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Veröffentlicht am 25.09.2022

Mary-Maschine

Ein weißer Schwan in Tabernacle Street
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Peter Grant, Londoner Polizist und Zauberlehrling, wurde suspendiert und rausgeschmissen. Das hat er sich auch nicht träumen lassen. Doch er hat schon eine neue Anstellung bei dem Tech-Unternehmen von ...

Peter Grant, Londoner Polizist und Zauberlehrling, wurde suspendiert und rausgeschmissen. Das hat er sich auch nicht träumen lassen. Doch er hat schon eine neue Anstellung bei dem Tech-Unternehmen von Terrence Skinner, ein Milliardär aus Australien, der nach Amerika nun seine Zelte in London aufgeschlagen hat. Der Sicherheitschef dort sucht nach einem Eindringling, der möglicherweise die Firma ausspioniert. Auch im Privatleben hat Peter einiges um die Ohren, bei dem ihm seine Zauberei kein bisschen hilft. Doch zunächst muss er sich an seinem neuen Arbeitsplatz einfügen, ohne dass die anderen merken, dass seine Aufgabe auch darin besteht, sie zu beobachten.

Auch im achten Band dieser Reihe ist Peter Grant noch als Zauberlehrling tätig. Für ihn vergeht die Zeit etwas langsamer als im wirklichen Leben. Und wie schon häufiger müssen sich Peter und sein Chef und Mentor Thomas Nightingale magischen Kräften stellen, derer sie kaum Herr werden können. Doch sie müssen den Kampf aufnehmen, um Schlimmeres zu verhindern. Peters prekäre Situation kommt dabei gerade recht. Mit seiner Freundin Beverly Brook läuft es dagegen gut. Mit ihr verbringt er den größten Teil seiner freien Zeit und mehr oder weniger gerne hilft er beim Start der Renaturierung des Flusses. Besser gefällt ihm da schon das gleichzeitig Picknick.

Man sollte die Reihe grundsätzlich kennen, aber man muss nicht jeden einzelnen Band gelesen haben. Dieser achte Band bietet einige Fortschritte Peters als Zauberlehrling und ein gefährliches Abenteuer, dass es zu bestehen gilt. Gerne taucht man mal wieder in Peter Grants Welt ein, die so ähnlich ist wie unsere, in der es jedoch einiges mehr gibt. Dabei muss man am Anfang dieses Romans ein wenig aufpassen, um alles mitzubekommen. Das ist schon toll gemacht. Auch im weiteren geht es zwar ruhig, aber doch flüssig (im Wortsinn) weiter. Es wird ein interessanter Fall aufgebaut, dessen Ursprünge weit in die Vergangenheit zurückreichen. Romane dieser Reihe lassen sich immer gut lesen, da kann man im Buchladen gerne zugreifen.

Veröffentlicht am 23.09.2022

Mord in der Provence

Verhängnisvolles Lavandou (Ein-Leon-Ritter-Krimi 7)
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Eine junge Influencerin will sich gewandt in Szene setzen. Dabei stört sie eine Art Müllsack am Strand. Darin ist die Leiche eines kleinen Jungen versteckt. Der Rechtsmediziner Leon Ritter wird an den ...

Eine junge Influencerin will sich gewandt in Szene setzen. Dabei stört sie eine Art Müllsack am Strand. Darin ist die Leiche eines kleinen Jungen versteckt. Der Rechtsmediziner Leon Ritter wird an den Fundort gerufen. Er muss eine erste Leichenschau durchführen. Leicht fällt es ihm nicht. Immer wird es schwierig, wenn Kinder betroffen sind, die noch das ganze Leben vor sich gehabt hätten. Der kleine Junge wurde verkleidet und angemalt. Wer weiß zu diesem Zeitpunkt, was ihm noch angetan wurde. Leon Ritter und seine Lebensgefährtin, die Polizistin Isabelle Morell, unternehmen alles, um den Mord an dem Kind aufzuklären.

In seinem siebten Fall bekommt es der Rechtsmediziner es mit einem wirklich grausamen Verbrechen zu tun. Wenn es um Kinder geht, ist er doch sehr betroffen. Doch niemand scheint den kleinen Jungen zu vermissen. Wird er immer namenlos bleiben? Eigentlich soll Leon sich nicht in die Ermittlungen einsteigen. Doch er untersucht die Leichen genau und mitunter kommen ihm einfach Ideen, denen er nachgehen muss. Zum Glück ist auch Isabelle die Lösung des Falles am Wichtigsten, so dass sie Ritters Vorschlägen offen gegenüber steht. Der Polizeichef sieht diese gute Zusammenarbeit manchmal nicht so gerne, schließlich wäre er selbst gerne an Isabelles Seite gelandet.

Der Rechtsmediziner Leon Ritter und seine Lebensgefährtin Capitaine Isabelle Morell bilden ein tolles Team, sowohl beruflich als auch privat. Und diesmal wird es wirklich belastend, eben wegen der Kinder. Das ist sehr fesselnd geschrieben, aber auch die gelegentlichen Ausflüge in die provencialische Landschaft oder zum Boule-Spiel mit Veronique, haben ihren berechtigten Platz. Wie es zu einer richtigen Familie gehört, kommen auch kleine Probleme mit Isabelles Tochter Lilou hinzu. Die siebzehnjährige fängt an, eigene Wege zu gehen. Ein besonderer Reiz dieses Provence-Kirmis ist es sicherlich, an dem normalen Leben des Ermittler-Paares teilhaben zu können. Doch dieser siebte Fall bietet auch einen packenden Fall, der einen in die Untiefen einer gequälten Seele blicken lässt.

Veröffentlicht am 17.09.2022

Gesetz der Liebe

Die Dringlichkeit der Dinge
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Nach dem Ablegen der Prüfungen hat der Jungjurist Mathias Gandt in Wien einen festen Plan. An erster Stelle soll die Karriere stehen. Sein erstes Bewerbungsgespräch bei dem angesehenen Anwalt Dr. Gehringer ...

Nach dem Ablegen der Prüfungen hat der Jungjurist Mathias Gandt in Wien einen festen Plan. An erster Stelle soll die Karriere stehen. Sein erstes Bewerbungsgespräch bei dem angesehenen Anwalt Dr. Gehringer läuft gut. Um Punkt 18:00 wird der Anwalt anrufen, dann ist die Stelle sicher. Erfolgt kein Anruf, sind weitere Bewerbungen notwendig. Während der Wartezeit nimmt Mathias Gandt ein Buch aus einen öffentlichen Regal. Als die ehemalige Besitzerin den Roman zurückhaben möchte, hält Gandt erstmal einen Vortrag über Sachenrecht. Für ihn überraschend endet sein Vortrag in einem Bus nach Triest, denn die ehemalige Buchinhaberin braucht einen Begleiter für eine Wohnungsbesichtigung.

Mit Paragrafenzeichen sind die Überschriften in diesem Roman versehen. Und wie ein Paragrafenreiter spricht Mathias Gandt manchmal. Eine Klaudia vom Bücherregal war im Lebensplan des Juristen Gandt nicht vorgesehen. Und doch ist sie mit ihrem Koffer in sein Leben gestürmt und Mathias macht plötzlich Dinge, die er nie erwartet hätte. Doch wo Klaudia spontan ist, hat er seine To-do-Listen. Man könnte also sagen, die beiden sind sehr unterschiedlich. Und dann ist da ja auch noch die Arbeit und die Anwaltsprüfung, für die es akribisch zu lernen gilt. Kann die Beziehung von Klaudia und Mathias überhaupt glücklich werden.

Schon die Idee einen trockenen Österreichischen Juristen und eine temperamentvolle Italienische Lehrerin eine Bekanntschaft machen zu lassen, ist witzig. Und auch die Ausgestaltung lässt nichts zu wünschen übrig. Mathias Gandt ist auf seine verschrobene Art sympathisch und Klaudia, die ihren Lebensplan offen verkündet, auch. Herrlich, wie die beiden manchmal aneinander vorbei reden und sich schließlich doch wieder treffen. Die Dringlichkeit wird beim Lesen klar und so erleben Mathias ein Jahr, für das andere durchaus zwei oder drei zur Verfügung haben. Man fragt sich, wie das gutgehen soll und freut sich, wenn doch immer wieder Lösungen zustande kommen, auch wenn Mathias dafür erst einen Vertrag aufsetzen muss. Ein Glücksvertrag mit dem Leser - eine Entdeckung von der Longlist des Österreichischen Buchpreises 2022.

Veröffentlicht am 16.09.2022

Schulkind

Achtsam morden im Hier und Jetzt
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Wie doch die Zeit verrinnt. In ein paar Tagen soll Emily, die Tochter des Anwalts Björn Diemel, eingeschult werden. Ein Anlass dies zum Thema für die Sitzung bei seinem Achtsamkeitscoach zu machen. Doch ...

Wie doch die Zeit verrinnt. In ein paar Tagen soll Emily, die Tochter des Anwalts Björn Diemel, eingeschult werden. Ein Anlass dies zum Thema für die Sitzung bei seinem Achtsamkeitscoach zu machen. Doch zum erstem Mal ist der Therapeut offensichtlich abgelenkt und er bittet Björn, die Stunde zu verschieben. Die Einschulung muss Björn nun alleine, gemeinsam mit seiner Ex-Frau durchstehen. Doch weil er die Zeitschrift auf dem Tisch seines Therapeuten für einen Hinweis hielt, besucht Björn mit Katharina ein Tantra Seminar. Total überrascht ist er, als er dort ein Bild seines Achtsamkeitstrainers entdeckt; zusammen mit dem Seminarleiter und Bhagwan.

Mit seinem vierten Roman um seinen Anwalt Björn Diemel, in dessen Umfeld schon etliche Tote aufgetaucht sind, zu überraschen. Dass noch mal was von Bhagwan zu lesen sein würde, nachdem man in den 1980ern am ehesten die Bhagwandiscos kannte, war nicht unbedingt zu erwarten. Nun lernt man also etwas mehr zu Joschka Breitners Hintergrund. Vielleicht hat man sich eh schon mal gefragt, wo das mit der Achtsamkeit herkommt oder weshalb Breitner zum Therapeuten wurde. Das wird jetzt auf interessante Weise geklärt. Lustig ist dann auch das Tantra-Seminar, das zwar zu Lach- und Ekelanfällen bei Björn und Katharina führt, aber nicht spürbar zu einer Annäherung.

Der Roman regt an, nochmal kurz über die Bewegung von Bhagwan nachzulesen. Man kann feststellen, dass diese noch nicht so tot ist, wie immer gedacht. Möglicherweise erinnert man sich noch an die orange gekleideten Menschen oder die Bhagwandiscos, die einem sehr exotisch erschienen. Überraschend, dass Breitner dazugehörte. Björn Diemels Begegnung mir Joschka Breitners Vergangenheit führt mal wieder zu einer Leiche im Keller. Das und auch das Tantra-Seminar sind humorvoll beschrieben. Die Widersinnigkeit des Settings macht genau seinen Reiz aus. Möglicherweise nehmen die Lehren Bhagwans und wie Breitner dazu gekommen ist so viel Raum ein, dass die gegenwärtige Geschichte etwas aus dem Blick gerät. Da könnte man ein wenig hin und her gerissen sein, ob das stört oder nicht sogar für den Verlauf unverzichtbar ist. Interessant ist dieser Ausflug in die Vergangenheit allemal.

Die witzige Krimihandlung gepaart mit dem Wachrufen von Erinnerungen an eine Bewegung, die wie so viele mit nachvollziehbaren Gedanken begann, dann wegen persönlicher Belange Einzelner etwas eigenartig wurde und die dann aus dem allgemeinen Blick verschwand, ergibt eine überraschend schlüssige Kombination.

Veröffentlicht am 15.09.2022

Winterküste

Nebenan
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Es ist kurz nach Weihnachten, müssten die Ferien nicht langsam vorbei sein? Julia fällt auf, dass sie die Nachbarn schon länger nicht gesehen hat. Sie selbst und ihr Mann wohnen noch nicht lange in dem ...

Es ist kurz nach Weihnachten, müssten die Ferien nicht langsam vorbei sein? Julia fällt auf, dass sie die Nachbarn schon länger nicht gesehen hat. Sie selbst und ihr Mann wohnen noch nicht lange in dem kleinen Ort am Nord-Ostsee-Kanal. So gut kennt sie die Familie nebenan auch nicht. Dann taucht jedoch ein fremder Junge auf dem Grundstück auf, der jemanden zu suchen scheint. In der Kreisstadt betreibt Astrid eine Arztpraxis, schon seit einiger Zeit überlegt sie, die Praxis abzugeben. Allerdings ist ein Nachfolger nicht leicht zu finden. Schwimmen ist ihr großes Hobby und gerne kümmert sie sich um ihre Tante Elsa.

Wieder kann man froh sein über die Auswahl, die die Jury für die Longlist zum Deutschen Buchpreis 2022 getroffen hat. Beim Erscheinen ist dieser kleine Roman nicht so aufgefallen. Umso schöner, dass das Leben in einer Nachbarschaft auf dem Land nun doch noch mehr Aufmerksamkeit bekommt. Es findet ein Wechsel im Ort statt, Alteingessene sterben, ihre Kinder hat es in die Welt gezogen und die Neuen bleiben häufig für sich oder unter sich. Und dennoch gibt es Begegnungen und Begebenheiten. Menschen versuchen, ihre Träume zu erfüllen, ihr Leben zu leben oder sich Neuem zu öffnen.

Ruhig und melancholisch kann der Roman auf den Leser oder die Leserin wirken. Dennoch wird man gefangen genommen von dem kleinen Ort in Norddeutschland. Man spürt die Veränderungen, die die Zeit gebracht hat. Besonders die Kreisstadt ist wohl mit vielen Kreisstädten vergleichbar, Leerstand und Tristesse herrschen vor und wenig kann getan werden, um dies zu ändern. Und doch strahlt die Handlung eine gewisse Wärme aus, nach der Vereinzelung ein langsames Herantasten an den Nächsten. So Mittendrin hört es auf, dass man geneigt ist, sich die Entwicklungen in dem kleinen Dorf selbst weiterzudenken. Und so ist es wohl das Leben, es fließt dahin immer weiter. Man kann nichts bis zum Schluss erzählen, weil es einen Schluss in dem Sinne garnicht gibt.