Cover-Bild Niemand weiß, wie spät es ist
20,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Zsolnay, Paul
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 272
  • Ersterscheinung: 25.07.2016
  • ISBN: 9783552063266
René Freund

Niemand weiß, wie spät es ist

Roman
Nora hat ihren Vater verloren. Das wäre schon schlimm genug, doch dann erfährt sie seinen letzten Willen. Sie muss Paris und ihr schönes Leben in Frankreich verlassen, um mit der Asche ihres Vaters im Handgepäck und einem pedantischen jungen Notariatsgehilfen, der ihr täglich das nächste Etappenziel mitteilt, eine Wanderung zu unternehmen – durch Österreich, ein Land, das sie kaum kennt. Nora, die lebenslustige Chaotin, und Bernhard, der strenge Asket, folgen zwischen Regengüssen, Wortgefechten und allmählicher Annäherung einem Plan, der ihr Leben auf den Kopf stellen wird. Ein Roman über Liebe und Freundschaft und über eine ungewöhnliche Reise mit überraschendem Ziel.

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.12.2016

Das Geheimnis des Lebens

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Der neue Roman des österreichischen Autors René Freund hat mich wieder davon überzeugt, dass wir hier in Österreich wirklich hervorragende Schriftsteller haben, denen man mehr Aufmerksamkeit schenken sollte.
Ich ...

Der neue Roman des österreichischen Autors René Freund hat mich wieder davon überzeugt, dass wir hier in Österreich wirklich hervorragende Schriftsteller haben, denen man mehr Aufmerksamkeit schenken sollte.
Ich habe bereits zwei Bücher von René Freund gelesen: "Liebe unter Fischen" meine Rezi und "Mein Vater, der Desserteur" meine Rezi. Dieser ist jedoch ein biografischer Roman aus dem Leben seines Vaters. Beide Bücher haben mir sehr gut gefallen und deswegen war ich schon sehr neugierig auf René's neuen Roman, den ich mir aus der Bücherei mitgenommen habe.

Die Inhaltsangabe klingt eigentlich nicht wirklich neu. Irgendwo habe ich schon ähnliche Klappentexte gelesen, die allerdings meistens mit humorigen Romanen in Verbindung gebracht wurden. Auch in "Niemand weiß, wie spät es ist" klingt Humor durch, jedoch ist dieser einfühlsame Roman keine wirkliche Komödie, sondern eher eine kleine Selbstfindung der Hauptprotagonistin.
Diese heißt Nora, ist Französin und wird nach dem Tod ihres Vaters Klaus mit seinem ungewöhnlichen letzten Willen konftrontiert. Sie soll gemeinsam mit einem österreichischen Notariatsgehilfen die Urne ihres Vaters an einem noch unbekannten Ort in Österreich bringen. Mittels Videobotschaft oder Briefen wird die nächste Teilstrecke, die die Beiden zurücklegen müssen, bekannt gegeben.
Nora ist außer sich vor Wut. Die chaotische Journalistin, die das französische "laissez-faire" liebt, soll in die von ihr ungeliebte Heimat ihres Vaters reisen. Noch dazu mit Bernhard, diesem pedantischen und langweiligen Schnösel, der die notarielle Aufsicht hat. Nora will diese Reise so schnell wie möglich hinter sich bringen und rechnet so gar nicht mit einer Art Schnitzeljagd durch Österreich....vorallem nicht zu Fuß! Denn in ihrem Koffer sind mehr Cocktailkleider als praktische Hosen und an den Füßen trägt sie Stöckelschuhe statt Wanderschuhe......

Mit viel Humor, bei dem wir Österreicher vom Autor ein bisschen auf die Schippe genommen werden, beschreibt René Freund nun den Weg von Nora von Wien ausgehend Richtung Westen. Dabei kommen sie auch in meiner Gegend vorbei und ich habe mich zerkugelt über die Bermerkungen über unsere Region ;)
Größtenteils zu Fuß soll Nora sich durch die anfängliche Hügellandschaft und spätere Bergwelt quälen. Wie sich die beiden sehr ungleichen Charaktere zusammenraufen, ist wunderbar beschrieben. Auch die lebendigen Schilderungen der oft eskalierenden Szenen zwischen Nora und Bernhard, sowie die bildhafte Beschreibung der Umgebung, lassen viele Bilder im Kopf entstehen.
Die melancholischen Einschübe durch die Botschaften des verstorbenen Vaters zeigen auch eine andere Seite von ihm, die Nora nicht kannte. Hier hält der Autor immer etwas inne und lässt auch manchmal dem Leser etwas nachdenklich zurück. Bernhard, der notarielle Begleiter, zeigt ebenfalls immer mehr überraschende Eigenschaften, die Nora ihm nie zugetraut hätte.
Hat man den Klappentext gelesen, erwartet man als Leser eine 08/15 (Liebes-)geschichte, doch René Freund hält hier eine Überraschung bereit, mit der der Leser nicht wirklich rechnet. Mich konnte er auf jeden Fall mit seiner unvorhersehbaren Wendung verblüffen.
Dieses Ende und die wunderbare Beschreibung der Reise zum Ich, die Nora antritt, machen diesen Roman zu etwas Besonderem.

Schreibstil:
René Freund hat einen sehr einnehmenden Schreibstil, der mich überzeugt und berührt. Die humorvollen Einlagen haben mich schon bei "Liebe unter Fischen" begeistert. Auch die sehr bildhaften Beschreibungen der gemeinsamen Reise von Wien ausgehend Richtung Westösterreich waren absolut gelungen. Da ich sehr viele Regionen kannte, die der Autor beschrieben hat, fühlte ich mich fast wie zuhause ;)

Fazit:
"Niemand weiß, wie spät es ist" ist meiner Meinung nach der beste Roman des Autors, den ich bis jetzt gelesen habe (die Biografie seines Vater zähle ich hier nicht mit!). Ich habe mitgelacht und mitgefiebert, wohin Noras Vater sie schlussendlich schickt und welches Geheimnis es zu entdecken gibt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 25.10.2016

Niemand weiß wie spät es ist

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Nora hat, sehr zu ihrem Missfallen, eine Mission zu erfüllen. Sie soll die Urne ihres Vaters an ihren letzten Bestimmungsort bringen und sich dazu auf eine Reise mit unbekanntem Ziel nach Österreich begeben. ...

Nora hat, sehr zu ihrem Missfallen, eine Mission zu erfüllen. Sie soll die Urne ihres Vaters an ihren letzten Bestimmungsort bringen und sich dazu auf eine Reise mit unbekanntem Ziel nach Österreich begeben. Dabei soll sie, laut Testamentsverfügung von dem Notariatsgehilfen Bernhard Petrovits begleitet werden. Auf diesen würde sie aber ebenso gerne verzichten, wie im Grunde genommen auf die ganze Reise. Nur mit äußerstem Widerwillen fügt sie sich in ihr Schicksal und so macht sich das ungleiche Paar auf den Weg.

Den täglich aktualisierten Anweisungen folgend bezwingen sie eine Etappe nach der anderen. Neben der Bewältigung der dabei auftretenden Probleme haben sie jede Menge Zeit sich kennenzulernen und miteinander warm zu werden. Die Reise entwickelt sich zunehmend zu einer Tour zwischen Philosophie und Selbsterkennung, die sich auf höchst amüsante Art und Weise mit den existenziellen Themen des Lebens auseinandersetzt.

Fazit
Eine sehr gefühlvolle Geschichte, voll hintergründiger Komik die der dahintersteckenden Tragik die Spitze nimmt und zum Nachdenken einlädt. Ein wunderbares Buch, dass man unbedingt gelesen haben sollte.

Veröffentlicht am 09.10.2016

Des Vaters letzte Reise

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" Und auch, wenn ich wie wir alle den Sinn nicht erkennen kann, möchte ich auf den Sinn wetten. Das macht unser Leben einfach größer und erfüllter.

Als Nora Weilheim zur Testamentsverlesung ihres Vaters ...

" Und auch, wenn ich wie wir alle den Sinn nicht erkennen kann, möchte ich auf den Sinn wetten. Das macht unser Leben einfach größer und erfüllter.

Als Nora Weilheim zur Testamentsverlesung ihres Vaters vorgeladen wird, muss sie sich mit einer ungewöhnlichen Bitte des Verstorbenen auseinandersetzen. Er hat verfügt, dass Nora unter notarieller Aufsicht eine Reise absolvieren muss, die sie quer durch Österreich führen wird und erst nach Erfüllung dieser Aufgabe, wird die Nachlassverfügung aktiv. Etwas missmutig gestimmt macht sich die junge Frau auf den Weg. Der ihr zugeteilte Begleiter treibt sie in seiner Spießigkeit an den Rand der Verzweiflung und wächst ihr doch nach und nach ans Herz. Doch noch bevor die beiden ihr Ziel erreicht haben, machen sie eine folgenschwere Entdeckung, denn Noras Vater bezweckt mit dieser organisierten Wanderung noch etwas ganz anderes ...

Dieser Roman überrascht mit einer humorvoll-traurigen Geschichte, die ebenso profan wie besonders ist. Eine durchaus realistische Ausgangssituation wird hier zur Bewährungsprobe und bewirkt eine charakterliche Veränderung samt Weiterentwicklung bei den Protagonisten.

Der Autor schickt die arbeitslose, chaotische Nora, die keine besonderen Lebenspläne hat und sich eher auf Sinnsuche befindet mit dem anscheinend organisierten, pedantischen und veganen Bernhardt auf eine ganz besondere Reise. Die Charaktere sind liebevoll und detailliert beschrieben, so dass man als Leser beide Figuren mag und ihre Kauzigkeit zu schätzen weiß.

Mittels Brief- bzw. Videobotschaften gibt Noras Vater die Etappenziele bekannt und offenbart in seinen posthumen Ansprachen viele Emotionen, gibt Dinge preis, von denen seine Tochter nichts wusste und erzählt von der großen Liebe zu seiner frühzeitig verstorbenen Frau, Noras Mutter. Gerade diese Sequenzen haben viele philosophische Denkansätze und zeugen von Lebenserfahrung und großer Liebe. Der Transfer an den Leser gelingt hier mühelos.

Zeitweise verläuft die Geschichte etwas handlungsarm, gewinnt aber durch eine unerwartete Wendung in den Beziehungsverhältnissen zwischen Nora und ihrem Begleiter wieder an Schwung und Aussagekraft, so dass ein rundherum gelungener Wohlfühlroman entsteht, der direkt aus dem Leben gegriffen scheint.

Ich vergebe 4,5 Lesesterne (aufgerundet 5) für diese herzliche, direkte und emotionale Geschichte, die mich mit humorvollen Sequenzen, tiefen Wahrheiten und traurigen Erkenntnissen überzeugen konnte. Eine Geschichte, die davon erzählt, wie wichtig es ist, offene und aufrichtige Beziehungen zu führen, wie bedeutsam die Liebe für den Menschen sein kann und auch, dass es niemals zu spät ist, über seine Verfehlungen nachzudenken und einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen. Das Thema Trauer wird hier nicht stilisiert sondern als eine Möglichkeit geschildert, die sich bietet, um Resümee zu ziehen. Sehr ehrlich, sehr wahr und absolut lesenswert.





Veröffentlicht am 04.10.2016

Die Menschen spielen Leben

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Um ehrlich zu sein, anhand des Covers wäre ich in einer Buchhandlung glatt am Buch vorbeigelaufen- und ich hätte eine wirklich wundervolle Geschichte verpasst.

Nora soll nach der Testamentseröffnung ...

Um ehrlich zu sein, anhand des Covers wäre ich in einer Buchhandlung glatt am Buch vorbeigelaufen- und ich hätte eine wirklich wundervolle Geschichte verpasst.

Nora soll nach der Testamentseröffnung den letzten Willen ihres Vaters erfüllen...und der ist nicht alltäglich und alles in allem sehr außergewöhnlich.
Mit dem Notariatsgehilfen Bernhard soll sie mitsamt der Urne ihres Vaters verreisen - genauer gesagt nach Österreich - um dort die Urne beizusetzen. Genauere Details bekommen beide per Mail oder Videobotschaft täglich vom Notar übermittelt - die Botschaften waren für mich sehr emotional und haben mich inne halten lassen.
Auf der Reise lernen sich nicht nur Nora und Bernhard gegenseitig besser kennen, auch beide Protagonisten alleine erfahren auf dem Weg zur Beisetzung einiges über sich, dass sie so noch nicht von sich wussten.
Trotz aller Ernsthaftigkeit bei der Reise kam auch der Spaß nicht zu kurz...mir gefiel besonders gut die Passage, wo beide sich auf dem Tandem abmühen...Ja, Sir, ok Sir...

Ich musste an manchen Stellen schmunzeln, an einigen Stellen mit den Tränen kämpfen.

In Erinnerung wird mir der zitierte Satz aus dem Buch bleiben: Die Menschen spielen Leben...

Veröffentlicht am 15.09.2016

Emotional, witzig, ernst - eine geniale Mischung

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Noras Vater, Klaus Weilheim, ist gestorben. Doch er ist nicht enfach so gestorben, er wusste von seinem nahenden Tod und hat daher bei einem Notar detailliete Anweisungen für seine Tochter hinterlassen. ...

Noras Vater, Klaus Weilheim, ist gestorben. Doch er ist nicht enfach so gestorben, er wusste von seinem nahenden Tod und hat daher bei einem Notar detailliete Anweisungen für seine Tochter hinterlassen. Nora soll unter notarieller Aufsicht sich auf eine Wanderstrecke mit seiner Urne im Handgepack auf die Reise machen. Sie bekommt tägliche Mitteilungen wie es weitergehen soll, aber noch kein Hinweis auf das Ziel. Begleiten soll sie der Wiener Notariatsanwärter Bernhard.
Nora ist nicht nur noch sehr geschockt über den Tod ihres geliebten Vaters und die unglaubliche Testamentseröffnung, hinzu kommt noch - der zwar gutaussehende - Bernhard, der sich aber als sehr steif, korrekt und mit weiteren Eigenheiten erweist.......Nora will einfach ablehnen, das Erbe ausschlagen. Aber das erweißt sich als unmöglich für sie. Also beißt sie in den sauren Apfel und zieht los, mit Trolley und eine Mischung aus Wut, Trauer und Kampfgeist im Bauch und Ironie ihrem Begleiter gegenüber.

Es fällt mir schwer alles wiederzugeben, was dieses Buch ausmacht, denn es ist so viel. Es steckt Witz und Humor darin, aber auch sehr viel emotionaler Abschied einer Tochter von ihrem Vater und umgekehrt. Es sind ernste (Gesprächs-)Themen, es sind die Entwicklungen der Protagonisten, es sind die überraschenden Wendungen und dann auch noch spannende Szenen. Alles ist abgerundet verpackt, es gibt keine Brüche, es gibt einen roten Faden, es ist einfach nur wundervoll zu lesen. Taschentücher aber bitte in der Nähe behalten !
Einmal angefangen, kann man einfach nicht wieder aufhören zu lesen. Auch ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit ausgelesen, dabei sind es doch 270 Seiten.
Die Geschichte lässt einen lange nicht los und beschäftigt einen noch weiter.

Nora und Bernhard - zwei wirklich überzeugende Protagonisten, mir als Leser hat es viel Spaß gemacht, sie auf dem Weg von Paris bis nach Österreich und vor allem durch Österreich zu "begleiten". Aber nicht nur der Witz, der Spaß war es, der mich gefesselt hat, sondern vor allem auch die Zwischentöne, die Dialoge, die emotionalen Botschaften für ihren Weg. Der Ernst, der hinter der ganzen Geschichte steckt, durchaus nicht versteckt, sondern offen den Leser auch fordert.


Fazit:
Eine Geschichte, die man sich nicht entgehen lassen sollte, denn sie ist emotional, witzig, überraschend, spannend und dennoch mit Tiefgang...alles was das (Leser)Herz begehrt.
120 %ige Leseempfehlung von mir !