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Veröffentlicht am 16.02.2026

Ein nicht endender Albtraum

Der Pakt der Verräter
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Ein nicht endender Albtraum

„Das Leben gleicht einem Schachspiel, in dem es gilt, die Züge des Gegners vorauszusehen und ihn so lange in Sicherheit zu wiegen, bis er sich unweigerlich in eine Position ...

Ein nicht endender Albtraum

„Das Leben gleicht einem Schachspiel, in dem es gilt, die Züge des Gegners vorauszusehen und ihn so lange in Sicherheit zu wiegen, bis er sich unweigerlich in eine Position manövriert hat, aus der er nicht wieder herauskommt.“

Mit „Der Pakt der Verräter“ präsentiert die Autorin Ellin Carsta den nunmehr dreizehnten Band ihrer Erfolgsreihe um die Familien von Falkenbach und Lehmann. Nach einem kurzen Prolog startet die Handlung im Oktober des Jahres 1943. Deutschland befindet sich bereits über vier Jahre lang im Krieg, Mussolini wurde gestürzt und die Alliierten rücken in Sizilien vor. Die Angst ist ein steter Begleiter im Leben der Menschen, die auf ein Ende der faschistischen Schreckensherrschaft hoffen und sich nach Frieden sehnen.

Auf Gut Falkenbach bangt man um Gustav von Falkenbach und Leopold Lehmann, die sich beide an der Front befinden. Paul-Friedrich von Falkenbach quälen immer noch die Nachwirkungen der Beinamputation, er scheint zudem bei seiner Frau Dorothea endgültig in Ungnade gefallen zu sein. Wilhelm Lehmann hingegen leidet darunter, dass er seinen kaum genesenen Sohn Leopold nicht vor der erneuten Einberufung bewahren konnte. Und obgleich Wilhelm eine einzigartige Freundschaft mit Paul-Friedrich verbindet, hat er zum ersten Mal Geheimnisse vor ihm. Die beiden Familien sorgen sich obendrein um das Wohlergehen von Wilhelmine und Johannes, die sich im Vorgängerband in letzter Sekunde den Schergen der Nationalsozialisten entziehen konnten. Obgleich der Fokus im aktuellen Band vorwiegend auf dem geschickten Taktieren Paul-Friedrichs und den Ereignissen auf Gut Falkenbach liegt, gibt die Autorin auch kurze Einblicke in die Ereignisse an der Front aus der Sicht von Gustav und Leopold. Ein Brief aus Amerika ermöglicht darüber hinaus auch Irma Lehmann einen kleinen Gastauftritt, während der hartnäckige und unbarmherzige SS-Hauptsturmführer Alfred Breuer nach wie vor alles daransetzt, um die Familien zu vernichten.

Ellin Carsta bestückte ihre Geschichte mit den altbekannten Charakteren, fügte historische Hintergrundinformationen dazu und würzte das Ganze mit einer Prise Spannung und Emotionen. Die authentischen Charaktere, deren Entwicklung man im Verlauf der zahlreichen Vorgängerbücher sehr gut verfolgen kann, sowie der einnehmende Schreibstil tragen abgesehen vom interessanten Plot wesentlich zum Erfolg dieser Buchreihe bei.

Im aktuellen Band dieser Reihe hat mir die Entwicklung um Dorothea von Falkenbach sehr zugesagt, während die latente Bedrohung durch Elisabeths Verrat, deren Unberechenbarkeit, aber auch die unerbittliche Hartnäckigkeit Breuers den Spannungsbogen aufrechterhält.

Ich fühlte mich auch durch die aktuelle Neuerscheinung ausgezeichnet unterhalten, verfolgte in gespannter Erwartung die Geschicke auf Gut Falkenbach, bangte und hoffte mit einem mittlerweile abgestumpften Gustav und einem merklich geläuterten Leopold um deren Leben. Und ich fragte mich, ob Paul-Friedrich und Wilhelm es tatsächlich wagen würden, einen Pakt mit Verrätern einzugehen und das Leben ihrer Familien aufs Spiel zu setzen.

Das optisch sehr ansprechende Buchcover stellt wie gewohnt einen Blickfang dar, die einheitliche Gestaltung hinsichtlich Schrift und Farbwahl hat für mich mittlerweile Wiedererkennungswert und vermittelt eine gewisse Verbundenheit mit diesem herrschaftlichen Anwesen sowie deren Bewohnern.

FAZIT: „Der Pakt der Verräter“ war ebenso wie die Vorgängerbände eine fesselnde Lektüre, die mir ausnehmend gut gefallen hat. Als großer Fan der Reihe sind mir die Familienmitglieder mittlerweile ans Herz gewachsen und ich genoss es, die Entwicklung der einzelnen Charaktere, aber auch die innerfamiliären Konflikte und Beziehungen mitzuverfolgen. Die Autorin versteht es, ihre Leser emotional einzubeziehen und wartet erneut mit einer interessanten Geschichte sowie dem obligatorischen Cliffhanger am Ende des Buches auf. Ich kann es kaum erwarten, in einem vierzehnten Band zu erfahren, ob Paul-Friedrich Hitlers Bluthund Alfred Breuer erneut überlisten kann und wie es den von Falkenbachs und Lehmanns wohl gelingen wird, die Zeit bis zum Ende des Krieges unbeschadet zu überstehen.

Ich vergebe auch diesmal wieder fünf Bewertungssterne und eine klare Leseempfehlung!

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  • Handlung
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Veröffentlicht am 12.11.2025

Sie flogen über die Dächer von Paris

Arvil, der kleine Falke – Die Europameisterschaft
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Sie flogen über die Dächer von Paris

„Siegen heißt nicht immer nur, einen Titel zu gewinnen. Öffne deine Augen und genieße den Moment. Momente wie dieser und das Wissen, alles gegeben zu haben, machen ...

Sie flogen über die Dächer von Paris

„Siegen heißt nicht immer nur, einen Titel zu gewinnen. Öffne deine Augen und genieße den Moment. Momente wie dieser und das Wissen, alles gegeben zu haben, machen einen zum wahren Sieger!“

Durch seinen Sieg beim Waldflugrennen qualifizierte sich der talentierte junge Rennfalke Arvil für die Teilnahme am wichtigsten Flugrennen Europas. Sein Flugtrainer Adwanagor, die pfiffige Spitzmaus Serge und die temperamentvolle Eichhörnchendame Malou begleiten ihn nach Frankreich. In Paris angekommen werden sie bereits mit der ersten Herausforderung konfrontiert: durch eine unvermutete Änderung muss Arvil nun eine Rennstrecke bewältigen, auf die er weder vorbereitet, noch trainiert ist. Um sich für die Teilnahme registrieren zu lassen, fehlen dem Team des kleinen Wanderfalken-Papageis zudem auch noch Mitglieder. Und zu guter Letzt schmieden skrupellose und hinterlistige Teammitglieder des aktuellen Weltmeisters Quintez einen bösen Plan, um ihrem jungen Konkurrenten zu schaden.
Nach einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse im ersten Band und dem Abschied in der Heimat verlegt Thomas Forat den Schauplatz der Handlung nach Paris. Er beschreibt das hektische Gewusel unter dem Eiffelturm, als die verschiedensten Tierarten emsig die letzten Vorbereitungen für die Europameisterschaft treffen. Ein Chamäleon-Zwillingspaar an der Registrierungsstelle, Heuschrecken-Reporter, ein kleiner Kolibri, der als Rennkommentator eine echte Stimmungskanone ist, eine Pandadame mit rotem Fell, eine weise Ameisenkönigin und ein einschüchternder intriganter Hornfrosch sind nur einige der Figuren, mit denen Arvil zu tun hat.

Die Ereignisse kurz vor dem Rennen münden schließlich in ein aufregendes Finale, wobei der Autor es versteht, die Spannung hochzuhalten. Intrigen und Konkurrenzkämpfe, ausgeklügelte Flugtaktiken der Teilnehmer sowie unvorhersehbare Wendungen unterhalten den Leser und zeichnen für gehörige Aufregung über den Dächern von Paris verantwortlich.

Die liebenswerten Charaktere aus dem ersten Band werden um einige Figuren erweitert, zugleich schmieden gefährliche Konkurrenten und deren Handlanger unheilvolle Pläne. Im Zuge eines Wiedersehens alter Bekannter gibt es Rückblicke auf die Ereignisse um Arvils Vater Aron, dessen Karriere als talentierter Rennfalke nach einem schlimmen Zwischenfall ein abruptes Ende fand. Der locker-leichte Schreibstil, die kindgerechte Sprache, liebevoll ausgearbeitete tierische Charaktere, ein interessanter Plot, spannende Szenen rund um das Rennen sowie humorvolle Passagen zeichnen dieses entzückende Kinderbuch aus. Eine überraschende Entwicklung Arvils großen Adoptivbruder Serge betreffend und einige kluge Einsichten werten die Geschichte zusätzlich auf.

Fazit: „Arvil, der kleine Falke – Die Europameisterschaft“ hat den mitreißenden ersten Band dieser Reihe aus meiner Sicht sogar noch übertroffen. Thomas Forat präsentiert seiner jungen Leserschaft ein weiteres aufregendes Abenteuer mit dem kleinen Rennfalken und der bereits bekannte Buchtitel vom 3. Band dieser Reihe lässt den Ausgang der Geschichte bereits ganz ohne Spoiler erahnen. Ich freue mich bereits, dem mutigen kleinen Rennflieger Arvil im Nachfolgeband „Arvil, der kleine Falke 3 – Die Weltmeisterschaft“ wieder zu begegnen.

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Veröffentlicht am 12.10.2025

Am Ende zählt nur, wie es um unser Herz bestellt ist

Herzensmakeover
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Am Ende zählt nur, wie es um unser Herz bestellt ist

„Das richtige Gleichgewicht zu finden, kann knifflig werden. Zu helfen, ohne Grenzen zu überschreiten. Es ist nicht einfach, echte Bedürfnisse zu erkennen ...

Am Ende zählt nur, wie es um unser Herz bestellt ist

„Das richtige Gleichgewicht zu finden, kann knifflig werden. Zu helfen, ohne Grenzen zu überschreiten. Es ist nicht einfach, echte Bedürfnisse zu erkennen und den Heilungsprozess nicht beschleunigen zu wollen.“ (Miles McKenzie)

Molly McKenzie ist ein aufsteigender Stern am Influencer-Himmel, woran auch ihr geschäftstüchtiger Freund Ethan Carrington nicht ganz unbeteiligt ist. Als Mollys ehrgeiziger Manager ist es sein vorrangiges Ziel, die Zahl ihrer Follower immer weiter zu erhöhen. Darüber hinaus hat er einen lukrativen Job als Moderatorin für seine erfolgreiche Freundin ins Auge gefasst. Eine ehrenamtliche Tätigkeit mit sozial benachteiligten Jugendlichen betrachtet er als optimales Sprungbrett für Mollys Karriere und Silas Whittaker, der Leiter einer entsprechenden Einrichtung, soll Molly diesen Weg ebnen. Doch die Sache erweist sich als nicht so einfach, wie die beiden es sich vorgestellt haben…

Nicole Deese hat sich mit diesem aktuellen Thema und ihrem einnehmenden Schreibstil, der auch mit einer gehörigen Portion Situationskomik einhergeht, geradewegs in mein Herz geschrieben. Sie erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die sich von ihrer tief gläubigen Familie unverstanden fühlt und ihren eigenen Weg sucht, dabei aber Gefahr läuft, sich selbst zu verlieren. Die Protagonistin, die sich vorrangig auf Oberflächlichkeiten - den Glamour, die Bewunderung durch ihre zahlreichen Follower und das permanente Heischen nach Aufmerksamkeit und "Likes" - konzentriert, wird unvermutet mit einer völlig konträren Welt konfrontiert. Die Jugendlichen, mit denen sie zu tun hat, schleppen zum Teil gehörige Lasten aus ihrer Vergangenheit mit sich. Sie haben mit gravierenden Problemen zu kämpfen und sehnen sich nach Annahme, Wertschätzung und Integration. Die Art und Weise, wie Nicole Deese diese beiden Welten aufeinanderprallen lässt und daraus eine zauberhafte, zugleich aber auch tiefgründige Geschichte entstehen lässt, fand ich großartig.

Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren hat mir ausnehmend gut gefallen, sowohl die Haupt-, als auch die Nebenfiguren dieses Romans vermochten mich zu überzeugen. Der Fokus liegt auf den beiden Protagonisten Silas und Molly. Mollys Assistentin Val, Mollys Bruder Miles und die Bewohner der Einrichtung „Bridge Youth Home“ nehmen aber ebenfalls Raum in der Handlung ein. Während Mollys Manager und Freund Ethan für mich rasch zum Antagonisten avancierte, wuchsen mir Silas, Wren und Val immer mehr ans Herz. Im Buch ist von Nächstenliebe, Vertrauen und zweiten Chancen, aber auch von Vergebung die Rede. Nicole Deese verstand es, dem Leser den scheinbar aussichtslosen Kampf gegen Windmühlen bei dem Versuch, so viele Jugendliche wie möglich aufzunehmen und sie auf ihrem Weg zu begleiten, nahezubringen. Durch diese liebevoll gezeichneten Charaktere und den einnehmenden Schreibstil gelang es Nicole Deese, mich voll und ganz in die Geschichte einzubeziehen und ich habe im wahrsten Sinne des Wortes jede Seite dieses Romans genossen.

"Herzensmakeover" ist ein wundervolles und gefühlvolles Buch, das mit ganz viel Gefühl, der Einbringung des christlichen Glaubens, einer aktuellen Thematik, tiefsinnigen Ausführungen, aber auch einer guten Portion Humor punktet. Im Grunde die perfekte Lektüre. Bedauerlicherweise las ich jedoch die deutsche Übersetzung, bei welcher meine Lesefreude gehörig durch den Einzug des "Gender-Wahnsinns" getrübt wurde. Anfangs noch darauf verzichtet steigerte sich diese Überfrachtung der Sätze bis zu einer Passage, an welcher die gendergerechte Formulierung gleich vier Mal auf einer Seite angewandt wird. Eine solche Vorgehensweise betrachte ich als großes Ärgernis, es hemmt den Lesefluss gehörig, ist für mich persönlich absolut inakzeptabel und beeinflusst künftige Kaufentscheidungen gravierend. Nicole Deese hat sich durch diesen Roman zwar ganz eindeutig auf die Liste meiner favorisierten christlichen Autoren katapultiert und ich brenne darauf, weitere Werke von ihr zu lesen, aber nur noch im englischen Original.

Ich vergebe nichtsdestotrotz fünf volle Bewertungssterne und eine begeisterte Leseempfehlung - denn die Autorin kann schließlich nichts für die Übersetzung

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Der Untergang allen Vertrauens

Die Stunde des Widerstands
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Der Untergang allen Vertrauens

„In unsteten Zeiten ist die Familie das, was uns zusammenhält, uns durchhalten und den Schwierigkeiten trotzen lässt. Aber ich werde Verräter in meinem direkten Umfeld nicht ...

Der Untergang allen Vertrauens

„In unsteten Zeiten ist die Familie das, was uns zusammenhält, uns durchhalten und den Schwierigkeiten trotzen lässt. Aber ich werde Verräter in meinem direkten Umfeld nicht dulden, ganz gleich, wer sie sind und wie nah sie mir stehen.“

Der zwölfte Band der Reihe um die Familien Falkenbach und Lehmann ist im Februar des Jahres 1943 angesiedelt. Während Gustav von Falkenbach und Leopold Lehmann sich immer noch an der Front befinden, nehmen das Misstrauen und die Bespitzelungen im Land ebenso zu wie die innerfamiliären Konflikte auf dem Anwesen der Falkenbachs. Der neue Leiter des Arbeitslagers, Hauptsturmführer Viktor Sanders, gibt sich nach wie vor undurchschaubar, der begründete Verdacht, dass es einen weiteren Spitzel auf dem Anwesen gibt ist nicht von der Hand zu weisen. Während Käthe Lehmann sich hingebungsvoll um ihre Söhne Johannes und Ferdinand sowie ihren Enkel Jojo kümmert, distanziert sie sich zunehmend von ihrer Schwiegertochter Elisabeth. Wilhelm und Else Lehmann unterstützen sich gegenseitig in ihren Bemühungen, diesen furchtbaren Krieg unbeschadet zu überleben, sie bangen jedoch um die Sicherheit ihres einzigen Sohnes Leopold. Dorothea wünscht sich nichts sehnlicher, als von ihrer Familie gebraucht und wertgeschätzt zu werden, Paul-Friedrich bringt für ihre Marotten aber immer weniger Geduld und Nachsicht auf. Paul-Friedrichs Sorge gilt vorrangig dem Wohlergehen seines Sohnes Gustav, der sich nach einem mehrwöchigen Heimaturlaub inzwischen wieder an der Front befindet. Aber auch die Aktivitäten seiner Tochter Wilhelmine in München bereiten ihm zunehmend Kummer. Ihre Nähe zur Widerstandsgruppe Weiße Rose und die Freundschaft mit einem der Aktivisten bringen die impulsive junge Frau in allergrößte Gefahr. Paul-Friedrich und seinem besten Freund Wilhelm wird immer mehr bewusst, dass sie sich in absehbarer Zeit entweder für eine Flucht ins Ausland oder aber für den aktiven Widerstand gegen das verhasste Regime der Nationalsozialisten entscheiden müssen.

Der zwölfte Band dieser Reihe schließt nahtlos an den Vorgänger an und thematisiert die innerfamiliären Konflikte auf Gut Falkenbach. Die Aktivitäten der Geschwister Sophie und Hans Scholl, ein vermeintlicher Spitzel innerhalb des engsten Familienkreises, die nicht einschätzbare Figur des Viktor Sander sowie die latente Bedrohung durch den überaus gefährlichen und skrupellosen Hauptsturmführer Alfred Breuer tragen dazu bei, den Spannungsbogen hochzuhalten. Ellin Carsta beleuchtet die Situation auf Gut Falkenbach und die einzelnen Mitglieder der Familien und hat ihre fiktive Geschickte geschickt mit historischen Fakten verwoben. Da mir die Figuren der Handlung nach nunmehr elf Büchern dieser Reihe bereits sehr vertraut sind, bereitete es mir große Freude, deren weitere Entwicklung mitzuverfolgen. Leopolds Frau Irma, ihre Kinder und ihre Eltern haben ebenfalls einen kleinen Gastauftritt in diesem Buch, darüber hinaus gewährt die Autorin auch einige Rückblicke auf vergangene Ereignisse.

Der vorliegende Band hat mich ebenso gefesselt wie dessen Vorgänger. Ellin Carstas Fähigkeit, ihre Leser emotional einzubeziehen und die Entwicklung ihrer Figuren voranzutreiben sorgten auch dieses Mal für spannende und unterhaltsame Lesestunden.

Das optisch sehr ansprechende Buchcover stellt wie gewohnt einen richtigen Blickfang dar, die einheitliche Gestaltung hinsichtlich Schrift und Farbwahl hat für mich mittlerweile Wiedererkennungswert und vermittelt eine gewisse Verbundenheit mit diesem herrschaftlichen Anwesen sowie deren Bewohnern.

FAZIT: Ellin Carsta hat mir mit ihrer aktuellen Neuerscheinung erneut anregende und unterhaltsame Lesestunden bereitet. Es war sehr interessant, die Ereignisse in diesem zwölften Band der Reihe anhand der bildhaften Beschreibungen und der überzeugenden Charaktere mitzuverfolgen. Wie gewohnt zeichnet ein spannender Cliffhanger im Epilog für eine hohe Erwartungshaltung und große Vorfreude auf die Fortsetzung verantwortlich. Ich vergebe für „Die Stunde des Widerstands“ fünf Bewertungssterne und eine uneingeschränkte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 13.04.2025

Du lehrst mich, das Leben wieder zu lieben!

Die tausend Farben von Paris
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Du lehrst mich, das Leben wieder zu lieben!

„Er nahm sich Zeit, die Farben auf sich wirken zu lassen sie förmlich zu inhalieren, um sie in sich aufzunehmen, sie zu spüren. Paris war für ihn eine Stadt, ...

Du lehrst mich, das Leben wieder zu lieben!

„Er nahm sich Zeit, die Farben auf sich wirken zu lassen sie förmlich zu inhalieren, um sie in sich aufzunehmen, sie zu spüren. Paris war für ihn eine Stadt, die stets in ein warmes Rosé getaucht war, bei Tag wie bei Nacht, weil sie ein Gefühl der Wärme verströmte, wie er es noch nirgendwo sonst erfahren hatte. Auf keiner Palette der Welt wäre es möglich, die Farben so zu mischen, dass man Paris darin einfangen und in den Bildern wiedergeben könnte.“

Nach seinem Dienst in der Armee hat Jack King Amerika den Rücken gekehrt und lebt in der Stadt seiner Träume, wo er sich seiner größten Leidenschaft widmet. Als mittelloser Maler kann er zwar seine Kunst nicht verkaufen, ist aber dennoch stets positiv und voller Hoffnungen. Jack liebt die Farben, die Klänge, die Gerüche dieser Stadt, das Lachen der Menschen und die Musik. Paris ist für ihn ein magischer Ort und er gibt alles dafür, dieses Gefühl auf die Leinwand zu bannen. Als er die lebensfrohe Rose Chevalier kennenlernt, verliebt er sich auf den allerersten Blick in die bezaubernde junge Französin mit dem hinreißenden Lächeln. Die junge Studentin aus begütertem Elternhaus erwidert seine Gefühle, doch das Glück des jungen Paares wird vom Auftauchen eines ehemaligen militärischen Vorgesetzten Jacks überschattet, der eine alte Schuld bei ihm einfordert.

„Die tausend Farben von Paris“ ist ein mehr als vierhundert Seiten umfassender Roman, der im Jahre 1952 angesiedelt ist. An der Seite von Catherine Durands Protagonisten durfte ich die Schönheit dieser Stadt sowie all die liebenswerten Bekannten und Freunde von Jack kennenlernen und in die malerische Welt des Künstlerviertels Montmartre eintauchen. Jack wird als zufriedener Mensch dargestellt, der den Zwängen des Alltags zu entfliehen sucht und von seinem Durchbruch als Maler träumt. Sein unbekümmertes Leben findet ein jähes Ende, als der Frieden zwischen Frankreich und Amerika durch ein brisantes Dokument gefährdet ist und ausgerechnet er dazu rekrutiert wird, die Arbeit des Geheimdiensts zu unterstützen.

Mit dem berühmten Chanson-Sänger Frank Levant bringt Catherine Durand eine weitere, äußerst facettenreiche Hauptfigur in die Handlung ein. Der charismatische Showstar des Varietés Lido führt ein Leben auf der Überholspur, er ist überaus beliebt, vermögend und ganz Paris liegt ihm zu Füßen. Frank betrachtet sich selbst aber als Blender, er ist von Selbstzweifeln zerfressen und trotz seiner Berühmtheit ein einsamer Mensch. Einzig im Maler Jack hat der Entertainer einen treuen Freund gefunden, vor dem er seine Ängste und Gefühle nicht verstecken muss. Die Begegnung mit der Blumenhändlerin Amelie Girard stellt Franks Weltbild völlig auf den Kopf, denn die unabhängige Frau lässt sich weder von seinem Vermögen, noch von seinem Ruhm beeindrucken. Doch als Franks Vergangenheit ihn einzuholen droht, muss er nicht nur um sein neues Glück, sondern vielmehr um seine ganze mühsam aufgebaute neue Existenz fürchten.

Den Protagonisten werden interessante Nebenfiguren zur Seite gestellt. Neben bösen, im Hintergrund agierenden Antagonisten bringt die Autorin auch zahlreiche sympathische und liebenswerte Charaktere ins Spiel. Roses Eltern Francine und Arthur Chevalier sind mir im Verlauf der Handlung ebenso ans Herz gewachsen wie Hedwig Schönau, eine alte Dame, die Rose sehr zugetan ist und auf dem Anwesen ihrer verstorbenen Großmutter lebt. Catherine Durands liebevolle Charakterzeichnung beschränkt sich jedoch nicht auf die Hauptfiguren. Ich konnte die beleibte Wirtin Madama Lilou mit ihrer liebenswerten Art und dem herzlichen Lächeln bildhaft vor mir sehen, die den erfolglosen jungen Maler unter ihre Fittiche nahm und kulinarisch verwöhnte. Meine unangefochtene Lieblingsfigur war und ist jedoch Amelie Girard, die mich mit ihrer direkten, offenen und warmherzigen Art voll und ganz in ihren Bann gezogen hat. Amelie ist dankbar für jeden einzelnen Tag, der ihr geschenkt wird und versteht es, ihr Leben zu genießen. Sie findet Freude an kleinen Dingen und zahlreiche beeindruckende Zitate spiegeln ihre klugen Einsichten wider. Amelie liebt die Arbeit mit den fragilen Schönheiten in ihrem Blumenladen, den Menschen mit ihren kreativen Arrangements Freude zu bereiten, macht sie glücklich. In einem Gespräch, das mich besonders beeindruckt hat, sagt sie über ihre wunderbar leichte Art, durchs Leben zu gehen: „Ich glaube, dass das Leben zu kurz ist, um sich mit Menschen zu umgeben, die der Seele nicht guttun. Deshalb spreche ich aus, was ich denke. Die, die damit umgehen können, werden oft gute Freunde. Die anderen verschwinden nach einer kurzen Begegnung aus meinem Leben und können ihr Glück finden, wo meines nicht liegt.“ Welch faszinierende Ansichten einer derart jungen Frau!

Ich möchte abschließend noch auf die anziehende optische Aufmachung dieser broschierten Ausgabe hinweisen, die durch ein gefälliges Cover und eine harmonische Farbgestaltung besticht. In der Abbildung auf dem Umschlag spiegelt sich die malerische Beschreibung der französischen Hauptstadt wider – die zarten Pastellfarben und das verliebte, dem Betrachter abgewandte Paar versinnbildlichen die romantischen Handlungen im Buch. Auf der Innenseite der Klappbroschur findet man eindrucksvolle Zitate dieses Romans, die etwas größere Schrift und die lesefreundlichen Zeilenabstände haben für mich persönlich einen sehr hohen Stellenwert. Die einzelnen Kapitel werden stets von einem aussagekräftigen Zitat einer der Hauptfiguren eingeleitet, auf den jeweiligen Schauplatz der Handlung wird in der Kapitelüberschrift Bezug genommen. Ein elf Seiten umfassendes Nachwort entpuppt sich letztendlich als informative Zusammenfassung historischer Fakten, die Autorin erzählt darüber hinaus ein wenig über die vier Hauptcharaktere Jack, Frank, Rose und Amelie.

FAZIT: „Die tausend Farben von Paris“ hat mich ausgezeichnet unterhalten, der einnehmende Schreibstil der Autorin, die gelungene Charakterzeichnung ihrer Figuren und der auf die Geheimdienstaktivitäten basierende Spannungsbogen machten dieses Buch zu einer Lektüre, die ich nicht mehr aus der Hand legen mochte. Besonders gelungen fand ich die zahlreichen Zitate von Rose und Amelie – die beiden sind mir im Verlauf der Handlung nicht nur durch ihre liebenswerte Art, sondern vielmehr auch durch ihre Einstellung und Weltanschauung ans Herz gewachsen. Montmartre, das Herzstück von Paris, sowie die kleinen Cafés und Läden übten eine ganz besondere Faszination auf mich aus. Dank der bildhaften Beschreibung der Autorin werden mich die Gerüche, die Impressionen und der Zauber von Paris noch eine ganze Weile nach dem Zuschlagen der letzten Buchseite begleiten.

Ich vergebe fünf Bewertungssterne für diese Geschichte, die mir aus

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