Profilbild von HarleyQ

HarleyQ

Lesejury Profi
offline

HarleyQ ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit HarleyQ über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.11.2025

OITNB meets Dystopia

Das Dream Hotel
0

In einer nicht allzu fernen Zukunft haben wir alle einen Risikowert. Alles wird überwacht, unser Onlineverhalten, unser Alltag, unsere Arbeit, unser Familienleben, sogar unsere Träume. Ein Algorithmus ...

In einer nicht allzu fernen Zukunft haben wir alle einen Risikowert. Alles wird überwacht, unser Onlineverhalten, unser Alltag, unsere Arbeit, unser Familienleben, sogar unsere Träume. Ein Algorithmus bestimmt dann, wie wahrscheinlich es ist, ob wir in Zukunft ein Verbrechen begehen. Wird unser Risikowert zu hoch, kommen wir in Sicherheitsverwahrung. Das ist kein staatliches Gefängnis, sondern eine privat geführte Einrichtung zum Schutz aller.
Sara Hussein landet in genau so einer Einrichtung, als sie eigentlich gerade von einer Dienstreise zurückkam und am Flughafen wieder ihren Ehemann und ihre beiden Kinder in die Arme nehmen wollte. Obwohl sie und die anderen Frauen keine verurteilten Verbrecherinnen sind, werden sie genauso behandelt und von der Zentrumsleitung erhalten sie keinerlei Unterstützung.

Während des Lesens würde ich immer wieder an "Orange is the new Black" erinnert, eine Serie die mir auch sehr gut gefallen hat und die mich mehrfach zum Weinen gebracht hat. Ähnlich nahe ging mir auch dieses Buch. Es holen mich nur wenige Bücher in dem Maße emotional ab und dieses Buch hat mich nicht einmal in Ruhe gelassen, wenn ich gerade nicht darin gelesen habe. Ich war regelrecht süchtig nach Saras Geschichte und leider ist sie schon vorbei. Es gibt hier vielleicht nicht die große Revolution oder einen blutigen Kampf, aber es geht eben genau um das, was jeder von uns kann: sich ein System genau anschauen, darüber nachzudenken und Kritik daran üben und sich dann, wenn auch nur im Kleinen, dagegen stellen.

Es war eine (leider zu schnelle) spannende Lektüre und ich würde mich über mehr Geschichten aus dem Dream Hotel freuen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2025

Eindrucksvoller Einblick in ein Regime

Himmlischer Frieden
0

Lai Wens Roman "Himmlischer Frieden" nimmt die Leser:innen mit nach Peking, wo Lei als Tochter einer Arbeiterfamilie aufwächst. Die Großmutter hat sich schon in jungen Jahren gegen das Füße-abbinden gewehrt ...

Lai Wens Roman "Himmlischer Frieden" nimmt die Leser:innen mit nach Peking, wo Lei als Tochter einer Arbeiterfamilie aufwächst. Die Großmutter hat sich schon in jungen Jahren gegen das Füße-abbinden gewehrt und macht jetzt Schuhe für eben solche Frauen, der Vater ist Künstler, der unter der Kulturrevolution Maos zerbrochen ist und sich selbst verloren hat. Lei ist ein sehr kluges junges Mädchen, das sich der Vorgänge in ihrem Land durchaus bewusst ist und sie reflektiert regelmäßig darüber, welche Ziele die Regierung verfolgt und was von ihr als "gute Chinesin" verlangt wird. So ist ihre erste Überlegung, als sie einen Aufsatz über einen ihrer Helden schreiben soll, was denn der Lehrer hören möchte, Ob Mao die perfekte Antwort ist oder ob es doch zu einfach wäre. "Himmlischer Frieden" kommt vielleicht nicht mit viel Schockmomenten oder übertrieben genauen Darstellungen von Grausamkeiten daher, dafür ist es aber umso eindrucksvoller, denn es zeigt, wie ein solches Regime wie in China jedes Leben durchdringt. Durch die intelligente Protagonistin, die nicht einfach alles hinnimmt, die einen Freund hat, der ihr hier auch andere Ansichten aufzeigt, bekommen die Leser:innen einen Anstoß, auch kritisch zu hinterfragen, ohne dass ihnen eine Meinung aufs Auge gedrückt wird. Auch der Vater, dem die Kulturrevolution hart zugesetzt hat, ist sehr gut dargestellt, auch wenn es dadurch ist, dass er nahezu abwesend ist im Roman - obwohl er eigentlich physisch durchaus in vielen Szenen da ist. Wens Roman gibt einen guten Einblick in ein Land, das vielen vermutlich zwar namentlich bekannt ist, über das man sich aber nie allzu viel Gedanken gemacht hat. Die Autorin zeigt gut, wie ein Regime vor allem auch in den Köpfen der Menschen wirkt und schafft eine Protagonistin, die klug und sympathisch ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.02.2025

Lustige Nostalgie

Willkommen in Gravity Falls - Verschollene Legenden
0

"Gravity Falls" war eine wunderbare Serie, die leider viel zu kurz war. Dementsprechend ist der Comicband eine tolle Erweiterung für alle Fans der Serie. Genauso wie die Serie wirken die Geschichten des ...

