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Veröffentlicht am 12.06.2025

Eine gute Fantasy-Story, in der brisante Themen zu finden sind.

Lessons of Hearts and Magic
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Lou will unter allen Umständen Teil vom „Herzen der Magie“ werden – jener Akademie, an der die besonderen Fähigkeiten gelehrt und trainiert werden. Doch diese ist, genau wie viele andere Sachen des Landes, ...

Lou will unter allen Umständen Teil vom „Herzen der Magie“ werden – jener Akademie, an der die besonderen Fähigkeiten gelehrt und trainiert werden. Doch diese ist, genau wie viele andere Sachen des Landes, für Frauen tabu. Als die Magie in der 22-Jährigen erwacht, wird Lous Leben um einiges brenzliger, denn weiblichen, magisch begabten Menschen droht eine regelrechte Hexenverfolgung …
Um dieser Tortur zu entgehen und unter dem Radar der Obigen von Olresa zu bleiben, fasst die junge Frau einen waghalsigen Entschluss. Nicht ahnend, dass sie an der Akademie auf weitreichende Unterdrückung, Ungereimtheiten und Geheimnisse stößt, die alles verändern könnten …

„Lessons of Hearts and Magic“ beginnt zwar eher slow, dafür lernen wir die Protagonistin und ihre Situation sowie die Gegebenheiten des hier erschaffenen Systems, welches hauptsächlich aus patriarchalischen Strukturen, Machtdemonstrationen und geschürter Angst besteht, kennen.
Marion Meister hat einen leichten, klaren Stil, der uns bildreich durch die Handlung, in der aktuelle Missstände angesprochen werden, führt – vor allem die Akademie kam vorstellbar und atmosphärisch, düster und unheilvoll zur Geltung.
Sobald Lou zum Herzen der Magie durchgedrungen ist, nimmt der Verlauf an Tempo zu; stets schwingen Vorsicht und die Sorge, enttarnt zu werden, mit.
Dass Tom, Lous Schwarm, ebenso an der Schule aufgenommen wurde, erschwert es ihr zusätzlich, unentdeckt zu bleiben, und gibt dem Roman eine weitere Komponente zum Mitfiebern. Leider finden sich auch immer wieder Längen, zähe Abschnitte und Wiederholungen im Text, die das Vergnügen schmälern.

Die Protagonistin selbst ist eine von den Guten, mutig, hin und wieder jedoch zu impulsiv und voreilig. Dennoch vollzieht sie im Laufe der Story eine Entwicklung, beginnt, die Gesetze und die Rolle der Frau zu hinterfragen, tiefer in den altbackenen Wirrungen der Akademie zu graben...
Hier und da sorgen Nebenfiguren für Abwechslung. Während Tom und Alan aktiv und hilfreich im Geschehen verankert waren, gab es auch Charaktere, deren Existenz einen bitteren Beigeschmack verursachte.
Die magischen Aspekte wurden langsam, aber dem Aufbau entsprechend, dargelegt. In den späteren Kapiteln ist neben Spannung und Mystik auch ein Hauch prickelndem Aufbegehren zu spüren.
Macht, Unterdrückung und Befreiung, Manipulation, Angst und Gleichberechtigung wurden gewissermaßen subtil, aber doch ersichtlich in die Geschichte eingeflochten – Punkte, die niemals an Relevanz verlieren.


„Lessons of Hearts and Magic“ endet rasant und meiner Meinung nach zu einfach – hier hätte ich mir, betrachtet man die brisanten Themen, mehr Raffinesse erhofft, statt des „erzwungen wirkenden“ Happy Ends. Ebenfalls interessant wäre ein Epilog („XY Jahre später“) gewesen, der die LeserInnen an möglichen gesellschaftlichen Veränderungen teilhaben lässt.

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Veröffentlicht am 05.06.2025

Kurzweilige Romance

Drunk Text
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„𝐃𝐫𝐮𝐧𝐤 𝐓𝐞𝐱𝐭: 𝐈𝐧 𝐭𝐡𝐞 𝐌𝐢𝐝𝐝𝐥𝐞 𝐨𝐟 𝐭𝐡𝐞 𝐍𝐢𝐠𝐡𝐭“

Nach einer harten Trennung, die ihr ihre Liebe zur Fotografie genommen und Tegan zu einem ausschweifenden Lebensstil verführt hat, ist sie gezwungen, Sydney zu ...

„𝐃𝐫𝐮𝐧𝐤 𝐓𝐞𝐱𝐭: 𝐈𝐧 𝐭𝐡𝐞 𝐌𝐢𝐝𝐝𝐥𝐞 𝐨𝐟 𝐭𝐡𝐞 𝐍𝐢𝐠𝐡𝐭“

Nach einer harten Trennung, die ihr ihre Liebe zur Fotografie genommen und Tegan zu einem ausschweifenden Lebensstil verführt hat, ist sie gezwungen, Sydney zu verlassen und zurück in ihre Heimat – zu ihrem spießigen, sie stets kritisierenden Bruder – zu ziehen. Doch bevor sie sich auf den Weg nach Neuseeland macht, wirft ihr das Schicksal einen attraktiven Mann vor die Füße – perfekt für eine bedeutungslose, heiße Nacht. Nur, dass es so weit nicht kommt und Tegan es auch Tage später nicht schafft, den Fremden zu vergessen oder seine Nummer zu löschen.
Bis der Casanova plötzlich wieder vor ihr steht. Als Partner ihres Bruders.

Seien wir ehrlich: Der Titel „Drunk Text: In the Middle of the Night“ hat mich unwiderruflich zu Katharina Gerschs neuer Romance geführt. Denn wer fühlt, wer kennt es nicht?
Hinzu kommen eine schräge Ausgangslage und eine Protagonistin, mit der es sich zu identifizieren leicht fällt.
Jedoch braucht die Story etwas, bevor sie in Fahrt kommt, und auch dann bleiben Ereignisse, „Drunk Textes" und der erwartete Humor im Hintergrund. Eher ist das Buch eine nachdenklich stimmende Geschichte über Selbstfindung, den Mut, zu lieben, und das Erwachsenwerden, über Familie und FreundInnen.
Tegans Ankunft und die ersten Wochen in Russell gestalten sich schwieriger als erahnt – nicht nur fühlt sich die Fotografin von ihrem Bruder verurteilt, auch ihr Kindheitsfreund bringt sie in eine Lage, die alles verkompliziert und keine Fehltritte erlaubt. Dass zuhause die Turteltauben warten und sie sowohl ihr Geheimnis als auch ihr inneres Chaos vor Sebastian verbergen muss, trägt nicht gerade zu einem entspannten Umgang mit ihrem perfekten Bruder bei. … Aber sein Glück muss an erster Stelle stehen, egal, wie sehr es sie schmerzt.

Stilistisch führt uns die Autorin in einem lockeren, eher leichten Stil durch die Handlung, in der vor allem Tegans sarkastisch-trockene Gedanken und so manch Reaktion für eigenartig-einzigartige Situationen verantwortlich sind. Ihre unterschwellige Rebellion und den aufwühlenden Zwiespalt nachzuvollziehen, ist einfach. Tegan ist das, was man eine echte Freundin nennt, selbstbewusst, schlagfertig und nicht so kalt, wie sie gerne wäre.
Im Verlauf gewinnt sie neben einigen Erkenntnissen auch Ruth – mein heimlicher Star der Geschichte. Dass auch die Beziehung zu ihrem Bruder von ihrer langsamen Veränderung profitiert, sich Russell trotz des sich anbahnenden Dramas gar nicht mehr so verkehrt anfühlt und auch ihre große Leidenschaft wieder erwacht, gibt dem Verlauf eine Menge Wohlfühlaugenblicke.
Wäre da nur nicht Dash – unverschämt heiß und scheinbar nicht gewillt, den Flirtmodus abzustellen –, dessen bloße Erwähnung für Herzbeschleunigermomente, Wehmut und kleine Stiche der Eifersucht sorgt.
Da einzig aus der Sicht der jungen Frau erzählt wird, liegt der Fokus auf ihr und ihren Veränderungen. Viele Ereignisse waren vorhersehbar, öfter fehlte mir die erwachsene, direkte Kommunikation, Ernst und ein bisschen Schwung. Dafür kamen das Beach-Setting und die drei Nebenfiguren – vor allem Sebastian entpuppt sich also gar nicht so fehlerfrei wie angenommen – sowie Liza gut zur Geltung. Angesprochen werden zudem das Thema Coming-out und das Projekt einer Hundeauffangstation – denn Tiere sind nicht „kurz mal Spaß haben", weder ein Gegenstand mit Umtauschgarantie noch ein befristetes Statement.
Insgesamt also eine nette, spritzige Story mit Unterhaltungswert, Gefühl und Aussagen, die zum Nachdenken bringen und Mut schenken.

