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Veröffentlicht am 04.06.2025

Salute und Cin Cin mit Campari

Bittersüße Träume
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Obwohl inzwischen hierzulande wohl öfters ein anderes rotes Getränk der Konkurrenz getrunken wird, kommt man um Campari nicht vorbei. Das berühmte Getränk wird auch besungen, 1977 zum ersten Mal. Seither ...

Obwohl inzwischen hierzulande wohl öfters ein anderes rotes Getränk der Konkurrenz getrunken wird, kommt man um Campari nicht vorbei. Das berühmte Getränk wird auch besungen, 1977 zum ersten Mal. Seither wurde "Campari Soda" oft gecovert, zuletzt erreichte der Song 2006 die Schweizer-Single-Hitparade und schaffte es sogar auf Platz 3. Campari Soda oder Campari Orange ist Standardgetränk einer jeder Bar. Und auch ich bestelle in einem meiner Lieblingsrestaurants gerne einen Campari zum Aperitif. Als Erfinder des Aperitifs gilt die Familie Campari, die dieses Ritual in ihrem Café am Ende des 19. Jahrhundert in Mailand einführte.

Als ich sah, dass deren Firmengeschichte in einem Roman behandelt wird, war klar, dass ich diesen Roman lesen muss. Das Cover, das mit Orangenblüten, Orangenscheiben und zwei Gläsern Campari verziert ist, gefällt mir gut. Besser als das Cover des italienischen Originals, das wohl ein Bild aus einer Campari-Reklame zeigt. Davide Caspari, der zweitälteste Sohn des Gründers, hatte sich als einer der ersten in Italien zu Text- und später zu Bildreklame in Zeitungen entschieden. Doch bis dies soweit war, verging einige Zeit.

Der Roman beginnt viele Jahre früher, als Davides Vater Gaspare starb und erzählt zudem in Rückblicken die Gaspares Geschichte bis zu dessen Tod. Gaspare hatte klare Ansichten, und entschied wo der Platz seiner Kinder, vor allem jener der Söhne ist. Egal, ob sie das auch so sahen oder gar den Talenten desjenigen entsprach oder nicht. Die beiden ältesten Söhne fühlten sich nicht wohl an der Stelle, an der ihr Vater sie sah. Ob es ihnen gelang ihre Träume zu verwirklichen oder ob sie für die Familie und die Firma alles aufgaben, erzählt Silvia Cinelli in "Bittersüsse Träume".

Bittersüss kann man das Leben von Davide bezeichnen, zumindest so wie es die Autorin geschildert hat. Sie erzählt, wie Davide das Leben entdeckt, jung wie er ist, manchmal forsch und manchmal zu scheu, sein Frankreichaufenthalt, wie er zurück nach Mailand kommt und die Leitung der Firma übernimmt, manchmal egoistisch - wie sein jüngerer Bruder Guido es wohl empfunden hat - aber immer mit guten und für seine Zeit fortschrittlichen Ideen, wie bei der Werbung, die er schalten liess.

Es war interessant, das Buch aus der Sicht von Davide zu lesen. Männer als Protagonisten kommen gerade bei Firmengeschichten sehr wenig vor, oft sind es die Frauen, damals eher im Hintergrund aktiv, obwohl sie die Fäden in der Hand hatten, die nun in vielen Büchern vorgestellt werden. Dies ist in "Bittersüsse Träume" anders, auch weil Gaspares Frau Letizia zu wenig hergibt und die eine Frau, die Davide seit Kindertagen geliebt hat, für ihn unerreichbar blieb.

Über die tatsächliche Familie Campari selbst ist gar nicht so viel bekannt, weshalb sich die Autorin Freiheiten herausgenommen hat und mit dem, was bekannt ist und ihrer Fantasie einen unterhaltenden und informativen Roman zu schreiben. Im Nachwort schreibt Silvia Cinelli, welche Figuren und Szenen sie dazu erfunden hat.

Neben der Familiengeschichte greift die Autorin auch das Zeitgefühl der 1900er auf. Die Industrialisierung, die italienische Politik und die vielen Demonstrationen, die mit beidem verbunden war. Unterschiedliche Ansichten und Streitereien dazu gab es auch innerhalb der Familie. Erlebnisse der Gäste im Café runden den Roman ab.

Fazit: Ein eher ruhiger und sachlicher Roman über die Familie Campari, dennoch höchst informativ und unterhaltend erzählt. Wie wärs, ihn bei einem oder mehreren Gläsern "Bitter nach holländischer Art", wie man den Campari zuerst nannte, zu lesen?
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Liebesbriefe zwischen den Kontinenten

Mit dir steht die Welt nicht still
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In "Mit dir steht die Welt nicht still" erzählt Melissa Müller die reale Lebens- und Liebesgeschichte von Nannette Blitz und John Konig. Die Autorin konnte das Ehepaar persönlich befragen und steht in ...

In "Mit dir steht die Welt nicht still" erzählt Melissa Müller die reale Lebens- und Liebesgeschichte von Nannette Blitz und John Konig. Die Autorin konnte das Ehepaar persönlich befragen und steht in Kontakt mit den Kindern des Paares. Sie hatte Einsicht in die Briefe des Paares, die sie sich zwischen Brasilien und England hin- und hergeschickt haben.

"Slow Burn" würde man diese Liebesgeschichte in neudeutsch heute nennen: John ist kurz davor, nach Brasilien auszuwandern, als er Anfang der 1950er-Jahre in London Nanne begegnet. Diese wenigen Treffen reichten aus, dass er sich verliebte. Bereits auf der Reise nach Brasilien schrieb er ihr die ersten Brief. Und auch Nanne liess sich auf den Briefkontakt ein. Sie wurden zu Vertrauten und so wuchs bald der Plan heran, sich gegenseitig zu besuchen. Dies dauerte aber seine Zeit und bis dahin stand bereits fest, dass sie heiraten wollen - ausser das Wiedersehen verlaufe nicht so gut. Sie hätten keine Angst haben müssen, sie heirateten und bald schon folgte Nanne ihrem John nach Sao Paulo und gründete mit ihm eine Familie.

John wuchs in Ungarn auf und konnte im 2. Weltkrieg nach England fliehen. Er war mir mega sympathisch, mit seiner Lebensfreude und Offenheit, und der Fähigkeit immer das Positive zu sehen. Nanne hingegen war eher nüchtern, eine "practical woman" wie es John nannte. Sie wuchs in Amsterdam auf, und ist eine Überlebende des Konzentrationslager Bergen-Belsen. Die Jahre in Bergen-Belsen konnte Nanne nicht vergessen und da es damals keine Trauma-Therapie gab, holten sie immer wieder dunkle Erinnerungen ein. Und genau deshalb ist diese Geschichte eben nicht nur eine Liebes-, sondern viel mehr eine eindrücklich erzählte Lebensgeschichte.

Eigentlich wäre es ein Buch, das fünf Sterne verdient hätte. Inhaltlich auf jeden Fall. Für meinen Geschmack waren es aber viel zu viele Zeitsprünge: beispielsweise von 1952 zehn Jahre zurück ins Jahr 1942. Das geht ja noch, aber als Nächstes eine Reise vorwärts ins Jahr 1978, von da zurück nach 1943 und gleich hoch ins Jahr 1997, dann fünfzig Jahre runter, und immer wieder: munter rauf und runter. Diese Sprünge machten es sehr schwer konzentriert zu bleiben.

Super spannend hingegen empfand ich, dass wir mit "Mit dir steht die Welt nicht still" nicht nur eine tolle, reale Liebesgeschichte mit Happy End zu lesen bekommen, sondern auch einen Einblick, wie Kinder aus einer Schulklasse ganz andere Schicksale erlebten. Die meisten von uns kennen Anne Franks Geschichte, vielleicht auch noch ein wenig jene von Jaqueline van Maasen. Nun wird hier Nanne Blitz Leben geschildert (und bald möchte ich noch Hanna Goslar-Picks Geschichte lesen, die wiederum ganz anders verlaufen ist). So traurig und dramatisch ihre Lebensgeschichten durch die Shoa verlaufen sind, sind die Bücher über diese Schulfreundinnen dennoch Zeitzeugen dieser schrecklichen Jahre.

