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Veröffentlicht am 26.01.2026

✎ Marie Matisek - Marita 1 Sonnensegeln

Sonnensegeln
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Ich habe „Sonnensegeln“ von Marie Matisek völlig anders erlebt, als es Cover und Titel nahelegen. Was nach sommerlicher Urlaubslektüre aussieht, entpuppt sich für mich als Roman, der mehr irritiert als ...

Ich habe „Sonnensegeln“ von Marie Matisek völlig anders erlebt, als es Cover und Titel nahelegen. Was nach sommerlicher Urlaubslektüre aussieht, entpuppt sich für mich als Roman, der mehr irritiert als trägt. Die Grundidee - eine Krankenschwester, die auf eine Anzeige für eine Privatpflege in Südfrankreich reagiert - wirkt auf dem Papier durchaus reizvoll. In der Umsetzung verliert sie jedoch schnell an Glaubwürdigkeit.

Mein Unbehagen setzt früh ein: Eine etwa fünfzigjährige Frau bewirbt sich über eine ausländische Stellenanzeige - in einer deutschen Zeitung (!) - und spricht kein Wort Französisch. Es erfolgt lediglich ein 4-wöchiger Intensivkurs. Dass sie als ausgebildete Krankenschwester trotzdem problemlos arbeitet und Gespräche führt, erscheint mir unrealistisch. Gerade in diesem Beruf ist Sprache kein Beiwerk, sondern Voraussetzung. Aus eigener Erfahrung mit dem Auswandern weiß ich, wie anspruchsvoll selbst einfache Alltagskommunikation sein kann - hier wird sie erstaunlich beiläufig behandelt.

Im weiteren Verlauf häufen sich Logiklücken, die sich nicht mehr überlesen lassen. Ein Charakter verbringt regelmäßig stundenlang Zeit in einem verqualmten Zimmer, angeblich während einer Dialyse, und niemand bemerkt Geruch oder äußere (fehlende) Veränderungen. Ebenso irritierend ist, dass Aussagen über die Selbstständigkeit eines gelähmten Menschen widerspruchslos hingenommen werden, obwohl sie offenkundig Fragen aufwerfen müssten. Auch die Episode mit dem fremdsprachigen Navigationssystem wirkt konstruiert, weil naheliegende Lösungen schlicht ignoriert werden. Diese Details summieren sich und untergraben zunehmend das Vertrauen in die Erzählung.

Hinzu kommen die romantischen Verstrickungen. Die Beziehung zwischen Marita und Lucien folgt bekannten Mustern und bleibt für mich vorhersehbar. Problematischer ist jedoch, dass nahezu jeder männliche Kontakt sofort romantisch aufgeladen wird. Dadurch verliert die Geschichte weiter an Bodenhaftung, und meine emotionale Distanz zur Hauptfigur wächst, statt sich zu verringern.

Grundsätzlich schätze ich Romane mit mehreren Handlungsebenen. In „Sonnensegeln“ trägt die zweite Ebene jedoch nichts zur Entwicklung der Hauptgeschichte bei. Ihr Ende wirkt konstruiert und steht für mich in keinem Verhältnis zu dem, was zuvor aufgebaut wurde. Hier hatte ich den Eindruck, dass Erwartungen geweckt werden, die sich am Ende nicht einlösen.

Zwar gibt es atmosphärisch schöne Beschreibungen der südfranzösischen Landschaft, doch sie können die erzählerischen Schwächen nicht ausgleichen. Am Ende bleibt ein Roman, der bei mir keinen nachhaltigen Eindruck hinterlässt. Entsprechend werde ich auch den Folgeband „Mirabellensommer“ nicht zur Hand nehmen.

©2026 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 17.09.2025

✎ Peter Forrest - Kap Hoorn: Sturm und Leidenschaft

Kap Hoorn
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Ich habe „Kap Hoorn - Sturm und Leidenschaft“ von Peter Forrest schon vor langer Zeit zugeschickt bekommen, vermutlich direkt bei Erscheinen. Da mich der Klappentext damals nicht besonders ansprach, wanderte ...

