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Veröffentlicht am 16.11.2025

Humorvoll und verwirrend

Mord an Backbord
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Ich hatte schon einen etwas schwierigen Einstieg, weil ich die Autorin und demzufolge das voraus gegangene Buch nicht kannte. Auch wenn im Prolog die Vorgeschichte in etwa zusammen gefasst ist, konnte ...

Ich hatte schon einen etwas schwierigen Einstieg, weil ich die Autorin und demzufolge das voraus gegangene Buch nicht kannte. Auch wenn im Prolog die Vorgeschichte in etwa zusammen gefasst ist, konnte ich dem nur schwer folgen und durchblickte die ganze Szenerie und die Personenkonstellation das komplette Buch hindurch nicht wirklich. Das hat das Lesen anstrengend gemacht, auch wenn der Text flüssig und munter geschrieben ist. Es kommen immer wieder Bezüge zu Band 1. Ja, die Autorin hat sich Mühe gegeben, und immer wieder kurz skizziert, was damals passiert ist, aber erstens bremst das immens den Lesefluss für das Geschehen in der Gegenwart, nimmt zweitens die Spannung raus, und drittens wird manches trotzdem immer noch nicht richtig deutlich. Was für mich nicht Spannung erzeugt, sondern Verwirrung..... und irgendwo auch stellenweise ein kräftiges Gefühl der Unlust, noch weiter zu lesen....

Viele mysteriöse Gestalten, eine sich anbahnende Romanze, britischer trockener Humor, sympathische und unsympathische Menschen - das hat mir gut gefallen.

Die Hauptfiguren Freya, Carole und auch Bella mochte ich sehr, die Geschichte hatte durchaus Potential, das Ambiente war interessant, aber es sind mir doch das ständige Hin und Her und die verwirrenden Fallstricke zunehmend auf die Nerven gegangen.

Am Schluss wusste ich wirklich bei einigen Personen nicht mehr, wer wer ist, welche Ziele wer verfolgt, wer jetzt warum tot ist oder auch nicht.... ich fand, es war zuviel des Guten. Die vielen falschen Fährten gingen für mich zu Lasten der Spannung und der Klarheit.

Schade.

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Veröffentlicht am 10.11.2025

Bleibt uns die Hoffnung???

Was tun, wenn man nichts tun kann?
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Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, auch wenn der Titel nicht gerade freudig und hoffnungsvoll klingt. Aber genau darum geht es ja.

Man muss es konzentriert lesen, es ist zwar relativ gut verständlich ...

Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut, auch wenn der Titel nicht gerade freudig und hoffnungsvoll klingt. Aber genau darum geht es ja.

Man muss es konzentriert lesen, es ist zwar relativ gut verständlich geschrieben - auch für Nicht-Philosophen, aber es wird doch mit einigen Fachbegriffen und manchmal komplizierten Sätzen gearbeitet.

Gut geschildert fand ich den Vergleich bzw. die krasse Diskrepanz zwischen dem Lebensgefühl der 70er / 80er - die ich auch so erlebt habe -und den aktuellen Fragestellungen und Krisen. Es ist tröstlich, dass das nicht einfach meine eigenen Sorgen sind, sondern ein inzwischen weit verbreitetes Phänomen, dem schon wissenschaftlich / literarisch nachgegangen wird.

Ich fand die Texte sehr interessant und ab und zu für mich voller neuer Betrachtungsweisen, auch wenn es nicht immer neue Erkenntnisse waren. Die vereinfachte Definition des Glauben, Versuchen, Irren, Verbessern hat mich stark an das viel zitierte "Try again, fail again, fail better" erinnert, wobei bei letzterem natürlich dem Ausgangspunkt des Glaubens kein expliziter Stellenwert zukommt. Ich finde sehr spannend, wie der Autor den Begriff "Glauben" ganz neu definiert bzw. umschreibt. Als Basis für unsere Entscheidungen, oft unbewusst, aus Erfahrungen heraus und immer auch veränderbar...

Mir haben auch die Beispiele im Buch vieles verdeutlicht, das fand ich gut gemacht, nachdrücklich und einprägsam.

Den angehängten "Werkzeugkasten" fand ich gut, und allem voran das starke Plädoyer für die Demokratie. Das spricht mir sehr aus der Seele.

Sehr schön gegliedert, geschrieben und erklärt sind die einzelnen Kapitel, mit vielen Beispielen untermauert, die berühren. Aber wer diesen Glauben an das Gute im Menschen einfach nicht mehr hat - und das schließe ich nicht aus den Medien, sondern aus meiner Wahrnehmung im täglichen Leben -, dem fehlt die Basis, um die gegebenen Werkzeuge umzusetzen.

Für mich ist genau DAS das Problem, dass unsere Demokratie von vielen Seiten angekratzt und angegriffen wird, so als ob sie nichts wert wäre. DAS ist für mich eines der Dinge, bei denen ich mich so hilflos fühle und genau dieses Gefühl habe, dagegen nichts tun zu können. Weil die Populisten und Laut-Schreier und Vereinfacher lauter und stärker und einflussreicher sind oder zu sein scheinen - bei aktuellen Politumfragen und Wahlprognosen und - ergebnissen deutlich erkennbar.

Ich hatte gehofft, dass klarer der Bogen zum Titel geschlagen wird oder zum Rückentitel, dem Thema "Gestärktes Handeln statt lähmender Ohnmacht". Dies hat sich für mich leider nicht so richtig erfüllt.

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Sehr informativ und anspruchsvoll

Der Geschmack des Schönen
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Ich habe in meinen jungen Jahren alle Filme von Eric Rohmer mit großer Begeisterung angesehen, und ich hatte mir von diesem Buch eigentlich erwartet, dass es mir Informationen über diese Filme liefert. ...

Ich habe in meinen jungen Jahren alle Filme von Eric Rohmer mit großer Begeisterung angesehen, und ich hatte mir von diesem Buch eigentlich erwartet, dass es mir Informationen über diese Filme liefert. - Das Buch war eingeschweißt, und der Klappentext etwas irreführend.

Tatsächlich enthält das Buch eine Sammlung von Aufsätzen, Abhandlungen und Kritiken, größtenteils aus den 1950er Jahren, die Eric Rohmer über andere Filme diverser "großer" Filmemacher geschrieben hat. Untermalt werden die Texte mit Schwarz-Weiß-Fotos, die Szenen aus den betreffenden Filmen abbilden.

Zusätzlich wird ein großzügiges langes Interview mit Rohmer über seine eigenen Filme und seine Zeit als Kritiker abgedruckt.

Insgesamt habe ich das Buch als sehr anspruchsvoll empfunden, zumal wenn man nicht alle Filme im Detail kennt.

Keine leichte Kost, aber durchaus lehrreich, interessant und intelligent.

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Veröffentlicht am 28.07.2025

Zweifellos außergewöhnlich, aber anstrengend

Professor Jordan und das Geräusch von nassem Herbstlaub im Sommer
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Was ich über dieses Buch mit Überzeugung sagen kann, ist zum ersten, dass es ästhetisch und von der Haptik her sehr schön gestaltet ist, vom Einband, dem Cover, dem Papier, dem Druck her, und das zu einem ...

Was ich über dieses Buch mit Überzeugung sagen kann, ist zum ersten, dass es ästhetisch und von der Haptik her sehr schön gestaltet ist, vom Einband, dem Cover, dem Papier, dem Druck her, und das zu einem im Vergleich wirklich erstaunlich günstigen Preis.
Es hat wirklich Freude gemacht, das Buch in der Hand zu halten und die Seiten umzublättern.

Zum zweiten, dass diese Geschichte wirklich außergewöhnlich und skurril ist.

Mit dem Text an sich habe ich mir dagegen schwer getan. Ich habe mich anhand des tollen Titels und des wirklich wunderbaren haptischen Ersteindruckes sehr aufs Lesen gefreut - und mich dann - mit Ausnahme von nur wenigen Passagen - regelrecht von Seite zu Seite gekämpft.
Der Stil hat mich einfach nicht gepackt. Ich habe versucht, mich an der streckenweise originellen Sprache zu erfreuen, aber funktioniert hat es nicht.
Ja, die Skurrilität des Professors ist besonders, seine Wohn- und Lebensumgebung sind es ebenfalls, mögen muss und will ich ihn ja nicht - aber der Text ist einfach an mir vorbei geflossen, irgendwie zäh und dickflüssig....

Viele grammatikalische und Rechtschreibfehler nervten mich außerdem, gerade weil der Protagonist immer so auf sprachlicher Korrektheit herum reitet. Und was daneben wirklich negativ auffiel, war der häufige Perspektivenwechsel des Autors - er wechselte, manchmal mitten im Satz, von einem Kopf der Figuren in den anderen. Sowas beherrschen nur wirklich große Autoren - hier wirkte es nur irritierend und "falsch", zumindest auf mich.

Obwohl das Buch ab der Mitte langsam Spannung aufgenommen hat, konnte es mich nicht richtig ergreifen. Und auch das rasantere Erzähltempo am Schluss und die "Auflösung" des Falles nebst - zu Recht, wie ich finde! - erhobenem mahnenden Zeigefinger bezüglich der zunehmenden Macht der KI- ließen mich mit vielen Fragezeichen und - einfach ratlos - zurück.


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Veröffentlicht am 30.05.2025

Widerwillig spannend

Verbrenn all meine Briefe
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Ich habe dieses Buch geschenkt bekommen und war sehr skeptisch, nachdem ich den großen Hype für die "Überlebenden" damals nicht recht nachvollziehen konnte.

Dies hier ist erklärtermaßen ein Roman, aber ...

Ich habe dieses Buch geschenkt bekommen und war sehr skeptisch, nachdem ich den großen Hype für die "Überlebenden" damals nicht recht nachvollziehen konnte.

Dies hier ist erklärtermaßen ein Roman, aber wohl deutlich an das Leben von Personen angelehnt, die tatsächlich existiert haben. Wären Sven Stolpe und seine Frau Karin frei erfundene Menschen, würde ich denken, der Mensch Stolpe ist völlig überzeichnet in seiner Egozentrik, seinem Wahn, seinem Machtanspruch. Unvorstellbar, dass eine intelligente Frau wie Karin bei ihm bleibt und - nach allem was passiert ist - vier Kinder mit ihm großzieht. Selbst in den 30er Jahren.

Die Figuren konnten mich nicht wirklich berühren, was sicherlich an dem beabsichtigt distanzierten Schreibstil liegt.

Dennoch fand ich die Geschichte - fast widerwillig - spannend.

Ist das jetzt Schreibkunst? Es hat mich ratlos zurück gelassen.

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