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Veröffentlicht am 15.06.2025

Viele kleine Dinge ergeben auch ein Ganzes

Lauter kleine Lügen
1

Ein sehr besonderes Buch.Der Titel passt sehr gut, denn es braucht nicht mehr als lauter kleine Lügen, um aus einer scheinbar funktionierenden Nachbarschaft einen Sumpf von Abgründen auferstehen zu lassen. ...

Ein sehr besonderes Buch.Der Titel passt sehr gut, denn es braucht nicht mehr als lauter kleine Lügen, um aus einer scheinbar funktionierenden Nachbarschaft einen Sumpf von Abgründen auferstehen zu lassen. Das Setting ist hier Ende der 70er, es könnte aber auch heutzutage zu solchen Verwicklungen kommen. Das Thema ist nicht nur der Mord. Auch Homophobie, Rassismus, toxische Beziehungen u.v.m. werden hier thematisiert und ich habe mich beim Lesen mehr als einmal gefragt, wie das Buch in Australien selber ankommt, da hier auch sehr kritisch auf die Gesellschaft dort an sich geschaut wird.
Ich ziehe einen Punkt ab, weil es sehr viele Namen gibt, die man sich merken muss und manche Charaktere mir bis zum Ende fremd bleiben. Außerdem hat es in der Mitte kurze, aber wiederholte Längen, die man gut aushalten kann, aber halt vielleicht auch überflüssig gewesen sind.
Was ich sehr amüsant und sehr passend finde, sind die regelmäßigen Auszüge aus Biologiebüchern über die Lebensweise von Ameisen, man lernt etwas dazu.
Am Ende kommt auch noch eine Überraschung, so dass man fast geneigt ist, das ganze nochmal zu lesen. Ich könnte mir das Buch sehr gut als Theaterstück vorstellen, ein schönes Debüt.

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  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 04.06.2025

Die Macht der Vergangenheit

Die Schrecken der anderen
0

Das Cover hat mich direkt erwischt. Mit seiner ungewöhnlichen Szenerie im Stil eines klassischen Gemäldes hebt es sich deutlich von den Covern der aktuellen Bücher ab. Von der Autorin hatte ich noch nie ...

Das Cover hat mich direkt erwischt. Mit seiner ungewöhnlichen Szenerie im Stil eines klassischen Gemäldes hebt es sich deutlich von den Covern der aktuellen Bücher ab. Von der Autorin hatte ich noch nie gehört, aber sie wird mir jetzt nach der Lektüre definitiv im Gedächtnis bleiben. Zum einen ist ihr Schreibstil schon ungewöhnlich, denn sie benutzt zum Beispiel Gedankenstriche anstatt Anführungszeichen bei wörtlicher Rede. Und diese selber ist selten direkt, eher poetisch, manchmal kryptisch. Deswegen ist es trotz des Umfangs von 332 Seiten nicht schnell runter zu lesen, was dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch tut. Wer aufmerksam liest wird dafür mit feinen Beschreibungen und Gedanken belohnt, die mal sehr komisch, mal bedrückend und mal so großartig sind, dass man sich fragt, wieso man nicht eher sowas schon mal gelesen hat. Besonders die Analogie des Teufelkreises gefällt mir sehr sehr gut. Es ist deutlich zu erkennen, dass hier jemand schreibt, der die Sprache liebt und sie sich zum Werkzeug gemacht hat. Die Autorin hat deutsche Literatur, Linguistik und Philosophie studiert und das merkt man auch. Mir persönlich gefällt das gut, die Handlung ist zeitweise für mich schon fast zur Nebensache geworden, weil ich mich so an kleinen Sätzen erfreut habe. Aber klar, es gibt eine Handlung und auch der Sinn des Buchtitels wird deutlich. Ich kann mir das Buch sehr gut in der Oberstufe eines Deutsch Kurses vorstellen, also ich hätte mich "damals" sehr gefreut. Ich glaube, dass der Roman, der übrigens auch ein Krimi ist, nicht für jeden etwas ist. Wer aber nicht nur Input, sondern Literatur lesen möchte, die durchaus auch amüsante Szenen hat, sollte dem hier unbedingt eine Chance geben. Den Punktabzug gibt es von mir auch nur, weil mir das Ende plötzlich zu schnell kam und manche Fragen bei mir offen blieben. Trotzdem gibt's von mir eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.04.2025

Frankfurts Abgründe

Narbensommer #Thriller
2

In Frankfurt werden grausam entstellte Frauenleichen gefunden und ein medikamentenabhängiger Polizist mit seinem Team versucht sich an der Aufklärung. Gar nicht so einfach, wenn sich alles in das Milieu ...

In Frankfurt werden grausam entstellte Frauenleichen gefunden und ein medikamentenabhängiger Polizist mit seinem Team versucht sich an der Aufklärung. Gar nicht so einfach, wenn sich alles in das Milieu des organisierten Verbrechens verschiebt... Dieser Thriller spielt für mich auf vielen Ebenen. In der Vergangenheit, in der Gegenwart, im Kopf des Täters, in den Irrungen der verschiedenen Clans, intern bei der Polizei und Staatsanwaltschaft und vereint so viele Personen und Schauplätze, dass es manchmal ganz schön hin und her geht. Alte Bekannte aus dem Vorgängerbuch kommen auch dazu, die auch hier sehr nützlich sind. Insgesamt also viel los, mir an mancher Stelle zu viel. Dadurch wird an anderen Stellen irgendwie gesprungen, plötzlich ist man erneut in einem undurchsichtigen Massaker, wo man doch nur den seit Tagen verschwundenen Kollegen geortet hat. Ich fand es dadurch manchmal nicht wirklich spannend, aber anstrengend am Ball zu bleiben, weil ich zwischendurch gar nicht mehr wusste, ob wir noch am Wolf dran sind oder woanders. Die Auflösung kam dann unerwartet in der Person, einer der direkt Beteiligten war auch die ganze Zeit mein Tipp, aber der Täter selber nicht, sehr schön. Ich finde, das Thema hätte durch Ruhe in den Szenen mehr Tiefe gewonnen und für schlaflose Nächte sorgen können, z.B. die beiden Anfangsszenen waren sehr plastisch und nachvollziehbar und wirklich erschreckend. Aber ich bin guter Dinge, ein schönes Ermittlerteam mit viel Raum für Mehr und ich bin somit gespannt auf Roman Nummer 3.

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Veröffentlicht am 04.12.2024

Spannender klassischer Psychothriller

Bluttanz
1

Dieser Roman beinhaltet alles, was ein guter Thriller braucht: eine mysteriöse Tat (oder mehrere), ein Ermittlerteam, eine spannende Handlung, einen Twist zum Ende und eine Auflösung, bei der man "Aaaaah ...

Dieser Roman beinhaltet alles, was ein guter Thriller braucht: eine mysteriöse Tat (oder mehrere), ein Ermittlerteam, eine spannende Handlung, einen Twist zum Ende und eine Auflösung, bei der man "Aaaaah ,so war das" sagen kann. Das ist hier alles gegeben. Es war persönlich mein erster Teil aus der Reihe, was ich aber kaum gemerkt habe, weil die Personen und Bezüge untereinander gut dargestellt wurden. Es sind aber viele Personen, bei 25 namentlich Genannten habe ich aufgehört zu zählen - das empfand ich persönlich zeitweise hakelig zu lesen. Die Verballhornung des Namens der Oberstaatsanwältin von "Sennschorsch" anstatt "Saint-George" fand ich wirklich lustig, vermutlich gibt es in einem der früheren Bände auch einen Plot dafür.
Ein guter Thriller, der hält, was er verspricht.

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Veröffentlicht am 12.11.2024

Spannend, tiefgründig und ungewöhnlich

Happy End
3

Ein Säugling wird aus einem Wohnzimmer entführt, während die Mutter kurz Hausarbeit macht. Was an sich schon mysteriös genug ist, wird noch seltsamer als das Kind nach mehreren Monaten unversehrt wieder ...

Ein Säugling wird aus einem Wohnzimmer entführt, während die Mutter kurz Hausarbeit macht. Was an sich schon mysteriös genug ist, wird noch seltsamer als das Kind nach mehreren Monaten unversehrt wieder auftaucht. Trotz aller Freude bleibt ein seltsames Gefühl: was ist da passiert und warum?

Man merkt, dass sie Autorin Psychologin ist, da die Beschreibung der gesamten Gefühlswelt gerade von Isa, der Mutter, sehr detailliert ist. So sehr, dass man sich völlig in die Panik, Selbstzweifel und Ängste reindenken kann, die man hat, wenn das eigene Kind verschwindet und vor allem auch dann, wenn es plötzlich ohne Erklärung wieder da ist. Die Auflösung ist schlüssig, wenngleich der Weg dahin nicht immer realistisch ist, aber für die Realität lese ich die Tageszeitung und keinen Thriller. Eine aufkeimende Romanze nebenbei hätte es für mich nicht gebraucht, sie stört aber auch nicht die Story.
Was tatsächlich den Punkt Abzug ausmacht ist die ständige Verwendung von "flüstern", "hauchen", "wimmern" und "die junge Frau". Überhaupt scheint die Autorin liebgewonnene Formulierungen zu haben, die sie stetig wiederholt, was mir aber bisher in keinem jemals gelesenen Buch/Roman so aufgefallen ist.
Sehr gutes Debüt, ich bin gespannt, was da noch kommt.

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