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Veröffentlicht am 28.05.2025

Die Liebes-Masche...

Loverboy – Niemand liebt dich so wie ich
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Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Frauen sind wichtige Themen im öffentlichen Diskurs. Ein bekanntes Phänomen ist die sog. "Loverboy-Methode", dargestellt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ...

Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Frauen sind wichtige Themen im öffentlichen Diskurs. Ein bekanntes Phänomen ist die sog. "Loverboy-Methode", dargestellt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen im TATORT "Loverboy" (2013) und im Film "Ich gehöre ihm" (2017). In ihrem neuen Roman "Loverboy - Niemand liebt dich so wie ich" schildert Antonia C. Wesseling, wie die junge unsichere Studentin Vivian von einem attraktiven Mann gezielt manipuliert, von ihren Freund*innen isoliert und von sich abhängig gemacht wird, um sie im Laufe des Geschehens zum Zwecke der finanziellen Ausbeutung in die Prostitution und Drogenabhängigkeit zu zwingen.

Das Cover spiegelt die düstere Grundstimmung des Romans, verstärkt durch den perfekt abgestimmten farbigen Buchschnitt. Der Titel rekurriert auf das Phänomen, der Untertitel wirkt wie eine latente Drohung.

Hinsichtlich des Settings hat Antonia C. Wesseling sich für die pulsierende Metropole Berlin entschieden. Ihr Roman spielt auf mehreren zeitlichen Ebenen, in stetem Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit. Das Geschehen wird aus der Sicht von drei Personen (Lola, Vivian, Elias) dargestellt, die entsprechenden Text-Abschnitte sind durch ein Rauten-Symbol (#) gekennzeichnet. Sie sind komplexe Charaktere, die sich nicht als positive besetzte Identifikationsfiguren eignen. Aufgrund von traumatischen Erfahrungen in ihrem Elternhaus ist Vivian eine instabile Frau, die ihr Kunst-Studium schleifen lässt und sich nach Liebe und Geborgenheit sehnt, eine leichte Beute für einen erfahrenen Loverboy. Auch Lola ist keine starke Persönlichkeit, sie hat ihr Psychologie-Studium aufgrund der Demenz-Erkrankung ihrer Mutter (und eines traumatischen Erlebnisses auf einer Party) unterbrochen, was sie ihrem sozialen Umfeld gegenüber verheimlicht. Elias hat eine kriminelle Karriere hinter sich, nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis sucht er seinen Platz in der Gesellschaft - und seine Halb-Schwester Vivian. Allzu oft handeln Elias und Lola aus dem Bauch heraus, sie setzen auf volles Risiko und geraten in haarsträubende, mitunter lebensgefährliche Situationen. Auf ihrer verzweifelten Spurensuche kommen sie sich näher, die Darstellung der (von echten Gefühlen geprägten) spontanen Romance steht in einem krassen Kontrast zur gefakten Beziehung von Vivian.

Meiner persönlichen Ansicht nach ist Antonia C. Wesseling ein spannender, verstörender Roman mit vielen (schockierenden) Wendungen gelungen. Literarisch gesehen, handelt es sich um "harte Kost", insoweit ist die Trigger-Warnung für sensible Menschen aufgrund der expliziten Darstellung von physischer, psychischer und sexueller Gewalt und die Verwendung einer rohen, ungeschliffenen Sprache angemessen. Die komplexe fiktive Geschichte von Vivian wirkt sehr glaubhaft und löst Betroffenheit aus. Sie sensibilisiert junge Lesende (aber auch ihre Eltern!) für das weit verbreitete Phänomen, indem sie auf die perfide Masche und charakteristische Merkmale von Loverboys aufmerksam macht. Insoweit kann man sie durchaus als "Pflichtlektüre" in unserer heutigen Welt ansehen.

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Neue Ausfahrt: Glück

Jünger geht immer!
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Müssen Frauen im Alter Kompromisse machen? Haben sie sich nach den geltenden Konventionen zu richten, in unglücklichen Beziehungen auszuharren und ihr Leben nach den (Wert-) Vorstellungen von Dritten zu ...

