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Veröffentlicht am 03.10.2019

Ungewöhnlich - muss man mögen

Melmoth
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Ungewöhnlich in Thema und Schreibstil - ich konnte jedoch mit diesem düster-deprimierenden Sündenmix aus Glaube, Verbrechen und Schuldgefühl im winterlichen Prag nicht warm werden. Gut möglich, dass ich ...

Ungewöhnlich in Thema und Schreibstil - ich konnte jedoch mit diesem düster-deprimierenden Sündenmix aus Glaube, Verbrechen und Schuldgefühl im winterlichen Prag nicht warm werden. Gut möglich, dass ich auch mit "falschen" Erwartungen an das Buch rangegangen bin bzw. mich nicht darauf einlassen konnte.


Mehr noch als der geheimnisvolle Klappentext reizte mich bei diesem Buch das unheilverheißende und zugleich wunderschöne Cover - doch hielt die Geschichte ihren Versprechungen stand?

Schwer zu beantworten! Die Autorin beherrscht ihr Schreibhandwerk meisterlich - fast schon prosaisch spricht sie den Leser direkt an.

Das Buch ist voller atmosphärischer Beschreibungen des winterlichen Prags und der anderen Handlungsorte sowie ganz viel Melancholie, Düsternis und Hoffnungslosigkeit.

Zu viel. Dieses Buch ist für mich eines jener, das ich unzufrieden zuklappe. Nicht wegen des Endes, das fand ich ganz charmant, sondern wegen der Stimmung. Dieses Düstere, Depressive, Demotivierende... Beim Beenden des Buches war ich so ausgelaugt und leer, war zu nichts motiviert, nicht mal zu einem Verriss. Ich mag durchaus auch traurige Bücher, die mich zu Tränen rühren oder unerwartet doch zu einem herzerwärmenden Ende führen. Melmoth jedoch ist von der ersten Seite an von einer hoffnungslosen Einsamkeit geprägt, welches jedes Zeugnis, jedes Schicksal, verbindet, mit der ich nicht zurechtfand.

Zudem waren mir auch die Be- und Umschreibungen, so atmosphäreschaffend sie auch waren, zu ausufernd. An sich besteht die "Handlung" lediglich aus Zeugnissen verschiedenster Art, lose durch Helen, Thea und Karel verbunden. Auch wenn ich an den "Sünden" der Einzelnen interessiert war, fehlte mir doch der größere Spannungsbogen.

Während mich die ganze Bibel- und Sündenmotivik nicht überzeugen konnte und mir - abermals - einfach zu viel war, fand ich charmant, dass in diesem Buch Frauen die einzig Handelnden sind. Männer kommen vor, sind jedoch unbedeutend - selbst Gott oder Jesus sind für den Rahmen der Geschichte zwar durchaus relevant, bleiben aber hinter Frauen wie Helen, Thea, Adaya und Melmoth passiv und blass. Gefällt mir!

Dieses Buch ist definitiv einzigartiges - sowohl die Beschäftigung mit Melmoth, einem biblischen Charakter, von dem ich zuvor noch die gelesen habe, deren Figur aber höchst faszinierend ist, als auch vom Schreib- und Erzählstil her; unterbrechen doch die einzelnen Zeugnisse, Briefe, Manuskripte und Beichten die Rahmenhandlung im heutigen Prag immer wieder, während die Autorin das Geschehen um Helen, Thea und Karel als allwissende Erzählerin kommentiert und die Leser auf Schatten, zukünftige Ereignisse und Merkwürdigkeiten hinweist.

Veröffentlicht am 30.08.2019

Fast unmöglich zu bewerten

Washington Black
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Trotz Thematik und gelungenem Schreibstil bleibt bei mir am Ende nur ein großes Fragezeichen, eine unbefriedigende Leere zurück. Die Deutschunterrichtsstimme in meinem Kopf fragt: Und was wollte uns der ...

Trotz Thematik und gelungenem Schreibstil bleibt bei mir am Ende nur ein großes Fragezeichen, eine unbefriedigende Leere zurück. Die Deutschunterrichtsstimme in meinem Kopf fragt: Und was wollte uns der Autor damit sagen? Ich habe keine Antwort.


Als ich dieses Buch in der Vorschau entdeckt habe, wollte ich es unbedingt lesen; es schien meinem veränderten Leseschema perfekt zu entsprechend. Tiefgründig, ernst und voller Kraft. Was soll ich sagen?! Lange ist es mir nicht mehr so schwer gefallen, eine Rezension zu schreiben.

