übliche Stress mit den beiden Schwestern. Dann steht auch noch Ole reumütig vor der Tür und will Tessa zurück. Doch ein sehr viel größeres Problem in ihrer Familie öffnet Tessa bald die Augen dafür, was wirklich zählt im Leben.
COVER:
Das Cover strahlt weniger eine weihnachtliche als mehr eine sehr winterliche Atmosphäre aus. Obwohl der Hase abgebildet ist wirkt es nicht kitschig, sondern in sich stimmig und passend zum Titel, der sich im Laufe des Lesens erschließt.
MEINUNG:
Ehrlich gesagt bin ich Weihnachtsbücher gegenüber immer sehr skeptisch. Ich probiere jedes ein oder zwei aus und mein Fazit ist bisher ziemlich mau ausgefallen. Ich persönlich liebe Weihnachten und finde auch schön in dieser Zeit einen Roman zu lesen, der diese von mir geliebte weihnachtliche Stimmung transportiert. Das funktioniert auch häufig, aber leider finde ich die Geschichte an sich immer relativ flach.
Das ging mir leider auch in diesem Roman ein wenig so. Der Einstieg ins Buch ist mir leicht gelungen. Der Schreibstil von Anne Blum tut dazu sein Übriges. Er ist leicht und macht ein flüssiges Lesen möglich. Man kommt gut durch die Seiten. Der Roman ist an sich sehr vorhersehbar und erfüllt irgendwie auch alle Klischees, die ich von einem Familienroman, der in einem Dorf spielt, erwarten würde. Das soll an dieser Stelle nicht abwertend gemeint sein, aber ich war von keinem Ereignis wirklich überrascht. Der Roman hat auch einige Parallelen zu Britt-Marie war hier von Frederik Backman denken, aber hier sind das Dorf-Leben und die Verschrobenheit der Leute großartig umgesetzt worden. Bei diesem Roman aber fand ich es weniger liebeswert als mehr zum Augenrollen, da es mit Klischees doch relativ überladen war.
Am schlimmsten fand ich Tessas Eltern, die auch noch Gutzeit heißen. Ihren Vater, der bei jedem modernen Begriff nicht verstanden hat worum es geht und immer „was“ nachgefragt hat, fand ich relativ verschroben und wie fast alle Charaktere in diesem Buch sehr stereotypisiert und flach, denn keine der Personen konnte mich wirklich überraschen. Gut gefallen hat mir der Aufbau der Beziehung der drei Schwestern, auch wenn sich hier wieder typischen Rollenmustern bedient wurde. Zunächst haben mich die Reaktionen von Tessas Schwestern auf ihre Trennung und auf ihr Leben ziemlich aufgeregt, aber dann haben sie sich gegenseitig mal richtig Meinung gesagt und die Wogen waren für mich glaubwürdig wieder geglättet. Weihnachten als Zeit der Versöhnung wird hier gut vermittelt. Auch der Aspekt, dass eine Trennung dazu führen kann, dass man sein ganzes Leben mal überdenkt, kommt deutlich hervor.
Stellenweise ist der Roman auch nicht besonders gut recherchiert. Pinguine wohnen meines Wissens nicht am Nordpol. Leider muss man auch sagen, dass der Klappentext wirklich fast die komplette Handlung schon beschreibt.
Am Ende dieses Romans ist natürlich alles gut, alle haben sich lieb und alle Konflikte und Probleme sind beseitig.
FAZIT:
Der Roman war für meinen Geschmack etwas zu viel Friede-Freude-Eierkuchen und überladen mir vielen Themen, auf die aber in der Kürz nicht richtig eingegangen werden konnte. Außerdem ist der Roman voll von Klischees, Stereotypen und Rollenmustern und daher für absolut vorhersehbar gewesen. Es ist eine nette Geschichte für zwischendurch. Wer solche Romane mag, wird hier fündig werden. Anspruchsvolle Leser werden hier nicht auf ihre Kosten kommen.
Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 06.12.2016

Schwächer als der Vorgänger

Brennt die Schuld
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INHALT:
Wenn es etwas in dir gibt, das jeden, den du liebst, in Gefahr bringt.
Wenn deine eigene Familie dir Vergangenes nicht verzeihen kann.
Wenn dein Herz unentschlossen bleibt.
Wenn du nicht mehr ...

INHALT:
Wenn es etwas in dir gibt, das jeden, den du liebst, in Gefahr bringt.
Wenn deine eigene Familie dir Vergangenes nicht verzeihen kann.
Wenn dein Herz unentschlossen bleibt.
Wenn du nicht mehr weißt, wer Freund und wer Feind ist.
Dann ist der Tag gekommen, an dem du dein Schicksal selbst in die Hand nehmen musst.

COVER:
Mir gefällt an dem Cover, dass es auch zum ersten Teil passt. Generell muss man sagen, dass hier ein tolles kleines Hardcover, auch wenn es ohne Schutzumschlag ist, für sein Geld bekommt. Bei dieser Reihe hat man sich in Sachen Kreativität wirklich etwas einfallen lassen. Ich finde es auch toll, dass alle drei Titel einen Satz ergeben.

MEINUNG (Achtung! Kann Spoiler enthalten, wenn man den ersten Teil nicht gelesen hat):
Der zweite Teil der Reihe setzt nahtlos an den ersten Band an. Für mich war es kein Problem wieder in die Geschichte hinein zu finden, da das Lesen des ersten Teils noch nicht so lange her ist. Ich finde es sehr entgegen kommend, dass die drei Bände in relativ kurzen Zeitabständen erscheinen. Der dritte und abschließende Band erscheint bereits im Januar 2017. Mir hat der erste Band Wenn du vergisst sehr gut gefallen und hatte nur kleine Schwächen. Mich störte z.B. die Beziehung zwischen Elias uns Zoe, die mir irgendwie fehl am Platz erschien, weil es für mich eine gegenseitige Zuneigung nicht im dem Maß rüber kam, dass sie eine Beziehung gerechtfertigt hätte. Leider setzt sich mein Unverständnis darüber auch im zweiten Band fort.

Ich kann verstehen, dass Elias für Zoe ein Anker ist und auch einen Zufluchtsort darstellt. Dennoch misstraut sie ihm, möglicherweise auch zu Recht, und sagt ihm das auch direkt ins Gesicht. Zoes Gefühle für Elias schwanken immer sehr stark. Auf der anderen Seite fühlt sie sich auch zu Niklas hingezogen. Sie bezeichnet ihn sogar als ihren besten Freund und verlangt von Elias, dass er dafür Verständnis haben muss. Elias ist nachvollziehbar gekränkt und eifersüchtig, denn auch ihm entgeht die Zuneigung zwischen den beiden nicht. Ich musste mehrfach mit dem Kopf schütteln und konnte Zoes Verhalten nur schwer nachvollziehen, zumal sie die beiden nicht mal richtig kennt.

Dieser Band ist in meinen Augen geprägt von Zoes Schuldgefühlen. Heidrun Wagner beschreibt diese so eindringlich, dass ich mir so manches Mal gedacht habe, dass Zoe gut daran getan hätte sich professionelle Hilfe zu suchen. Normal fand ich es in dieser Intensität nicht mehr. Leider sind ihre Schuldgefühle auch nicht so ganz nachvollziehbar. Ich weiß, dass es kein Krimi/ Thriller ist, aber eine polizeiliche Ermittlung am Rand hätte sicher ein wenig Licht ins Dunkeln gebracht und Zoe vielleicht auch entlasten können oder andernfalls stichhaltige Beweise/ Indizien für ihre Schuld geliefert. Es gelang mir auch in diesem Teil nicht, mich in Zoe hineinzuversetzen und sie wirklich zu verstehen.
Ein wenig fehlte mir hier auch die Spannungskurve. Natürlich werden Stück für Stück einige Details aufgedeckt, aber es fehlte hier an einer Erzähldichte. Die Teile dazwischen waren mir einfach zu sehr von Zoe teils schon Wahnvorstellungen geprägt, sodass ich weniger getrieben war, weiterzulesen. Man muss der Autorin lassen, dass man aber am Ende des zweiten Teils fast genauso schlau ist wie vorher. Ihr gelingt es den Leser immer auf falsche Fährten zu locken und am Ende weiß man gar nicht mehr, was man glauben soll.