In der Printausgabe befindet sich in der Mitte eine grosse Fotostrecke, die den Familien von Nanne und John ein Gesicht geben. Leider fehlt dieser Bildteil im eBook.

Fazit: Ein tolles Buch mit vielen Einblicken in die Geschichte zweier jüdischer Familien und in die Nachkriegszeit.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 23.04.2025

Gut konstruiert

Grünes Gold
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Lange konnte der Mann den Ausblick über den Monte Solaro nicht geniessen, denn auf dem Weg nach oben wird er auf dem Sessellift erschossen. War es ein Wilderer, der einen Querschläger fabrizierte oder ...

Lange konnte der Mann den Ausblick über den Monte Solaro nicht geniessen, denn auf dem Weg nach oben wird er auf dem Sessellift erschossen. War es ein Wilderer, der einen Querschläger fabrizierte oder ein hinterhältiger Mord? Wer wusste, dass Alessandro Nadi regelmässig um diese Zeit auf den Monte Solaro fährt?

Es gibt also wieder Arbeit für Enrico Rizzi und Antonia Cirillo. Dabei wären beide privat genug mit ihren Gedanken beschäftigt. Rizzi überlegt sich, vielleicht doch zu heiraten oder erst mal nur umzuziehen. Cirillo fragt sich, was ihr Sohn Oscar auf Capri eigentlich macht, denn er gibt nicht viel preis und kommt oft spätnachts erst nach Hause. Rizzi weiss bald mehr, denn er trifft Oscar schon bald bei seinen Fall-Erkundigungen an.

Es folgen die üblichen Geplänkel mit Neapel - ich würde mir wünschen, dass die beiden auf Capri endlich offiziellen Kompetenzen erhalten, um ebenbürtig zu ermitteln. Sie haben es eh besser drauf, das haben sie in allen sechs bisherigen Bänden bewiesen. Cirillo denkt gerne um die Ecke und hat damit schon öfters die Ermittlungen zielführend geprägt. Rizzi kennt seine Pappenheimer (und die meisten ihn), was auf der Insel absolut von Vorteil ist.

Das "grüne Gold", um das es hier geht, kommt leider erst am Ende auf den Tisch. Da es titelgebend ist und im Klappentext ausgelobt wird, hätte ich allerdings mehr zum Thema der seltenen Olivensorte erwartet. Es erinnerte mich auch zu sehr an den Vorgängerband "Der blaue Salamander", der ja ebenso speziell sein soll wie hier das grüne Gold.

Ansonsten ist es wieder ein solider Kriminalfall aus der Feder von Luca Ventura, bei dem Rätselfreunde auf ihre Kosten kommen. Die Ermittler finden und folgen immer wieder neuen Spuren und lösen Verwicklungen auf. Sehr gut gefallen hat mir, dass für einmal auch die gute Seele des Polizeipostens, Teresa, eine bedeutendere Rolle bekommen hat.

Fazit: Ein gut konstruierter Krimi und wie schon alle Vorgängerbände gut unterhaltend.
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Schönes Finale

Der schottische Blumenladen der Herzen /03 Isle of Mull
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Ich freute mich sehr auf den dritten Ausflug nach Schottland, auf die Isle of Mull, leider der letzte Band der Trilogie. Im "schottischen Blumenladen der Herzen" steht Lin im Vordergrund. Lin begegnet ...

Ich freute mich sehr auf den dritten Ausflug nach Schottland, auf die Isle of Mull, leider der letzte Band der Trilogie. Im "schottischen Blumenladen der Herzen" steht Lin im Vordergrund. Lin begegnet auf der Fähre, und kurz danach in ihrem Laden, einem attraktiven, aber leicht eingebildeten Mann, der anscheinend im Inselhotel heiraten will.

