Für mich war „Atmosphere“ das erste Buch der Autorin, und ich bin mit sehr großen Erwartungen herangegangen, da mir Taylor Jenkins Reid von anderen empfohlen wurde.
Als Naturwissenschaftlerin interessierte ...
Für mich war „Atmosphere“ das erste Buch der Autorin, und ich bin mit sehr großen Erwartungen herangegangen, da mir Taylor Jenkins Reid von anderen empfohlen wurde.
Als Naturwissenschaftlerin interessierte mich die Weltraumthematik sehr, und ich war gespannt, ob es TJR gelingen würde, das Leben von Joan, einer angehenden Astronautin und Professorin für Astrophysik, glaubwürdig zu schildern. Nach meinem Empfinden ist das sehr gut gelungen, und Joans Begeisterung für die Raumfahrt und das Weltall ist direkt ansteckend. Auch die Details zum Sternenhimmel, der NASA und der Astronautenausbildung wirken gut recherchiert.
Joans Persönlichkeit, ihre Gefühle und ihr Weg zur Selbstfindung sind toll beschrieben. Die Liebesgeschichte nimmt mir allerdings zu viel Raum ein, und das Buch entwickelt sich hier in die Richtung einer klassischen Wohlfühllektüre, ein Genre, das ich nicht so gerne lese. Insgesamt war mir die Geschichte etwas zu emotional. Man merkt meiner Meinung nach deutlich, dass es sich um eine amerikanische Autorin handelt, da es stellenweise schon recht pathetisch wird. Auch die Abwesenheit von Männern im Joans privatem Umfeld fand ich ein bisschen zu konstruiert. Hier wird die Intention, einen feministischen Roman über starke und mutige Frauen zu schaffen, allzu deutlich.
Fazit: Ich habe „Atmosphere“ sehr gerne gelesen, aber wirklich begeistert hat es mich nicht. Das liegt sicher daran, dass ich einen nüchternen Schreibstil bevorzuge und ich mir einen stärkeren Schwerpunkt auf der wissenschaftlichen Arbeit und dem beruflichen Umfeld gewünscht hätte.
Die Neuauflage von „Moonlight Mile“ ist der sechste und abschließende Teil um das Ermittlerduo Patrck Kenzie und Angie Gennaro. Dieser nimmt thematisch Bezug auf den vierten Band „Gone Baby Gone“ und setzt ...
Die Neuauflage von „Moonlight Mile“ ist der sechste und abschließende Teil um das Ermittlerduo Patrck Kenzie und Angie Gennaro. Dieser nimmt thematisch Bezug auf den vierten Band „Gone Baby Gone“ und setzt 12 Jahre später an, als Amanda, damals vier Jahre alt, nun mit knapp 17 erneut verschwindet und ihre Tante Bea Patrick Kenzie wieder um Hilfe bittet, Amanda zu finden.
Für mich war dieser Band um Kenzie und Gennaro mein erster, und es ist problemlos möglich, diesen unabhängig von den Vorgängern zu lesen. Dennoch würde ich empfehlen, zumindest „Gone Baby Gone“ vorab zu lesen, um ein umfassenderes Bild der beteiligten Personen und der Vorgeschichte zu bekommen.
Dennis Lehane spart nicht mit sozial- und gesellschaftskritischen Anspielungen auf das Amerika der frühen 2000er Jahre (der Roman erschien im Original erstmals 2010) und lässt auch Patrick und Angie gereift und reflektiert erscheinen. Beide haben inzwischen geheiratet und eine vierjährige Tochter, die sie für ihre Gegner verwundbar macht. Sie haben Schwierigkeiten, finanziell über die Runden gekommen und Patrick ist gezwungen, moralisch fragwürdige Aufträge anzunehmen, um das Familieneinkommen zu sichern, während Angie einen Studienabschluss macht.
Ich kannte von Dennis Lehane bisher nur „Sekunden der Gnade“, und da mich dieser Roman sehr begeistert hat, war ich neugierig auf „Moonlight Mile“: Leider sprang hier der Funke bei mir nicht richtig über. Das mag sicher damit zusammenhängen, dass ich grundsätzlich kein ausgewiesener Fan von Hardboiled-Detective-Romanen und deren typischen Sprachstils bin. Die Sprücheklopferei nervt mich da eher. Mit Kenzie, Gennaro und alle anderen Charaktere dieses Falls wurde ich bis zum Schluss nicht warm, so dass mich die Geschichte nicht richtig fesseln konnte und ich mit keiner Person mitfieberte. Hinzu kommt, dass der Fall recht künstlich und konstruiert wirkt und ich gleichzeitig ab ca. zwei Dritteln des Buches eine Ahnung hatte, worauf es hinauslaufen würde.
Fazit: Für echte Kenzie & Gennaro-Fans ist dieser Reihenabschluss sicher ein Muss. Ich werde mich eher Lehanes weiteren Einzelwerken zuwenden.
„Frag nicht nach Agnes“ thematisiert das Leben der Familien von Kriegsheimkehrern in den Nachkriegsjahren und beschäftigt sich auch mit vererbten Traumata. Erzählt wird kapitelweise abwechselnd in zwei ...
„Frag nicht nach Agnes“ thematisiert das Leben der Familien von Kriegsheimkehrern in den Nachkriegsjahren und beschäftigt sich auch mit vererbten Traumata. Erzählt wird kapitelweise abwechselnd in zwei Zeitebenen.
Die erste Ebene spielt in der Gegenwart: Lilo ist Goldschmiedin und hat ein angespanntes Verhältnis zu ihrer Mutter. Diese macht ein großes Geheimnis um ihre familiäre Herkunft, und das Schweigen belastet Lilo zunehmend. Ihre Mutter blockt jegliche Gesprächsversuche ab, schreit, Lilos Großmutter habe ihr Leben zerstört. Als Lilo bei ihrer Mutter zufällig einen Brief findet, den diese an einen Verwandten adressiert hat, bietet sie an, diesen einzuwerfen. Doch kurzerhand entscheidet sie sich, ihn persönlich zu überbringen und endlich selbst herauszufinden, was es mit ihrer Familie auf sich hat.
Der zweite Handlungsstrang beginnt im Jahr 1952 und erzählt das Leben von Agnes, Lilos Großmutter, die gebürtig aus Straßburg stammt und als Deutsche nach dem 1. Weltkrieg mit ihren Eltern und Geschwistern in die Nähe von Baden-Baden gezogen ist. Als ihre gesamte Familie bei einem Bombenangriff ums Leben kommt, findet Agnes Obdach bei Familie Steiner. Nach einem Fronturlaub macht deren Sohn Walter Agnes einen Heiratsantrag, den sie annimmt. Kurz nach der Hochzeit erhält sie keine Nachricht mehr von ihm , bis er Jahre nach Kriegsende aus der Gefangenschaft heimkehrt. Die Ehe ist unglücklich, Agnes flüchtet sich in ihre Arbeit bei der französischen Militärverwaltung. Als sie ein Kind bekommt, muss sie ihre Arbeit aufgeben, und sie empfindet die Situation zuhause als unerträglich. Hinzu kommt, dass sie durch Zufall Dinge herausfindet, die ihr gesamtes Leben ins Wanken bringen…
Der Aufbau des Buches und auch die Thematik vererbter Traumata erinnert mich an Trude Teiges Roman „Als Großmutter im Regen tanzte“, und wie dieser hat „Frag nicht nach Agnes“ seine Stärken besonders im Erzählstrang in der Vergangenheit, während die Handlung in der Gegenwart etwas farblos und aufgesetzt wird. Wie bei Trude Teige hat auch Lilo praktischerweise einen Freund (Felix), der sich mit historischer Recherche auskennt und ihr zur Seite steht.
Agnes‘ Geschichte ist berührend und lebendig erzählt, und ich konnte von Anfang an mit ihr mitfühlen und mich gut in sie hineinversetzen. Da sich Agnes als Elsässerin sowohl den deutschen als auch den Franzosen nahe fühlt, ist auch der kritische und distanzierte Blick, den Agnes auf Nachkriegsdeutschland hat, sehr gut nachvollziehbar. Viele andere Männer und Frauen dieser Generation haben die Schuld, die persönliche und die kollektive, nur zu gerne verdrängt.
Die Handlung um Lilo empfand ich hingegen als weniger gelungen. Die Figuren wirken künstlich, die Dialoge hölzern. Insbesondere die „Informationsdialoge“ zwischen Lilo und Felix fallen negativ auf, und bei Felix merkt man allzu deutlich den Zweck der Figur. Sehr nebulös umschrieben ist hierbei sein Beruf: Er hat sich selbstständig gemacht, betreibt für ausgewählte Klienten historische Recherchen und lebt in Berlin. Vor diesem Hintergrund ist es etwas verwunderlich, dass er über Berlin sagt: „Der Westteil war in vier Sektoren aufgeteilt. Für jede alliierte Siegermacht einen.“ Er sollte wissen, dass Westberlin in drei Sektoren geteilt war, der sowjetische Sektor war natürlich Ostberlin. Die Geschichte rund um Lilos Arbeitgeber und den nervigen und intriganten Kollegen Küster nimmt für mich viel zu viel Raum ein. Dafür kommt die familiäre Recherche von Lilo und Felix etwas zu kurz und verläuft unrealistisch glatt. In Wirklichkeit gestaltet sich dies deutlich mühseliger und ist mit längeren Wartezeiten verbunden.
Man merkt dem Roman sehr stark an, dass er aus heutiger Sicht geschrieben wurde und sich an ein Publikum wendet, bei dem man offenbar kein Wissen über die damalige Gesellschaft, Moral und Rolle der Frau voraussetzt, gleiches gilt für die politische Situation im Nachkriegsdeutschland und den Umstand, dass NS-Funktionäre schnell wieder in Amt und Würden waren. Die Autorin lässt daher alles durch ihre Figuren erklären. Für ein junges Publikum mag dies nötig sein, für Leser:innen mit entsprechendem Hintergrundwissen ist es etwas zäh.
Fazit: Die Geschichte um Agnes ist spannend und lebendig erzählt, doch Lilos Kapitel konnten mich nicht überzeugen. Hier wurde viel Potenzial verschenkt. Für Leser:innen, die sich erstmals mit Nachkriegsdeutschland, Kriegsheimkehrern und Kriegsverbrechen beschäftigen, sicher ein interessantes Buch. Für diejenigen, die über Vorwissen verfügen, empfinde ich es als zu oberflächlich und klischeehaft.
Shelwich ist eine düstere Stadt an einem Gezeitenfluss, dessen Tiden magische Fähigkeiten bei den Bewohnern hervorrufen. Nahezu jeder von ihnen hat eine besondere Gabe, deren Stärke mit Ebbe und Flut ab- ...
Shelwich ist eine düstere Stadt an einem Gezeitenfluss, dessen Tiden magische Fähigkeiten bei den Bewohnern hervorrufen. Nahezu jeder von ihnen hat eine besondere Gabe, deren Stärke mit Ebbe und Flut ab- bzw. zunimmt. Das Mädchen Ista Flit ist hierdurch in der Lage, sich bei Flut in eine beliebige andere Person zu verwandeln. Ista ist vor einigen Monaten alleine nach Shelwich gekommen, um ihrem Vater zu suchen. Dieser ist kurz zuvor in Shelwich auf mysteriöse Weise verschwunden, genau wie einige andere Bewohner dieser Stadt. Es heißt, dass bei Nacht und Nebel unheimliche Wesen, die sogenannten Grilks, ihr Unwesen treiben. Auch Ista ist den Grilks gleich an ihrem ersten Abend nur auf Haaresbreite entkommen. Sie wurde von einem jungen Mann namens Alexo Rokis gerettet, der im Gegenzug von ihr fordert, 20 Aufträge für ihn auszuführen. Während eines Auftrags lernt sie Nathaniel „Nat“ Shah kennen und beide geraten in eine gefährliche und zugleich höchst merkwürdige Situation. Als sie weitere Nachforschungen anstellen, kommen sie zusammen mit dem Mädchen Ruby einem Geheimnis auf die Spur, das alle drei in höchste Gefahr bringt…
Ich habe das Buch gemeinsam mit meinem elfjährigen Sohn gelesen. Wir haben beide etwas gebraucht, bis wir in die Geschichte reingekommen sind. Das Gesamtkonzept der Fantasywelt wirkte auf mich an einigen Stellen etwas unausgegoren. So blieb unklar, in welchem zeitlichen Kontext die Geschichte spielt. Einerseits machte alles einen etwas heruntergekommenen und altertümlichen Eindruck, andererseits wurden Solarmobile und eine sogenannte Rollbahn als Transportmittel erwähnt, die allerdings beide nicht näher beschrieben oder gar genutzt wurden. Auch ist unklar, ob die Gezeitengabe auf die Bewohner von Shelwich beschränkt ist bzw. falls dem so ist, warum Ista, die von außerhalb stammt, über eine solche verfügt. Hier hätte ich gerne noch mehr Hintergrundinformationen gehabt, um eine schlüssige Vorstellung von der Welt entwickeln zu können. Insgesamt erschienen die vorkommenden Fantasy-Elemente – Gezeitengabe und magische Urtiere – eher wie Stückwerk.
Die handelnden Charaktere blieben blass und es fehlte ihnen an Tiefe. Wir wurden daher mit Ista, Nat und Ruby nicht wirklich warm, und so richtig konnten wir nicht mit ihnen mitfiebern. Die politische Ebene der Handlung, bei der zwei rivalisierende Politiker:innen um das Gouverneursamt konkurrieren, wirkten überzogen und arg aufgesetzt. Bei Kinderbüchern ist erfahrungsgemäß auch eine Portion Humor hilfreich, um eine Geschichte aufzulockern, diesen haben wir hier über weite Strecken auch vermisst.
Kurios finde ich, dass dieses Buch, das im englischen Original „Tidemagic. The many faces of Ista Flit“ heißt, in der deutschen Ausgabe den englischen Titel „Magic of moon and sea“ verpasst bekam. Was soll diese Unsitte, deutsche Ausgabe mit – in diesem Fall sogar neuen! – englischen Titeln zu versehen? „Gezeitenmagie“ hätte ich als wesentlich schöner empfunden.
Bei diesem Buch handelt es sich um den ersten Band einer Reihe, und auch wenn diese Geschichte eine im Wesentlichen abgeschlossene Kernhandlung hat, bleiben noch viele Fragen offen. Das Buch endet mit einem kleinen Cliffhanger, der bereits auf das Abenteuer in nächsten Band verweist. Mein Sohn und ich werden die Reihe allerdings nicht weiter verfolgen.
Sebastian Fitzeks letzten „Kein Thriller“- Roman „Elternabend“ fand ich unterhaltsam und witzig, so dass ich mich sehr auf „Horror-Date“ gefreut hatte. Die Grundidee klang interessant: Auf dem Dating-Portal ...
Sebastian Fitzeks letzten „Kein Thriller“- Roman „Elternabend“ fand ich unterhaltsam und witzig, so dass ich mich sehr auf „Horror-Date“ gefreut hatte. Die Grundidee klang interessant: Auf dem Dating-Portal „The Walking Date“ können sich Singles kennenlernen, die nicht mehr lange zu leben haben. Die Paartherapeutin Nala (35), der wegen eines Glioblastoms nur noch wenige Monate bleiben, trifft hier auf den Anwalt Raphael (34), der mit Borreliose im Sterben liegt. Beide beginnen eine Brieffreundschaft, sind sofort auf einer Wellenlänge. Doch als es zu einem ersten realen Treffen kommen soll, verschlechtert sich Raphaels Zustand, und er bittet seinen besten Freund Julius, an seiner Stelle zu der Verabredung zu gehen, da er nicht absagen und Nala enttäuschen will. Pech nur, dass Julius keine Zeit zur Vorbereitung bleibt, und er ein ganz anderer Typ Mensch als Raphael ist. Und so tritt Julius von einem Fettnäpfchen ins nächste, und das Date entwickelt sich für ihn zu einem Horror-Trip…
Fitzek wagt sich hier an ein schwieriges Thema heran: Junge Menschen, die mit ihrem baldigen Tod konfrontiert sind und den einen Wunsch haben: Sich noch einmal verlieben. Das mit Humor und flotten Dialogen zu verknüpfen ist eine Gratwanderung, die Fitzek leider nur gelegentlich gelingt. Das Buch beginnt zunächst vielversprechend, die Szenen sind witzig geschrieben, man kann sich das erste Aufeinandertreffen von Julius und Nala lebhaft vorstellen. Leider driftet die Handlung dann immer mehr ins Absurde ab, ist über weite Strecken einfach nur peinlich und völlig überdreht, der Humor platt. Erst kurz vor Ende wechselt der Tonfall, die Geschichte bekommt noch etwas an Tiefgang und lässt erahnen, was möglich gewesen wäre, wenn die Figuren weniger eindimensional und der Humor subtiler ausgearbeitet gewesen wären. Insbesondere von Oma Henriette hätte ich gerne mehr erfahren, während die unsäglich peinliche Story um Dr. Vierlaken und seine wesentlich jüngere Gespielin Rosie viel zu viel Raum einnimmt und das Niveau des Buches arg runterzieht.
Insgesamt hatte ich mir deutlich mehr erwartet. Das Buch ist für mich leider Mittelmaß und wirkt routiniert heruntergeschrieben.
Zum Sprecher: Das Hörbuch wurde wie immer von Simon Jäger eingesprochen. Simon Jäger gehört zu meinen Lieblingssprechern und verstimmlicht auch diese Geschichte wieder ganz hervorragend. Vor allem Julius, aus dessen Perspektive erzählt wird, hatte ich durch die Vertonung sehr lebhaft in sämtlichen absurden Situationen vor Augen.