Jefferson City II
Im Zeichen der LämmerAls der Hausmeister einer Schule in Jefferson City frühmorgens ein Paar nackter Füße findet, denkt er im ersten Moment an einen Schülerstreich, ein Kunststoffmodell. Tatsächlich aber gehören die sorgfältig ...
Als der Hausmeister einer Schule in Jefferson City frühmorgens ein Paar nackter Füße findet, denkt er im ersten Moment an einen Schülerstreich, ein Kunststoffmodell. Tatsächlich aber gehören die sorgfältig abgetrennten Gliedmaßen einer Frau. Nach dieser grausigen Entdeckung taucht alsbald ein Körper ohne Füße auf, allerdings nicht das passende Gegenstück, sodass Inspector Aidan Carter und sein Kollege Ethan Jones schon zwei Leichen identifizieren und den Mörder finden müssen. Treibt ein Serientäter sein Unwesen in der Stadt?
Ein schauriger Prolog führt direkt ins Geschehen, die Ermittlungen können beginnen. Unter Deputy Chief Warren Schroeders Leitung arbeitet ein ehrgeiziges Team, das aber durchaus auch Zeit für Späße und den ein oder anderen Schlagabtausch hat. Dadurch werden die anfänglich häufigeren blutrünstigen Szenen ganz gut aufgelockert. Bald kommt auch Aidans Lebensgefährtin Jessica ins Spiel, denn sie will immer alles ganz genau wissen, soll sie doch selbst ihrer Agentin demnächst einen Thriller vorlegen, hat aber absolut keine Einfälle dafür. So kommt es, dass die junge Frau mangels Informationen „ihres“ Inspectors anfängt, eigene Nachforschungen anzustellen und sich in gefährliche Situationen begibt.
Emilia Benedict erzählt flott, insbesondere die eingestreuten Kapitel zum Täter bringen mittels knapper Sätze Spannung ins Spiel. An anderer Stelle passt diese Technik nicht immer so gut, einzelne Passagen oder Dialoge können dadurch oberflächlich oder hölzern wirken. Die Handlung selbst ist gut konzipiert und folgt einem logischen roten Faden, ein Motiv blitzt früh auf, verrät aber nicht zu viel, sodass dem Rätseln um den Täter noch ausreichend Raum gegeben wird. Nach dem Auftauchen von mehreren Leichenteilen konzentriert sich das Geschehen in der zweiten Buchhälfte aufs Ermitteln. Dabei geraten Aidan und Ethan jedoch schnell ins Hintertreffen, werden sie von Jessica regelrecht „überholt“. Was anfangs Neugierde weckt und mit humorvollen Szenen durchaus unterhaltsam beginnt, entwickelt sich zum Ende hin weniger spannend als erwartet, einiges wiederholt sich, wirkt unrealistisch, bringt den Schwung nicht ganz mit ins Ziel.
Fazit: flüssig zu lesender Thriller, der mitunter blutige Details liefert, eine überwiegend schlüssige Handlung aufweist und mit seinen gut vorstellbaren Figuren abwechslungsreiche Lesestunden bereithält.