Profilbild von lielo99

lielo99

Lesejury Star
offline

lielo99 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit lielo99 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.06.2025

Über das Leben in einem totalitären Staat

Himmlischer Frieden
0

„Befreiungsfüße“, so nannte die Großmutter ihre Füße. Sie wehrte sich nämlich erfolgreich gegen die Meinung ihrer Eltern. Sie sollte diese abbinden und so die so angesagten „Lotusfüße“ erreichen. Im Alter ...

„Befreiungsfüße“, so nannte die Großmutter ihre Füße. Sie wehrte sich nämlich erfolgreich gegen die Meinung ihrer Eltern. Sie sollte diese abbinden und so die so angesagten „Lotusfüße“ erreichen. Im Alter zwischen 5 und 8 Jahren wurden die Füße der Mädchen eng verschnürt und die Zehen gebrochen. Damit wollten die Mütter oder Großmütter erreichen, dass ihre Töchter dem allgemeinen Modetrend entsprachen. Eigentlich kein Wunder, dass diese Frau anfing Schuhe zu nähen, die auch Frauen mit deformierten Füßen tragen konnten. Ja, die Großmutter war eine Rebellin und hin und wieder kam es vor, dass ihre Enkelin sich von ihr missverstanden fühlte.

Die Ich-Erzählerin Lai schreibt über ihren Vater, dass er während der Mao-Regierung inhaftiert war. Was er damals erlebte, verschweigt er seiner Familie. Bis zu dem Tag, als er seine Tochter zu einem Spaziergang einlud. Sie gingen so lange, bis sie eine Mauer erreichten. Was das Mädchen dort las, erschütterte sie zutiefst. Jetzt konnte sie sogar ihren schweigsamen Vater verstehen und lernte ihn zu schätzen.

Ein dicker Wälzer, der keine leichte Lektüre war. Die Schriftstellerin Lai Wen wuchs in China auf und zeigt deutlich, welche Gefahren von einer Diktatur ausgehen. Der Platz des „Himmlischen Friedens“ was Schauplatz eines Massakers an Studenten, die lediglich für mehr Demokratie und Meinungsfreiheit eintraten. Sie wurden mundtot gemacht und viele von ihnen starben im Kugelhagel der Soldaten.

Auch wenn das Lesen des Romans einige Anstrengung erfordert, wenn man ihn bewusst lesen und verstehen möchte. Dranbleiben lohnt sich. Weil er zeigt, wie wichtig es ist, den totalitären Ansichten etlicher Staatsmänner entgegenzutreten. Nein, wer denkt, dass diese doch weit weg seien, der irrt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.06.2025

Welch eine außergewöhnliche Frau

Die Eigensinnige
0

Ihre Mutter starb bei Maries Geburt und auch die zweite Frau des Vaters überlebte die Niederkunft einer Tochter nicht. Die neue Frau an der Seite des Vaters, liebevoll Maman genannt, hat nicht viel Verständnis ...

Ihre Mutter starb bei Maries Geburt und auch die zweite Frau des Vaters überlebte die Niederkunft einer Tochter nicht. Die neue Frau an der Seite des Vaters, liebevoll Maman genannt, hat nicht viel Verständnis für die Wünsche der lebhaften Marie. Die mag es nämlich gar nicht, wenn jemand sie in ein enges „Korsett“ zwängen möchte. Leider war es damals üblich, dass junge Damen dazu angehalten wurden, möglichst rasch und am besten „günstig“ zu heiraten. Also mit einem jungen Mann, der Geld hatte und nach Möglichkeit auch noch einen Adelstitel trug. Marie wollte Schriftstellerin werden und darüber hinaus nur aus Liebe heiraten. Nein, sie mochte es nicht, wenn sie irgendwelchen Grafensöhnen schöne Augen machen sollte. Das gefiel weder ihrem Vater noch ihrer Maman.

Welch eine herzerfrischende Frau. Sie durchbrach die Etikette und heiratete einen Mann, der ihr gefiel. Dabei achtete sie nicht auf Äußerlichkeiten oder gar Reichtum. Sie schätzte besonders, dass Moritz sie nie einzwängte und ihren Willen stets akzeptierte. Er liebte sie so, wie sie war und tröstete sie, wenn die Kritiken an ihren Stücken gar zu grausam daher kamen.

Ich hatte zwar den Namen gehört aber nie ein Buch von ihr gelesen. Durch diesen Roman war Marie von Ebner-Eschenbach mir so nah, dass ich sie schätzen lernte. Sie war ein Freigeist und verabscheute Standesdünkel. Ließ sich nicht einzwängen und die Meinung der Menschen waren ihr egal. Nein, das Cover gefiel mir nicht wirklich, der Inhalt des Buches aber umso mehr. Ich gebe eine ausdrückliche Leseempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.06.2025

Er war ein Kofferträger und wurde zum Millionär

Der Traum des Louis Vuitton
0

Louis ist glücklich. Er ist am Ziel seiner Träume. Nicht alleine die Tatsache, dass er die Königin leibhaftig vor sich sehen durfte. Nein, er hat auch eine Lehrstelle sowie ein gemütliches Zimmer mit Vollpension. ...

Louis ist glücklich. Er ist am Ziel seiner Träume. Nicht alleine die Tatsache, dass er die Königin leibhaftig vor sich sehen durfte. Nein, er hat auch eine Lehrstelle sowie ein gemütliches Zimmer mit Vollpension. Sein Lehrherr ist freundlich und die Kollegen werden schon bald zu guten Freunden. Auf welche Weise sich dann sein Werdegang entwickelte, das hat er wohl niemals zu hoffen gewagt.

Die Produkte mit dem Label Louis Vuitton kennen und lieben viele Menschen. Oft handelt es sich dabei und gut betuchte Leute, die einen exklusiven Geschmack haben. Dass auch er sich langsam nach oben arbeitete und nur durch Fleiß und Ausdauer das erreichte, was sein Traum war, erkennen seine Kunden kaum. Ich meine, dass es wichtig ist, die Anfänge von solchen Berühmtheiten erzählt zu bekommen. Zumal dieser Mann nie abgehoben wurde, sondern stets auf dem Boden der Realität blieb.

Denn das macht doch viele der Männer und Frauen aus, die unseren heutigen Wohlstand prägten. "Der Traum des Louis Vuitton" beruht auf Tatsachen. Die umfangreiche Recherche und die lebendige Sprache das Autors machen das Hören zu einem besonderen Erlebnis. Auch die Stimme von Max Hoffmann trägt zur Kurzweil bei. Ich habe viel gelernt und mich zudem köstlich amüsiert. Absolute Hörempfehlung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.05.2025

So halfen die Menschen den Verfolgten

Wenn die Blätter wieder tanzen
0

Ruth ist Journalistin, hat eine Tochter und lebt in Berlin. Mit Bangen schaut sie auf die Politik und schon früh ist sie sich sicher, dass die Nationalsozialisten nichts Gutes im Schilde führen. Sie ist ...

Ruth ist Journalistin, hat eine Tochter und lebt in Berlin. Mit Bangen schaut sie auf die Politik und schon früh ist sie sich sicher, dass die Nationalsozialisten nichts Gutes im Schilde führen. Sie ist zwar zunächst nicht selbst betroffen. Ihre Arbeit scheint auch nach dem Einmarsch in Polen nicht gefährdet zu sein. Allerdings sorgt sie sich um ihre Freunde. Viele von ihnen sind Juden und immer wieder kommt es zu Verhaftungen durch die Gestapo.

"Wenn die Blätter wieder tanzen" zeigt, auf welche Weise viele Menschen den Verfolgten in Deutschland im Untergrund halfen. Als zum Beispiel Lebensmittelmarken herauskamen, waren sie besonders einfallsreich. Auf abenteuerliche Weise schafften sie es immer wieder, dass alle Bekannten genug zu Essen hatten. Das Wohl der Kinder lag Ruth besonders am Herzen. Kein Wunder, war sie doch Mutter und sorgte sich um ihre Tochter. Die half mit bei den Hilfsaktionen und wollte auf keinen Fall Berlin verlassen. Egal wie gefährlich das Leben hier wurde.

Immer wieder lese ich Bücher zum Thema. Und immer wieder lerne ich neue Perspektiven kennen. Auch dieses Buch las ich voller Interesse und bangte mit den Protagonisten. Sie trafen sich regelmäßig in der Wohnung Ruths und berieten, wem sie helfen konnten. Dass das nie ungefährlich war, das versteht sich von selbst. Es ist also niemals eine langweilige Lektüre, die ich sehr gerne empfehle.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.05.2025

Sehr spannend und nicht vorhersehbar

Krankes Spiel
0

Was ist los mit Lila Baker? Hat sie sich in ihren Entführer verliebt? In den Mann, der sie fünf Tage lang gefangen hielt? Der fünf Jahre im Gefängnis saß? Der sie in einem Café ansprach und sie trotzdem ...

Was ist los mit Lila Baker? Hat sie sich in ihren Entführer verliebt? In den Mann, der sie fünf Tage lang gefangen hielt? Der fünf Jahre im Gefängnis saß? Der sie in einem Café ansprach und sie trotzdem über Tage gefangen hielt?

Als Steve aus dem Gefängnis entlassen wird und sofort in ihrer Dienststelle auftaucht, ist Lila verwirrt. Sie bekommt noch immer weiche Knie, wenn sie ihn sieht. Der Fund einer Frauenleiche, drapiert wie für ein fröhliches Foto, schockiert die Ermittlerin. Kann es sein, dass Steve ein Mörder ist?

"Krankes Spiel" führt die Leser in die Abgründe der menschlichen Psyche. Spannend und immer wieder nicht vorhersehbare Wendungen, machen das Buch zu einem Thriller der Extraklasse. Die Sprecherin Manu Rose trägt ebenfalls dazu bei, dass das Hören des Krimis zu einem Genuss wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere