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Veröffentlicht am 18.06.2020

Bedrückend und beklemmend - trotz oder gerade wegen des distanzierten Schreibsitls

Das Tor
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In einem unbekannten Land im Nahen Osten wird das Leben der Bürger bestimmt durch das endlose Warten auf verschiedenste Genehmigungen. Für jede Kleinigkeit brauchen diese die Erlaubnis des Staates, welche ...

In einem unbekannten Land im Nahen Osten wird das Leben der Bürger bestimmt durch das endlose Warten auf verschiedenste Genehmigungen. Für jede Kleinigkeit brauchen diese die Erlaubnis des Staates, welche sie nur hinter dem Tor einholen können. Doch das Tor öffnet sich nicht und die Anzahl der wartenden Menschen steigt von Tag zu Tag an. Hitze und Erschöpfung setzen ihnen schwer zu, doch die Hoffnung, dass das Tor die Menschen doch noch eines Tages durchlässt, treibt sie an...

Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein junger Mann, welcher bei Ausschreitungen schwer verletzt wurde und dringend die Genehmigung für eine lebensrettende Operation braucht. Weitere Protagonisten reihen sich um ihn herum auf - unter anderem wären da sein bester Freund, ein neugieriger Journalist oder aber eine nicht ganz systemkonforme Lehrerin.
Die Darstellung der einzelnen Figuren ist recht komplex und vielschichtig, dennoch ist alles logisch nachvollziehbar und in sich schlüssig.
Durch den distanzierten und nüchternen Schreibstil der Autorin scheinen ihre Gedanken und Gefühle fast schon objektiv und ich hatte teilweise einige Schwierigkeiten, eine wirkliche Bindung zu den Charakteren aufzubauen. Das ist aber nichts zwingend Negatives. Ich vermute, dass dies fast schon als eine Art rhetorisches Mittel eingesetzt wurde, um die Wirkung und Brutalität des totalitären Staates, in welchem sich alles abspielt, besser erfassen zu können. Dies finde ich sehr gelungen.

Viel mehr negativ aufgefallen ist mir die mangelnde Tiefe der Dystopie. Ich hätte gerne etwas mehr über die Vorgänge hinter dem Tor erfahren und wäre gerne tiefer in die Verstrickungen und Ereignisse eingetaucht, die zu dessen Errichtung geführt haben. Stattdessen jedoch erhält man als Leser einige lose Handlungsstränge, die in einigen Passagen sehr willkürlich erscheinen. Dadurch fiel mir das Lesen ein wenig zäh, auch wenn ich sagen muss, dass sich ein Durchhalten lohnen kann. Wer Wert auf Symbolik und eigene Gedankengänge in Büchern legt, wird mit "Das Tor" vielleicht fündig.

Ich persönlich bin ein wenig zwiegespalten. Auf wirklich emotionaler Basis konnte mich das Buch nicht erreichen, dafür ging es umso mehr an die gedankliche Ebene.
3,5/5 Sterne

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.05.2020

Spannende Fantasygeschichte mit Fokus auf einer Dreiecksbeziehung

LUCE
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Die 18-jährige Luce führt ein recht beschauliches und unspektakuläres Leben, bis sie nach einer Party von einer schrecklichen Kreatur angegriffen und verletzt wird. Während ihr einziger Freund Jules zuerst ...

Die 18-jährige Luce führt ein recht beschauliches und unspektakuläres Leben, bis sie nach einer Party von einer schrecklichen Kreatur angegriffen und verletzt wird. Während ihr einziger Freund Jules zuerst nichts davon mitbekommt, rettet der mysteriöse Fremde Jason sie in letzter Sekunde. Und ehe sie sich versieht, wird Luce teil einer magischen Welt und muss schon bald feststellen, dass nicht nur sie, sondern auch ihr gesamtes Umfeld, all die Leute die ihr nahestehen, davon betroffen sind...

Das Cover des Buches konnte mich auf den ersten Blick nicht vollständig abholen. Es ist mir persönlich ein wenig zu wild und ich hätte es schöner gefunden, wären die sanften und geschwungenen Schriften aus dem Innenteil des Buches dort verwendet worden.
Der Innenteil selbst hat mir deutlich besser gefallen. Kleine Ornamente und ein passender Spruch zu Beginn jedes Kapitels zeigen deutlich, wie viel Liebe dahinter steckt und sind ein echter Hingucker.

Der Schreibstil der Autorin hat mir ebenfalls recht gut gefallen. Er war zwar relativ einfach gehalten, konnte mich aber vor allem durch unglaublich bildhafte Beschreibungen der unterschiedlichen Welten überzeugen.
Was mich jedoch gestört hat, waren - gerade zu Beginn des Buches - einige kleinere Fehler und die künstliche Verlängerung enorm vieler Sätze durch die Verwendung von Doppelpunkten.

Im Allgemeinen war ich am Anfang der Geschichte ein wenig enttäuscht davon. Nach den vielen positiven Rezensionen und dem interessanten Klappentext waren meine Erwartungen vielleicht ein wenig zu hoch.
Es fing bereits bei der Protagonistin Luce an. Sie erschien mir sehr sprunghaft, teils sehr naiv. Ich persönlich mag diese Art von Charakteren nicht besonders gerne und empfinde gerade die sprunghafte Eigenschaft als ein wenig anstrengend. So kam es, dass ich nicht richtig warm mit Luce wurde.
Ein weiteres Problem meinerseits war die Dreiecksbeziehung zwischen Luce, Jules und Jason (an diesen Stellen habe ich mich während den ersten Seiten übrigens oft verhaspelt, fast schon ein richtiger Zungenbrecher), welche mir zu sehr in den Fokus gerückt wurde. Sie nahm etwa ein Drittel der Geschichte ein und verdrängte meines Erachtens nach - leider sehr häufig - die Fantasyelemente.

Kamen diese aber erst einmal richtig heraus, war ich wirklich begeistert davon. Einen richtigen Höhepunkt erlebten sie im letzten Drittel des Buches. Dieses erschien mir deutlich stimmiger als der vorangehende Teil. Die Dreiecksbeziehung rückte in weite Ferne, Luce wurde immer sympathischer, der Spannungsbogen spitzte sich zu (und endete in einem fiesen Cliffhanger) und endlich war Fantasy angesagt. So konnte ich diesen Teil noch einmal richtig genießen und wurde hervorragend unterhalten.

Schade, dass die Machart dieses Teiles nicht auf das gesamte Buch übertragen wurde. Das soll keineswegs heißen, dass es schlecht war, allerdings anders als erwartet. Umso gespannter bin ich nach dem Ende auf den nächsten Band - ich hoffe, dass dieser hält, was die letzten Seiten des Vorgängers versprechen. Dann steht den fünf Sternen nichts mehr im Wege.
3,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 02.03.2020

Nichts für Zwischendurch

Milchmann
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Als die 18-jährige Protagonistin eines Tages dem deutlich älteren Milchmann begegnet, ahnt sie noch nicht, welche Folgen dieses Treffen mit sich ziehen wird. Denn er scheint sich deutlich mehr für sie ...

Als die 18-jährige Protagonistin eines Tages dem deutlich älteren Milchmann begegnet, ahnt sie noch nicht, welche Folgen dieses Treffen mit sich ziehen wird. Denn er scheint sich deutlich mehr für sie zu interessieren, als ihr eigentlich lieb ist. Immer häufiger taucht er in ihrer Nähe auf, macht aber zunächst keine eindeutigen Andeutungen.
Die Protagonistin versucht vergebens, sein Interesse für sie zu verheimlichen. Und mit der Zeit fangen die Leute an, über sie zu reden: Das 18-jährige Mädchen, welches sich mit einem mehr als doppelt so altem, verheiratetem Mann eingelassen hat.

Das Cover hat mir auf Fotos zunächst nicht wirklich zugesagt. Es schien mir ein wenig zu simpel und ich konnte es nicht recht mit der Geschichte in Verbindung setzen. Im Nachhinein - und nachdem ich das Cover live bestaunen konnte - muss ich dies allerdings zurücknehmen. Denn genau das Gegenteil ist der Fall.

Mit dem Schreibstil der Autorin verhielt es sich genau andersherum. Der englischsprachige Milchmann wurde mit dem "Man Booker Prize" ausgezeichnet und setzte dadurch automatisch die Erwartungen hoch. Durch die Leseprobe schienen sie zunächst erfüllt zu werden.
Letztendlich bin ich hin- und hergerissen, was ich davon halten soll. Der besondere Schreibstil ist definitiv anders innovativ und nichts für Zwischendurch. Durch fehlende Namen scheint er einerseits distanziert, andererseits aber sehr persönlich, da sich voll und ganz auf die Protagonistin fokussiert wird.
Zusätzlich dazu findet man eine gehörige Prise Humor trotz des doch sehr ernsten Themas wieder. Dieser ist ebenso ungewöhnlich wie der Schreibstil an sich und nichts für jedermann.

Während des Lesens wurde mir als Leser allmählich klar, dass der "Milchmann" vermutlich auf den Nordirlandkonflikt anspielt. Es hat allerdings viele Gedanken daran erfordert, bis ich auf die richtige Spur kam. Ich hätte mir zumindest gegen Ende des Romanes ein paar Worte der Autorin zum Konflikt gewünscht.
Zu Gute halten muss man Burns allerdings, dass der Roman - trotz historischen Aspekten - ein brandaktuelles Thema aufgreift: den Feminismus.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich das Buch etwas zwiegespalten zurückgelassen hat. Meine Erwartungen wurden leider nicht zu 100% erfüllt und ich wurde nicht richtig mit dem Schreibstil warm. Burns Spiel mit vielen stilistischen Mitteln ließ mir persönlich zu viel Interpretationsspielraum. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass der ein oder andere Leser Gefallen am Roman finden wird, sofern er sich voll und ganz darauf einlässt und genügend Ausdauer hat.
3,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 02.02.2020

Die Geschichte plätscherte uns ein wenig zu viel dahin

Helsin Apelsin und der Spinner
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Helsin besucht die 2. Klasse und bekommt richtige Wutausbrüche, wenn ihr etwas nicht passt - sogenannte "Spinner". Genau so einen bekommt sie auch, als der Neue in der Klasse, Louis, sie "Helsin Apelsin" ...

Helsin besucht die 2. Klasse und bekommt richtige Wutausbrüche, wenn ihr etwas nicht passt - sogenannte "Spinner". Genau so einen bekommt sie auch, als der Neue in der Klasse, Louis, sie "Helsin Apelsin" nennt.
Aber mit der Zeit merkt Helsin, dass Louis eigentlich gar nicht so schlimm ist. Können aus den beiden ehemaligen Streithähnen Freunde werden?

Das Cover hat uns nicht sonderlich angesprochen. Es sieht uns ein wenig zu lasch aus und der blasse rote Farbton passt - unserer Meinung nach - nicht optimal zum Buch. Viel eher hätten wir uns ausdrucksstarke und kräftige Farben passend zu Helsins Spinnern gewünscht.

Die Illustrationen fanden wir wirklich schön gemacht und, im Gegensatz zum Cover, sehr passend zum Buch.

Und auch der Schreibstil der Autorin hat uns deutlich besser als das Cover gefallen. Er war angenehm detailliert und man kam schnell in den Lesefluss.

Die Kapitelnamen hingegen haben uns eher enttäuscht. Sie haben viel zu viel vorweg genommen und wir wussten bereits nach dem Lesen der einzelnen Überschriften, wie das Kapitel ausgeht.
Dadurch kam keine wirkliche Spannung auf und die Geschichte plätscherte mehr und mehr dahin.

Schade eigentlich, denn die Idee hinter dem Buch hat uns sehr gut gefallen: Ein Mädchen mit plötzlichen Wutausbrüchen - ja, das ist ein sehr außergewöhnliches Thema und sollte definitiv öfter thematisiert werden.

Auch die Protagonistin hat uns gut gefallen. Sie war wirklich sympathisch und greifbar.
Wir hätten gerne noch erfahren, wie Louis auf "Helsin Apelsin" gekommen ist. Leider wurde uns das im Laufe des Buches nicht ersichtlich.

Wir würden "Helsin Apelsin" jedem empfehlen, der auf der Suche nach einem interessanten Buch für Zwischendurch ist und auf großartige Spannung verzichten kann.
3,5/5 Sternen

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Veröffentlicht am 23.12.2019

Gute Idee mit einigen Schwächen

Gefährten der Hoffnung
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Ein Virus verändert die ganze Welt und die Menschheit spaltet sich in drei Gruppen: Roks - durch das Virus mutierte Menschen -, Plünderer - ehemalige Soldaten, welche überleben, indem sie morden und plündern ...

Ein Virus verändert die ganze Welt und die Menschheit spaltet sich in drei Gruppen: Roks - durch das Virus mutierte Menschen -, Plünderer - ehemalige Soldaten, welche überleben, indem sie morden und plündern - und "freie" Menschen. Erik lernt, mit den Roks und Plünderern umzugehen und baut sich ein neues Leben gemeinsam mit seiner großen Liebe Irinskat und ihrer Tochter Nanuk auf. Doch eines Tages werden Irinskat und Nanuk entführt. Gemeinsam mit seinem Hund Odin begibt sich Erik auf eine gefährliche Suche nach ihnen.




Beginnen möchte ich mit dem Titel und dem Cover. Ich finde den Titel sehr passend zum Buch, er gibt direkt einen kleinen Einblick in das Geschehen. Das Cover hingegen spricht mich persönlich nicht besonders an. Die Zeichnung ist zwar wirklich toll gemacht, allerdings gefällt mir das Arrangement des Textes auf dieser überhaupt nicht. Es sieht aus, wie aus einem Comic-Heft und meiner Meinung nach nicht besonders hochwertig.


Die Idee, die hinter dem Buch steckt, hat mir sehr gut gefallen. Man erkennt als Leser direkt das Potenzial dahinter. Allerdings wurde es, wie ich finde, nicht vollkommen ausgeschöpft.
Die Suche der Gefährten nach Irinskat klingt anfangs noch spannend und setzt die Erwartungen hoch (wozu u.a. auch die besondere Erzählperspektive beiträgt, es hat wirklich Spaß gemacht, diese außergewöhnliche Perspektive zu verfolgen). Nach einigen Kapiteln allerdings wurde ich ein wenig enttäuscht. Der Autor bleibt sehr oberflächlich: Man kann sich nur recht schwer in die neue Umgebung hineinversetzen und jede Menge Fragen bleiben offen, was ich wirklich schade finde. Ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, das mir wichtige Details für ein besseres Verständnis fehlen.
Was mir aber wirklich gut gefallen hat, war der Schreibstil des Autors. Er war sehr flüssig und angenehm zu lesen.
Zudem muss ich ein großes Lob an die Einteilung der Geschichte aussprechen. Der Leser wird nicht direkt am Anfang mit allen Details zu Eriks Vergangenheit und dem Ausbruch des Virus überfordert, sondern erhält Stück für Stück die einzelnen Puzzleteile.



Zusammenfassend kann ich sagen, dass das Buch eine gute Basis bildet, es bei der Ausführung allerdings an manchen Stellen hapert.
Nichtsdestotrotz eine Empfehlung an alle, die an einer Mischung aus Endzeit- und Fantasyroman interessiert sind und eher etwas für Zwischendurch suchen.

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