Müssen Frauen im Alter Kompromisse machen? Haben sie sich nach den geltenden Konventionen zu richten, in unglücklichen Beziehungen auszuharren und ihr Leben nach den (Wert-) Vorstellungen von Dritten zu gestalten? Oder dürfen sie sich selbst verwirklichen, ihr Glück (ver-)suchen und sich ihre (Lebens-) Träume erfüllen, mit einem jüngeren Partner an ihrer Seite? Diesen Fragen spürt die Bestseller-Autorin Ellen Berg in ihrem charmanten, humorvollen Roman "Jünger geht immer" nach, der von Anne, einer gestandenen Frau in der Mitte des Lebens erzählt, die sich in den vergangenen Wochen darauf konzentriert hat, die Goldene Hochzeit ihrer Eltern auszurichten. Zu ihrem Entsetzen verkündet ihre Mutter auf diesem Event die bevorstehende Trennung von ihrem Ehemann - und präsentiert ihren neuen Lebensgefährten, der deutlich jünger ist als sie selbst.

Das Geschehen spielt in der aktuellen Gegenwart, es wird ausschließlich aus der Ich-Perspektive von Anne vermittelt. Sie ist eine sympathische Protagonistin, mit der man/frau sich leicht identifizieren kann. . Nach dem ersten Schock und einem kurzen Gespräch mit einem anderen Gast auf der geplatzten Goldenen Hochzeit kommt sie ins Grübeln. In der Mitte des Lebens muss sie eine ernüchternde Bilanz ziehen. Unterm Strich gesehen, ist sie in eine Sackgasse geraten. Nach ihrem Jura-Studium arbeitet sie als Anwalts- und Notargehilfin in einem winzigen Büro in der Kanzlei ihres Mannes, schlecht bezahlt, in der internen Hierarchie klein gehalten, aber mit schwierigen Fällen betraut. Das Zweite Juristische Staatsexamen hat sie nicht mehr abgelegt, sondern sich auf ihre häuslichen Aufgaben als Mutter von zwei Kindern konzentriert. Beruflich und privat hat sie ihre Wünsche zurückgestellt und ihrem Mann Karsten den Rücken frei gehalten, was er ihr mit arroganter Macho-Attitüde und chronischer Untreue dankt.

Im Laufe der Zeit durchläuft Anne eine bemerkenswerte Entwicklung. Nach und nach verabschiedet sie sich von dem klassischen weiblichen Rollenbild, das von ihren scheinheiligen "Freund*innen" auf Social Media als non plus ultra gepriesen und verkauft wird. Viel zu lange ist sie unsichtbar gewesen, nun erwacht sie zu neuem Leben. Sie entwickelt sich von einem angepassten, braven Hausmütterchen zur modernen, selbstbewussten Frau, die ihre Rechte kennt und sich gegenüber Dritten durchsetzt. Folgerichtig zieht sie einen Schlussstrich unter ihre unglückliche Ehe (mit ausdrücklicher Billigung ihrer Kinder, die sich mit ihr solidarisch erklären), folgt dem Beispiel ihrer Mutter und wagt einen Neustart mit Tom, einem aufstrebenden Gastronomen, der wesentlich jünger ist als sie selbst, aber ihre Vorstellungen von einer gleichberechtigten Partnerschaft teilt.

Was für eine mitreißende Lektüre! Mit Situationskomik und Wortwitz skizziert Ellen Berg die Lebenssituation von Frauen, die in toxischen Beziehungen gefangen sind, aus dem grauen Alltag ausbrechen und sich selbst (und andere!) neu entdecken möchten. Es ist eine leicht und locker geschriebene, humorvolle Geschichte mit liebevoll ausgearbeiteten (nicht zwingend liebenswerten) literarischen Figuren, die nicht nur zum Schmunzeln, sondern auch zum Nachdenken über ernste Themen anregt. Dieser Roman ist ein echtes Lese-Highlight, das bestes Lese-Vergnügen garantiert. Man kann es gar nicht mehr aus den Händen legen. Sehr empfehlenswert!

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Veröffentlicht am 19.05.2025

Regenbogenfarben

Mittendrin im Lilabunt
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Zu meinen liebsten Schriftsteller*innen zählt Mirjam Müntefering, die unter verschiedenen Pseudonymen wie Mary E. Garner, Mirjam Munter, Pippa Watson oder Lotte Grünewald in vielen literarischen Genres ...

Zu meinen liebsten Schriftsteller*innen zählt Mirjam Müntefering, die unter verschiedenen Pseudonymen wie Mary E. Garner, Mirjam Munter, Pippa Watson oder Lotte Grünewald in vielen literarischen Genres aktiv ist. In der Book Community sind ihre Bücher, die in "großen" renommierten, aber auch in "kleinen" unabhängigen Verlagen erscheinen, nicht mehr wegzudenken. Ihrem neuen (queeren) Roman "Mittendrin im Lilabunt", erschienen im Ulrike Helmer Verlag, habe ich geradezu entgegengefiebert.

Das Cover ist relativ schlicht gehalten, aber es spiegelt eine regenbogenfarbene Vision des wertschätzenden Miteinanders. Der Titel zeigt das Engagement für eine demokratische Welt, in der Menschen in bunter Vielfalt zusammen leben und lieben können.

Der Roman "Mittendrin im Lilabunt" spielt in Wiesenbüttel, einem fiktiven kleinen Dorf in der Lüneburger Heide. Es ist die Heimat von zwei (rivalisierenden) außergewöhnlichen Wohnprojekten, die jeweils ein besonderes Jubiläum feiern. Während der Dykenhof eine Lesbenwohngemeinschaft ist, die auf stolze 30 Jahre zurückblicken kann, feiert der als Begegnungsort für alle queeren Menschen konzipierte Facettenhof sein 10jähriges Bestehen.

Das Geschehen wird aus der Perspektive von zwei starken Frauen geschildert, einmal aus der Sicht von Inge, der selbstbewussten 71-jährigen Gründerin des Dykenhofes, die auf eine (frauen-) bewegte Vergangenheit zurückblicken kann. Trotz traumatischer Erlebnisse in ihrer Kindheit und Jugend ist sie - mit Hilfe von positiv besetzten Identifikationsfiguren - unbeirrt ihren Weg gegangen und hat ihren Traum von einem basisdemokratischen Leben in einem Resthof auf dem Lande verwirklicht. Zweitens aus der Perspektive von Kati, einer siebzehnjährige Schülerin aus Bochum, die auf der Suche nach sich selbst, ihrer sexuellen Orientierung und einem Familiengeheimnis ist, das ihre Mutter Annika vor ihr verbirgt. Ihre Reise führt sie nach Wiesenbüttel, wo sie nicht nur die turbulenten Vorbereitungen für die anstehenden Jubiläen hautnah miterlebt, sondern auch auf interessante Menschen trifft, die ihr Leben verändern werden.

Inge und Kati sind zwei sympathische literarische Figuren, die allen Lesenden ans Herz wachsen. Sie haben Stärken und Schwächen, was sie authentisch und liebenswert macht. Es ist sehr schön, ihre Entwicklung im Laufe der Handlung zu verfolgen. Inge und Kati lernen voneinander, sie hinterfragen sich selbst und wachsen miteinander. Für mich ist diese Lektüre ein einzigartiges Leseerlebnis gewesen. Dieser emotional berührende, von Humor und Tiefe geprägte, leicht und locker geschriebene Roman ist nicht nur ein klassischer Wohlfühlroman, sondern auch ein Appell an Solidarität und Toleranz. Seine Botschaft ist ein wertschätzendes Miteinander. Wir brauchen eine Welt, in der alle Menschen so angenommen werden, wie sie sind. Unser Leben ist bunt. So bunt wie ein Regenbogen. Wollen wir es nicht gemeinsam feiern?

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Musik ist Trumpf...

Mordseemusik
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Moin!

Mit ihren literarischen Werken hat die deutsche Schriftstellerin Christine Drews längst einen festen Platz in allen Buchhandlungen erobert. Unter dem Pseudonym Emmi Johannsen veröffentlicht sie ...

Moin!