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Veröffentlicht am 02.06.2025

Kann sich sehen lassen

The Beasts We Bury (Band 1)
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Mancella Cliff ist die Thronerbin des Glaslandes – und gilt, seit sie im Alter von acht Jahren mit Magie gezeichnet wurde, als genauso grausam wie ihr Vater. Der amtierende Primus hat es sich zur Aufgabe ...

Mancella Cliff ist die Thronerbin des Glaslandes – und gilt, seit sie im Alter von acht Jahren mit Magie gezeichnet wurde, als genauso grausam wie ihr Vater. Der amtierende Primus hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kriege zu provozieren, seine Untertanen auszubeuten und selbst im eigenen Schloss seine ihm gewährte Macht auf blutige, herzlose Art zu demonstrieren. Nur ein lebensmüder Dieb aus dem Randgebiet könnte so waghalsig sein, sich in das Anwesen der Cliffs zu schleusen, um die Herrschenden zu bestehlen … Tja, und Silver ist genau dieser Typ – niemals hätte er damit gerechnet, dass gerade die gefürchtete Schlächterin dafür sorgen könnte, seinen Auftrag, seine Hoffnung auf eine Zukunft und seinen Hass in den Hintergrund zu schieben …

„The Beasts we Bury“ beinhaltet frische und originelle, von mir bisher nie gelesene Ansätze in Sachen Worldbuilding und Magiesystem, die unweigerlich faszinieren und konstant eine gewisse Spannung schaffen. Leider fand ich die Ausarbeitung insgesamt als dürftig und löchrig – statt kreisender Monologe und der sich ausbreitenden romantischen Komponente hätte ich mir hier mehr gewünscht – mehr Informationen und Details.
Erzählt wird aus wechselnder Perspektive von Mancella und Silver, sodass wir die beiden Jugendlichen, die viel zu früh erwachsen werden, Gräuel und Tod erblicken mussten, ausreichend kennenlernen, in ihre Situation eintauchen und ihre Entwicklung verfolgen können.
Kommen er Dieb und seine KumpanInnen Vie und Rooftop gerade so über die Runden, die Angst, entdeckt zu werden, im Nacken, froh über jeden Auftrag, mag er noch so zwielichtig sein, lebt Mancella in Prunk, mit einer glorreichen Perspektive vor Augen – Blut an den Händen und zahlreiche Tiere in ihrem Leib, einsam, dazu erzogen, hart und unerbittlich zu sein. Während Silver nicht erwartet hätte, was er in Mancella findet, sie ihn zum Zweifeln bringt, zu Schuldgefühlen, gibt der Dieb der Magischen Hoffnung – auf Gemeinschaft und Veränderung. Dabei ahnt sie nicht, in welches Netz aus Lügen sie tritt, in welchen Manipulationen sie gefangen ist. ...

D. L. Taylor zeichnete ihre Hauptakteure so, dass es leicht fällt, sie zu verstehen, wenn auch die entstehende Vertrauensbasis und die wiederholte Leichtgläubigkeit in Anbetracht der Umstände zu leicht und naiv wirkten. Actionreich, blutig, grausam waren die Kampfszenen und das Schicksal, welches die Cliff-Schwestern ereilte – ich fühlte und fieberte mit. War von den einen oder anderen, sich im Verlauf offenbarenden Hintergründen und Geheimnissen, Mancellas Magie geschockt. „The Beasts we Bury“ hält neben Tyrannei, Machtgier, Dunkelheit und diverser Magie einige Twists bereit, Momente, die schmerzen, und Figuren, die für Misstrauen und Abscheu sorgen. Ob es die seichte Romanze gebraucht hätte? Nun, zumindest bietet sie Silver eine Entwicklungsmöglichkeit.
Diese Geschichte beinhaltet harte, aufwühlende Themen, Melancholie und eine gewisse Schwere – konträr ist der Stil, mit dem die Story erzählt wird. Einerseits mit sehr einfachen, für die Zielgruppe passenden Worten, andererseits gingen dadurch mMn auch Spannung und Ernst verloren. In den letzten Kapiteln überschlagen sich die Ereignisse, Lücken füllen sich, und dann … dann endet die Story rund und stimmig.

Meiner Ansicht nach braucht es den Epilog, der wirkt, als wollte man aus einer abgeschlossenen Handlung unbedingt noch mehr herausholen, nicht. Immerhin wissen wir doch, dass künstlich in die Länge gezogene (Buch-)Serien nur selten Anklang finden …
Daher: Wenn auch in Sachen Magiesystem und Worldbuilding eher an der Oberfläche gekratzt wurde, ist „The Beasts we Bury“ für mich ein guter Dark-Fantasy-Standalone, der sich zwar sprachlich an Jugendliche richtet, jedoch inhaltlich durchaus auch ältere LeserInnen fesselt.

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Kurzweilig und nett, aber ohne Feuer und Überraschung.

Goals & Chances: Spicy Hockey Romance
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Payton ist dabei, ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Sie schnappte sich einen der raren, begehrten Praktikumsplätze bei der Modedesignerin Carry Carter, für den sie nun in Boston, wenn auch in ...

Payton ist dabei, ihren Traum Wirklichkeit werden zu lassen: Sie schnappte sich einen der raren, begehrten Praktikumsplätze bei der Modedesignerin Carry Carter, für den sie nun in Boston, wenn auch in einer unsicheren Gegend, lebt.
Als plötzlich Leroy – ein Eishockeyspieler, mit dem sie bereits in Philadelphia Bekanntschaft machen musste – in das Atelier stolpert, ihr deutliche, hartnäckige Avancen macht und ihr sogar einen Auftrag gibt, weiß die angehende Designerin nur eines: Sie darf ihn nicht zu nah an sich heranlassen.
Denn schon einmal hat ihr ein Mann, dem sie ihr Vertrauen schenkte und der in der Öffentlichkeit steht, das Herz gebrochen. Eine Wiederholung dieser Demütigung? Braucht sie nicht! Doch wie lange kann die modeaffine Schönheit dem heißen Sportler widerstehen?

Leroy Collins will Payton. Ohne Wenn und Aber, koste es, was es wolle. Und wenn er sie einen Anzug designen lassen, sie täglich abholen und gemütliche Dates arrangieren muss. Nie war sich der wohlhabende Spieler der Boston Badgers sicherer. Nur scheint es eine größere Herausforderung zu werden als gedacht, Paytons Mauern zu durchbrechen …

„Goals & Chances“ ist der dritte Teil über die bostoner Eishockeymannschaft, und dieses Mal führt uns Allie Kinsley in einem lockeren Stil durch die softe, eher gemütliche und insgesamt unaufgeregte Handlung. Erzählt wird aus wechselnder Perspektive, was eine gute Basis schafft, um die Protagonisten und ihre gegenwärtigen Situationen kennenzulernen.
Dass neben Leroys Karriere, die hartes Training und Verzicht sowie Medienpräsenz mit sich bringt, auch auf Paytons Leidenschaft und ihre Bedenken eingegangen wird, hat mir gefallen. Ihr Drang, selbstständig zu sein, vorsichtig zu bleiben und Social Media keinen Raum zu geben, ist, betrachtet man ihre Erfahrungen, nachvollziehbar.
Um das Herz seiner Crush zu gewinnen, geht Leroy forsch vor, wirkt regelrecht besessen – und wenn die entstehende Dynamik auch unterhaltsam war, verlief die Lovestory vorhersehbar und ohne Überraschungen. Eigentlich ganz nett, jedoch fehlte es mMn an Tiefe und einer greifbaren romantischen „Entwicklung“, denn woher die plötzliche „Liebe“ kam? Ich könnte es nicht sagen.
Dennoch gab es süße Momente, Verlust und Veränderungen. Die Nebenfiguren nehmen keine sonderlich große Rolle ein und auch der Spice hält sich, wie in den vorigen Bänden, in Grenzen.

„Goals & Chances“: eine kurzweilige Sports-Romance.

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Veröffentlicht am 17.05.2025

Da hat der Verlag wohl vergessen zu erwähnen, dass es sich um einen Serienauftakt handelt

Der Flug der Drachenreiter
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Einst war Jai der Sohn eines machthungrigen Herrschers, heute ist er ein Sklave des sabinischen Reiches, rechte Hand und in die Knie gezwungener Diener von Leonid. Nun soll am kaiserlichen Hofe Hochzeit ...

Einst war Jai der Sohn eines machthungrigen Herrschers, heute ist er ein Sklave des sabinischen Reiches, rechte Hand und in die Knie gezwungener Diener von Leonid. Nun soll am kaiserlichen Hofe Hochzeit gefeiert werden – um die Position der Sabiner zu sichern. Doch bevor es so weit ist, deckt der Junge eine Verschwörung auf, verliert in wenigen Augenblicken das einzige Zuhause, das er kennt. Um sein Leben zu schützen, ergreift er die Flucht gen ungewisse Freiheit und gerät an ein begehrtes Drachenei. Jetzt steht Jai vor schweren Herausforderungen, muss Entscheidungen treffen, darf nie stillstehen. Und zum Glück ist es Frida, auf die er trifft …


😤 Zuerst muss ich sagen, dass ich es als Unart empfinde, wenn Verlage bewusst nicht und nirgendwo darauf hinweisen, dass es sich bei einem (übersetzten) Buch um einen Serienteil handelt. Wieso? Um LeserInnen zum direkten Kauf zu bewegen, statt zum Warten? Weil eine Fortsetzung noch nicht geplant ist, aber Band 1 trotzdem Interesse wecken soll? Allein dieser – zufällig entdeckte – Umstand sorgte dafür, dass meine Lust auf „𝐃𝐞𝐫 𝐅𝐥𝐮𝐠 𝐝𝐞𝐫 𝐃𝐫𝐚𝐜𝐡𝐞𝐧𝐫𝐞𝐢𝐭𝐞𝐫“ vor der ersten Seite einen Dämpfer erhielt.



Taran Matharu führt uns gemächlich, in einem passenden, klaren Stil in das Leben des 18-Jährigen, der am Hofe des Kaisers kein leichtes Dasein führt. Sowohl die Gründe seiner „Gefangenschaft“ als auch jene der politischen Heirat wurden verständlich ausgearbeitet. Je weiter die Handlung voranschreitet, umso mehr überschlagen sich die Ereignisse, die die LeserInnen unweigerlich mitreißen. Dass Titus sich an dem (Beinahe-)Gelingen seines perfiden Planes erfreut, Jai entkommt und ein Ei entdeckt, ist aus dem Klappentext ersichtlich. Plötzlich hat der Sklave ein neues Ziel, eine neue Aufgabe. Ein Erbe. An seiner Seite Winter – ahw! – und Frida.



Es war spannend, den Weg der Flüchtigen zu verfolgen, was vor allem daran lag, dass das Tempo – begünstigt durch kurze Kapitel und etliche Wendungen – großteils hoch war und es nur selten zu langatmigen Abschnitten kam. Der Autor schuf eine komplexe, einfallsreiche Welt – die magischen Gegebenheiten, inkl. der Wesen und der Seelenbindung, waren logisch und informativ in den Verlauf, der mit starken Entwicklungen gespickt ist, gebettet. Die unterschiedlichen Völker und Kriege, denen eine gewisse Brutalität zugrunde liegt, sowie die diversen, sich neu bildenden Dynamiken – Wie jene zwischen Jai, der einige Verluste verkraften, Wahrheiten verdauen muss, und Winter. Oder mit der ehemaligen Zofe, die sich mit ihrem Wissen, ihrer Findigkeit gekonnt in dieses gefährliche Abenteuer einbrachte. – wurden nach und nach griffig konturiert. Zu der kleinen Gruppe gesellen sich weitere, unterschiedliche Menschen, und es scheint, dass, sobald eine Hürde überwunden, eine Strecke geglückt ist, schon das nächste Übel wartet, was der Storyline durchaus einen gewissen Unterhaltungsfaktor gibt. Da wir insgesamt auf etliche Charaktere – viele undurchsichtig, weder einzuschätzen noch vertrauenswürdig – treffen, hätte ich vor allem für die wichtigsten ein Personenverzeichnis sinnvoll gefunden, auch eine Landkarte fehlt, um einen genaueren Überblick zu erlangen. Waren die Drachen imposante, faszinierende Gestalten, Magie- und Weltsystem gut, gelangen auch die Protagonisten mit Fehlern und Eigenheiten, Ängsten und Unsicherheiten nahbar. Matharu öffnet viele Stränge, wirft Fragen auf, macht neugierig – und so heißt es nun: warten. Denn wer am Ende angelangt ist, wird unbedingt wissen wollen, ob der einstige Sklave seinen rechtmäßigen Platz einnimmt.



„Der Flug der Drachenreiter“ ist eine klassische Fantasy, die mit detailreichen Worten, actionreichen und blutigen, manches Mal rührenden und vielen interessanten Szenen eine wendungsreiche Geschichte erzählt, die eine ebenso starke Entwicklung wie ein ausgefeiltes Worldbuilding bereithält. Dass wir einen Roman lesen, der Griffons und Drachen beinhaltet und sich weder auf eine Romanze noch auf Zwischenmenschliches fokussiert, macht die fehlende „Serien“-Information fast schon wett.

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