Denn das Buch ist ernst und behandelt mit dem Rassismus des 19. Jahrhunderts ein denkbar aktuelles Thema. Das Leid und Elend, das Washington ertragen muss, die Ungerechtigkeit und Ausweglosigkeit - all´ das ist ergreifend und aufwühlend. Dann die unverhoffte Chance auf ein besseres Leben. Alle Ereignisse und Erlebnisse scheinen auf den einen Moment, das eine Gespräch, die eine Einsicht hinauszulaufen. Ein Crescendo. Das niemals kommt.

Und davor: Eine schleppende Handlung, die durch die Hoffnung auf kommende Dramatik das Interesse aufrecht erhält. Zwischendurch ein fast vollständiges Erliegen des Handlungsbogens; nur mühsam wird wieder Spannung aufgebaut. Bis alles mit dem Ende, wie ein Kartenhaus durch eine unachtsame Bewegung, zusammenbricht. Ich war enttäuscht; habe mich regelrecht betrogen gefühlt - nach 500 Seiten weiß ich einfach nicht, was mir diese vier Jahre aus dem Leben Washington Blacks sagen sollen. Kein Nachwort, keine historische Einordnung... was ist fiktiv, was nicht? Was war die Intention, die künstlerische Idee der Autorin? Ja, ganz platt formuliert: Warum sollte ich das Buch lesen; warum habe ich es gelesen?

Halten zwar Teile des Buches die Abenteuerverheißungen von Cover und Klappentext durch unwahrscheinlich scheinende Reisen in exotische Regionen, enttäuschen andere durch Kleinstadtalltag und farblos bleibende Charaktere. Big Kit, Titch, selbst Tanna... sie alle bleiben trotz der Rolle, die sie für Washingtons Leben spielen, Randfiguren, facettenlose Skizzen, die kaum beleuchtet werden. Sie kommen und gehen; entwickeln dabei kaum bis kein Eigenleben. Peter und Titchs Vater... diese subtile Andeutung einer homosexuellen Beziehung, Big Kits Erlebnisse - so viel hätte noch ausgeführt werden und der Geschichte Tiefgang geben können. Stattdessen steht Wash ganz im Zentrum der Geschichte, verändert sich auch, bleibt jedoch ein Kind seiner Zeit - zwar überdurchschnittlich talentiert, aber dennoch wagt er den Aufbruch, den Bruch mit den Konventionen nicht. Die Geschichte war für mich weder motivierend wie Hidden Figures, noch durch Enttäuschung und Scheitern wie in The Green Book mahnend.

Dürfte ich meine Bewertung, meine gesamte Rezension in einem Emoji ausdrücken, wäre das das große rote Fragezeichen. Ich schließe nicht aus, dass sich mir der große Sinn, die literarische Meisterleistung dieses Buches auch einfach nicht erschließt, ich sie nicht erkennen kann. Für mich ist die Geschichte allerdings unbefriedigend; eine Enttäuschung.

Dabei ist das Buch unfassbar kraftvoll voller Präzision geschrieben, die Szenen sind greifbar, die erschreckende Gewalt und Ungerechtigkeit entfalten ihre Wirkung auf den Leser... aber es fehlt einfach der große Knall, das Abenteuer, welches das Cover verspricht und das aus der Aneinanderreihung von Begebenheiten eine runde Geschichte macht. Eine, bei deren Beendung man mehr fühlt, als ein großes Fragezeichen. Offene Enden sind per sé kein Problem (mehr) für mich - dieses jedoch war abrupt und hart; wirkte unabgeschlossen, unrund. Wenn die Autorin eine andere Geschichte erzählen würde, wäre dieses Buch mit seinem wundervollen Schreibstil und der ernsten Thematik ein absolutes Highlight - so war es verschwendetes Potential.

Veröffentlicht am 15.04.2017

Peter Pan oder warum ich nicht mit ins Nimmerland fliege

Peter Pan
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Liebevoll und bezaubernd illustriert, für Kinder und Ältere aufregend. Nur konnte mich die Geschichte nicht begeistern... Wer die Geschichte um Peter Pan also bereits kennt und liebt, der sollte nein MUSS ...