Mit ihren literarischen Werken hat die deutsche Schriftstellerin Christine Drews längst einen festen Platz in allen Buchhandlungen erobert. Unter dem Pseudonym Emmi Johannsen veröffentlicht sie humorvolle, spannende Regio-Krimis, die ausnahmslos auf der ostfriesischen Insel Borkum spielen. Ihr neues Buch "Mordseemusik" ist bereits der sechste Band aus der erfolgreichen Borkum-Krimi-Reihe um die Hobby-Ermittler Caro Falk und Jan Akkermann, welche nicht nur in Sachen Verbrechen ein wahres Dream-Team bilden.

Das schräge Cover hat einen hohen Wiedererkennungswert und trifft genau meinen Geschmack. Eine freche Möwe thront auf einer Gitarre, die achtlos in den Sand geworfen worden ist, im Hintergrund ist ein Kurpavillon zu erkennen. Der lakonische Titel zaubert ein Lächeln ins Gesicht und lässt auf fesselnde Unterhaltung hoffen.

Wie bereits erwähnt, handelt es sich um den 6. Band aus einer Reihe. Er erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, welche ohne jegliche Vorkenntnisse gelesen werden kann. Wer allerdings die Entwicklung der einzelnen Charaktere nachvollziehen möchte, sollte die einzelnen Bände in der vorgeschriebenen Reihenfolge lesen.

Die leicht und locker geschriebene Lektüre nimmt alle Leserinnen gleich mit auf die beliebte Ferieninsel. Für mich bedeutet sie das Wiedersehen mit Caro Falk, die mir in den letzten fünf Bänden ans Herz gewachsen ist. In den vergangenen Jahren hat sie sich von einer desillusionierten alleinerziehenden Mutter, die von ihrem arroganten Ehemann in Berlin betrogen und gedemütigt worden ist, zu einer selbstbewussten Insulanerin entwickelt, die mit ihrem Sohn ihren Platz im Leben (und auf Borkum) und mit Jan Akckermann einen verlässlichen Partner in crime gefunden hat, der sie tatkräftig unterstützt, wenn es um ihre Aktivitäten als Hobby-Ermittlerin in verzwickten Fällen auf der Nordsee-Insel Borkum geht. Im Laufe der Zeit hat sie sich einen kleinen, feinen Freundeskreis aufgebaut, auf deren Hilfe sie in allen Lebenslagen zählen kann.

Thematisiert wird der unerwartete Tod des sonnengebräunten Schlagersängers Pablo Levaga, der allen gängigen Klischees eines Möchte-Gern-Latin-Lovers entspricht. Charakterlich kann man ihn schwer einschätzen. Für mich wirkt er wie eine verwöhnte Diva, die nach Lust und Laune agiert. Auf Borkum zeigt er sich als klassischer Aufreißer. Zu weiblichen Fans ist er betont freundlich, anderen Musikern gegenüber unterstreicht er seine Sonderstellung als Star auf der Showbühne. Alle müssen nach seiner Pfeife tanzen - und wehe, wenn nicht. Die Umstände seines Todes auf der Show-Bühne deuten auf ein eiskalt geplantes Verbrechen hin. Im Laufe ihrer undercover-Ermittlungen stoßen Carol Falk und Jan Ackermann auf viele dunkle Geheimnisse. Theoretisch können viele Menschen ein Motiv haben, ihn aus dem Weg geräumt zu haben. Eifersüchtige Ehemänner, ausgenutzte Frauen, gedemütigte Kolleg
innen...

Wer eine frische, fesselnde Strandlektüre mit sympathischen Protagonist*innen zur Einstimmung auf den nächsten Urlaub auf der Trauminsel Borkum sucht, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen, das mit vielen unerwarteten Wendungen punktet und beste Unterhaltung für zwischendurch sorgt. Mich hat die gekonnte Mischung aus Humor und Spannung wieder einmal begeistert. Ehrlich gestanden, freue ich mich schon darauf, in diesem Sommer auf den Spuren meiner Lieblingsermittler zu wandeln und alle Schauplätze meiner Lieblingslektüre mit eigenen Augen zu sehen. Vielleicht sehen wir uns am altehrwürdigen Musikpavillon?

