Platzhalter für Profilbild

Seelenkasper

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Seelenkasper ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Seelenkasper über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.06.2025

kurzweiliges Lesevergnügen für Sherlock-Fans

Holmes & Moriarty
0

Ein offiziell lizenziertes Holmes-Abenteuer, in dem der Meisterdetektiv und sein Erzfeind ihre Fehde auf Eis legen und gemeinsame Sache machen? Klingt irgendwie nach wilder Fanfiction, oder? Ich bin absoluter ...

Ein offiziell lizenziertes Holmes-Abenteuer, in dem der Meisterdetektiv und sein Erzfeind ihre Fehde auf Eis legen und gemeinsame Sache machen? Klingt irgendwie nach wilder Fanfiction, oder? Ich bin absoluter Sherlock & Watson-Fan, deshalb wanderte das Buch sofort auf meine Wunschliste! Holmes und Watson sollen herausfinden, warum bei einer Theateraufführung jede Nacht derselbe, nur verkleidete, Publikumskreis auftaucht, während parallel in einem anderen Handlungsstrang Moriarty selbst des Mordes an Gangstergrößen beschuldigt wird. Da beides sich als zusammenhängend erweist, werden die beiden Gegenspieler quasi zur Rettung der Welt in einen Topf geworfen.
Als großer Fan des Originals konnte ich nicht verleugnen, wie froh ich war, dass Rubin vom Stil her tatsächlich ein bemerkenswert authentisches „Victorian English“ hinbekommt. Der Plot wird abwechselnd aus der Perspektive der Side-Kicks erzählt: Die Watson-Kapitel lesen sich wie frisch aus den gesammelten Erzählungen Conan Doyles importiert, inklusive jener lakonischen, leicht verschnörkelten Sprache, die man bei britischer Tea-Time und anderen Eigenarten eben so erwartet. Gleichzeitig unterscheidet sich Colonel Moran – Moriartys rechter Hand – deutlich von unserem liebgewonnenen Dr. Watson: kernig, impulsiv, schießt gern aus der Hüfte, was ihn fast schon zu einem Anti-Watson stilisiert. Die unerwartete Entscheidung, den Wechsel der Erzählperspektive zwischen Watson und Moran vorzunehmen, war definitiv ein kluger Kniff: Man erlebt die Ermittlungen zweimal, auf völlig konträren Ebenen, und bekommt dadurch eine Rundumsicht, die bei klassischen Holmes-Geschichten oft fehlt.
Das Pacing der Story war großartig! Die Handlung jagt in flottem Tempo von einem Rätsel zum nächsten, ohne dabei unnötig zu verharren. Hier gibt es hier ein klar plot-getriebenes Erlebnis: kurzweilig, mit kleinen Cliffhangern am Ende jeder Perspektivschicht – Watson stolpert in eine Sackgasse, Moran entdeckt einen blutigen Beweis, und schwupps, wechselt es wieder zur anderen Seite. Das Tempo ist „just right“, um die Spannung konstant hochzuhalten, ohne zu hetzen. Absolute Stärke an dieser Stelle. Dass es um die „Rettung der Welt“ gehen muss, wirkt manchmal etwas zu verkompliziert, aber: hätten Holmes und Moriarty bei einer geringeren Bedrohung wirklich zusammengearbeitet?
Ein Punkt, der mich allerdings nachhaltig gestört hat, war die Rolle der weiblichen Charaktere. Ernsthaft, müssen wir im Erscheinungsjahr 2024 (bzw. hierzulande 2025) immer noch davon ausgehen, dass die Frauenwelt bei Holmes nur als zarte, dekorative Randerscheinung agiert? Leider tut „Holmes & Moriarty“ wenig, um dieses altbackene Muster aufzubrechen. Es gibt es längst Beispiele, wie man z.B. eine moderne, selbstbewusste Irene Adler oder eine gewitzte Mrs. Hudson integrieren kann, ohne dass der mystische Nimbus verloren geht, aber hier bleiben die Damen formal in der Garderobe, während die Herren mit Lupe und Pistole hausieren gehen. Das fand ich schade, fast schon frustrierend, denn gerade in einer alternativen Holmes-Story könnte man das Thema wunderbar neu interpretieren.
Trotz dieser Kritikpunkte muss ich aber zugeben: Ich wurde gut unterhalten. Die Dynamik zwischen Holmes und Moriarty, die sich in keinem einzigen Moment anbiedert, sondern stets ein höfliches, ironisches Kontrastgeplänkel liefert – das allein genügt schon, um das Buch zu lesen. Es macht einfach Spaß, zu beobachten, wie die beiden Meisterdenker „fair play“ üben, während sie sich hinter vorgehaltener Hand die schärfsten Spitzen zuspielen. Und dass man die Kapitel aus Watsons und Morans Perspektive erlebt, ist für mich das überraschendste Highlight: Man fiebert einmal mit dem sicheren, adretten Watson, um im nächsten Moment mit Moran die Geduld angesichts menschlicher Dummheit zu verlieren.
Am Ende vergebe ich knappe 4 Sterne von 5. Ein gelungener Pageturner mit Charme lautet das Urteil, wenngleich er nicht ganz perfekt ist. Absolut empfehlenswert für alle, die eine, wenn auch etwas altmodische, Hommage an Conan Doyle lieben und ein wenig britische Höflichkeit mit scharfer Klinge schätzen – wenn man bereit ist, bei den fehlenden Frauenfiguren ein Auge zuzudrücken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2025

spannende Geschichte in einer Dystopie!

To Tempt a God
0

Schon der Titel von „To Tempt a God“ von Anna Benning war für mich absolut verlockend – weil ich natürlich wissen muss, wie man einen Gott verführend kann 😏 Der Klappentext verweist auf eine Dystophie, ...

Schon der Titel von „To Tempt a God“ von Anna Benning war für mich absolut verlockend – weil ich natürlich wissen muss, wie man einen Gott verführend kann 😏 Der Klappentext verweist auf eine Dystophie, Enemies to lovers, forced proximity – also alles, was ich in manchen Zuständen von Realitätsflucht lesen will, ich freute mich maximal auf das Buch!
Aurora wird an den Hof der Götter in Silver City berufen wird und dort zwischen Machtspielen und Grausamkeiten um ihr Überleben kämpfen muss – mit Colden, dem Sohn des gefürchteten Herrschergotts, an ihrer Seite, der sie als Dienerin bindet. Doch sie hat eine Mission, die sie um jeden Preis umsetzen will. Auf wessen Hilfe kann sie dabei setzen, wem kann sie vertrauen?
Ich liebe gut konstruiertes Worldbuilding, und hier punktet Benning eindeutig. Silver City präsentiert sich als Stadt des Lichts, über der die Götter herrschen; ein falscher Schritt kann für die Menschen den Tod bedeuten. Genau diesen Balanceakt zwischen der majestätischen, aber gnadenlosen göttlichen Ordnung und den alltäglichen Nöten der Sterblichen fand ich äußerst fesselnd. Die Idee, dass die Stadt in Ebenen angelegt ist und quasi als „Scheibenstadt“ funktioniert, klingt vielversprechend, hat mich aber in der Umsetzung manchmal ins Grübeln gebracht: Ich konnte mir kaum vorstellen, wie diese Ebenen wirklich aufgebaut sind und worin z.B. die Bäume der oberen Etagen wurzeln. Aber wahrscheinlich reicht da auch der göttliche Wille… Meine Überforderung hat dem Lesefluss zwar nichts von der Spannung genommen, aber ich hoffe auf mehr Klarheit beim nächsten Band.
Kommen wir zu den Charakteren: Aurora ist für mich ein Paradebeispiel einer starken Protagonistin, die nicht nur mit Messern durch die Welt huscht, sondern auch innerlich eine gewaltige Entwicklung durchmacht. Man spürt bei jeder Seite, wie sie mehr über ihre Gefühle und ihre Rolle in Silver City begreift. Besonders ihre scharfsinnigen Kommentare, wenn Colden sie mal wieder mit einem Blick zurechtweist, haben mir mehr als einmal ein Grinsen ins Gesicht gezaubert. Leider bleibt die andere Hälfte des Duos, unser göttlicher Love-Interest Colden für mich noch etwas flach – ich hätte mir gewünscht, mehr von seiner inneren Zerrissenheit zu sehen, anstatt ihn nur in Hero-Pose agieren zu lassen. Vielleicht ändert sich auch das im nächsten Band, wenn er mehr Freiraum bekommt und wir eine tiefere Perspektive auf ihn und seine Zweifel bekommen (wenn er denn sein Problem in den Griff bekommt – wenn du das Ende gelesen hast, weißt du, wovon ich spreche).
Ein Punkt, der mich persönlich etwas angepickt hat, ist der Cliffhanger am Ende. Ich verstehe ja, dass der Krieg zwischen Göttern und Sterblichen unausweichlich ist und die Spannung bis zum nächsten Band hochgehalten werden muss. Dennoch hatte ich das Gefühl, die Katastrophe, die sich bereits über Silver City zusammenbraut, wäre schon so schlimm, dass man eigentlich hätte sagen können: „Gut, das reicht als Ende.“ Stattdessen kommt dann noch eins obendrauf? Für meinen Geschmack war das Ende damit etwas zu pathetisch konstruiert, auch wenn ich natürlich weiß, dass sich genau so gut ein emotionaler Spannungsbogen aufbauen lässt.
Abschließend muss ich sagen, dass „To Tempt a God“ mir wirklich Spaß gemacht hat: Das Tempo ist hoch, die Dialoge spritzig, und wer auf Romantasy mit Dystopie-Elementen steht, kommt hier voll auf seine Kosten. Ich werde definitiv im 2. Band weiterlesen, um herauszufinden, wie es mit Aurora und Colden weitergeht. Und obwohl ich mir das Stadtbild noch nicht wirklich plastisch vorstellen kann, vergebe ich 4 von 5 Sternen: Eine runde, spannende Story mit gelungenem Worldbuilding, sympathischer Heldin und reichlich Stoff für den nächsten Band.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.05.2025

spannend und kurzweilig

Aschesommer
0

„Aschesommer“ ist der zweite Band der Thriller-Reihe „Gruppe 4 ermittelt“ mit den Ermittlern Mila Weiss und Jakob Krogh, die nach den „Krähen­tagen“ zurückkehren. Benjamin Cors schickt sein Team in diesem ...

„Aschesommer“ ist der zweite Band der Thriller-Reihe „Gruppe 4 ermittelt“ mit den Ermittlern Mila Weiss und Jakob Krogh, die nach den „Krähen­tagen“ zurückkehren. Benjamin Cors schickt sein Team in diesem Roman erneut in ein perfides Katz-und-Maus-Spiel rund um kryptische Botschaften und eröffnet mit einem geheimnisvollen Tod zweier Menschen in einer eigens dafür eingerichteten Kühlkammer.
Der Fall hält konstant eine hohe Spannung, bringt den Plot flott ohne Durchhänger voran, die Twists sind perfekt gesetzt und halten lange in Atem. Beeindruckend fand ich auch die Stimmungsinzenierung: Die sommerliche Hitze wird greifbar, fast so, als atmete man selbst schwer in der stickigen Luft. Was mir wieder gefallen hat, ist der persönliche Blick auf die beiden Hauptermittler: Mila und Jakob tragen weiterhin die Dämonen aus Band 1 mit sich, und man spürt förmlich, wie sie versuchen, gegen die Schatten ihrer Vergangenheit anzukämpfen. Ihre inneren Monologe lesen sich wie ein nervenaufreibendes Ping-Pong-Match zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Manchmal frage ich mich allerdings, ob sie ihre Traumata nicht mal anders aufarbeiten sollten? Ist das wirklich realistisch für reflektierte Ermittler? Ich hoffe, dass sich im 3. Band eine andere Lösung findet…
Wermutstropfen für mich: Der inhaftierte Professor mit seinen Hannibal-Lecter-Vibes wirkte auf mich etwas zu sehr wie ein Abziehbild des Originals. Seine diabolische Eleganz hat mich nicht so abgeholt, wie Cors es vielleicht beabsichtigte – hier hätte ich mir einen originelleren Gegenspieler gewünscht.
Kurzum: „Aschesommer“ ist spannungsgeladener Nervenkitzel mit einer ordentlichen Portion Seelen­striptease und ein volles Vergnügen für jeden Krimifan (der idealerweise den 1. Band auch gelesen hat!). Ich freue mich jetzt schon auf Band 3! 4/5 🌟