Ich habe „Kap Hoorn - Sturm und Leidenschaft“ von Peter Forrest schon vor langer Zeit zugeschickt bekommen, vermutlich direkt bei Erscheinen. Da mich der Klappentext damals nicht besonders ansprach, wanderte das Buch ungelesen auf meinen SuB und hatte dort nie echte Priorität. Erst durch eine Leseaktion habe ich es wieder in die Hand genommen und mir gedacht: Ein Kapitel kann ich ihm wenigstens geben. Am Ende habe ich es tatsächlich durchgelesen - doch wirklich mitgenommen hat es mich nicht.

Die Sprache war für mich von Anfang an schwer zugänglich. Schon der Klappentext wirkte verschachtelt und umständlich, zudem wird der Leser konsequent gesiezt. Das schafft eine förmliche Distanz, die mich eher an ältere Reiseliteratur erinnerte als an einen Roman, der Emotionen wecken soll. Ich empfand diesen Stil zu gestelzt mit zu wenig Nähe. Das hat sich beim eigentlichen Text leider bestätigt. Lange Schachtelsätze und detailverliebte Beschreibungen haben das Geschehen immer wieder ausgebremst. Manche Formulierungen wirkten dabei so antiquiert, dass ich mich fragte, wer heute noch so spricht.

„Bis zum festlichen Dinner blieb noch etwas Zeit zur Erholung.
Er nutzte sie zur ausgiebigen Körperpflege und besonders auffälliger textiler Ausstattung.“ (S. 25)

„Hastig umgab er sich mit sommerlicher Kleidung, […]“ (S. 30)

Die Figuren haben es mir zusätzlich schwer gemacht. Der namenlose Passagier, der im Mittelpunkt der Handlung steht, blieb mir unsympathisch und undurchsichtig. Seine Gefühle für die Passagierin wirkten für mich nicht nachvollziehbar, eher obsessiv als romantisch. An manchen Stellen ging sein Verhalten deutlich in Richtung Stalking, was eher Unbehagen als Spannung auslöste. Gerade weil die Passagierin nicht einmal frei ist, erschienen mir seine Annäherungen aufdringlich und fehl am Platz. Empathie konnte ich dafür nicht aufbringen. Die Hauptfigur schaffte es einfach nicht, bei mir Bindung oder Mitgefühl auszulösen.

Was mich ebenfalls irritiert hat, war die Diskrepanz zwischen Ankündigung und Inhalt. Im Klappentext wird versprochen, dass das Buch Einblicke in Land und Leute sowie Naturereignisse rund um Kap Hoorn geben soll. In der Realität begegneten mir jedoch hauptsächlich lange Passagen über gesellschaftliche Gepflogenheiten und Preise bei den Ausflügen. Die erhoffte Atmosphäre von Abenteuer und gewaltiger Natur habe ich kaum gespürt.

Mein Eindruck ist, dass Peter Forrest hier vielleicht eigene Erfahrungen oder Erinnerungen verarbeitet hat. Wäre das Buch klarer als autobiografisch gekennzeichnet gewesen, hätte man es vermutlich mit anderen Erwartungen gelesen und vielleicht auch anders bewertet. So blieb es für mich ein distanziertes Werk, das mich trotz Durchhaltevermögen nicht berühren konnte.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 15.09.2025

✎ Anna Gavalda - Zusammen ist man weniger allein

Zusammen ist man weniger allein
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Ich hatte mich sehr auf den Roman „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda gefreut. Der Klappentext versprach eine gefühlvolle Geschichte, voller Herzschmerz, aber auch mit humorvollen und warmen ...

Ich hatte mich sehr auf den Roman „Zusammen ist man weniger allein“ von Anna Gavalda gefreut. Der Klappentext versprach eine gefühlvolle Geschichte, voller Herzschmerz, aber auch mit humorvollen und warmen Momenten. Genau das habe ich mir erhofft - doch bekommen habe ich etwas völlig anderes.

Schon nach wenigen Seiten wirkte die Handlung eher wie ein Wirrwarr. Ich habe das Buch gemeinsam mit @linhelest angefangen, die nach einem Viertel abgebrochen hat. Und ehrlich gesagt, konnte ich das gut nachvollziehen. Ich selbst habe weitergelesen, vor allem weil mich das Schicksal der alten Paulette nicht losgelassen hat.

Doch der Stil - ob nun von der Autorin oder durch die Übersetzung - macht es einem wirklich schwer. Ständige Zeitsprünge lassen einen oft das Gefühl haben, man hätte etwas verpasst. Zudem zieht sich die Handlung spürbar in die Länge. Viele Szenen wirken belanglos und bremsen den Lesefluss, anstatt die Figuren oder die Handlung voranzubringen.

Obwohl man durchaus Einblicke in die Vergangenheit der vier Hauptfiguren bekommt, sind sie mir dennoch nicht durchweg sympathisch geworden. Gerade Franck blieb mir trotz seines Schicksale auf Distanz.

Besonders problematisch fand ich den Umgang mit den Krankheiten der Protagonisten. Philiberts Stottern verschwindet quasi durch Camilles Unterstützung und ein wenig Schauspielerei. Camilles Magersucht wiederum wird durch die Zuwendung von Franck, dem Koch, „geheilt“. Für mich wirkt das verharmlosend und respektlos gegenüber Menschen, die mit solchen Erkrankungen über Jahre hinweg Therapien durchlaufen.Ich empfand die Darstellung als unrealistisch und verantwortungslos.

Trotz all meiner Kritik hatte das Ende eine emotionale Wirkung auf mich. Auch wenn ich es kommen sah, hat mich eine Szene tatsächlich zu Tränen gerührt. Dieser Moment konnte das Gesamtbild für mich jedoch nicht retten.

Unterm Strich bleibt es für mich ein Roman mit einer starken Grundidee, die viel Potenzial hatte, aber in meinen Augen leider nicht ausgeschöpft wurde. Statt einer berührenden und mitreißenden Geschichte bekam ich einen verworrenen Text, der mich mehr verwirrt als begeistert hat.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 14.09.2025

✎ Mechthild Gläser - Die Buchspringer

Die Buchspringer
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Vor einigen Jahren hatte ich selbst eine ähnliche Geschichte für Erwachsene angefangen, sie aber irgendwann abgebrochen, weil sie mich damals nicht überzeugen konnte. Als ich nun „Die Buchspringer“ von ...

Vor einigen Jahren hatte ich selbst eine ähnliche Geschichte für Erwachsene angefangen, sie aber irgendwann abgebrochen, weil sie mich damals nicht überzeugen konnte. Als ich nun „Die Buchspringer“ von Mechthild Gläser im Tauschschrank entdeckte, habe ich das Buch spontan mitgenommen. Ich dachte, es könnte vielleicht etwas für die Schulbibliothek sein, und außerdem wollte ich mitreden können. Also habe ich mich entschieden, es mir anzuhören.

Die Grundidee, in Bücher hineinspringen und mit literarischen Figuren interagieren zu können, fand ich zunächst spannend. Genau das hatte mich neugierig gemacht. Doch je weiter ich kam, desto mehr hatte ich das Gefühl, dass die Umsetzung hinter dem Potenzial zurückbleibt. Auf der einen Seite ist die Geschichte fantasievoll, aber auch recht oberflächlich. Sowohl die Handlung als auch die Figuren wirkten auf mich wenig greifbar.

Besonders deutlich wurde das an der Enthüllung um Amys Vater. Ich hatte diese Wendung zwar geahnt, doch anstatt wirklich darauf einzugehen, bleibt der Roman an der Oberfläche. Gerade weil dieser Aspekt so wichtig für die gesamte Geschichte ist, hätte ich mir hier mehr Tiefe gewünscht. Leider wird er nur kurz erwähnt und spielt später gar keine Rolle mehr.

Auch an Klischees spart Mechthild Gläser nicht.
Die Mutter verheimlicht Amy ihre magischen Fähigkeiten? Check!
Amy als Neuling merkt sofort, dass etwas nicht stimmt? Check!
Die Protagonistin wird nicht ernst genommen? Check!
Es gibt eine superreiche Zicke? Check!
Der Gegenspieler ist böse und durchgeknallt? Check!
Protagonistin erfährt Mobbing in der Schule? Check!
Die Liste könnte man unendlich weiterführen …

Am Ende blieb bei mir von der Geschichte kaum etwas hängen. Ich habe das Hörbuch zwar bis zum Schluss durchgehört, aber wenn ich es als Printausgabe gelesen hätte, hätte ich vermutlich irgendwann abgebrochen. Das liegt nicht daran, dass „Die Buchspringer“ grundsätzlich schlecht wäre - die Idee ist wirklich reizvoll -, sondern daran, dass sich die Handlung für mich unglaublich in die Länge zog und Ideen einfach in den Raum geworfen und dann nicht weiterverfolgt wurden.

So sehr ich das Konzept mag, fehlt mir die emotionale Tiefe, die ein Buch unvergesslich macht. Für mich war es eine nette, aber schnell vergessene Lektüre, die mich leider nicht so begeistert hat, wie ich es mir erhofft hatte.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 29.05.2025

✎ Joanne K. Rowling - Harry Potter 7 und die Heiligtümer des Todes

Harry Potter und die Heiligtümer des Todes (Harry Potter 7)
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Der siebte und (vor)letzte Band der Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling hebt sich in meinen Augen deutlich von seinen Vorgängern ab - nicht nur, weil Hogwarts als Hauptschauplatz größtenteils fehlt. ...

Der siebte und (vor)letzte Band der Harry-Potter-Reihe von Joanne K. Rowling hebt sich in meinen Augen deutlich von seinen Vorgängern ab - nicht nur, weil Hogwarts als Hauptschauplatz größtenteils fehlt. Stattdessen begleiten wir Harry, Hermine und Ron auf einer Art magischem Roadtrip quer durch Großbritannien. Was zunächst nach einer spannenden Abwechslung klingt, entpuppt sich streckenweise als zäh und langatmig.

Gerade im Mittelteil zieht sich die Handlung wie Kaugummi. Man wartet auf den nächsten echten Fortschritt, doch stattdessen scheint sich die Geschichte im Kreis zu drehen. Dieser fragmentierte Erzählstil nimmt leider viel von der Dynamik, die frühere Bände so lebendig gemacht hat.

Was mir schon in den vorherigen Teilen aufgefallen ist, wird hier besonders deutlich: JKR nimmt es mit ihrer eigenen Welt manchmal nicht ganz so genau. Zufälle reihen sich aneinander, Logiklücken tun sich auf, und manche Wendungen wirken eher konstruiert als überzeugend. Es fühlt sich streckenweise so an, als würde die Autorin ihren eigenen Plot ignorieren - oder ihn zumindest nur dann aufgreifen, wenn es gerade passt. Es gibt so viele Sachen aus den ersten Bänden, die man hätte einflechten können, die jedoch keine Erwähnung finden. Stattdessen werden Lesende mit neuen, teilweise schwer nachvollziehbaren magischen Elementen geködert, die vorher nie eine Rolle gespielt haben. Ich empfand das als „nachgeschobene Rettungsanker“, die der Geschichte eher schadeten als halfen.

Erschwerend kommt hinzu, dass liebgewonnene Figuren wie beiläufig aus der Geschichte verschwinden. Der Tod bedeutender Charaktere war schon immer Teil der Reihe, doch in diesem Finale wirken manche Entscheidungen nahezu beliebig. Die emotionale Wucht bleibt aus - nicht etwa, weil einem die Figuren egal wären, sondern weil ihre Tode weder dramaturgisch noch inhaltlich wirklich tragen.

„Harry Potter und die Heiligtümer des Todes“ hätte ein würdiger Abschluss sein können - wenn man konsequenter erzählt, alte Handlungsstränge sinnvoll eingebunden und das Erzähltempo besser austariert hätte. So jedoch bleibt bei mir vor allem das Gefühl zurück, dass dieser Abschluss eher Pflicht als Kür war.

©2025 Mademoiselle Cake