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Ostsee-Liebe

Himmelsee – Über den Wellen leuchtet das Glück (Himmelsee 1)
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Moin!

Mit ihren romantischen Wohlfühl-Romanen und spannenden Regio-Krimis, die ausnahmslos vor der traumhaften Kulisse von St.-Peter Ording spielen, hat Tanja Janz sich in die Herzen ihrer Leserinnen ...

Moin!

Mit ihren romantischen Wohlfühl-Romanen und spannenden Regio-Krimis, die ausnahmslos vor der traumhaften Kulisse von St.-Peter Ording spielen, hat Tanja Janz sich in die Herzen ihrer Leserinnen geschrieben. Nun ist die Zeit für Veränderungen gekommen. Tanja Janz zieht es an die Ostsee, genauer gesagt: an den fiktiven Ort Himmelsee, der sich auf der malerischen Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in Mecklenburg-Vorpommern, verorten lässt. Ihr neuer Roman "Himmelsee - über den Wellen leuchtet das Glück" bildet den vielversprechenden Auftakt der "Himmelsee"-Reihe.

Das Cover strahlte eine maritime Frische aus und lässt von einem unbeschwerten Urlaub an der Ostsee träumen. Wer möchte nicht in dem klassischen blau-weiß gestreiften Strandkorb sitzen und dem Rauschen der Wellen lauschen? Der Titel weckt eine gewisse Erwartungshaltung und lässt das Herz der Leser
innen höher schlagen. Wer möchte nicht sein (Lebens- und Liebes-) Glück finden?

Wieder hat Tanja Janz sich für ein wunderschönes Setting entschieden. Wie St.-Peter Ording ist Himmelsee ein echter Sehnsuchtsort, mit dem feinen Unterschied, dass man ihn nicht auf der Landkarte findet. Dennoch lässt er sich irgendwo auf der schönsten Halbinsel Deutschlands lokalisieren, die Tanja Janz zu diesem Buch inspiriert hat. Bei der Lektüre fühlt man sich im Handumdrehen mitten in das Geschehen versetzt, alle Schauplätze werden anschaulich beschrieben, so dass man sie gleichsam vor seinen Augen hat.

Die Handlung spielt in der aktuellen Gegenwart, sie wird aus der Perspektive von Linna Franke erzählt, einer halbtags berufstätigen Angestellten im Flughafen, die mit ihrem Lebensgefährten und ihrem Sohn in Düsseldorf lebt. Sie ist eine sympathische junge Frau, die mitten im Leben steht. Materiell gesehen, lebt sie in guten Verhältnissen, ihr Lebensgefährte ist Pilot, was einen hohen Lebensstandard für die kleine Familie garantiert. Emotional gesehen, sieht es ganz anders aus. Aufgrund der beruflichen Verpflichtungen ihres Lebensgefährten ist ihre Beziehung in eine Krise geraten, Linna fühlt sich vernachlässigt, wie ihr kleiner Sohn, dessen Verhältnis zu seinem Papa aufgrund der ständigen Abwesenheit nicht ungetrübt ist. Insoweit bietet die Rückkehr in ihre Heimat Himmelsee, für die Linna eine willkommene Chance, ihr bisherigen Dasein kritisch zu überdenken und die Weichen für mögliche Veränderungen zu stellen.

Mir hat dieser moderne Wohlfühl-Roman voll von nostalgischer Erinnerungen und romantischer Momente sehr gefallen. Er ist leicht und locker geschrieben und lässt sich angenehm lesen. Bei der Lektüre kann man sich entspannt zurücklehnen, vom grauen Alltag abschalten, sich ans Meer träumen und die wunderschöne Atmosphäre genießen. In Himmelsee scheint die Zeit stillzustehen, es ist ein ruhiger Ort, abseits des Massen-Tourismus. Darüber hinaus finden sich viele Rezepte aus der "Himmelsee"-Hotelküche wie Lavendel-Scones oder Sanddorn-Torte, die zum Ausprobieren einladen. Vielleicht habt ihr Lust auf eine literarische Reise an die Ostsee bekommen? Ich wünsche euch viel Spaß!

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