FAZIT:
Ich fand diesen zweiten Teil deutlich schwächer als den ersten Teil sowohl inhaltlich als auch von den Zeichnungen her. Mich konnte dieser Teil nicht so für sich einnehmen, wie es der erste tat. Dennoch muss man anmerken, dass sich Heidrun Wagner schreibtechnisch enorm gesteigert hat. Auch die vermeintliche Spannung schlug bei mir irgendwann leider in eine gewisse Genervtheit um. Ich bin trotzdem sehr gespannt auf den letzten und dritten Teil.

Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 24.10.2016

Für Fans empfehlenswert!

Gonzo Girl
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INHALT:
Alley Russo will nach ihrem Literaturstudium in der New Yorker Verlagsbranche Fuß fassen. Als der legendäre Autor Walker Reade eine Assistentin sucht, wittert sie ihre Chance. Nachdem sie eine ...

INHALT:
Alley Russo will nach ihrem Literaturstudium in der New Yorker Verlagsbranche Fuß fassen. Als der legendäre Autor Walker Reade eine Assistentin sucht, wittert sie ihre Chance. Nachdem sie eine dreitätige Probezeit inklusive krasser Wutausbrüche, Spielchen mit der 44er Magnum und jeder Menge Kokain überstanden hat, darf sie in Reades Haus in den Rockies einziehen. Monatelang versucht sie, einen Text aus ihm herauszuholen. Aber nach einer Weile wird ihr klar, dass sie hier in den Bergen einem drogenabhängigen Literaten ausgeliefert ist, der vermutlich nie wieder einen Roman schreiben wird. Aus diesem Grund legt Alley bald selbst Hand an den Roman an und schreibt ihn so um, als wäre er von Walker in seiner besseren Zeit geschrieben worden.

COVER:
Das Cover ist relativ schlicht gehalten, aber strahlt durch die Abbildung der Frau eine auch gewisse Coolness und Lässigkeit aus, die gut zur Atmosphäre des Romans passt.

MEINUNG:
Das Buch ist eine Hommage an Hunter S. Thompson, den Vater des Gonzo-Journalismus. Ich muss gestehen, dass mir zuvor weder Hunter S. Thompson noch Gonzo-Journalismus ein Begriff gewesen sind. Ich war in dieser Zeit noch gar nicht auf der Welt. Gonzo-Journalismus ist eine Literaturform, bei der der Schriftsteller auf die objektive Schreibweise verzichtet und sich selbst in Beziehung zu den Ereignissen des Romans setzt. Hunter S. Thompson hat den Gonzo-Journalismus Anfang der 1970er Jahre in den USA begründet.
Ich habe zu dem Buch gegriffen, weil ich mich dafür interessiert habe, wie es für eine Assistentin eines berühmten, exzentrischen Schriftstellers ist, aber man kann das Buch nicht aus seinem Kontext heraus reißen und als Schablone für jede x-beliebige Beziehung zwischen Schriftsteller und Assistentin verwenden. Ohne Hintergrundwissen ist das Buch schwer mit der richtigen Brille zu lesen. Man sollte auch wissen, dass Cheryl Della Pietra selbst Assistentin von Hunter S. Thompson gewesen ist. Auch wenn es sich um einen fiktiven Roman handelt, sind sicher autobiographische Teile zu vermuten.
Im Rahmen meiner Recherche, die während des Lesens dann doch betrieben habe, habe ich herausgefunden, dass Fear and Loathing in Las Vegas mit Johnny Depp eine Verfilmung von Thompsons Werk ist. Ich habe den Film bereits in der Vergangenheit geguckt, aber auch dem konnte ich wenig abgewinnen. Kein Film, der mir im Gedächtnis geblieben ist, wenn dann nur wegen seiner Verrücktheit. Die Figur Larry Lukas im Roman soll an Johnny Depp angelehnt sein.
Nun aber zum Buch selbst…Es ist davon auszugehen, dass Walker Reade, der legendäre Autor des Romans, in seiner Person an Hunter S. Thompson angelehnt ist. Bei Alley könnte man annehmen, dass Züge ihrer Persönlichkeit und Erlebtes auf die Autorin zurück zu führen sind. Der Klappentext fasst eigentlich schon alles zusammen, was Walker Read ausmacht. Der Konsum von Drogen und Alkohol nimmt einen sehr großen Part des Romans ein, denn Walker Reade ist wohlweislich davon abhängig. Er ist exzentrisch und in seinen Launen unberechenbar. Wer in dem Roman erwartet, dass Walker in irgendeiner Weise sein Verhalten ändert, der wird hier enttäuscht. Walker bleibt sich auch über den kompletten Verlauf treu. Alley ist nur eine Assistentin unter vielen, auch wenn stellenweise der Eindruck entsteht, dass ihm wirklich etwas an ihr liegt. Walker drangsaliert auch seine ganze Umwelt, zeigt sich aber spendabel.
Alley soll ihn zum Schreiben bewegen, darf aber keine eigene Meinung haben, sondern muss sich Walker komplett unterwerfen. Selbst Kleidung schreibt er ihr vor. In Zügen versucht sie dagegen aufzubegehren, merkt aber schnell, dass zu nichts führt. Ich habe in dem Roman auch keine wirklich Entwicklung feststellen können. In meinen Augen hat sie sich einfach zu viel gefallen lassen und auch klaglos die Drogen- und Alkoholexzesse über sich ergehen lassen, was ich wirklich krass fand. Dennoch war sie mir nicht unsympathisch, denn sie ist durchaus schlagfertig und ehrgeizig. Ihren Traum Schriftstellerin zu werden verfolgt sie mit einem eisernen Willen. Auch einer der Gründe, warum sie bei Walker arbeitet.
Die Geschichte ist unterhaltsam, aber es fehlt ein richtiger roter Faden. Im Klappentext steht eigentlich schon alles drin. Mir haben hier ein paar Wendungen bzw. Überraschungen und eine gewisse Spannung und ein Pointe zu Schluss gefehlt. Wenn man beim Lesen mal unaufmerksamer war, hat man nicht wirklich etwas verpasst. Es liest sich mir wie eine Beschreibung, wie es war Walker Reads bzw. Hunter S. Thompsons Assistentin zu sein. Es fehlt eine richtige Geschichte.

FAZIT:
Zweifelsohne war der Einblick in das Leben von Walker Read / Hunter S. Thompson für mich interessant und an vielen Stellen auch unterhaltsam. Außerdem hat der Roman dafür gesorgt, dass meinen Horizont wieder um ein paar neue Einblicke und Informationen erweitern konnte. Trotzdem würde ich das Buch wohl kein zweites Mal lesen und ich konnte mit den ganzen Drogen- und Alkoholexzessen und Starallüren im Rahmen dieser Zeit einfach nicht so richtig etwas abgewinnen. Für jemanden, der in dieser Zeit gelebt hat und/ oder sich für Hunter S. Thompson und seinen Gonzo-Journalismus interessiert ist das Buch auf jeden Fall empfehlenswert.