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Veröffentlicht am 02.09.2025

Gute Ansätze, teilweise aber zu oberflächlich

Das M-Wort
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Die Autorin hat mit "Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral" ein Essay abgeliefert, in dem sie uns daran erinnern möchte, dass Moral ein wichtiger Baustein des menschlichen Zusammenlebens bildet.

In ...

Die Autorin hat mit "Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral" ein Essay abgeliefert, in dem sie uns daran erinnern möchte, dass Moral ein wichtiger Baustein des menschlichen Zusammenlebens bildet.

In Zeiten, in denen Moral scheinbar immer mehr zu einem Schimpfwort abgewertet wird, liefert Anne Rabe mit ihrem Essay einen durchaus wichtigen Beitrag ab.

Ich mag, dass sie auf eigene Erfahrungen zurückgreift und ich mag, dass sie nicht so tut, als schriebe sie wertneutral. Sie schreibt nicht neutral und in Bezug auf die Thematik ist es meiner Meinung nach auch folgerichtig, dass sie Position bezieht.

Tatsächlich stimme ich ihr auch in vielen Punkten zu. Allerdings blieben ihre Ausführungen am Ende hinter meinen Erwartungen zurück. Denn Anne Rabe fokussiert sich stark auf das, was ihrer Ansicht nach falsch läuft, stellt dem aber nur vereinzelt gegenüber, was mit (mehr) moralischem Handeln besser wäre.
Dadurch steht die Empörung über Fehlentwicklungen im Vordergrund, nicht aber das, was der Titel des Buches zumindest mir suggeriert hat: Gründe zu benennen, weshalb Moral gut und wichtig ist, also die positiven Effekte gelebter Moral.

Es gibt immer wieder Momente, in denen durchscheint, was das Buch bzw. die Autorin hätte abliefern können, wäre der Text etwas ausführlicher geworden. In der Summe blieb mir aber alles zu oberflächlich.

Sicher: Wer Moral nicht als Schimpfwort empfindet, sondern als lohnenswertes Konstrukt für ein gesundes Miteinander, der wird während des Lesens wie ich alles in allem viel Zustimmung empfinden, aber ein echtes Plädoyer für die Moral (das im besten Fall sogar einige SkeptikerInnen zumindest zum Nachdenken anregte) ist "Das M-Wort. Gegen die Verachtung der Moral" leider nicht geworden.

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Veröffentlicht am 28.08.2025

Gutes Kochbuch für Schmortopf-Gerichte

Cocotte
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Die Foodbloggerin Amandine Bernardi hat ein Rezeptbuch veröffentlicht, das sich dem Schmoren, Braten und Backen mit der so genannten Cocotte widmet.

Zunächst erklärt sie ein bisschen die Grundlagen: ...

Die Foodbloggerin Amandine Bernardi hat ein Rezeptbuch veröffentlicht, das sich dem Schmoren, Braten und Backen mit der so genannten Cocotte widmet.

Zunächst erklärt sie ein bisschen die Grundlagen: Wie pflegt man eine Cocotte richtig, wie genau schmort, brät oder backt man damit? Dann kommt der Rezeptteil, auf den es mir hauptsächlich ankam.

Der Rezeptteil ist klar gegliedert: Es gibt Rezepte zu Rind, Kalb, Lamm, Schwein, Geflügel und Kaninchen, Fisch und Meeresfrüchte, vegetarische Gerichte und Beilagen, eine Rubrik mit dem Titel "Schmortopf mal anders", in dem Brot und Desserts aus der Cocotte vorgestellt werden. Am Ende gibt es noch einmal Übersichten der Rezepte nach Thematik geordnet sowie ein Register.

Die Rezepte bieten alles in allem eine ganz gute Auswahl. Von einfach bis aufwendig ist so gut wie alles dabei. Mir persönlich war die Rezeptauswahl zu fleischlastig und altmodisch, insgesamt wenig originell. Ich hatte mir mehr Kreativität erhofft. Letztlich ist "Cocotte" eine Ansammlung bereits vielfach bekannter Rezepte für den Schmortopf. "Cocotte" dürfte vor allem für EinsteigerInnen interessant sein.

Aufbau und das schlicht wirkende, aber durchdachte Design des Buches sind gelungen.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Guter Auftakt zu einer Cody-Krimi-Reihe

Mord in der Wiener Werkstätte
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Die junge Lili lebt mit ihrem alkohol- und spielsüchtigen Vater in ärmsten Verhältnissen im Wien des Jahres 1906. Durch einen Zufall erhält sie eine Arbeitsstelle als Putzfrau in der Wiener Werkstätte. ...

Die junge Lili lebt mit ihrem alkohol- und spielsüchtigen Vater in ärmsten Verhältnissen im Wien des Jahres 1906. Durch einen Zufall erhält sie eine Arbeitsstelle als Putzfrau in der Wiener Werkstätte. Doch schon bald wird eine der dort tätigen Künstlerinnen ermordet aufgefunden.

Mir hat der (Cozy-) Kriminalroman insgesamt gut gefallen. Der Schreibstil ist sehr angenehm, das Setting ist klasse und der Autorin Beate Maly ist es super gelungen, das Wien im Jahr 1906 einzufangen. Sowohl der extreme einiger weniger Personen sowie dazu im Gegensatz die Armut vieler anderer, die Unterdrückung der Frauen sowie die weitreichenden Befugnisse des Kaisertums Österreich werden geschickt in die Geschichte eingewebt.

Doch trotz dieser Melange handelt es sich nicht um einen gesellschaftskritischen Roman, sondern im Kern um einen Cozy-Krimi, so dass zwar einige realistische Szenerien Eingang in den Roman gefunden haben, im Vordergrund aber das "Wohlbehagen" der LeserInnen steht. Das ist aus meiner Sicht legitim und wer knallharten Realismus mag, sollte lieber die Finger von "Mord in der Wiener Werkstätte" lassen.

Wer jedoch Cozy-Krimis mag, wird hier nicht enttäuscht. Der Roman hält eine alles in allem angenehme Balance aus Rätseln, Spannung, Wiener Geschichte und leichteren Story-Elementen. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, auch wenn natürlich auch hier nicht zwingend der Realismus im Vordergrund steht. Aber es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Verhältnisse der Hauptfiguren im Verlauf der weiteren Roman entwickeln werden. Eine gute Basis wurde jedenfalls gelegt.

Ich persönlich hätte mir einen etwas stärkeren Fokus auf die Ermittlungsarbeit sowohl des Ermittlers Max von Krause als auch Lilis gewünscht. Die ist meiner Meinung nach etwas zu viel von Zufällen bestimmt und tritt oftmals in den Hintergrund.

Aber alles in allem bietet Beate Maly mit "Mord in der Wiener Werkstätte" gute Unterhaltung. Sie hat sowohl die Charaktere als auch die Stadt Wien des Jahres 1906 zum Leben erweckt, so dass zumindest ich gerne auf weitere Romane dieser Reihe gespannt bin. Das Rätsel, wer sich hinter den Morden verbirgt und was das Motiv für sie ist, hat mich zudem gut bei der Stange gehalten, so dass ich das Buch an einem Tag gelesen habe.

3,5 Sterne und eine Leseempfehlung für alle Cozy-Krimi-LiebhaberInnen.

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Veröffentlicht am 16.05.2025

Kurz, prägnant, interessant

«Grenzen akzeptieren wir nicht!»
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Anhand ihrer beiden Lebenswege zeigt Umes Arunagirinathan in Abstimmung mit Peggy Parnass (die kurz vor der Veröffentlichung des Buches verstarb) auf, was es bedeutet, fliehen zu müssen bzw. vertrieben ...

Anhand ihrer beiden Lebenswege zeigt Umes Arunagirinathan in Abstimmung mit Peggy Parnass (die kurz vor der Veröffentlichung des Buches verstarb) auf, was es bedeutet, fliehen zu müssen bzw. vertrieben zu werden.

Peggy Parnass musste als Kind gemeinsam mit ihrem Bruder zunächst nach Schweden fliehen, um der NS-Herrschaft zu entfliehen und dem Holocaust zu entkommen. Umes Arunagirinathan wiederum musste Jahrzehnte später vor dem Bürgerkrieg in Sri Lanka fliehen.

In beiden Fällen waren es die Eltern, die ihre Kinder bzw. ihren Sohn die Flucht ermöglichten.

Aufgrund der Kürze bleibt naturgemäß Vieles auf der Strecke. Umes Arunagirinathan arbeitet kurz die Fluchtgründe heraus. Ebenso kurz, ohne Pathos, aber prägnant, schildert er anhand seines und Peggys Lebens, was Flucht selbst, die Ungewissheiten, Beschwernisse und Ängste während der Flucht, die bürokratischen Hürden im Ankunftsland und noch vieles mehr mit den Menschen machen.

Er zeichnet dann vor allem Peggy Parnass' Lebensweg nach, ihre Traumata, ihren Aktivismus. Anhand ihres Lebensweges und ihrer Erfahrungen erfahren wir auch - wie bei allen Themen im Buch knapp, aber dennoch fühlbar - viel über den Umgang deutscher Gerichte mit Nazi-Verbrechern abseits der Nürnberger Prozesse.

Natürlich erfahren wir auch einiges von und über Umes Arunagirinathan, aber ich hatte den Eindruck (der täuschen kann), dass der Fokus auf Peggy Parnass liegt.

Schön herausgearbeitet wurde in dem Buch, das beide nicht die Hoffnung auf eine bessere und gerechtere Welt aufgegeben haben. Wir erfahren viel von ihrem Einsatz für diese bessere Welt und die Beweggründe, warum dieser Einsatz so wichtig ist - und zwar nicht nur von diesen beiden Menschen, sondern auch von uns, den LeserInnen, und das jeden Tag.

Es ist interessant zu lesen, wie gegensätzlich und doch ähnlich sich diese beiden Menschen sind. Und es ist auch ein schönes Plädoyer, offen zu bleiben, nicht nur die eigene Blase wahrzunehmen, sondern auch anderen Meinungen ein offenes Ohr zu bieten und sich darüber Gedanken zu machen. Es gibt nicht nur schwarz und weiß, es gibt auch ganz viele Grautöne.

Ich hätte mir oftmals etwas mehr Tiefe gewünscht. Ich verstehe, dass "Grenzen akzeptieren wir nicht" eine gewisse Bandbreite bieten möchte. Am Ende blieb bei mir vor allem der Eindruck haften, dass "Grenzen akzeptieren wir nicht" eine Zusammenfassung bereits veröffentlichter Bücher und Schriften sowohl von Peggy Parnass als auch Umes Arunagirinathan ist. Wer also deren Veröffentlichungen bereits kennt, kann sich "Grenzen akzeptieren wir nicht" praktisch sparen, was durch den Anhang nochmals verdeutlicht wird.

Insofern ist das Büchlein vor allem denjenigen zu empfehlen, die bisher noch nichts oder nur sehr wenig von und über Peggy Parnass und Umes Arunagirinathan gelesen oder gehört haben.

Am Ende ist "Grenzen akzeptieren wir nicht" eine gelungene Hommage an Peggy Parnass und ihr Wirken. Und das ist doch was.

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Veröffentlicht am 02.04.2025

Ein Erlebnis!

HEN NA E - Seltsame Bilder
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Für mich war Uketsus "HEN NA E - Seltsame Bilder" ein Erlebnis. Das Buch bietet einen Kriminalroman der etwas anderen Art: Uketsu erzählt seine Geschichte nicht nur, sondern er liefert auch noch Bilderrätsel, ...

Für mich war Uketsus "HEN NA E - Seltsame Bilder" ein Erlebnis. Das Buch bietet einen Kriminalroman der etwas anderen Art: Uketsu erzählt seine Geschichte nicht nur, sondern er liefert auch noch Bilderrätsel, Diagramme und noch einiges mehr, die zur Lösungsfindung beitragen (können). Der Verlag bezeichnet das Ergebnis durchaus treffend als Sketch-Mystery-Roman.

"HEN NA E - Seltsame Bilder" ist - ich gebe es zu - eins der wenigen Bücher, bei denen ich es bereue, mich für das E-Book entschieden zu haben, denn ich kann mir gut vorstellen, dass es gedruckt noch einmal das Erlebnis steigert.

Gleich am Anfang werden wir mit dem ersten Bilderrätsel konfrontiert. Es ist der Aufhänger für den Roman, der aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt wird. Es ist alles ein bisschen so, als würde man die unterschiedlichsten Schnipsel zusammensetzen. Das ist eine ganz eigenartige und interessante Leseerfahrung. Mir hat das zumindest sehr gefallen. Vor allem die ersten beiden Teile des Romans laden zum Miträtseln ein, während der dritte Teil die Auflösung(en) liefert.

So, wie der Roman konzipiert ist, müssen sich LeserInnen allerdings darauf einlassen können, dass es sehr viele Wiederholungen gibt. Das kann man als nervend empfinden oder als belehrend, für mich hat es zum allgemeinen Stil des Romans gepasst. Ich kann aber verstehen, dass sich LeserInnen daran stören.

Den Schreibstil von Uketsu habe ich als angenehm empfunden. Es ist eher ein Berichtsstil - auch bei Dialogen -, was dazu führt, dass sprachlich wenig Emotionen transportiert werden. Diese Ergeben sich mehr aus dem Inhalt des Gesagten bzw. Geschriebenen und weniger aus dem Wie.

Das Miträtseln bei den Fällen hat mir viel Spaß bereitet und genau das ist der Sinn der ganzen Sache. Die ersten beiden Teile erfüllen ihren Zweck diesbezüglich hervorragend: Die LeserInnen machen automatisch mit, es gibt allerlei Aha-Momente und vor allem entsteht nach und nach ein Bild, dass schon einige Antworten gibt, aber noch nicht alle.

Die werden im dritten Teil geliefert. Und genau da fangen für mich die Probleme an. Die ersten beiden Teile sind grandios. Sie sind super konstruiert, sie haben trotz vieler Wiederholungen ein klasse Tempo, sie sind eine Einladung an die LeserInnen. Ich war und bin echt begeistert. Der dritte Teil fällt dagegen deutlich ab.

Wir bekommen alles, wirklich alles bis ins kleinste Detail erklärt. Nichts gegen Details. Nichts gegen Erklärungen. Aber nicht so. Nicht in dieser Menge, nicht in dieser Ausführlichkeit, nicht in dieser Langatmigkeit. Zumal einfach zu viel an den Haaren herbeigezogen ist. Im dritten Teil wird in dem Bemühen, jedes noch so kleine Detail aufzuklären, völlig unnötig zumindest teilweise der Pfad einer wie auch immer gearteten Plausibilität verlassen. Es ist wirklich schade!

Gelungen ist dagegen, dass im dritten Teil der Bogen zum Anfang geschlagen wird, so dass sich am Ende der Kreis schließt. Das fand ich persönlich wieder toll.

Fazit: "HEN NA E - Seltsame Bilder" ist definitiv ein Erlebnis. Auf einiges - wie zum Beispiel viele Wiederholungen - muss man sich einlassen können. Schwachpunkt ist aus meiner Sicht der letzte Teil, der ohne Grund langatmig und teilweise unrealistisch geraten ist. Toll fand ich aber die ersten beiden Teile des Buches, in denen wir LeserInnen fleißig miträtseln konnten und sich nach und nach eine spannende Kriminalgeschichte entspann.

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