Liebevoll und bezaubernd illustriert, für Kinder und Ältere aufregend. Nur konnte mich die Geschichte nicht begeistern... Wer die Geschichte um Peter Pan also bereits kennt und liebt, der sollte nein MUSS dieses Buch sein Eigen nennen!



Ahoy ihr Lieben! Unzählige Male verfilmt und adaptiert, jeder kennt sie, jeder liebt sie - die Geschichte von Peter Pan. Nur ich kannte sie nicht. Diese Bildungslücke habe ich mit dieser wundervolle illustrierten Ausgabe des Klassikers endlich geschlossen. Doch...

... zu meinem Entsetzen, wollte mich der Zauber Peter Pans einfach nicht ergreifen. Stattdessen fand ich die Geschichte von Seite zu Seite immer schrecklicher! Durch den Schreibstil gab es hin und wieder schöne Szenen und Beschreibungen, aber das hat leider nicht ausgereicht.

Woran lag das? Zum einen waren mir die Charaktere erschreckend unsympathisch, Peter Pan wirkte auf mich wie ein selbstverliebter Tyrann, Wendy war mir zu naiv und dann streckenweise fast schon altklug und die verlorenen Jungen brachte ich immer wieder durcheinander. Auch Wendys Eltern kamen nicht besonders gut weg bei mir :/

Dann die Darstellung von "Wilden" und "Rothäuten", die Vorurteile und ungemilderten gesellschaftlichen Bilder über Frauen, Mädchen und Kinder. Natürlich ist der Autor ein Kind seiner Zeit, und sein Buch damit auch, allerdings hätte ich mir an einigen Stellen des Buches eine Überarbeitung gewünscht. Versteht mich nicht falsch, ich bin gegen eine Überarbeitung sämtlicher Bücher aus politischer Korrektheit, aber gerade bei Kinderbüchern ist doch ein Maß an Sensibilität von Nöten, um gesellschaftliche Stereotype und Vorurteile nicht zu verstärken...

Als bekennender Piratenfan war ich auch davon enttäuscht, wie eindimensional und oberflächlichCaptain Hook dargestellt wird, als Bösewicht um des Böseseins Willen...

Und auch das Ende hat mich eher enttäuscht, denn statt eines Hochgefühls und einem Lächeln auf den Lippen auf Grund einer bezaubernden, magischen Geschichte, war es trotz des Happy End- Charakters, für mich negativ geladen und hat mir ein unbefriedigtes Gefühl auf Grund Peter Pans Vergessenheit und Illoyalität hinterlassen... Mir fehlte beim Zuklappen des Buches die Aussage, ein Satz, an den ich mich lächelnd würde zurückerinnern können.

Lange Zeit war ich mir total unsicher, was die Bewertung angeht und so habe ich mir noch den Disney Film angesehen... Hier wurden sämtliche aneckenden Szenen und Charakterzüge rausgeschnitten oder weichgespült, den Figuren Liebreiz gegeben und überhaupt das Kinderbuch kindertauglich gemacht. Trotzdem konnte mich auch diese konformere Variante der Geschichte nicht bezaubern, wie andere Filme aus dem Hause Disney das vermochten...

Veröffentlicht am 13.03.2017

[1.5/5] Alles hat ein Ende...

Royal 6: Eine Liebe aus Samt
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...und bei dieser Reihe freue ich mich besonders, dass es nun da ist, das Finale des Dramas um Tanya und Philipp.



Da ist er nun endlich, der letzte Teil der Reihe... Aber uff, wieder einmal kein Lesegenuss ...

...und bei dieser Reihe freue ich mich besonders, dass es nun da ist, das Finale des Dramas um Tanya und Philipp.



Da ist er nun endlich, der letzte Teil der Reihe... Aber uff, wieder einmal kein Lesegenuss für mich sondern Durchquälen nur um des Beendens Willen. Denn auch wenn dieser Band nahtlos an den letzten anschließt, flacht die Geschichte nach Tanyas und Henrys Flucht stark ab. Es passiert nichts und die Charaktere können sich nicht einmal entscheiden, etwas zu tun, sondern verdächtigen sich gegenseitig. Zumal ich diese ganzen Szenen an der Glasmauer unübersichtlich und unverständlich fand - wer waren denn jetzt die Soldaten und auf wessen Seite waren sie?!

Als dann etwas Action in die Geschichte kam, mutierte unser Mauerblümchen "mein-Herz--ist-gebrochen"- Tanya zur Superwoman und konnte auf einmal mehr als nur gerade herumlaufen und verkrampft lächeln. Leider konnte mich die Autorin wenig überraschen und das Ende war wirklich zu viel des Guten! Vor lauter Kitsch und rosarotem Plüsch kommt mir leider die Übelkeit hoch, da hilft auch nicht der Versuch einer Dramatisierung durch einen hustunnötigen Tod!

Und überhaupt, ich finde die Lösung der ganzen Geschichte mehr als unglaubwürdig, zumal die ganzen "Geheimnissen" in belanglosen Nebensätzen aufgedeckt wurden und dafür, dass Charlotte und all´ die Intrigen mich fünf Bände lang GENERVT haben, waren sie jetzt auf einmal keine zwei Sätze wert?!

Leider eine durch und durch enttäuschende Reihe ohne Weiterentwicklung seitens der Charaktere, ohne Spannung seitens der Autorin und ohne Überraschungseffekte für mich als Leserin. Dieses Ende habe ich mehr oder weniger im zweiten Kapitel des ersten Buches erahnt und hätte mir, so hart es auch klingt, die Zeit sparen können!





Fazit:

Für mich weder krönender Abschluss, noch Lesevergnügen: Konfus, chaotisch und ohne Szenen, die mich emotional berühren konnten :/

Veröffentlicht am 12.03.2017

Schade, das hätte ein Highlight werden können

Das Frostmädchen
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Großartiger, atmosphärischer Schreibstil und ein magisches, vor Kälte klirrendes Setting - aber leider eine enttäuschend zähe Story, unaufregende Charaktere und wenig ergreifenden Emotionen! :( Neve hatte ...

Großartiger, atmosphärischer Schreibstil und ein magisches, vor Kälte klirrendes Setting - aber leider eine enttäuschend zähe Story, unaufregende Charaktere und wenig ergreifenden Emotionen! :( Neve hatte teilweise feministisch anmutende Züge, davon hätte ich gern mehr gesehen und weniger naive Verliebtheit...



Als ich dieses Buch begonnen habe, gab es bereits recht viele negative Rezensionen, davon war ich aber recht unbeeindruckt und freute mich schon auf die Geschichte, liebe ich doch momentan düstere Märchenadaptionen...

Bereits von der ersten Seite an war ich begeistert vom Schreibstil der Autorin, der unheimlich atmosphärisch ist und die Winterlandschaft Kanadas vor meinen Augen hat entstehen lassen. Außerdem flogen die Seiten nur so dahin, da die Geschichte angenehm leicht geschrieben ist.

Nach etwa der Hälfte des Buches kam ich aber zu dem Punkt, dass sich Enttäuschung bei mir einschlich und gegen Ende war ich einfach nur noch gelangweilt. Denn leider ist die Handlung langgezogen, um nicht zu sagen zäh. Es passierte kaum etwas - die Protagonisten stampften hin und her durch den Schnee, kamen sich näher und wichen wieder zurück und über die magischen Kräfte wurde man lange im Unklaren gelassen. Selbst die dramatisch inszenierten Endszenen konnten mich nicht fesseln, berühren leider schon gar nicht.

Was auch an den Charakteren lag. War mir Neve am Anfang zu naiv und schwach, wurde sie plötzlich unglaublich stark. Ich mochte diese unabhängige, kraftvolle und feministische Art und auch die Szene, für die es so viel Kritik gegeben hat. Nur wodurch diese Änderung so schnell eintrat, war mir nicht recht klar. Außer Lauri gibt es eigentlich keine weiteren bedeutenden Figuren, und er war -freundlich formuliert- LANGWEILIG!!! Ich mag keine schwachen Charaktere, egal ob sie männlich oder weiblich sind und Lauri hatte eigentlich lediglich eine tragende Rolle (ha, Wortwitz! Er trägt sie durch den Schnee! Bin ich lustig xD) in dem Sinne, dass Neve einen Retter brauchte und jemanden, in den sie sich verlieben könnte. Mir wäre es lieber gewesen, es hätte keine Lovestory gegeben...



Dieses Buch hätte soooo viel Potential gehabt, wenn die ganze "Durch-den-Schnee-laufen" Szenen gestrichen oder zumindest gekürzt worden wären und dafür den magischen Urkräften mehr Raum gegeben worden wären und Neve eine richtige Mission gehabt hätte, statt einen verwichtlichten Lauri an ihrer Seite ^^