Was genau dahinter steckt, ahnen Lin und ihre drei Freundinnen noch nicht. Callum, der sich später als neuer Hotelmanager entpuppt, übt auf Lin eine starke Anziehungskraft aus. Auf Lin und auch auf Callum warten turbulente und arbeitsreiche Monate.

Ich mochte die Geschichte eigentlich sehr, nur leider fand ich Lin nicht so cool - sie hat sich quasi durch alle Seiten hindurch irgendetwas zusammengereimt und für sich daraus ein Drama zusammen fantasiert, nur weil sie zum Beispiel einen Blick oder einen gehörten Satz missverstanden hat. Wenn das ein- oder zweimal so ist, dann ist das okay, aber wenn das andauernd so ist, nervt es mit der Zeit.

Lässt man Lins falsche Zusammenreimerei weg, hat man einen unterhaltenden Roman, bei dem es nicht langweilig wird, weil sehr viel passiert. Als Leserin darf man mit auf einen Ausflug an den Weihnachtsmarkt in Glasgow und kann bei Floristikwettbewerben zuschauen. Da man vor allem Letzteres im realen Leben und auch in Büchern selten antrifft, waren diese Szenen interessant. Erst am Ende können Linn und Callum und die Leserinnen entspannen.

Fazit: Bis auf Lins innerliches Drama ist "Der schottische Buchladen der Herzen" ein schönes Finale der Trilogie. Ich werde die drei Freundinnen vermissen!
4 Sterne.

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Veröffentlicht am 24.03.2025

Montegiardino überzeugt auch beim 4. Fall!

Stumme Zypressen
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Montegiardino ist ein kleines Nest, da fallen Touristen und andere Besucher des Dorfes sofort auf. So auch der Mann, der seine Runden um den Marktplatz dreht. Aussergewöhnlich ist, dass dieser Fremde den ...

Montegiardino ist ein kleines Nest, da fallen Touristen und andere Besucher des Dorfes sofort auf. So auch der Mann, der seine Runden um den Marktplatz dreht. Aussergewöhnlich ist, dass dieser Fremde den Einwohnern Angst macht. Commissario Luca versucht die Sache zu entschärfen und sich dem Fremden anzunähern, doch auch er findet nicht allzu viel über ihn heraus.

Luca hofft, dass alle die Ruhe bewahren, denn er hat genug zu tun. Erst muss er in einem Nachbarschaftsstreit wegen einem lauten Hahn vermitteln, dann werden Gänse umgebracht - anstatt der Hahn, wie von jemand angekündigt - und später wird ein deutscher Wanderer angeschossen. Als Luca bemerkt, dass Wanderer dem unruhestiftenden Fremden vom Marktplatz ähnelt, ist er in Alarmbereitschaft. Der Fremde selbst hat immer noch die Ruhe weg.

Es gibt natürlich ein Wiedersehen mit den bekannten Charakteren wie den Barbetreibern und -besuchern, Lucas Tochter Emma und seiner Partnerin Chiara. Um diese muss sich Luca und Vice-Questora Aurora Mair bald sorgen.

Auch dieser vierte Band ist wieder sehr spannend. Ich vermutete bald, auf wen der Fremde wartet und lag damit richtig. Doch was dahintersteckt wird und woher sich diese Menschen kennen, kam erst am Ende aus, und so blieb die Neugier und der Spannungsbogen beim Lesen stets hoch.

Paolo Riva rollt die Geschichte des stummen Fremden, der eigentlich viel zu erzählen hätte, quasi von hinten auf. Der Krimi ist toll geplottet. Mir gefällt, wie der Autor sich immer auf das Wesentliche beschränkt und nicht noch viele weitere Nebenstränge am Laufen hat. Das einzig Negative daran: man hat die Krimis somit viel zu schnell ausgelesen und muss wieder ein Jahr auf den nächsten Band warten. Ich könnte noch sehr viel mehr Zeit in Montegiardino verbringen.

Fazit: Ein kreativer Fall und erneut äusserst unterhaltend.
4 Sterne.

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