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.03.2025

eine interessante, fast philosophische Annäherung

Dunkelheit
0

„Dunkelheit. Ein Plädoyer“ von Lisa-Viktoria Niederberger ist ein Buch, das auf überraschend zugängliche Weise die vielen Seiten der Dunkelheit beleuchtet. Dabei geht es nicht nur um das, was wir in der ...

„Dunkelheit. Ein Plädoyer“ von Lisa-Viktoria Niederberger ist ein Buch, das auf überraschend zugängliche Weise die vielen Seiten der Dunkelheit beleuchtet. Dabei geht es nicht nur um das, was wir in der Nacht oft als bedrohlich oder unheimlich empfinden, sondern um ganz neue Perspektiven auf das, was Dunkelheit eigentlich sein kann.
Die Autorin führt uns durch ihre eigenen Erfahrungen und Erlebnisse, die sie im Laufe der Zeit gesammelt hat – und verbindet diese mit interessanten historischen Einblicken. Sie fragt zum Beispiel, warum wir Licht immer mit Fortschritt und Sicherheit verbinden, während Dunkelheit oft nur als Mangel oder Gefahr gesehen wird. Niederberger zeigt, dass in der Dunkelheit auch etwas Wertvolles steckt, das unser Leben bereichert: die Ruhe, die natürliche Ordnung und die Möglichkeit, dem hektischen Alltag zu entkommen.
Ein besonderer Teil des Buches widmet sich den Auswirkungen von künstlichem Licht. Niederberger erklärt, wie unser übermäßiger Gebrauch von Licht nicht nur den Himmel verdunkelt und Sterne verschwinden lässt, sondern auch das Verhalten von Tieren und letztlich auch unser eigenes Wohlbefinden beeinträchtigt. Dabei wird klar, dass unser moderner Lebensstil seinen Preis hat – und dass es wichtig ist, auch den natürlichen Rhythmus der Nacht wieder zu schätzen.
Was „Dunkelheit. Ein Plädoyer“ aber so besonders macht, ist die liebevolle Art und Weise, wie Niederberger die Nacht beschreibt. Sie malt uns Bilder von klaren, sternenklaren Himmeln und einer fast magischen Stille, die in der Dunkelheit wohnt. Ihre Sprache ist dabei ehrlich und poetisch zugleich – sie spricht uns direkt an und lässt uns spüren, wie bereichernd es sein kann, sich auf die Dunkelheit einzulassen.
Das Buch lädt dazu ein, die gewohnten Denkmuster zu hinterfragen und den Blick für das Ungewöhnliche zu öffnen. Es ist eine Mischung aus persönlichen Geschichten, praktischen Beobachtungen und einer frischen Sichtweise auf ein Thema, das uns alle betrifft. Wer bereit ist, sich auf dieses Erlebnis einzulassen, findet in „Dunkelheit. Ein Plädoyer“ einen inspirierenden und nachdenklichen Begleiter, der auch in einer zunehmend hell erleuchteten Welt die Schönheit der Nacht wieder sichtbar macht.
Danke an Netgalley und den Haymon-Verlag für das Leseexemplar!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 17.03.2025

Ermittlung zwischen Traum und Realität

Der Nachtgänger
5

„Der Nachtgänger“ hat mich in seinen Bann gezogen – ein Thriller, der mit einer unglaublichen Dichte an falschen Fährten und einem grandiosen Twist am Ende überzeugt. Das Autorenduo schafft es meisterhaft, ...

„Der Nachtgänger“ hat mich in seinen Bann gezogen – ein Thriller, der mit einer unglaublichen Dichte an falschen Fährten und einem grandiosen Twist am Ende überzeugt. Das Autorenduo schafft es meisterhaft, die Leser:innen ständig im Dunkeln tappen zu lassen, sodass man sich in einem Netz aus Rätseln und unerwarteten Wendungen verliert. Besonders faszinierend ist das immer wiederkehrende Thema des Schlafwandelns, das in diesem Buch eine zentrale Rolle spielt.
Die Geschichte dreht sich um einen mysteriösen Fall, bei dem der schlafwandelnde Hauptzeuge unfreiwillig in das Geschehen hineingezogen wird. Während sich Ermittler Joona Linna als Experte für Serienmörder durch zahlreiche Irrwege und falsche Fährten kämpft, laufen scheinbar eindeutige Hinweise ins Leere. Allmählich verdichtet sich das Netz aus Zweifeln und Verdächtigungen, bis in einem atemberaubenden Twist der wahre Täter entlarvt wird. Die Grenze zwischen Realität und Albtraum verschwimmt dabei immer wieder aufs Neue – eine Spannung, die dem Roman seine filmische Dynamik verleiht.
Ein Aspekt, der mich besonders berührt hat, ist die Darstellung von Joona, dem Ermittler, der diesmal allein ermittelt. Joona besticht durch seine sympathische, authentische Art – ein Charakter, der trotz der erdrückenden Dunkelheit des Falls stets einen Funken Menschlichkeit bewahrt. Seine ruhige Entschlossenheit und sein unermüdlicher Einsatz, die Wahrheit ans Licht zu bringen, machen ihn zu einem echten Leuchtturm in diesem Labyrinth aus falschen Fährten. Allerdings verliert der Krimi meiner Meinung nach davon, dass Joona diesmal allein ermittelt - die Dynamik zwischen Joona und Saga Bauer sorgte bisher für viele Sympathiepunkte und zusätzliche emotionale Tiefe. Es bleibt die Hoffnung, dass sie im nächsten Band wieder in Erscheinung tritt und das ohnehin schon faszinierende Kepler-Universum weiter bereichert.
Zudem beeindruckt die Eigenart des Autorenduos, auch Nebenfiguren mit liebevoller Detailverliebtheit einzuführen – nur um sie dann, sei es durch ihr plötzliches Ableben oder weil sie schlicht keine Rolle mehr spielen, rasch wieder verschwinden zu lassen. Dieses Stilmittel verleiht der Erzählung eine besondere Dynamik und lässt die Leser:innen stets am Rande der Erwartung verharren.
Ein winziger Kritikpunkt für mich ist allerdings, dass Kepler mehrere Subplots durch das komplette Buch ziehen, die dann quasi mit einem Schulterzucken nebenbei geklärt werden. Das lässt mich etwas fragend zurück.

„Der Nachtgänger“ ist ein mitreißendes Leseerlebnis, das durch seine spannende Handlung, das faszinierende Spiel mit dem Thema Schlafwandeln und die vielschichtige Darstellung der Figuren besticht. Vor allem Joona, der sympathische und zugleich zutiefst menschliche Ermittler, macht diesen Thriller zu einem unvergesslichen Erlebnis. Ein absolut empfehlenswerter Roman für alle, die sich in ein Labyrinth aus Geheimnissen und überraschenden Enthüllungen verlieren möchten.

Danke an Bastei-Lübbe und Lesejury für das Lese-Exemplar!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung