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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.03.2018

Ich hatte mehr erwartet

Leinsee
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Karl kehrt zurück nach Leinsee, den Ort seiner Kindheit oder vielmehr den Ort, an dem sich seine Künstler-Eltern genug waren und ihn ins Internat gaben. Das Paar war sich selbst immer genug, ihre Symbiose ...

Karl kehrt zurück nach Leinsee, den Ort seiner Kindheit oder vielmehr den Ort, an dem sich seine Künstler-Eltern genug waren und ihn ins Internat gaben. Das Paar war sich selbst immer genug, ihre Symbiose trug schier unfassbare Ausmaße – denen sich Karl aufgrund dramatischer Ereignisse stellen muss, obwohl er vor Jahren schon den Kontakt zum Elternhaus komplett abgebrochen hat.
Mich hatte die Familiengeschichte im Künstlermilieu so interessiert, dass ich einfach zu dem Buch greifen musste und ich hatte auch gewisse Erwartungen an das Buch. Vorweg – meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt.
Karl, sein Schaffen und seine Geschichte sind besonders, soviel ist sicher und über weite Strecken auch interessant. Manches kann man als Leser weniger gut nachvollziehen, häufig war es sogar sehr irritierend, aber eine gewisse Spannung entsteht zunächst trotzdem. Die aktuellen Geschehnisse, die zur Rückkehr führen sind schon dramatisch, dazu muss Karl einen Sack voller schwieriger Erinnerungen mit sich tragen.
Ich kann die mehrheitlich begeisterten Stimmen zum Buch nicht ganz teilen. Mich hatte das Buch zwar über weite Strecken gefesselt, aber etwa nach der Hälfte ließ meine Begeisterung etwas nach und es wurde immer weniger überzeugend für mich. Eine bestimmte Wendung hat mir auch gar nicht zugesagt (und das nicht nur weil sie zu vorhersehbar war), sodass ich das Buch relativ unzufrieden beendet habe. Auch konnte ich mit den Personen und mancher Skurrilität leider recht wenig anfangen. Es bleibt aber der überzeugende Beginn, die tolle Idee Kapitel mit Farben zu benennen, der gelungene und tatsächlich bemerkenswerte Schreibstil, sodass ich dieser melancholischen Geschichte drei Sterne vergebe.

Veröffentlicht am 22.01.2018

Es fehlt das gewisse Etwas

Der letzte Walzer in Paris: Der sechste Fall für Kommissar LaBréa
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Eine alte Frau wird in ihrer Pariser Wohnung erdrosselt aufgefunden und das Team um Maurice LaBréa übernimmt den Fall. Wer könnte die alte Dame, die eine Vorliebe für Walzer hatte, getötet haben? Warum ...

Eine alte Frau wird in ihrer Pariser Wohnung erdrosselt aufgefunden und das Team um Maurice LaBréa übernimmt den Fall. Wer könnte die alte Dame, die eine Vorliebe für Walzer hatte, getötet haben? Warum überhaupt? Niemand kann diese Fragen beantworten und auf den ersten Blick scheint des jeder und niemand gewesen zu sein. Derweil wird auf einem stillgelegten Teil des Bahnhofs eine komplett skelettierte Leiche gefunden. Kann es einen Zusammenhang mit dem aktuellen Geschehen geben?
Es handelt sich bereits um den sechsten Teil der Reihe, aber ich kam auch ohne Vorkenntnisse gut ins Geschehen rein, denn alles Wichtige wird geklärt – oder zumindest hatte ich nicht das Gefühl auf irgendwelche Verständnislücken getroffen zu sein und das obwohl das Privatleben des Ermittlers LaBréa nicht selten im Fokus steht. Der Schreibstil ist flüssig, gut zu lesen und man fliegt förmlich durch die etwas mehr als 300 Seiten.
Da ich nur als Kind in Paris war, kann ich nicht sagen, ob da alles passend beschrieben wurde. Leider hatte ich so gar keine Bilder vor Augen bezüglich der Örtlichkeiten, aber immerhin wurde der französische Alltag gut vermittelt, ohne zu sehr in die Klischeekiste zu greifen. Der Fall als solcher war ruhig, recht unblutig und trotzdem in Teilen spannend. Die Ermittlungen sind gut nachvollziehbar, die vielschichtigen Charaktere recht gut ausgearbeitet und auch die Tathintergründe nicht uninteressant, trotzdem hat mir das gewisse Etwas gefehlt. Außerdem war ich durch die zweite Zeitebene aus Tätersicht (2001-2002) recht schnell auf der richtigen Fährte.
Unter dem Strich war es nichts Besonderes, aber angenehm zu Lesen – 3 Sterne!

Veröffentlicht am 04.01.2018

Hatte mir etwas mehr davon versprochen

Wolfswut
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Lotte findet nach dem Krebstod ihres Vaters zufällig eine von ihrem Vater genutzte Lagerhalle mit fünf Fässern voller Leichenteile. Während sie nicht glauben kann, dass ihr Vater, der von allen gemochte ...

Lotte findet nach dem Krebstod ihres Vaters zufällig eine von ihrem Vater genutzte Lagerhalle mit fünf Fässern voller Leichenteile. Während sie nicht glauben kann, dass ihr Vater, der von allen gemochte wurde, so etwas getan haben könnte, ermittelt Kira Hallstein mit ihrem Kollegen Max Lohmeyer. Da der Täter bereits verstorben ist, könnte man nun denken, dass mit der Aufklärung, um wen es sich bei den Toten handelt, die Geschichte bereits zu Ende erzählt ist – doch weit gefehlt, denn es macht den Anschein, als wären mindestens zwei Täter am Werk gewesen und dann geschieht noch ein weiterer Mord…
Ich mag True-Crime Geschichten und so musste ich auch einfach dieses Buch haben. Eine kurze Nacherzählung des Inhalts klingt auch spannend, aber das über 500 Seiten starke Buch war mir zeitweise deutlich zu langatmig und zu wenig spannend. Nach 200 Seiten hätte ich bestimmt unterbrochen vielleicht sogar ganz abgebrochen, denn so richtig packen konnte mich das Buch nicht. Es lag einerseits an den Protagonisten, allen voran Hallstein, mit der ich von Beginn an nichts anfangen konnte, aber auch an der großen Aufarbeitung ihres Privatlebens. Wahrscheinlich hätte mich das weniger gestört, hätte ich einen Zugang zur Kommissarin gefunden, so aber hatte mich das ziemlich genervt. Weiter gestört hat mich, dass so einige Personen ziemlich klischeehaft auf mich wirkten, beispielhaft seien hier die voreingenommene Chefin oder der Psychologe genannt. Gerade die ersten 200 Seiten waren für mich daher wie Kaugummi und ich war kurz vorm Querlesen (also schnellen über die Seiten huschen), als sich endlich mal was in den Ermittlungen aufgetan hat, was mich interessierte. Damit wurde es auch noch brutaler und abscheulicher als zuvor, aber immerhin wollte ich nun wissen, was gespielt wird. Wie abscheulich Menschen sein können, verschlägt doch immer wieder mal die Sprache.
Psychologisch ist das Buch gleichermaßen interessant wie abscheulich. Die Motive sind gut ausgearbeitet und unter dem Strich bin ich zwiegespalten. Die Ideen des Autors haben mir soweit gefallen – wobei hier natürlich manches nicht auf eigenen Ideen fußt, sondern auf einem realen Fall, aber die Umsetzung (zu langatmig, zu detailreich und am Ende eine sehr konstruiert wirkende Wendung) hatte mich einfach nicht überzeugt. Vielleicht ging ich auch mit viel zu hohen Erwartungen an das Buch.
Während mir die Berichterstattung zum realen Fall noch recht deutlich vor Augen steht und ich damals sehr schockiert war, werde ich dieses Buch bestimmt nicht länger im Gedächtnis behalten. Wenn überhaupt würde ich es nur unempfindlichen Lesern empfehlen, denn es tun sich Abgründe auf, unfassbar tiefe Abgründe…

Veröffentlicht am 16.11.2017

Manches war viel zu langatmig

Sadisten
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Sadismus – welche Ausprägungen gibt es, wie misst man ihn? Können Sadisten und Psychopathen Liebe empfinden? Was unterscheidet Menschen aus der BDSM-Szene psychologisch von gefährlichen Sadisten?

Ich ...

Sadismus – welche Ausprägungen gibt es, wie misst man ihn? Können Sadisten und Psychopathen Liebe empfinden? Was unterscheidet Menschen aus der BDSM-Szene psychologisch von gefährlichen Sadisten?

Ich habe eine Schwäche für True Crime und daher ergab es sich fast zwangsläufig, dass ich dieses Buch geschenkt bekam. Nachdem ich „Auf dünnem Eis“ gelesen hatte, wartete ich bewusst recht lange, bevor ich mich an dieses auch wieder recht umfangreiche Buch wagte und ich glaube das war auch besser so, denn sonst hätte ich es wahrscheinlich irgendwann nicht nur unter- sondern direkt komplett abgebrochen.
Die umfangreich geschilderten Fälle haben mich sehr interessiert und empfand ich auch fesselnd. Die rein theoretischen Ausführungen waren an sich auch nicht uninteressant, aber zogen sich teilweise doch sehr in die Länge - zumindest für den interessierten Laien war das definitiv zu langatmig und hätte deutliche Straffungen ganz gut vertragen. Trotzdem waren sie wichtig für das weitere Verständnis und die Autorin hat auch alles verständlich erklärt. Der Schreibstil ist durchgängig gut lesbar, leicht verständlich und nachvollziehbar, jedoch habe ich den Eindruck, dass sie sich sehr häufig bei den theoretischen Aspekten wiederholt hat. Die Kapitel und Abschnitte einleitenden Zitate waren gut ausgewählt und ließen schon erahnen, was kommen wird. Es wurde der Unterschied zwischen einvernehmlichen und gefährlichen Sadisten sehr deutlich herausgearbeitet und mein Verständnis für die BDSM-Szene wurde auch größer; vor allem hat sie mit dem einen oder anderen Vorurteil aufräumen können. Deutlich wurde aber auch, dass ich das Thema nicht weiter vertiefen will, denn auch wenn das Verständnis für die Szene größer geworden ist, bleibt mir das Ganze doch etwas unverständlich und die Bilder im Kopf brauche ich auch nicht…
Etwas gestört hat mich das Vorwort, denn da hatte ich schon die Befürchtung, dass die Autorin wie schon in „Auf dünnem Eis“ sehr viel von sich selbst „berichten“ wird. Zwischendurch kam es ab und an mal kurz vor, dass jedoch nicht so häufig und plakativ wie in ihrem ersten Buch.

Nun habe ich gesehen, dass sie im kommenden Jahr erneut ein Buch veröffentlichen wird. Noch bin ich wirklich unentschlossen, ob ich es besorgen werde, denn meine Gefühle sind recht ambivalent, was die Autorin und ihr Werk betrifft.

Veröffentlicht am 24.07.2017

Zwiegespalten

Manchmal musst du einfach leben
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Maribeth hat einen stressigen Job, muss das Leben ihrer vierjährigen Zwillinge koordinieren, die Wohnung perfekt in Schuss halten und bekommt recht wenig Unterstützung von ihrem Mann. Mit 44 Jahren erleidet ...

Maribeth hat einen stressigen Job, muss das Leben ihrer vierjährigen Zwillinge koordinieren, die Wohnung perfekt in Schuss halten und bekommt recht wenig Unterstützung von ihrem Mann. Mit 44 Jahren erleidet sie überraschend einen Herzinfarkt, der als solcher nicht direkt erkannt wird. Maribeths Leben gerät aus den Fugen und sie muss sich über einiges klar werden…
Der Schreibstil ist ansprechend, gut lesbar und das war auch wirklich gut so, denn die Geschichte als solche hat mich nicht immer mitgenommen.







***Achtung – Spoiler***







Es gab sehr emotionale Elemente, manches mal musste ich auch grinsen, aber die Grundidee – also das Verlassen der Familie, um zu sie wiederzufinden- konnte mich nicht vom Hocker hauen. Oft fragte ich mich, wie Maribeth einfach so gehen konnte, obwohl ich eigentlich die ganze Sache schon nachvollziehen konnte. Verstehen und Verständnis sind zwei völlig verschiedene Dinge…selten habe ich das bei einem Buch so sehr gemerkt, wie bei diesem hier. Positiv überrascht war ich von der Tiefgründigkeit der Geschichte, wie authentisch die Probleme einer überforderten Frau und Mutter darstellt wurden, sowie den teilsweise sehr interessanten Protagonisten, wenn auch das WG-Paar sehr klischeehaft auf mich wirkte.
Das Ende fand ich unbefriedigend offen. Was ist mit ihrer Mutter? Wie geht´s nach der Rückkehr weiter? Verfällt jeder wieder in den gewohnten Trott? Gleichermaßen bin ich aber auch so zum Nachdenken angeregt worden, was ich äußerst positiv empfand.
Unter dem Strich lässt mich das Buch ziemlich zwiegespalten zurück und bei Empfehlungen tue ich mir schwer. Wahrscheinlich ist es wirklich nur was für eingefleischte Fans von Frauenromanen und dazu gehöre ich nun mal nicht.