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Veröffentlicht am 01.04.2019

Ein weiteres Buch über die Generation der Kriegsenkel

Das Haus meiner Eltern hat viele Räume
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Insgesamt bin ich sehr geteilter Meinung bei meiner Rezension zu Ursula Otts kleinem Büchlein "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume". Zuerst einmal kann man sagen, dass viele interessante Themen angesprochen ...

Insgesamt bin ich sehr geteilter Meinung bei meiner Rezension zu Ursula Otts kleinem Büchlein "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume". Zuerst einmal kann man sagen, dass viele interessante Themen angesprochen werden, und die Generation der Babyboomer wird viel Bekanntes in dem Buch wiederfinden. Ich bin etwas jünger, zähle aber dennoch in die Generation, da ich relativ alte Eltern habe und mich daher auch in diesem Buch wiederfinden kann. Für die Generation der nach 1980 Geborenen würde ich das Buch aber nicht mehr empfehlen.

"Das Haus meiner Eltern hat viele Räume" ist kein Ratgeber. Wenn Sie gerade also das Haus Ihrer Eltern leer räumen, wird Ihnen dieses Buch nicht helfen, denn mit diesem Buch hat die Autorin eher ihr eigenes Loslassen vom Elternhaus verarbeitet. Und so ist das Buch einerseits ein genauer Bericht darüber, was die Autorin in den zwei (!) Jahren gemacht hat, in denen sie das Haus ihrer Eltern leer geräumt hat, andererseits ist es aber auch eine Analyse der Gesellschaft der Eltern, die Kriegskinder waren, sowie die Generation der nach dem Krieg Geborenen, der Kriegsenkel.

Die Autorin sagt selbst, dass sie ca. 20 Bücher über Kriegsenkel besitzt, und da ich auch einige davon kenne, finde ich viele Theorien und Beobachtungen aus diesen Büchern in Ursula Otts Buch wieder. Für mich ist das immer noch interessant, und es ist immer wieder wie eine Erleuchtung, wenn man sich in bestimmten Dingen wiederfindet, die einen großen Teil einer ganzen Generation betrifft, von denen man das aber nie wirklich wusste.

Die größten Schwachstellen des Buches sind meines Erachtens die Sprache der Autorin sowie die Pseudo-Tipps, die wirklich keine sind. Wenn überhaupt, dann sind die Tipps so subjektiv, dass jeder darauf kommt, dass einem beim Abschied und Aussortieren der Dinge im Elternhaus keiner helfen kann.

Zur Sprache: Die Sprache der Autorin ist leicht süddeutsch "angehaucht", was mir nicht so gut gefällt. Weiterhin gibt es natürlich eine literarische Freiheit des Autors, aber bei einem Sachbuch würde ich mich über einen grammatisch korrekten Satzbau freuen. Die Punkte setzt die Autorin aber nach Belieben und oft direkt vor den Nebensatz. Als Höhepunkt kommen dann noch Fragmente dazu, die eher nach Kindersprache klingen und komplett unpassend scheinen (z.B. S. 113: "Opa doch böse?") Werde ich hier als Leser wie ein Säugling angesprochen?

Am Ende des Buches gibt es noch ein "Ausräumglossar", genannt "Das ABC der Dinge". Hier konnte ich nur noch den Kopf schütteln, denn da gibt es u.a. die Feststellung auf Seite 158: "Bibeln wirft man nicht weg". Und weil das so ist, schlägt die Autorin vor, die Bibeln, die man zuviel hat, z.B. dann unter ein wackelndes Tischbein zu legen!

Am besten lassen sich Frau Otts Tipps beim Christbaumschmuck auf S. 154 entlarven. Spätestens hier merkt der Leser, dass er hier keine Tipps bekommt, wenn die Autorin schließt: "Wegwerfen kann man alles, was kaputt, brutalst hässlich oder verdorben ist, (...) Den Rest behält oder verschenkt man."

Fazit: Man kann also alles wegwerfen, verschenken oder behalten. Oder man hat das Buch gelesen und gemerkt, dass man an das Ausräumen mit eigenem Menschenverstand und Gefühl herangehen muss und einem keiner helfen kann. Auch das ist eine Erkenntnis.

Dem Buch würde ich 3,5 Sterne geben, habe es aber trotz der vielen Schwachstellen und auch Aufreger schnell und ganz gern durchgelesen. Dass mir die Bewertung nicht leicht fiel, zeigt die Länge dieser Rezension.

Veröffentlicht am 03.06.2025

Zu viele Namen

1177 v. Chr. – Eine Graphic Novel
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Ich habe mich sehr auf die Graphic Novel "1177 v. Chr. - Der erste Untergang der Zivilisation" von Eric H. Cline und Glynnis Fawkes gefreut, denn der Band verbindet natürlich Wissen mit einer Graphic Novel. ...

Ich habe mich sehr auf die Graphic Novel "1177 v. Chr. - Der erste Untergang der Zivilisation" von Eric H. Cline und Glynnis Fawkes gefreut, denn der Band verbindet natürlich Wissen mit einer Graphic Novel. Diese ist auch toll gezeichnet und dargestellt, nur deswegen kann ich überhaupt noch 3 Sterne vergeben. Das ist wirklich schade, weil diese Graphic Novel wirklich viel Potenzial hätte.

Dabei wird quasi auf 3 Ebenen gearbeitet: Pel, ein Mitglied der Seevölker und Schescha aus Ägypten begeben sich auf die Reise, um herauszufinden, warum die Zivilisation 1177 v.Chr. und um dieses Datum herum zugrunde ging oder ausgelöscht wurde oder wie immer man es nennen möchte. Immer wieder mischen sich hier auch der Autor selbst sowie die Zeichnerin ein, d.h., sie sind Teil des Buches, ebenso wie viele andere Archäologen selbst. Soweit ist das Setup gut durchdacht und spannend, doch es hapert an der Umsetzung.

Dabei wird der Leser/die Leserin bombardiert mit Daten, mit Völkern, mit Namen von Städten, von Inseln, von Reichen, von Herrschern. Es geht soweit, dass in fast in jeder Sprechblase ein neuer Name fällt, oder eben ein Datum, ein Ort, etc. Es ist kaum auszuhalten, zumal der Laie nur wenige dieser Namen kennt. Es gibt hinten einen Zeitstrahl und eine Liste der Dramatis Personae; dennoch kommt man kaum mit. Es ist einfach zuviel, nicht zuviel der Informationen, aber der Namen, Daten, Orte. Das muss doch dem Autor auch aufgefallen sein! (?)

Es bleiben die schönen, auch oft humorvollen Zeichnungen, die mit Witz und Sinn zum Hinsehen das Gesprochene dokumentieren. Es macht wirklich Spaß, diese anzusehen. Die letzten beiden Kapitel sind dann auch wirklich interessant und gut zu lesen, geht es doch hier nur noch um die Ursache des Untergangs der Zivilisation. Dies liest sich dann wirklich gut.

Alles in allem ist dieses Buch entweder nur für Historiker mit diesem Schwerpunkt geschrieben, oder es übersieht einfach, dass der normale Leser aus Ramses und einigen anderen die Figuren und auch die Zeit und Orte kaum kennt. Für mich war es eher eine Qual, diese Graphic Novel zu lesen. Oft habe ich besonders geachtet auf jede einzelne Sprechblase und konnte es kaum glauben, dass hier nur Zahlen und Namen aneinandergereiht sind!

So kann ich dieses Buch leider nur Experten empfehlen und den Autorein den Tipp geben: Ja, bitte gebt Geschichte in so populärer Form wider, aber dann für alle, nicht nur für Experten!

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Frei auf Bewährung

Sing mir vom Tod
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Zwei Frauen, ein Schicksal, eine gemeinsame Zeit in einer Zelle im Frauengefängnis. Dios und Florida mussten viel teilen, sind sich aber nicht näher gekommen, "Sing mir vom Tod" von Ivy Pochoda entspannt ...

Zwei Frauen, ein Schicksal, eine gemeinsame Zeit in einer Zelle im Frauengefängnis. Dios und Florida mussten viel teilen, sind sich aber nicht näher gekommen, "Sing mir vom Tod" von Ivy Pochoda entspannt seine Handlung um die beiden Frauen, entlassen auf Bewährung. Doch Dios verfolgt Florida nun quasi, denn sie glaubt nicht an Floridas Unschuld und möchte die Wahrheit ans Licht bringen.

Das Buch lebt vom Perspektivwechsel zwischen den drei weiblichen Charakteren Dios, Florida und Kace, einer dritten Insassin des Frauenknastes. Auch die Perspektive von Detective Lobos kommt noch dazu. Dies klingt erst einmal gut konstruiert, bringt aber eher Verwirrung ins Geschehen. Auch als Thrillerl würde ich den Roman nicht unbedingt bezeichnen.

Gewalt spielt in Ivy Pochodas Roman für meinen Geschmack eine zu große Rolle. Morde dürfen gern passieren, aber die Art der Darstellung ist für mich entscheidend. Neben der Gewalt war vieles einfach emotionslos und auch nicht gerade spannend.

Als Fazit muss ich sagen, dass hier ein guter Romanstoff leider nicht so gut umgesetzt wurde. Ob ich die Autorin noch einmal lesen würde, weiß ich nicht genau, ebenso bin ich nicht sicher, wem ich "Sing mir vom Tod" empfehlen würde. So ganz mein Fall war es leider nicht.

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Veröffentlicht am 25.07.2022

Ein Glücksroman?

Schlaflos auf Sylt
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Der Sommerroman "Schlaflos auf Sylt" von Claudia Thesenfitz soll sicher Sylt-Urlauberinnen ansprechen, Urlauberinnen, die gern regionale Romane mit ins Reisegepäck wandern lassen. Der Roman könnte aber ...

Der Sommerroman "Schlaflos auf Sylt" von Claudia Thesenfitz soll sicher Sylt-Urlauberinnen ansprechen, Urlauberinnen, die gern regionale Romane mit ins Reisegepäck wandern lassen. Der Roman könnte aber überall spielen, das Lokalkolorit spielt eine untergeordnete Rolle. Macht nichts, denkt man sich als Leserin, wenn ich gut unterhalten werde. Dies war leider nicht der Fall bei "Schlaflos auf Sylt". Der "Glücksroman" hat auch mit Glück wenig zu tun. Sollte er beim Lesen entspannen und die Leserin glücklich machen? Leider hält das Buch nicht, was es verspricht. Die Handlung ist leider anders als erwartet.

Die Ausgangssituation ist für mich gut nachvollziehbar: Die 50jährige Merle möchte lieber bei dem hohen Alter (!) den Kopf in den Sand stecken und nicht feiern. Sie beschließt daher, eine sehr kleine Familienfeier auf Sylt zu machen. Dass die Familie alle möglichen Menschen aus dem Leben der Fünfzigjährigen eingeladen hat, weiß Merle nicht.

Jetzt erwartet man ganz witzige Zusammenkünfte, aber die Situation ist eher skurril. Wer möchte schon seinen Geburtstag mit Bankberater, Ex-Freunde oder Lehrern verbringen? Und ja, das wiederum würde auch mich schlaflos machen.

Das Buch umfasst auf seinen knapp 300 Seiten vor allem eine peinliche Party, bei der man schon als Leserin lieber nicht anwesend sein möchte. Ich fragte mich oft, an wen sich dieses Buch wendet? Frauen im Alter von Merle werden hier nicht so viel Freude finden, Jüngere vielleicht?

Insgesamt lässt sich "Schlaflos auf Sylt" einfach so weglesen, wenn man eine sehr leichte Lektüre möchte. Man muss dieses Buch aber nicht unbedingt gelesen haben.

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Veröffentlicht am 22.04.2022

Vollzeitjob: Selbstversorgerin

Selbstversorgung
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Marie Diederich ist Selbstversorgerin und kann auch davon leben - dank Social Media, Büchern und Selbstversorger-Workshops. Dabei wollte sie schon als Kind gern Selbstversorgerin sein und lebt nun ihren ...

Marie Diederich ist Selbstversorgerin und kann auch davon leben - dank Social Media, Büchern und Selbstversorger-Workshops. Dabei wollte sie schon als Kind gern Selbstversorgerin sein und lebt nun ihren Traum. In "Selbstversorgung" stellt Diederich ihr Lebenskonzept und ihren Traum vor, sodass man es ihr nach Möglichkeit gleichtun kann. Entstanden ist ein recht dicker Band zur Selbstversorgung mit Pappeinband und einem besonderen Büchergeruch, den ich sehr liebe. Viele schöne Fotos gibt es natürlich auch.

Schaut man auf den Inhalt, so wirkt einiges wie ein Lexikon, das man sich hätte sparen können. So gibt es zu den wichtigsten Pflanzen so etwas wie einen Lexikoneintrag. Dann wieder gibt es interessante Ideen, z.B. das Haltbarmachen von Eiern. Überhaupt finde ich das Kapitel zum Haltbarmachen von Lebensmitteln sehr wertvoll.

Es gibt auch Rezepte, aber eher wenige. Weitere interessante Aspekte findet man verteilt überall im Buch, je nachdem, was man so braucht. Ich nehme an, dass die meisten Leserinnen und Leser weder so viel Platz noch so viel Zeit noch so viel Energie haben, sowohl Obst und Gemüsen anzubauen als auch Tiere zu halten. Daher wird jeder nur einen Teil des Buches nutzen können.

"Selbstversorgung" ist ein umfassender Ratgeber, der schon gute Ideen gibt, einen aber auch "erschlagen" kann. Weil die meisten Leserinnen und Leser vermutlich nicht ihren Job aufgeben wollen, um Selbstversorger zu werden, muss sich jeder hier seine Interessengebiete heraussuchen. Ich meine nur, manches hätte man weglassen können, weil es zu speziell ist oder auch das Gegenteil - vieles kann man einfach nachlesen.

Abschließend kann ich sagen, dass ich sicher nie die Vollzeit-Selbstversorgerin werde, aber dass ich einige Anregungen hier mitgenommen habe. Auch im Kleinen kann sicher jeder und jede etwas tun!

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