"Gravity Falls" war eine wunderbare Serie, die leider viel zu kurz war. Dementsprechend ist der Comicband eine tolle Erweiterung für alle Fans der Serie. Genauso wie die Serie wirken die Geschichten des Comicbands auf dem ersten Blick vielleicht komplett chaotisch und verrückt und man mag denken: "Was ist denn das für ein Blödsinn?". Wenn man jedoch genauer hinschaut, ein bisschen darüber nachdenkt, erkennt man viel mehr darin.
Die Geschichten rund um Mabel, Dipper und ihren Freunden unterhalten und machen Spaß. Der Comic macht enorme Lust auch die Serie wieder zu schauen und wie schon bei der Serie ist es einfach wieder viel zu schnell vorbei.
Besonders toll am Comic ist, dass er teilweise damit arbeitet, dass er ein Comic ist, die vierte Wand durchbricht, eine Metaebene hat, die nur in einem Comic funktioniert. Auch gibt es viele nette Details für die Fans der Serie.
Man merkt, dass "Gravity Falls" ein Herzensprojekt Alex Hirschs ist und auch wenn es nicht jeden Geschmack trifft, meinen trifft es, ich bin glücklich noch ein paar Geschichten mehr von Mabel und Dipper zu haben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.12.2024

Wunderschöne Neuauflage

Carmilla
0

Joseph Sheridan Le Fanou's zeitloser Vampirklassiker "Carmilla" wurde in wunderschöner Hard-Cover-Ausgabe neuer verlegt. Das freut mich, denn ich habe mich schon vor Jahren in Carmilla, die weibliche Vampirin, ...

Joseph Sheridan Le Fanou's zeitloser Vampirklassiker "Carmilla" wurde in wunderschöner Hard-Cover-Ausgabe neuer verlegt. Das freut mich, denn ich habe mich schon vor Jahren in Carmilla, die weibliche Vampirin, unsterblich - haha, wie lustig - verliebt.
Am leichtesten lässt sich meine Liebe für diesen Roman durch den Vergleich mit dem (leider) wesentlich erfolgreicheren Dracula erklären:
1. Dracula ist für lange Stellen als Briefroman konzipiert und als Leser:in hat man das Gefühl, dass eine halbe Ewigkeit absolut gar nichts passiert. Carmilla ist wesentlich kürzer und konzentriert sich darauf, die Handlung zu erzählen, ohne Langeweile aufkommen zu lassen.
2. Ziemlich offensichtlich, aber Carmilla ist mir um einiges sympathischer als Dracula. Dracula sucht sich, als Mann, weibliche Opfer, die er in seinen Bann zieht, um sich von ihnen zu ernähren. Carmilla verliebt sich in eine junge Frau und verbringt die Nächte mit ihr.
3. Als Österreicherin gefällt es mir natürlich auch, dass Carmilla in meiner Heimat spielt. Irgendjemand musste damals ja unbedingt Bram Stoker auf Rumänien aufmerksam machen, sonst hätte auch Dracula in Wien gelebt.
4. Vielleicht ein eher schwaches Argument, aber Carmilla kann sich in eine Katze verwandelt, was schon um einiges cooler ist als eine Fledermaus.
Insgesamt kann ich nur sagen: Wenn man Carmilla gelesen hat, wirkt Dracula wie die abgeschriebene und leicht veränderte Hausaufgabe eines Mitschülers Sheridan Le Fanous, weshalb Carmilla auch immer einen speziellen Platz in meinem Herzen haben wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.11.2024

Spannende Einblicke

Unversehrt. Frauen und Schmerz
0

Eva Biringer erzählt uns in "Unversehrt" die Geschichte ihrer Großmutter, die ihr Leben lang mit ungeklärten gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, der gesagt wurde, sie solle nicht so hysterisch ...

Eva Biringer erzählt uns in "Unversehrt" die Geschichte ihrer Großmutter, die ihr Leben lang mit ungeklärten gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, der gesagt wurde, sie solle nicht so hysterisch sein, die einfach mal irgendwelche Medikamente nahm - wird schon irgendwas helfen...
Ein Bild, dass, wie Biringers Sachbuch zeigt, absolut nicht veraltet ist, denn in der heutigen Medizin sieht es leider nicht viel anders auch, nur gibt es nettere Begriffe. Biringer hat sich mit dem Thema "weiblicher Schmerz" beschäftigt: Wie wird Schmerz bei Frauen wahrgenommen? Wie sehen Frauen selbst ihren Schmerz? Wie wird damit umgegangen? Und sie erkennt, dass Frauen immer noch von der Gesellschaft und dem Gesundheitssystem benachteiligt sind. Nachteile, die nicht nur die Lebensqualität von Frauen einschränken können, sondern auch tödlich enden können.
Eva Biringer zeigt diese Nachteile auf und behandelt das Thema "weiblicher Schmerz" auf verständliche Art und Weise. Das Buch macht wütend und das aus gutem Grund. Auch wenn vieles vielleicht nicht neu ist, sind es Dinge, die einem meist nicht bewusst sind und dieses Buch lenkt wieder die Aufmerksamkeit darauf.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere