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Veröffentlicht am 10.03.2018

Roadtrip ins Glück

Mit Hanna nach Havanna
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Für Katrin bricht eine Welt zusammen, als sie ihre Sendung beim Sender „Hello TV“ aufgeben muss, um ein Format für Senioren zu moderieren. Die Diplomphysikerin kam durch Zufall zum Fernsehen. Als studentische ...

Für Katrin bricht eine Welt zusammen, als sie ihre Sendung beim Sender „Hello TV“ aufgeben muss, um ein Format für Senioren zu moderieren. Die Diplomphysikerin kam durch Zufall zum Fernsehen. Als studentische Aushilfe schleppte sie Kabel. Es blieb indes nicht bei dieser Tätigkeit, und bald dachte Katrin nicht mehr ans Promovieren,sondern entwickelte sich zur ambitionierten Journalistin.

Als Katrin jedoch das Angebot bekommt, mit einer alten Dame nach Kuba zu reisen, schöpft die Mittdreißigerin neuen Mut, denn sie liebäugelt damit, für eine Reisereportage den "Goldenen Griffel", einen begehrten Preis der Branche zu erhalten. Katrin überlässt nichts dem Zufall, sie ist ehrgeizig, strebsam und stets auf den eigenen Vorteil bedacht. Ihre Reisepartnerin Hanna ist das genau Gegenteil der verbissenen Karrierefrau, denn die Adelige ist eine gelassene und lebenslustige alte Dame, die ganz andere Prioritäten setzt als Katrin.
Eines aber ist ihr wichtig: Sie möchte unbedingt ihre Jugendliebe auf Kuba finden!
Im rosa Cadillac erkunden die beiden Frauen die Karibikinsel. Die abenteuerliche Reise wird vor allem für Katrin zum Selbstfindungstrip …
„Mit Hanna nach Havanna“ bietet beste Unterhaltung mit Tiefgang und einem Schuss Gesellschaftskritik. Angeprangert wird der Optimierungsdruck und ein gnadenloser Jugendwahn, unter welchem vor allem Frauen zu leiden haben. Doch der Kommentar zum Zeitgeist ist wunderbar „verpackt“. Es macht Spaß, den Roman zu lesen, und man wird vom Fernweh gepackt, wenn man neben traumhaften Landschaftsbeschreibungen auch noch eine große Portion Karibikfeeling serviert bekommt. Es handelt sich beim Roman nicht um flache chicklit, denn die Figuren sind gut ausgearbeitet, und es ist interessant, die Entwicklung der Charaktere zu beobachten. Vom eigentlichen Handlungsverlauf will ich an dieser Stelle nicht viel verraten, um möglichen Lesern nicht den Lesespass zu verderben.
Nur soviel: Es gibt humorvolle, abwechslungsreiche und anrührende Passagen. Der Roman ist so gut strukturiert, dass ich mich beim Lesen nie gelangweilt habe, das happy ending muss man aber mögen.
Fazit: „Mit Hanna nach Havanna“ ist ein wunderbares Plädoyer für ein Miteinander der Generationen und zugleich eine richtige Wohlfühl-Lektüre!

Veröffentlicht am 20.02.2018

Eine schrecklich nette Familie

Die erstaunliche Familie Telemachus
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Eine Sippe wie keine andere – „die erstaunliche Familie Telemachus“ war einmal eine TV-Sensation, bis ein Skandal die Familie erschütterte. Das Urteil lautete: Betrug. Doch es kam nicht zufällig zum Eklat, ...

Eine Sippe wie keine andere – „die erstaunliche Familie Telemachus“ war einmal eine TV-Sensation, bis ein Skandal die Familie erschütterte. Das Urteil lautete: Betrug. Doch es kam nicht zufällig zum Eklat, ein Widersacher hatte es bewusst darauf angelegt, die Telemachus live zu diskreditieren. Doch wie kam es dazu?
Die Matriarchin Maureen McKinnon ist die gute Seele der Familie, gesegnet mit übernatürlichen Fähigkeiten, welche sie der amerikanischen Regierung für eine Studie über Telekinese zur Verfügung stellt. An dieser
Studie nimmt auch der Filou Teddy Telemachus teil, der sich unsterblich in Maureen verliebt. Die beiden heiraten und haben drei übersinnlich begabte Kinder: Irene kann man nichts vormachen, sie durchschaut jede Lüge sofort. Frankie hat telekinetische Fähigkeiten und Nesthäkchen Buddy kann in die Zukunft blicken.
Doch nach Maureens Tod ist nichts mehr so, wie es
einmal war. Ist Irenes Gabe ein Hemmnis? Ihr Gespür
für die absolute Wahrheit macht es der alleinerziehenden Mutter nicht nur jobtechnisch sehr schwer. Frankie ist eine unselige Allianz mit Kriminellen eingegangen, er steht bei den Mafiafreunden seines Vaters in der Kreide, wo er geht und steht herrscht das pure Chaos. Buddy hat sich zum Sonderling entwickelt, niemand versteht seine Handlungen. Doch es gibt Hoffnung für die nächste Generation:
Irenes Sohn im Teenageralter, Matty, kann seinen Körper verlassen und es ist nicht sicher, ob seine Fertigkeit Segen oder Fluch für die Familie ist. Bald ist die CIA dem Clan auf den Fersen, doch wenn es hart auf hart kommt, hält die Sippe zusammen!

Bei der Lektüre von Daryl Gregorys Roman musste ich unwillkürlich an Uri Geller denken, was auch daran liegen kann, dass im Roman die Popkultur des zwanzigsten Jahrhunderts eine nicht unerhebliche Rolle spielt, von den siebziger bis zu den neunziger Jahren. Bei der Beschreibung der Nineties wurde ich ein wenig nostalgisch, Aol, anyone?
Daryl Gregorys Roman erinnert an einen Wes Anderson Film. Es gibt skurrile, aber liebenswerte Figuren und eine abgedrehte Handlung.
Dabei feuert der Autor Gregory kein Spannungsfeuerwerk ab und er präsentiert auch keinen Slapstickmarathon.
Es gibt trotzdem humorvolle Passagen und die sonderbaren Mitglieder der Familie Telemachus haben auch mit ganz gewöhnlichen Schwierigkeiten und Problemen zu kämpfen, wenn man von den Mafiaverwicklungen und Geheimdienstverstrickungen einmal absieht. Die Geschichte wird anhand wechselnder Perspektiven erzählt; dieses Stilmittel muß man mögen, ebenso wie die nichtlineare Erzählweise.
Der Roman „Die erstaunliche Familie Telemachus“ lässt sich nicht eindeutig einem Genre zuordnen. Das macht die story so liebenswert und außergewöhnlich. Sie bietet beste Unterhaltung, wenn man bereit ist, sich auf die Geschichte einzulassen. Mir hat „Die erstaunliche Familie Telemachus“ viel Spaß gemacht!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Charaktere
  • Geschichte
  • Humor
  • Fantasie
Veröffentlicht am 09.01.2018

Kukolka 4 - ever

Kukolka
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Samira ist Roma und wächst in einem Waisenhaus in der Ukraine auf. Dort herrschen Drill und Lieblosigkeit. Etwas Wärme bringt einzig Marina in Samiras Leben.
Doch als Marina von einer reichen Familie ...

Samira ist Roma und wächst in einem Waisenhaus in der Ukraine auf. Dort herrschen Drill und Lieblosigkeit. Etwas Wärme bringt einzig Marina in Samiras Leben.
Doch als Marina von einer reichen Familie aus dem Westen adoptiert wird, verliert „Kukolka“, das Püppchen,
die wichtigste Bezugsperson in ihrem jungen Leben.

Für Samira ist klar: Sie muss nach Deutschland gehen und Marina finden.
Samira gerät an den zwielichtigen Rocky, sie muss stehlen, um zu überleben. Als sie älter wird, ist sie gezwungen, sich zu prostituieren…Doch auch im Westen ist nicht alles Gold, was glänzt.

„Kukolka“ von Lana Lux ist schwere Kost. Thematisch ist der Roman nichts Neues, postsowjetisches Elend wird zum Beispiel auch im Film „Lilja - 4- ever“ gezeigt, ebenso die rechtsfreie Zone in den 1990er Jahren. Auch der Menschenhandel ist integraler Bestandteil.
Daher ist „Kukolka“ auf keinen Fall eine Wohlfühllektüre. Stellenweise ist die Erzählung brutal und regelrecht abstoßend, schonungslos wird das Thema Zwangsprostitution ausgebreitet.
Als Leser wünscht man dem Romamädchen ein wenig Glück im Leben, dieser Wunsch geht jedoch nicht in Erfüllung. Die Ereignisse, die durch die Augen eines Kindes erfahren werden, können keinen kalt lassen.
Der Stil der Autorin ist guter Durchschnitt, und so ist „Kukolka“ ein Roman, der zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 02.01.2018

Böser Bube & Braves Mädchen

I Knew U Were Trouble
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„I knew you were trouble“ ist ein Jugendbuch, welches von Kami Garcia verfaßt wurde. Man könnte es auch dem Young Adult Genre zuordnen.

Der Kern der Geschichte ist eine Westsidestory – oder Romeo & Julia ...

„I knew you were trouble“ ist ein Jugendbuch, welches von Kami Garcia verfaßt wurde. Man könnte es auch dem Young Adult Genre zuordnen.

Der Kern der Geschichte ist eine Westsidestory – oder Romeo & Julia – Adaptation. Bad boy meets good girl. Nichts wirklich Neues, aber dieses Grundmuster wendet die Autorin gut an und sie bringt ihre eigene Note hinein. Der Stil liest sich einfach und flüssig, er paßt gut zum Geschehen.

Frankie Devereux ist ein wohlhabendes Mädchen aus den Heights, welches seit dem Mord an ihrem besten Freund schwer traumatisiert ist. Sie trifft auf den tätowierten Schwerenöter Marco Leone, als sie zu ihrem Vater zieht, der in einer unsicheren Gegend wohnt, da er als Undercover – Polizist arbeitet.

Natürlich ist Frankies Vater von der Verbindung überhaupt nicht begeistert, Marco ist kein Umgang für seine Tochter, denn er fährt zu allem Überfluss auch noch illegale Autorennen. Doch Frankie glaubt an Marco Leone …

Insgesamt ist „I knew you were trouble“ ein solider Roman, der gute Unterhaltung bietet. Autorennen und sympathische Nebenfiguren wie die Powerfrau Cruz lockern das Geschehen auf. Besonders gut gefiel mir der Anfang der Erzählung, auch der Mittelteil war nicht schlecht, vom Abschluss der Geschichte war ich jedoch trotz Vorhandenseins eines happy endings enttäuscht, da die Autorin sich nicht die Zeit nimmt, ihre Geschichte in Ruhe zu Ende zu erzählen. Das Ende wurde mir in der Gesamtschau einfach zu schnell abgehandelt. Auch hätte ich mir bei der Figurenzeichnung ein wenig mehr Tiefgang gewünscht, aus dem Stoff hätte Kami Garcia noch mehr machen können. Trotzdem habe ich den Roman gern gelesen.

Fazit: „I knew you were trouble“ ist ein unterhaltsames Jugendbuch mit kleinen Schwächen.

Veröffentlicht am 19.12.2017

Chas Riley ermittelt wieder

Beton Rouge
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Die Reihe rund um die Staatsanwältin deutsch – amerikanischer Herkunft mag ich sehr. Chastity Riley stammt eigentlich aus Frankfurt, lebt und arbeitet jedoch in der Hansestadt Hamburg.
Zwei Fälle beschäftigen ...

Die Reihe rund um die Staatsanwältin deutsch – amerikanischer Herkunft mag ich sehr. Chastity Riley stammt eigentlich aus Frankfurt, lebt und arbeitet jedoch in der Hansestadt Hamburg.
Zwei Fälle beschäftigen die Powerfrau: Zum einen gibt es einen traurigen Todesfall mit Fahrerflucht, zum anderen werden misshandelte Männer in Käfigen aufgefunden, die die Leiter des Verlags Mohn & Wolff sind…
Der 7. Band der Reihe ist trotz kleiner Macken echt lesenswert. Ich liebe den Stil der Autorin Simone Buchholz sehr. Poetisch, eigen, etwas sperrig.
Die Krimi Reihe hebt sich durch diesen einzigartigen Stil von allen anderen deutschen Krimireihen ab.
Ich habe als erstes die „Blaue Nacht“ gelesen, dann mit Band eins weitergemacht und nach und nach alle Teile regelrecht verschlungen. In der Gesamtschau ist „Beton Rouge“ für mich etwas schwächer als die anderen Teile der Reihe. Irgendwie wirkt das Buch wie mit angezogener Handbremse geschrieben. Sehr reduziert, alles. Und der Schluss bleibt unbefriedigend offen.
Chas‘ Freundeskreis zerfällt: Rocco und Carla haben eine fette Ehekrise, Freund Klatsche kriegt mit einer anderen Frau ein Kind. Mentor Faller ist im Urlaub. Es gibt aber auch neue Figuren, etwa den Afrikaner Acolatse und den Ermittler Ivo Stepanovic. Hier war wohl der serbische Fußballtrainer Dragoslav Stepanovic Namenspate ?.
Calabretta hat eine Midlifecrisis.
Chas‘ Privatleben kommt nur am Rande vor, und die beiden Fälle haben mich auch nicht vom Hocker gerissen. Gut gefiel mir aber wie gesagt die Figurenzeichnung. Auch verzichtet Buchholz auf eine Moral in Robin-Hood-Manier, was ich gut finde.
Die im Krimi enthaltene Gesellschaftskritik kommt stimmig daher.

Fazit:
Sprachlich und stilistisch ein Hochgenuss, inhaltlich leider nicht ganz so stark. Dafür gibt es für den neuesten Band meiner deutschen Lieblingskrimireihe 4 Sterne und trotzdem eine Leseempfehlung.