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Veröffentlicht am 22.06.2025

Christian Berkel als Autor gefällt mir ausgesprochen gut

Sputnik
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"Sputnik" ist ein Junge, der in Westberlin das Licht der Welt erblickt. Als Jugendlicher wird ihm sein Zuhause zu eng und es treibt ihn nach Frankreich. Nach Paris. Hier möchte er seinen Traum erfüllen ...

"Sputnik" ist ein Junge, der in Westberlin das Licht der Welt erblickt. Als Jugendlicher wird ihm sein Zuhause zu eng und es treibt ihn nach Frankreich. Nach Paris. Hier möchte er seinen Traum erfüllen und setzt alles daran, ein guter Schauspieler zu werden. Als er in sein Elternhaus zurückkehrt, sind ihm Eltern und Schwester zunächst fremd. Zu viele Eindrücke gibt es, die ihn während seiner Zeit in Paris beeindruckten. Das Zuhause seiner Eltern erscheint ihm erdrückend.

Das ist also das dritte Buch von Christian Berkel. Und wieder einmal konnte er mich restlos überzeugen. Ja, anfangs hatte ich ein wenig Mühe hineinzukommen. Das legte sich aber rasch. Ich mag seine Art der Erzählung sehr. Die Sprache ist gehoben und dass er immer wieder von seiner Mutter berichtet, ist mir sympathisch. Das gefiel mir bereits in den ersten beiden Büchern.

Nicht nur die gehobenen Sprache gefällt mir. Auch seine Lebendigkeit im Ausdruck nehmen mich mit auf eine Reise, die interessant und lehrreich ist. Wer, wie ich in den Genuss kommt und seiner Stimme bei einem Hörbuch lauschen kann, der wird mit Sicherheit gefesselt sein. Ganz klar, dass ich eine ausdrückliche Empfehlung gebe.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

"Er war ein Meister der Fassade"

... und dann wurden sie Nazis.
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„Der Adolf war für uns einfach ein toller Typ.“ Das sagten nicht wenige der Jugendlichen, die den „Führer“ bewunderten und ihm bedingungslos folgten. Bevor es zum „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich ...

„Der Adolf war für uns einfach ein toller Typ.“ Das sagten nicht wenige der Jugendlichen, die den „Führer“ bewunderten und ihm bedingungslos folgten. Bevor es zum „Anschluss“ Österreichs ans Deutsche Reich kam, war das Land ein Zufluchtsort für Juden. Hier konnten sie ohne Furcht vor Verfolgung und Repressalien leben. Leider währte dieser Schutz nicht lange. Aber auch die Mitgliedschaft in der NSDAP war verboten. Es gab nur heimliche „Parteigenossen“, die im Untergrund agierten.

Das Buch fasst zusammen, wie es dazu kam, dass 33 junge Männer von Mitgliedern der NSDAP angeworben wurden. Hier gab es nach dem „Anschluss“ zwei Lager. Das waren die fanatischen Anhänger und auf der anderen Seite jene, die nur folgten, weil sie sich Vorteile davon erhofften. Viele interessierten sich gar nicht für Politik und mochten Hitler überhaupt nicht. Sie hatten Angst vor den Folgen, wenn sie sich öffentlich gegen den „Führer“ stellten. Dabei sahen viele bereits vor 1940 die dunklen Wolken am Horizont.

Es waren die Truppen der „Braunen“, die über Österreich herfielen. Sie brachten Gewalt und Unruhen ins Land. Dabei versprach Hitler, dass das Land bald von Arbeitslosigkeit befreit wäre und alle Menschen ihren Wohlstand genießen könnten. Welch eine Farce.

Hier noch ein Zitat aus dem Buch: „Er (Hitler) war ein Meister der Fassade, hinter der sich neben intellektueller Leere nur kleinbürgerlicher Hass und Niedertracht verbargen.“

Das Buch von Martin Haidinger zeigte mir einmal mehr, dass Aufklärung so wichtig ist. Darüber, was damals geschah und dass sich das jederzeit wiederholen kann. Nein, nicht alle Menschen wussten, was vor sich ging. Dass in den Konzentrationslagern gemordet und gefoltert wurde. Viele Fakten kommen erst jetzt, 80 Jahre nach Kriegsende ans Licht und das ist auch gut. Jeder Fachmann, der sich mit dem „Dritten Reich“ auseinandersetzt, hat Bewunderung verdient. Die Erinnerung muss stetig wach bleiben und kann dazu beitragen, dass diese Gräueltaten niemals wieder geschehen können.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Über das Leben in einem totalitären Staat

Himmlischer Frieden
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„Befreiungsfüße“, so nannte die Großmutter ihre Füße. Sie wehrte sich nämlich erfolgreich gegen die Meinung ihrer Eltern. Sie sollte diese abbinden und so die so angesagten „Lotusfüße“ erreichen. Im Alter ...

„Befreiungsfüße“, so nannte die Großmutter ihre Füße. Sie wehrte sich nämlich erfolgreich gegen die Meinung ihrer Eltern. Sie sollte diese abbinden und so die so angesagten „Lotusfüße“ erreichen. Im Alter zwischen 5 und 8 Jahren wurden die Füße der Mädchen eng verschnürt und die Zehen gebrochen. Damit wollten die Mütter oder Großmütter erreichen, dass ihre Töchter dem allgemeinen Modetrend entsprachen. Eigentlich kein Wunder, dass diese Frau anfing Schuhe zu nähen, die auch Frauen mit deformierten Füßen tragen konnten. Ja, die Großmutter war eine Rebellin und hin und wieder kam es vor, dass ihre Enkelin sich von ihr missverstanden fühlte.

Die Ich-Erzählerin Lai schreibt über ihren Vater, dass er während der Mao-Regierung inhaftiert war. Was er damals erlebte, verschweigt er seiner Familie. Bis zu dem Tag, als er seine Tochter zu einem Spaziergang einlud. Sie gingen so lange, bis sie eine Mauer erreichten. Was das Mädchen dort las, erschütterte sie zutiefst. Jetzt konnte sie sogar ihren schweigsamen Vater verstehen und lernte ihn zu schätzen.

Ein dicker Wälzer, der keine leichte Lektüre war. Die Schriftstellerin Lai Wen wuchs in China auf und zeigt deutlich, welche Gefahren von einer Diktatur ausgehen. Der Platz des „Himmlischen Friedens“ was Schauplatz eines Massakers an Studenten, die lediglich für mehr Demokratie und Meinungsfreiheit eintraten. Sie wurden mundtot gemacht und viele von ihnen starben im Kugelhagel der Soldaten.

Auch wenn das Lesen des Romans einige Anstrengung erfordert, wenn man ihn bewusst lesen und verstehen möchte. Dranbleiben lohnt sich. Weil er zeigt, wie wichtig es ist, den totalitären Ansichten etlicher Staatsmänner entgegenzutreten. Nein, wer denkt, dass diese doch weit weg seien, der irrt.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Welch eine außergewöhnliche Frau

Die Eigensinnige
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Ihre Mutter starb bei Maries Geburt und auch die zweite Frau des Vaters überlebte die Niederkunft einer Tochter nicht. Die neue Frau an der Seite des Vaters, liebevoll Maman genannt, hat nicht viel Verständnis ...

Ihre Mutter starb bei Maries Geburt und auch die zweite Frau des Vaters überlebte die Niederkunft einer Tochter nicht. Die neue Frau an der Seite des Vaters, liebevoll Maman genannt, hat nicht viel Verständnis für die Wünsche der lebhaften Marie. Die mag es nämlich gar nicht, wenn jemand sie in ein enges „Korsett“ zwängen möchte. Leider war es damals üblich, dass junge Damen dazu angehalten wurden, möglichst rasch und am besten „günstig“ zu heiraten. Also mit einem jungen Mann, der Geld hatte und nach Möglichkeit auch noch einen Adelstitel trug. Marie wollte Schriftstellerin werden und darüber hinaus nur aus Liebe heiraten. Nein, sie mochte es nicht, wenn sie irgendwelchen Grafensöhnen schöne Augen machen sollte. Das gefiel weder ihrem Vater noch ihrer Maman.

Welch eine herzerfrischende Frau. Sie durchbrach die Etikette und heiratete einen Mann, der ihr gefiel. Dabei achtete sie nicht auf Äußerlichkeiten oder gar Reichtum. Sie schätzte besonders, dass Moritz sie nie einzwängte und ihren Willen stets akzeptierte. Er liebte sie so, wie sie war und tröstete sie, wenn die Kritiken an ihren Stücken gar zu grausam daher kamen.

Ich hatte zwar den Namen gehört aber nie ein Buch von ihr gelesen. Durch diesen Roman war Marie von Ebner-Eschenbach mir so nah, dass ich sie schätzen lernte. Sie war ein Freigeist und verabscheute Standesdünkel. Ließ sich nicht einzwängen und die Meinung der Menschen waren ihr egal. Nein, das Cover gefiel mir nicht wirklich, der Inhalt des Buches aber umso mehr. Ich gebe eine ausdrückliche Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 03.06.2025

Er war ein Kofferträger und wurde zum Millionär

Der Traum des Louis Vuitton
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Louis ist glücklich. Er ist am Ziel seiner Träume. Nicht alleine die Tatsache, dass er die Königin leibhaftig vor sich sehen durfte. Nein, er hat auch eine Lehrstelle sowie ein gemütliches Zimmer mit Vollpension. ...

Louis ist glücklich. Er ist am Ziel seiner Träume. Nicht alleine die Tatsache, dass er die Königin leibhaftig vor sich sehen durfte. Nein, er hat auch eine Lehrstelle sowie ein gemütliches Zimmer mit Vollpension. Sein Lehrherr ist freundlich und die Kollegen werden schon bald zu guten Freunden. Auf welche Weise sich dann sein Werdegang entwickelte, das hat er wohl niemals zu hoffen gewagt.

Die Produkte mit dem Label Louis Vuitton kennen und lieben viele Menschen. Oft handelt es sich dabei und gut betuchte Leute, die einen exklusiven Geschmack haben. Dass auch er sich langsam nach oben arbeitete und nur durch Fleiß und Ausdauer das erreichte, was sein Traum war, erkennen seine Kunden kaum. Ich meine, dass es wichtig ist, die Anfänge von solchen Berühmtheiten erzählt zu bekommen. Zumal dieser Mann nie abgehoben wurde, sondern stets auf dem Boden der Realität blieb.

Denn das macht doch viele der Männer und Frauen aus, die unseren heutigen Wohlstand prägten. "Der Traum des Louis Vuitton" beruht auf Tatsachen. Die umfangreiche Recherche und die lebendige Sprache das Autors machen das Hören zu einem besonderen Erlebnis. Auch die Stimme von Max Hoffmann trägt zur Kurzweil bei. Ich habe viel gelernt und mich zudem köstlich amüsiert. Absolute Hörempfehlung.

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