Sommerliche Lektüre
Der Duft des tiefblauen MeeresBeim Lesen dieses Romans habe ich mich gefühlt, als würde ich barfuß durch die warmen Gassen einer kroatischen Insel schlendern. Die Autorin hat es geschafft, mich mit wenigen Worten direkt nach Cres zu ...
Beim Lesen dieses Romans habe ich mich gefühlt, als würde ich barfuß durch die warmen Gassen einer kroatischen Insel schlendern. Die Autorin hat es geschafft, mich mit wenigen Worten direkt nach Cres zu versetzen. Das Meer, die salzige Luft, das Flirren der Sonne auf den alten Steinmauern, all das ist für mich beim Lesen lebendig geworden.
Die Geschichte rund um Pia hat mich mal mitgerissen, mal zum Nachdenken gebracht. Ihre Reise war nicht immer leicht zu greifen, manches habe ich nicht direkt nachvollziehen können, aber genau das hat sie mir menschlich näher gebracht. Es ist eben nicht alles glatt und logisch im echten Leben, und das spiegelt sich auch in ihrem Verhalten wider. Die Zeitsprünge fand ich spannend, vor allem, weil sie nicht nur Nebenschauplätze sind, sondern die Vergangenheit wie eine zweite Geschichte mitschwingt. Gerade die Abschnitte in den 60ern haben mich überrascht. Sie sind atmosphärisch dicht und voller leiser Tragik.
Was ich besonders mochte, war der ‚Ton‘ des Buches. Die Autorin schreibt klar und bildhaft, ohne unnötigen Schnickschnack. Manchmal sind die Sätze kürzer, fast abgehackt, aber das hat mich beim Lesen nicht gestört. Im Gegenteil, es hat das Tempo der Geschichte gut unterstützt. Ich musste nicht ewig um den Kern der Szene herumschleichen, sondern war sofort mittendrin.
Emotionen gibt es reichlich, aber nicht kitschig verpackt. Kein unnötiges Drama, sondern feine Zwischentöne, die besonders in den Familienmomenten aufblitzen. Die Nebenfiguren – vor allem Gorans Cousine – haben mir oft das Gefühl gegeben, dass ich als Leserin willkommen bin in dieser Welt.
Insgesamt ist Der Duft des tiefblauen Meeres für mich ein sommerlicher Roman mit Tiefgang. Kein schneller Pageturner, sondern eher ein Buch, das man mit an den See nimmt, um es zwischendurch zuzuklappen und einfach nachzuspüren. Wer Fernweh liebt, wird hier ganz schnell ankommen.