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Veröffentlicht am 04.06.2019

Deutsches Haus

Deutsches Haus
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»Deutsches Haus« ist so ein Buch, zu dem ich vermutlich nie gegriffen hätte, weil ich gar nicht gewusst hätte, dass es existiert, wenn es mir nicht empfohlen worden wäre. Neben dem Klappentext fand ich ...

»Deutsches Haus« ist so ein Buch, zu dem ich vermutlich nie gegriffen hätte, weil ich gar nicht gewusst hätte, dass es existiert, wenn es mir nicht empfohlen worden wäre. Neben dem Klappentext fand ich zudem ganz ansprechend, dass die Autorin ebenfalls die Drehbücher für die Serien »Ku’damm 56/59« und »Weißensee« geschrieben hat. Letzteres habe ich nicht gesehen, wurde mir aber von meinen Eltern ans Herz gelegt und »Ku’damm 56/59« fand ich großartig. Deshalb durfte »Deutsches Haus« dann kurz nach Weihnachten spontan bei mir einziehen und ich habe es innerhalb kürzester Zeit verschlungen.

Bevor das Thema Aufarbeitung in der Oberstufe im Geschichtsunterricht behandelt wurde war mir irgendwie – so doof das klingt – nie so richtig klar, dass der zweite Weltkrieg nicht vorbei war, als er vorbei war. Also klar, der Krieg an sich schon, aber wie viel danach noch kam, das war Neuland für mich. Umso spannender fand ich es, dass »Deutsches Haus« diese Thematik aufgegriffen hat. Spielen tut die Geschichte 1963/64 in Frankfurt und sie dreht sich hauptsächlich um die Familie Bruhns, welche eine Gaststätte mit dem Namen »Deutsches Haus« leiten, woraus sich also der Titel ableitet.

Besonders interessant fand ich in der Hinsicht insbesondere zu Beginn wie unterschiedlich die verschiedenen Erzähler – man liest nämlich aus mehreren Sichten – auf den bevorstehenden ersten Auschwitz-Prozess reagieren. Während die ältere Generation nichts davon wissen möchte und sich in Schweigen hüllt, so fängt Eva, welche sich nicht mehr an die NS-Zeit erinnern kann, weil sie zu jung war, langsam an Fragen zu stellen und versucht das was sie bei den Übersetzungen der Zeugenaussagen erfährt mit dem in Einklang zu bringen, was sie bis dahin zu glauben wusste. Neben Eva liest man aus Sicht von (beinahe) allen Mitgliedern der Familie Bruhns, von Evas Verlobtem Jürgen, so wie aus Sicht des Referendars und Kanadiers David Miller, der für den Staatsanwalt arbeitet. Durch die unterschiedlichen Blickwinkel nimmt man einige Dinge unterschiedlich auf und kann die einzelnen Charaktere und ihre Entscheidungen so zum Teil besser nachvollziehen, was mir sehr gut gefiel. Ich hatte das Gefühl die Autorin hat es geschafft eine Bandbreite an Konflikten, welche die verschiedene Generationen, Nationalitäten und Religionsangehörige mit dem Auschwitz-Prozess hatten, nachvollziehbar darzustellen, sodass man nicht einer einzigen beschränkten Meinung folgt, sondern mehrere sieht und sich so selbst ein wenig ein Bild machen kann.

Nicht nur das Thema, sondern auch wie das Buch geschrieben ist, haben dazu beigetragen, dass ich es kaum aus der Hand legen mochte und immer wieder dachte: »Nur noch ein Abschnitt… okay, einer noch. Die paar Zeilen kann ich jetzt auch noch lesen.« Und so weiter. Das Buch ist nämlich nicht in Kapitel unterteilt, sondern in vier Teile und innerhalb dieser in mehr oder weniger kurze Abschnitte, die sich manchmal über mehrere Seiten, manchmal aber auch nur über ein paar Zeilen erstreckten. Ich mochte diese Erzählweise sehr gerne, da ich dadurch zum einen das Gefühl hatte zügig voran zu kommen, zum anderen hat es wie gesagt eine gewisse Suchtwirkung auf mich gehabt, weil man so den Faden nie verliert, sondern immer weiter lesen möchte.

Neben dem Auschwitz Prozess an sich – den ich im übrigen auch juristisch ganz interessant finde, da muss ich unbedingt noch mehr zu lesen -, fand ich es unfassbar, denn auch das war mir gar nicht so klar gewesen, obwohl es eigentlich logisch ist, wie negativ einige Deutsche auf Juden zu sprechen waren, auch zwanzig Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Mir war nicht bewusst wie sehr die Vorurteile in den Köpfen der Menschen feststecken und das war irgendwie beängstigend zu lesen. Daneben fand ich es wiederum ebenso spannend darüber zu lesen, wie Juden andererseits auf Deutsche reagiert haben, noch etwas, worüber ich mir nie Gedanken gemacht habe.

Ein weiteres Thema, das immer dafür sorgt, dass ich unfassbar froh bin heute zu leben, war die Rolle der Frau in den 60ern. Eva ist eine recht moderne Frau, sie arbeitet als Übersetzerin und so gerne sie Jürgen auch heiraten möchte und sich ihm teilweise unterordnet, so stark ist sie gleichzeitig auch. Eva hatte durchaus ihre Momente, in denen ich sie sehr bewundert habe, in denen sie gegen den Willen ihrer Familie und ihres Verlobten handelt und das tut, was sie für richtig hält. Ich finde es immer wieder unfassbar wie abhängig Frauen von ihrem Mann waren, wie sehr der Mann alles kontrollieren durfte, insbesondere da diese Zeit noch gar nicht allzu lange her ist. Also ja, ich war beim Lesen immer wieder unglaublich froh heutzutage zu leben.

Fazit?
»Deutsches Haus« konnte mich in vielerlei Hinsicht überzeugen; es hat mich mitgerissen, ich wollte es nicht aus der Hand legen und einige Szenen gingen durchaus unter die Haut. Auf eine gewisse Art war »Deutsches Haus« für mich sehr lehrreich, hat ein wenig sensibilisiert und die Augen geöffnet. Wer sich in irgendeiner Form für das Thema interessiert, dem kann ich dieses Buch nur ans Herz legen.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Someone New

Someone New
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Die Handlung
Da der Klappentext ebenso wie meine schwammige Beschreibung aus Spoiler-Gründen nicht mehr als das Nötigste verrät, weiß man wie gesagt nicht so wirklich, was einen in »Someone New« erwartet. ...

Die Handlung
Da der Klappentext ebenso wie meine schwammige Beschreibung aus Spoiler-Gründen nicht mehr als das Nötigste verrät, weiß man wie gesagt nicht so wirklich, was einen in »Someone New« erwartet. Da ich von den letzten Büchern der Autorin eher enttäuscht war bin ich mit eher mittelmäßigen Erwartungen an die Geschichte rangegangen und muss sagen, dass gerade der Anfang nicht so mein Ding war. Kennt ihr das, wenn ihr das Gefühl habt etwas schon zehn Mal gelesen zu haben? Ich sage ja gerne man kann das Rad nicht neu erfinden und das ist auch so, aber es gibt trotzdem Romance Bücher, die ähnliche Schema verfolgen und die mich trotzdem überzeugen können. Bei »Someone New« war ich anfangs eher genervt, was vor allem daran liegt, dass die Geschichte einige Zeit braucht, bis sie in Fahrt kommt. Mit über 500 Seiten ist »Someone New« für dieses Genre sehr dick und wenn ich ehrlich bin, dann hätte das Buch für mich kürzer sein können. Ich hatte lange Zeit das Gefühl man würde sich nicht wirklich nach vorne bewegen, sondern eher auf der Stelle treten. Micah geht zur Uni, sucht ihren Bruder, trifft Julian mehr oder weniger zufällig, jammert rum wie sehr sie ihr Studium hasst, trifft sich mit ihren Freundinnen und dann das Ganze noch einmal von vorne. Und noch einmal. Und noch einmal. Einerseits finde ich es zwar ganz schön, dass die Autorin ihren Figuren Raum gibt sich zu entwickeln und kennenzulernen, allerdings habe ich weder bei Micah, noch bei Julian sonderlich viel Entwicklung gesehen bis kur vor Schluss.

Wir halten also fest: Die Handlung an sich hat mich nicht vom Hocker gerissen. Das Buch ist einfach sehr lang. Nicht unbedingt langweilig, aber eben lang und für mich persönlich zu lang. Aber – und das ist ein großes aber – die Thematik, welche am Ende angesprochen wird war sehr überraschend und hat für mich doch ein wenig rausgerissen, dazu komme ich aber später noch, da ich an dieser Stelle niemanden spoilern möchte. Allerdings musste ich auch wieder feststellen – etwas, das mir schon bei »Berühre mich.Nicht« und »Verliere mich.Nicht« aufgefallen ist -, dass das Ende sehr zügig von statten ging, es kam mir fast schon übereilt vor. Auf den letzten paar Seiten wurde noch einmal so viel aufgeworfen, mit dem man als Leser dann kurz darauf sitzen gelassen wird. Ich persönlich mag es lieber, wenn der Höhepunkt der Geschichte nicht ganz zum Schluss kommt, sondern etwas früher, sodass man, besonders bei einem Einzelband, Zeit hat die Geschichte etwas ausklingen zu lassen. So habe ich mich etwas schnell abgefertigt gefühlt.

Die Charaktere
Die Sache ist die: Wenn die Handlung mich nicht umhaut, dann müssen es wenigstens die Charaktere tun. Und das haben sie, zumindest zum Teil. Ich mochte alle Nebencharaktere!

Wir haben in »Someone New« einen großen Cast an Nebencharakteren, was vermutlich einer der Gründe ist, weshalb das Buch so lang ist. Da wären zum einen Julians Mitbewohner Cassie und Auri, die total in ihren Hobbys (Cosplay und LARP) aufgehen und allein damit schon unglaublich sympathisch waren. Außerdem wird hier kurz das Thema Rassismus angesprochen, da Auri schwarz ist. Ich nehme an, dass das auch ein Augenmerk in der Geschichte von den beiden wird und ich freue mich riesig auf die Geschichte von ihnen, die in hier schon etwas in Schwung gebracht wird. Auri und Cassie sind echt großartig, die beiden muss man einfach gerne haben.

Dann gibt es noch Micahs beste Freundin Lilly, die bereits ein Kind hat und etwas darunter leidet, dass ihre große Liebe Tanner bereits studiert und nicht mehr zuhause ist, während sie noch ihren Schulabschluss nachholt. Aliza ist Micahs andere beste Freundin und hat einen Foodblog, sowie eine riesige Community auf Instagram. Ich mochte die Freundschaft zwischen den drei Mädchen und fand die Szenen mit den dreien – oder vieren, wenn Lilly ihren Sohn Link dabei hatte – richtig schön, auch, wenn sie die Handlung nicht voran gebracht haben.

Außerdem wäre da noch Adrian, Micahs Bruder, über den man eigentlich gar nichts weiß, außer, dass er untergetaucht und schwul ist. Dafür, dass er so einen großen Teil des Buches ausmacht – beziehungsweise Micahs Suche nach ihm – ist er mir tatsächlich etwas flach geblieben. Aber das fand ich irgendwie auch gar nicht so schlimm, denn letztendlich ist er ein Charakter, über den mehr geredet wird, als dass er tatsächlich auftaucht.


Wir haben also diesen wirklich bunten Cast an Nebencharakteren, den ich total interessant finde und über die ich so gerne gelesen habe – und dann sind da Micah und Julian. Es ist nicht so, dass ich die beiden nicht mochte, aber… naja. Besonders mit Micah hatte ich einige Problemchen. Objektiv konnte ich ihre Handlungen und Gedanken zwar meist nachvollziehen, aber irgendwie waren wir einfach nicht auf einer Wellenlänge, wenn ihr versteht was ich meine. Ich konnte bis fast zum Ende nicht wirklich nachvollziehen, was Julian eigentlich an Micah findet. Micah hatte durchaus Eigenschaften, die ich an ihr mochte, zum Beispiel wird sie gerade gegen Ende hin sehr ehrlich und steht endlich für sich ein, was aber eben auch fast 500 Seiten gedauert hat. Micah hatte es immer leicht im Leben und das merkt man ihr an, sie ist sehr vorlaut und spricht einfach aus was sie denkt, häufig sind das sehr zweideutige Sachen, was für mich wiederum teilweise grenzwertig war, vielleicht aber auch nur, weil ich mir nicht vorstellen kann solche Sprüche rauszuhauen. In dem Sinne waren die Dialoge zwischen Micah und ihren Gesprächspartnern für mich häufig einfach nicht so das Wahre. Micah ist mir nicht unbedingt unsympathisch, aber sie ist eben auch kein Charakter, den ich sonderlich gern habe. Und nein, man muss Charaktere nicht immer mögen, damit das Buch gut ist, aber wenn man mit der Erzählerin nicht so richtig klar kommt wird es gerade bei Liebesgeschichten finde ich etwas kritisch. Das hing zum Teil aber auch mit dem Schreibstil von Laura Kneidl zusammen, der sich für mich an einigen Stellen gewollt jugendlich und umgangssprachlich liest, wo ich mir dann aber nur denke: Wer spricht/denkt/schreibt denn so? Beziehungsweise: Wer macht sowas? Beispiel: Micah neigt dazu aufzustöhnen, wenn sie etwas Leckeres isst. Macht irgendjemand sowas wirklich? Ist das nicht total merkwürdig? Oder finde das nur ich? Oder beendet irgendwer tatsächlich Nachrichten mit xoxo? Außerdem hat mich etwas gestört wie oft erwähnt wurde, dass Micah Superhelden und Manga mag. Ist ja schön, dass man dauernd dran erinnert wird, aber ich hatte das nach der fünften Erwähnung verinnerlicht und nach der zehnten war ich dezent genervt.

Okay, ich merke selbst, dass ich mir gerade etwas festfahre und in Kleinigkeiten reinsteigere, also weiter im Text: Julian ist definitiv ein interessanter Charakter. Im Klappentext wird ja bereits erwähnt, dass er ein Geheimnis hat und ehrlich, hätte ich mich nicht aus Versehen selbst beim Durchblättern des Buches gespoilert, dann wäre ich nie drauf gekommen, was eigentlich dahinter steckt. So viel soll gesagt sein: »Someone New« dreht sich viel um queere Charaktere und Laura Kneidl hat ein Thema angesprochen, das ich in einer Liebesgeschichte bisher noch nicht repräsentiert gesehen habe, weshalb es natürlich umso toller und wichtiger ist, dass »Someone New« hier die Fläche bietet.

SPOILER

Julian ist nämlich transgender. Wenn man weiß, dass er trans ist, dann findet man über das Buch verstreut viele kleine und größere Hinweise, die einen darauf stoßen, aber ehrlich, ich wusste mit der Narbe an seinem Arm nichts anzufangen. Wenn man es nicht weiß, dann tappt man als Leser genauso im Dunkeln wie Micah, die etwas ganz anderes hinter Julians Verhalten vermutet. Ich finde es wie gesagt wirklich toll, dass Laura Kneidl sich hier dafür entschieden hat, dass das Love Interest transgender ist und ich auch wenn ich nicht einschätzen kann, wie gut ihr die Repräsentation an dieser Stelle gelungen ist, so bin ich zumindest etwas zwiegespalten was Micahs Reaktion angeht, denn sie ist sehr, sehr verständnisvoll. Ich weiß, dass das schrecklich klingt, wenn ich das so sage, aber mich hätte Julians Offenbarung – besonders da er sie praktisch damit überfällt – mehr aus der Bahn geworfen. Ja, Micahs Reaktion ist mehr als löblich. Sie ist für ihn da, stellt Fragen und fragt sich selbst, ob das irgendetwas ändert, was es nicht tut, aber… wie gesagt, mich hätte das Ganze doch etwas mehr schockiert an dieser Stelle. Die beiden reden sage und schreibe fünf Seiten darüber und das war’s quasi. Dann war wieder alles gut, keiner braucht Zeit zum Nachdenken oder für sich. Das ist es, was ich meine, wenn ich sage, dass am Ende alles sehr schnell geht. Natürlich ist es schön, dass Julian von Micah und seinen Mitbewohnern derart schnell akzeptiert wird, dass keiner eine große Sache draus macht, aber all das passiert eben wirklich auf den letzen Seiten, ich hätte es schön gefunden, wenn man ein wenig mehr davon gesehen hätte, wie alle nicht nur unmittelbar damit umgehen, in dem Moment, in dem sie erfahren, dass Julian transgender ist, sondern auch noch darüber hinaus. Aber wie gesagt, ich mag es halt allgemein lieber, wenn eine Geschichte nicht nach der großen Offenbarung gleich vorbei ist. Außerdem ist die Art, wie Julians Umfeld – wenn man von seinen Eltern absieht – fast schon zu ideal für meinen Geschmack. Julian hat mit seinen Freunden praktisch den Sechster im Lotto gezogen. Ist das realistisch? Ich persönlich finde nicht unbedingt. Man bekommt ja tagtäglich mit wie viel Hass im Internet herrscht, wie Minderheiten und vieles was nicht „normal“ ist verurteilt wird und dass die Reaktionen bei Julians Outing derart positiv ausfallen finde ich zwar sehr schön, aber eben wie gesagt auch nicht unbedingt realistisch. Also nochmal, da ich total abgeschweift bin: Ich finde es super, dass »Someone New« Transgender thematisiert, insbesondere auch das Nachwort. So etwas sieht man selten in Liebesromanen und noch weniger in solchen die einen derartigen Hype abkriegen wie »Someone New.«

SPOILER ENDE

Julian mochte ich insgesamt jedenfalls deutlich lieber als Micah, auch, wenn ich nicht so wirklich weiß, was er an ihr findet. Vor allem muss ich aber auch sagen, dass er mir ziemlich leid tat. Julian ist so ein Charakter, der einem ein klitzekleines bisschen das Herz bricht, weil er so viel durchgemacht hat und deshalb das Alleine sein vorzieht, obwohl er eigentlich ein sehr geselliger Mensch ist.

Fazit?
So toll ich es auch finde, dass Laura Kneidl versucht sehr viele kritische Themen in ihrem Buch unterzubringen, so wenig konnte »Someone New« mich dann letztendlich doch begeistern. Mir wurde vieles einfach zu spät und dementsprechend dann zu knapp thematisiert, der Anfang hat sich etwas gezogen, während am Ende dann alles sehr zackig passiert ist. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass das ein Problem ist, das ich bei den meisten Büchern von Laura Kneidl habe, das Tempo in dem sie ihre Geschichten erzählt passt mir nicht so wirklich. Und so toll ich es auch finde, dass ein geyhptes Buch wie »Someone New« sich mit queeren Charakteren beschäftigt, so macht das für mich doch den Rest nicht wett. »Someone New« ist kein schlechtes Buch für mich gewesen, auch, wenn das vielleicht gerade so rüberkommt, aber aus einem Meer voller anderer New Adult Bücher sticht es eben auch nur bedingt durch die Thematik heraus, der Rest war für meinen Geschmack dann doch sehr mittelmäßig.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Warum habe ich mir das angetan? (Und das ist nicht unbedingt negativ gemeint.)

Ein wenig Leben
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Zu allererst: Ich würde gerne auf eine Bewertung verzichten, weil ich dieses Buch irgendwie unbewertbar finde, aber das geht hier leider nicht. Irgendwie kommt es mir nur falsch vor einem Buch eine gute ...

Zu allererst: Ich würde gerne auf eine Bewertung verzichten, weil ich dieses Buch irgendwie unbewertbar finde, aber das geht hier leider nicht. Irgendwie kommt es mir nur falsch vor einem Buch eine gute Bewertung zu geben, wenn es mich so hat leiden lassen. Es ist in dem Sinne kein "gutes" Buch. Ich würde es nicht empfehlen, zumindest nicht ohne Vorbehalt. Dieses Buch war heftig und deshalb fühle ich mich eigentlich nicht in der Lage es zu bewerten, aber was soll's. Kommen wir zur Rezension an sich:

»Sein Wissen hatte er aus Büchern, und Bücher logen, sie beschönigten die Wahrheit.« (S. 882)
Dieses Zitat taucht gegen Ende des Buches auf und ist mir vor allem deshalb in Erinnerung geblieben, weil es genau das Gegenteil von dem beschreibt, was »Ein wenig Leben« tut. Hier wird nichts beschönigt, nicht im geringsten. Ich muss sagen, dass »Ein wenig Leben« eines der deprimierendsten Bücher ist, das ich je gelesen habe. Wenn nicht sogar das deprimierendste. Keine Ahnung, warum mich das wundert, das Cover gibt schließlich schon einen kleinen optischen Vorgeschmack auf das Leid, das in diesem Buch zum Ausdruck kommt.

Ich weiß gar nicht so genau wo ich anfangen soll, denn irgendwie fällt es mir sehr schwer über das Buch zu sprechen. Ich kann es gar nicht richtig in Worte fassen. Und obwohl ich »Ein wenig Leben« ursprünglich dem Bauchgefühl nach 4 Sterne geben wollte, habe ich letztendlich doch auf eine Bewertung verzichtet, denn ich denke nicht, dass so ein Bewertungssystem richtig ausdrückt, wie sehr dieses Buch mich hat mitleiden lassen. Und nein, ich übertreibe an dieser Stelle nicht.

Vielmehr frage ich mich im Nachhinein – nachdem ich bereits unendlich viele Tränen vergossen habe und mein Herz für bestimmte Charaktere gebrochen ist – warum ich mir dieses Buch eigentlich angetan habe. Und… naja, es hat schon eine gewisse Sogwirkung? Also, so richtig? Ich rede hier von »Ich kann dieses Buch nicht aus der Hand legen, dabei müsste ich eigentlich schlafen oder hundert andere Dinge tun«-Sogwirkung. Das liegt zum einen daran, dass Hanya Yanagihara einen sehr schönen Schreibstil hat, der sehr angenehm zu lesen ist. Zum anderen besteht »Ein wenig Leben« – trotz, dass es ~950 Seiten hat – aus sehr wenig Kapiteln. Das Buch gliedert sich in neun Abschnitte, die wiederum jeweils nur zwei bis drei Kapitel haben und in den Kapitel selbst werden kaum Absätze gemacht. Dadurch, dass der Lesefluss also teilweise für viele, viele Seiten nicht unterbrochen wird, fiel es mir teilweise wirklich schwer das Buch aus der Hand zu legen.

Zu Anfang war ich mir recht lange gar nicht sicher, in was für eine Richtung diese Geschichte gehen würde, worum genau sie sich dreht, denn es dauerte ein wenig, bis ich an dem Punkt angekommen bin, an dem mir klar wurde, wer wirklich Mittelpunkt dieser Geschichte ist. Zunächst liest man aus den Sichten von allen vier Freunden, bis schließlich hauptsächlich nur noch Jude erzählt und einem klar wird, wie wenig seine Freunde eigentlich über ihn wissen, trotz, dass sie so gut befreundet sind. Es war erschreckend zu lesen wie viel Jude mit sich herumträgt, wie schlecht es ihm teilweise geht und wie wenig er sich helfen lässt. Es war teilweise unfassbar anstrengend in Jedes Kopf zu stecken, denn die Autorin schreibt sehr intensiv und emotional darüber was in Jude in gewissen Situationen vorgeht und seine Reaktionen trieben mir vermehrt die Tränen in die Augen. Was ich jetzt schon mehr als einmal erwähnt habe, ihr habt es also verstanden. Das hier ist ein trauriges Buch. Aber eben auch nicht nur. Und vielleicht ist traurig auch nicht ganz die treffende Bezeichnung. Jedenfalls ist »Ein wenig Leben« nicht rund um die Uhr deprimierend, es gab auch Szenen, die mich fast haben weinen lassen, weil sie schön waren. Zugegeben: Das waren wenige. Aber es gab sie. Ihr merkt also, dieses Buch war die reinste emotionale Achterbahnfahrt für mich und irgendwie bin ich wirklich froh, dass ich es beendet habe, da ich doch gemerkt habe, obwohl ich tagsüber nicht bewusst über das Buch nachgedacht habe, so hat es mir doch nach ein paar Tagen etwas auf’s Gemüt geschlagen.

Ein Aspekt, der mir wiederum richtig gut gefallen hat, war, wie viel Wert in diesem Buch auf Freundschaft und Familie gelegt wurde, gerade auch weil sich diese Beziehungen über Jahrzehnte ziehen und es sehr spannend zu lesen war, welche Stadien sie durchlaufen, welche Beziehungen wachsen und tiefer gehen und welche es schwieriger haben.

Aber auch gerade weil »Ein wenig Leben« aus mehreren Sichten und über einige Jahrzehnte hinweg seine Geschichte erzählt, muss ich ihm Nachhinein sagen, dass es an einigen Stellen fast schon zu lang war, insbesondere am Anfang hat mich das eher irritiert, als dass ich gut in die Geschichte reingefunden habe.

Fazit?
»Ein wenig Leben« ist ein Buch, das mich unfassbar mit seinen Charakteren hat mitfühlen lassen, so sehr wie kaum ein anderes Buch zuvor. Es war eine harte Geschichte, sehr ehrlich und schonungslos erzählt und wie gesagt, man muss definitiv in der richtigen Stimmung für diese Art von Geschichte sein. Verstehe ich warum so viele Leute es in den Himmel loben? Ein Stück weit schon. Dieses Buch wird mir definitiv in Erinnerung bleiben. Aber auf der anderen Seite war es glaube ich einfach nicht meine Art von Geschichte. »Ein wenig Leben« ist ein eindrucksvolles Buch, keine Frage und ich bin froh es gelesen zu haben und endlich zu wissen, was dahinter steckt, aber gleichzeitig war ich eben auch sehr froh, als ich die letzte Seite umgeschlagen habe und es zurück ins Regal stellen konnte.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Ein wirklich erstaunliches Buch

Ein wirklich erstaunliches Ding
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Auf meiner Wunschliste hatte ich »Ein wirklich erstaunliches Ding« von Hank Green schon etwas länger stehen, genau genommen so ziemlich seit es auf englisch erschienen ist. Der Aufhänger des Buches klingt ...

Auf meiner Wunschliste hatte ich »Ein wirklich erstaunliches Ding« von Hank Green schon etwas länger stehen, genau genommen so ziemlich seit es auf englisch erschienen ist. Der Aufhänger des Buches klingt einfach total cool finde ich, irgendwie ein wenig anders als so vieles, das ich in letzter Zeit gelesen habe. Das liegt zum einen daran, dass ich sehr wenig Sci-Fi lese und zum anderen habe ich noch nie ein Buch in der Hand gehabt, das sich so viel mit Social Media und unserer heutigen Gesellschaft beschäftigt. Warum ich es trotzdem erst jetzt gelesen habe? Gute Frage. »Ein wirklich erstaunliches Ding« hat mich immer irgendwie gereizt, aber gleichzeitig nicht genug, da ich doch recht durchwachsene Meinungen dazu gehört habe, etwas, das sich fortgesetzt hat, als das Buch jetzt auch im Deutschen erschienen ist.

Eigentlich nehme ich mir ja immer wieder vor nicht zu viel auf die Meinungen anderer Rezensenten zu geben, aber gerade wenn Blogs, deren Meinung man vertraut, das Buch eher mittelmäßig bewerten kommt man doch ins Grübeln. Umso froher bin ich, dass ich »Ein wirklich erstaunliches Ding« dennoch (endlich) gelesen habe, denn – und ich weiß nicht ob das daran liegt, dass ich mit niedrigeren Erwartungen heran gegangen bin – mir gefiel Hank Greens Debüt meistbietend sehr gut. Ich kann die Kritik die viele an der Geschichte üben nachvollziehen, aber nichtsdestotrotz hat »Ein wirklich erstaunliches Ding« es geschafft mich von sich zu überzeugen.

Wie gesagt bin ich eher etwas skeptisch an »Ein wirklich erstaunliches Ding« heran gegangen und das erste Kapitel war ich mir ziemlich sicher, dass ich diese Geschichte nicht mögen würde, einfach weil ich ein paar Seiten gebraucht habe um mich an den Erzählstil von Hank Green zu gewöhnen, denn man liest aus der Ich-Sicht von April, wie sie aus der (für den Leser) Zukunft auf die Geschehnisse rund um die Carls blickt und aus ihrer Perspektive berichtet. Für mich war das ein wenig gewöhnungsbedürftig zunächst, da April dadurch viele Gedanken einbringt und teilweise anfängt zu philosophieren, was einen wiederum aus der eigentlichen Handlung etwas rausreißt, mich aber, nachdem ich mich erstmal daran gewöhnt habe, gar nicht mehr gestört hat. Eher im Gegenteil, nach ein paar Kapiteln steckte ich mittendrin und mochte April als Erzählerin richtig gerne, eben weil es sich fast so anfühlt als würde sie einem tatsächlich ihre Geschichte erzählen.

Wenn ich jetzt sage, dass ich April als Erzählerin mochte, dann müssen wir einmal zwischen April als Charakter und April als Erzählerin separieren, denn den Charakter April May, wie sie sich selbst darstellt, fand ich stellenweise alles andere als sympathisch. April ist sehr Ich bezogen, handelt oft übereilt und ohne nachzudenken und allgemein dreht sich gefühlt die ganze Welt um sie. Was so besonders an ihr ist? Keine Ahnung. April ist ein ziemlich normaler Mensch, sie trifft ab und an Entscheidungen, die schwer nachvollziehbar sind und ist in mancher Hinsicht etwas verkorkst, was noch schwerer nachzuvollziehen war, weil sie teilweise zwar sehr selbstreflektiert auf die Vergangenheit blickt, teilweise aber eben auch nicht. Ergibt das Sinn? Ich hoffe. Also: Ich fand April nicht unbedingt sympathisch – im echten Leben wäre sie jemand mit dem ich nicht würde befreundet sein wollen -, aber ich mochte dennoch die Art wie sie ihre Geschichte erzählt und sich selbst dargestellt hat; ich habe ziemlich gerne aus ihrer Sicht gelesen, auch, wenn ich sie als Charakter nicht unbedingt mochte. Eine ungewöhnliche Kombination, aber irgendwie hat Hank Green es geschafft, dass eben diese Kombi sehr gut für mich funktioniert hat. Ich fand es irgendwie fast schon erfrischend, dass ich April nicht mochte, dass sie Fehler macht und das zur Genüge. April ist herrlich menschlich und das war wohl das, was mir am meisten an ihr gefiel.

Aber genug von unserer Erzählerin, machen wir noch einen kleinen Abstecher zu den Nebencharakteren. Ich muss sagen, dass mir die meisten der Nebencharaktere sympathischer waren als April selbst, obwohl ich mich bei manchen wirklich gefragt habe, was sie an April finden, denn wie gesagt, sie ist nicht unbedingt die Definition einer guten Freundin. Was die Nebencharaktere angeht fand ich vor allem großartig wie divers Hank Green schreibt, so ist Aprils ehemalige Mitbewohnerin (und Ex-Freundin) Maya zum Beispiel schwarz und lesbisch, April selbst bisexuell und Miranda, eine Wissenschaftlerin die April im Laufe der Geschichte kennenlernt, bewegt sich ebenfalls irgendwie im queeren Bereich. Das tolle dabei ist, dass Hank Green es schafft, dass die Nebencharaktere nicht durch die Minderheit der sie angehören charakterisiert werden (ich will ja kein Negativbeispiel nennen, wo das so ist, aber… wir wissen alle wovon ich rede, oder? hust Someone New hust) , sondern sie alle davon abgesehen eine wichtige Rolle für April und die Geschichte haben. Allerdings muss ich auch sagen, dass dadurch, dass man rein aus Aprils Sicht liest die Nebencharaktere teilweise doch recht wenig Screentime bekommen, dafür ist April einfach zu Ich-bezogen, und deshalb teilweise etwas flach bleiben, beziehungsweise hätte ich von ein paar, weil ich sie so gerne mochte, einfach gerne mehr gesehen… okay, ich gebe es zu, hauptsächlich geht es mir um Aprils persönlichen Assistenten Robin, der mir gegen Ende etwas Leid tat, weil er April sehr loyal gegenüber ist und ihr das Leben so viel leichter macht und sie ihn einfach nicht zu schätzen weiß. Aus irgendeinem Grund fand ich Robin jedenfalls ziemlich interessant, vielleicht gerade weil man so wenig über ihn weiß, aber ich hätte definitiv gerne noch mehr von diesem Charakter gesehen, da er doch recht eng mit April zusammenarbeitet.

Wie gesagt, ich kann die Kritik an »Ein wirklich erstaunliches Ding« stellenweise gut nachvollziehen, aber für mich hat das Konzept des Buches halt funktioniert. Zwischen »Ein wirklich erstaunliches Ding« und mir hat es irgendwie Klick gemacht. Das wird denke ich nicht bei jedem so sein, kommt vielleicht aber auch ein bisschen darauf an mit welchen Erwartungen man an die Geschichte heran geht. Ich habe mit keinem Buch voller Spannung und Sci-Fi Elementen gerechnet, trotz, dass die Carls in irgendeiner Art außerirdisches Leben sind. Ich würde sagen die Handlung ist gerade zu Anfang eher gemächlich, hat mich aber gleichzeitig sehr neugierig gemacht. Ohne dass sonderlich viel passiert hat Hank Green es geschafft, dass ich am Ball blieb und unbedingt wissen wollte, was es mit den Carls auf sich hat. April selbst tut nämlich zwar so, weiß aber tatsächlich auch nicht viel mehr als der Rest der Menschheit, obwohl sie von den Medien quasi als Carl-Botschafterin dargestellt wird. Okay, zugegeben stellt auch sie selbst sich so dar und nimmt diese Rolle dankend an. Jedenfalls tappt man zusammen mit April im Dunkeln und versucht das Rätsel um die Carls und was sie auf der Erde und von den Menschen wollen zu lösen. »Ein wirklich erstaunliches Ding« ist – zumindest die ersten zwei Drittel – nicht spannend im eigentlichen Sinne, hat auf mich aber dennoch eine gewisse Sogwirkung ausgeübt. Ich gebe da wie gesagt dem Erzählstil die Schuld, der dafür gesorgt hat, dass ich das Buch nicht so wirklich aus der Hand legen wollte.

Was mir an »Ein wirklich erstaunliches Ding« aber wohl am meisten gefallen hat, ist, wie Hank Green unsere heutige Gesellschaft porträtiert. Der Fokus dieses Buches liegt neben dem Rätsel um die Carls auf sozialen Medien und dem Umgang damit. April wird quasi über Nacht weltberühmt und es war definitiv interessant zu verfolgen was diese plötzliche Reichweite, die sie durch das Video und die darauf folgenden Besuche in Talkshows mit ihr gemacht haben. Hank Green stellt wunderbar die schönen, aber auch die nicht so schönen Seiten von Social Media dar, angefangen damit, dass April von ihrer Agentin dazu angehalten wird sich in der Öffentlichkeit als lesbisch und nicht als bisexuell auszugeben, über Trolle, den Drang immer alles sofort zu erfahren, der Erste und Schnellste zu sein und schlichtweg die Angst all diese vielen, vielen Follower wieder zu verlieren. Ich denke wir wissen alle wie viel Arbeit darin steckt Social Media Accounts ordentlich zu pflegen und April dabei zuzusehen, wie sie quasi süchtig danach wird eine höhere Reichweite zu erzielen, mehr Menschen zu erreichen mit dem was sie macht und dabei auch noch gut dazustehen war gleichermaßen erschreckend wie auch… relatable? Denn ja, April trifft einige, wirklich einige nicht ganz so tolle Entscheidungen, aber irgendwie konnte ich ihr das auch immer wieder verzeihen, weil ich bis zu einem gewissen Grad verstehen kann, warum sie tut was sie tut, sei es manchmal auch noch so dämlich.

Fazit?
Schließlich bleibt mir jetzt eigentlich gar nicht mehr so viel zu sagen, außer, dass »Ein wirklich erstaunliches Ding« für mich, obwohl es nicht perfekt ist und ich dem Buch „nur“ 4 Sterne gegeben habe, irgendwie gleichzeitig auch ein bisschen ein Jahreshighlight ist. Für mich war das Buch erfrischend anders; ich fand es toll wie divers dieses Buch war, wie treffend es in vielerlei Hinsicht unsere heutige Gesellschaft beschreibt und außerdem fand ich die Carls richtig spannend. Man tappt so lange im Dunkeln, weiß nicht so recht was man von diesen mysteriösen Robotern halten soll und schließlich ist man an Ende auch nicht viel schlauer. Das ist einer der Gründe, weshalb das Buch von mir nicht die volle Punktzahl bekommt, denn so genial ich es in vielerlei Hinsicht auch fand, ich habe immer noch nicht so wirklich eine Ahnung wo der Autor uns eigentlich hinführen möchte. Nichtsdestotrotz hat mir Hank Greens Debüt insgesamt richtig gut gefallen und ich bin gespannt auf den zweiten Teil. Wer sich von dem was ich geschrieben habe jetzt nicht abgeschreckt fühlt, dem würde ich das Buch wirklich ans Herz legen, weil es wirklich ein tolles Buch ist. Wenn nicht, dann lasst lieber die Finger davon.

Veröffentlicht am 04.06.2019

Leider für mich eine Enttäuschung

Liebe ist wie ein Rocksong
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Puh, ich weiß gar nicht wie ich diese Rezension beginnen soll. Vielleicht weiß der ein oder andere, der diesen Blog schon länger liest, wie viel mir die Rockstar Reihe von Teresa Sporrer einmal bedeutet ...

Puh, ich weiß gar nicht wie ich diese Rezension beginnen soll. Vielleicht weiß der ein oder andere, der diesen Blog schon länger liest, wie viel mir die Rockstar Reihe von Teresa Sporrer einmal bedeutet hat. Ich habe diese Bücher so sehr geliebt, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Ich habe sie zu einer Zeit entdeckt, als ich mich noch viel auf myfanfiction.de herumgetrieben habe und die Geschichten erst dort gelesen, später dann auch die eBooks, wie man das nunmal so macht, wenn man eine Reihe liebt.
Ich habe diese Bücher hoch und runter gelesen und sie einfach abgöttisch geliebt.
Aber das ganze ist eben auch ein paar Jahre her. Ich hatte befürchtet, dass ich etwas aus den Geschichten hinausgewachsen sein könnte und sie deshalb auch schon länger nicht mehr angefasst, aber nichtsdestotrotz hatte ich mich riesig gefreut, dass es endlich die Fortsetzung gab, die mein jüngeres Ich sich so sehr herbeigesehnt hat. Ich konnte nicht anders als dieses Buch zu lesen und irgendwie tut es deshalb etwas weh zu sagen, dass es mir leider so gar nicht gefallen hat.

Wie schon gesagt habe ich ein wenig das Gefühl aus dieser Reihe herausgewachsen zu sein. Den Humor, den ich früher so geliebt habe, fand ich jetzt einfach nur albern. Das Verhalten der Charaktere, das ich früher als witzig empfunden habe, fand ich jetzt einfach nur kindisch und doof.

Protagonistin Taylor ist achtzehn Jahre alt, fühlt sich total erwachsen, benimmt sich aber eher als wäre sie vierzehn Jahre oder so. Sie reagiert übermäßig dramatisch auf ungefähr alles, sodass ich sie einfach nicht Ernst nehmen konnte. Egal was passiert, Taylor macht daraus eine Situation, die man komisch finden kann – wenn man den Humor mag -, oder auch einfach unangenehm. Bei mir war letzteres der Fall.

Ich konnte mit Taylors Art einfach wenig anfangen. Sie war mir dadurch nicht unbedingt unsympathisch, aber ich habe sie als sehr kindisch empfunden und hatte das Gefühl ihr Charakter wurde sehr überspitzt dargestellt.

Dabei begrenzt sich dieses Gefühl von »zu viel« aber nicht nur auf Taylor, sondern so ziemlich jeden Charakter in diesem Buch, mit Ausnahme vielleicht von Ezra, den ich am liebsten mochte, weil er einfach der ruhigste und „normalste“ der Truppe war. Wobei ich mich in der Hinsicht wirklich des öfteren gefragt habe, was Ezra eigentlich an Taylor findet und warum er sich diese Chaos-WG bestehend aus Taylor, ihrem Zwillingsbruder Gabe und ihrer Cousine Daphne antut. Ezra ist der einzige erwachsene Charakter der sich auch erwachsen verhält, er ist sechsundzwanzig Jahre alt, steht eigentlich mitten im Leben und irgendwie hat das für mich einfach nicht zusammengepasst. Man sagt ja gerne Gegensätze ziehen sich an, aber hier hat die Chemie zwischen den Charakteren für mich einfach nicht gestimmt. Ich wusste nach dem Lesen nicht was sie eigentlich aneinander finden, warum mag Taylor Ezra und andersherum? Es wurde einfach vorausgesetzt, dass sie Gefühle füreinander haben, aber diese wurden für mich nicht wirklich durch Gedanken oder Gefühle der Charaktere gezeigt.

Aber zurück zu den Nebencharakteren: Wie gesagt lebt Taylor zusammen mit Gabe und Daphne und im Ernst? Müsste ich auch nur mit einer dieser Personen zusammen leben würde ich wahrscheinlich wahnsinnig werden. Um es kurz zu fassen: Ich hatte mit Daphne und Gabe dasselbe Problem wie mit Taylor. Sie verhalten sich sehr kindisch, kennen keinerlei Grenzen und gingen mir mit ihrem exzentrischen Verhalten daher ziemlich auf die Nerven. Dabei bleiben die Nebencharaktere außerdem sehr flach und werden hauptsächlich auf ein oder zwei Eigenschaften reduziert. Bei Daphne ist das, dass sie permanent Hunger hat und/oder isst und bei Gabe, dass er eine Freundin nach der anderen hat und sich am Laufenden Band mit Taylor streitet, wieder verträgt, wieder streitet und so weiter. Kann man als Geschwisterliebe bezeichnen, kam für mich an dieser Stelle aber auch bis auf ein oder zwei Szenen nicht rüber.

Und was die Handlung angeht? Puh, da gibt es eigentlich auch gar nicht so viel zu zu sagen. Denn eigentlich passiert gar nicht mal so viel. Nachdem Taylor Ezra (unnötigerweise wohlgemerkt) aus den Staaten nach Salzburg zitiert, weil sie (wieder einmal) übermäßig dramatisch auf etwas reagiert – wir ignorieren wie schlecht ich Situationen umschreibe, wenn ich nicht groß spoilern will, okay? – tänzeln die beiden eigentlich nur umeinander herum. Dabei passiert aber ehrlich gesagt halt auch nicht sonderlich viel und vor allem immer wieder fast dasselbe. Taylor möchte sich ihre Gefühle nicht eingestehen, macht doch einen Schritt auf Ezra zu, dann wieder drei zurück, schiebt Panik, Daphne springt dazwischen und möchte die beiden verkuppeln und dann wieder von vorne. Im Klappentext wird angedeutet, dass Taylor ein paar Probleme damit hat, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt, aber dieser Part der Geschichte, der eigentlich ganz spannend gewesen wäre, nimmt nicht einmal annähernd genug Raum ein, sondern löst sich eigentlich auch für Taylor ganz praktisch am Ende auf möglichst einfache Art und Weise. Als ich am Ende ankam, war ich fast überrascht, dass das Buch schon vorbei ist (und ehrlich gesagt auch gleichermassen froh es hinter mir zu haben), denn es gab keinen großen Konflikt, eigentlich lief alles recht unproblematisch ab und das hat mich leicht irritiert. Wir halten also fest: die Handlung in »Liebe ist wie ein Rocksong« ist nicht wirklich erwähnenswert. Leider.

Fazit?
Wenn ich das Buch (oder Taylor) in ein paar Worten beschreiben müsste, dann wäre es: Viel Drama um nichts.
Letztendlich viel es mir wirklich schwer dieses Buch zu bewerten, weil ich es so, so gerne mögen wollte, aber es einfach nicht (mehr) meinen Geschmack getroffen hat. Eine jüngere Altersgruppe kann dieses Buch, diese Art von Humor, sicherlich noch gut unterhalten, aber ich habe irgendwie das Gefühl ich bin darüber hinweg und hatte dementsprechend wenig Spaß mit »Liebe ist wie ein Rocksong«. Es gab durchaus ein paar Momente oder Szenen, in denen ich lachen musste, aber insgesamt war dieses Buch einfach nicht mein Fall. Was mir irgendwie sehr leid tut, aber gleichzeitig finde ich es auch spannend zu sehen, wie mein Lesegeschmack sich über die Jahre verändert hat.