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Veröffentlicht am 06.06.2025

Level 26

Level 26: Dunkle Seele
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Als bekennender Fan von spannenden Thrillern und packenden Kriminalgeschichten war ich gespannt auf „Level 26“ von Anthony E. Zuiker. Schon der Klappentext versprach eine nervenaufreibende Jagd auf einen ...

Als bekennender Fan von spannenden Thrillern und packenden Kriminalgeschichten war ich gespannt auf „Level 26“ von Anthony E. Zuiker. Schon der Klappentext versprach eine nervenaufreibende Jagd auf einen Serienkiller der bisher unbekannten Dimension. Lass mich dir sagen, dieses Buch hält, was es verspricht – und noch einiges mehr.

Die Geschichte dreht sich um den Ermittler Steve Dark, der es mit einem Killer zu tun bekommt, der als erster in die neu geschaffene Kategorie „Level 26“ eingestuft wird. Sqweegel, so der Name dieses Alptraumwesens, mordet, foltert und verstümmelt seit zwei Jahrzehnten und hat dabei jede vorstellbare Grausamkeit übertroffen. Schon von der ersten Seite an zieht einen die düstere und unbarmherzige Welt des Buches in ihren Bann. Die Kapitel sind kurz, prägnant und so spannend, dass man das Buch kaum aus der Hand legen kann – ein echter Pageturner also.

Besonders faszinierend an „Level 26“ ist die Kombination aus Buch und Film. Zuiker integriert kleine Filmsequenzen, die du dir online ansehen kannst. Diese Clips ergänzen die Handlung und lassen das ohnehin schon bildgewaltige Kopfkino noch lebendiger werden. Es ist wie eine Fusion aus Roman und TV-Serie, und ich muss zugeben, dass es mich wirklich gefesselt hat. Allerdings, und das ist mein kleiner humorvoller Seitenhieb, wirst du feststellen, dass du irgendwann wie ein Serienjunkie ständig nach dem nächsten Code für den nächsten Clip lechzt.

Steve Dark, der Protagonist, ist ein klassischer Held mit Ecken und Kanten. Er ist gebrochen, getrieben und hat seine eigenen Dämonen. Seine Jagd auf Sqweegel ist nicht nur ein Wettlauf gegen die Zeit, sondern auch eine Reise in die Abgründe der menschlichen Psyche. Und Sqweegel? Nun, er ist einer der verstörendsten und faszinierendsten Schurken, die mir seit langer Zeit untergekommen sind. Er ist das personifizierte Böse und doch so intelligent und unberechenbar, dass man ihn fast bewundern muss – zumindest aus sicherer Entfernung.

Allerdings hat das Buch auch seine Schwächen. Die Handlung weist einige unlogische Wendungen und hanebüchene Zufälle auf. Manchmal schien es, als würde Dark mehr Glück als Verstand haben. Und die Videoclips, so spannend sie auch sind, erfordern eine Registrierung mit E-Mail-Adresse – nicht jedermanns Sache, wie ich feststellen musste. Dennoch, das Erlebnis wird dadurch nicht wesentlich getrübt.

Ein kleiner Tipp am Rande: „Level 26“ ist nichts für zartbesaitete Leser. Die Gewalt ist teils explizit und die Beschreibungen können sehr plastisch und schockierend sein. Wenn du also eher zu denjenigen gehörst, die sich bei den „Tatort“-Folgen schon die Augen zuhalten, dann könnte dieses Buch etwas zu viel für dich sein.

Insgesamt ist „Level 26“ ein innovativer und fesselnder Thriller, der durch seine multimediale Umsetzung einen besonderen Reiz bietet. Für alle, die es spannend und düster mögen und keine Angst vor einem tiefen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele haben, ist dieses Buch eine klare Empfehlung. Aber sei gewarnt: Einmal angefangen, lässt es dich so schnell nicht wieder los.

Veröffentlicht am 06.06.2025

Doppelleben

Doppelleben
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„Doppelleben“ von Gottfried Benn ist eine faszinierende Mischung aus Autobiografie und intellektueller Selbstreflexion, die mich gleichermaßen beeindruckt und verwirrt hat. Stell dir vor, du sitzt mit ...

„Doppelleben“ von Gottfried Benn ist eine faszinierende Mischung aus Autobiografie und intellektueller Selbstreflexion, die mich gleichermaßen beeindruckt und verwirrt hat. Stell dir vor, du sitzt mit einem alten Freund zusammen, der dir sein Leben erzählt – nicht chronologisch und manchmal nicht einmal zusammenhängend, aber immer tiefgründig und voller Einsichten. So in etwa fühlt sich dieses Buch an.

Benn, ein Dichter und Arzt, der während der turbulenten Zeiten des 20. Jahrhunderts lebte, teilt in „Doppelleben“ zwei seiner wichtigsten Schriften: „Lebensweg eines Intellektualisten“ und „Doppelleben“. Der erste Teil stammt aus dem Jahr 1934 und der zweite Teil wurde 1950 geschrieben. Beide Texte sind beeindruckende Zeugnisse seiner Selbstreflexion und seines künstlerischen Weges.

Im „Lebensweg eines Intellektualisten“ lernst du Benn von seiner jovialen Seite kennen. Er beginnt mit Anekdoten über seine Familie, seine Bildung und seine Erfahrungen als Militärarzt. Besonders spannend fand ich seine Erörterungen über seine expressionistische Schaffensphase. Hier tauchen Figuren wie Pameelen und Rönne auf, die das moderne, gebrochene Menschenbild repräsentieren. Stell dir vor, du stehst mitten im expressionistischen Drama und fragst dich: „Was zur Hölle bedeutet das alles?“ Genau diese Frage stellt Benn und beantwortet sie auf eine Art und Weise, die gleichzeitig erhellend und verwirrend ist.

Der zweite Teil, „Doppelleben“, geht tiefer in Benns Beziehung zum Nationalsozialismus und seine Entscheidung, in Deutschland zu bleiben, ein. Er schildert seine wenigen, unglücklichen Begegnungen mit den Nazis, seine öffentliche Anfeindung und den Ausschluss aus der Reichsschrifttumskammer. Interessant ist auch der Briefwechsel mit Klaus Mann, der Benns Position gegenüber den Emigranten kritisch hinterfragt. Benn verteidigt seine Entscheidung mit einer Mischung aus Rationalität und fatalistischer Akzeptanz, was mich manchmal ins Grübeln brachte.

Was „Doppelleben“ wirklich lesenswert macht, ist Benns Fähigkeit, komplexe Gedanken klar und dennoch poetisch auszudrücken. Seine kunsttheoretischen Erörterungen sind faszinierend, wenn auch manchmal schwer zugänglich. Er spricht über die Destruktion als schöpferische Methode und erhebt die Kunst zu einem anthropologischen Prinzip. Dabei bleibt er stets ein Außenseiter, ein Intellektueller, der sich nie ganz der Realität oder dem Alltag verpflichtet fühlt.

Ein kleiner humoristischer Seitenhieb sei mir gestattet: Wenn du dich je gefragt hast, wie es sich anfühlt, in einem expressionistischen Drama zu leben, dann gibt dir Benns „Doppelleben“ eine ziemlich gute Vorstellung davon. Es ist, als würde man in einem Nebel aus Metaphern und Symbolen wandeln, immer auf der Suche nach dem nächsten klaren Gedanken.

Insgesamt ist „Doppelleben“ ein Buch, das dich fordert, aber auch reich belohnt. Es ist keine leichte Lektüre, aber wenn du bereit bist, dich auf Benns Welt einzulassen, wirst du mit tiefen Einsichten und einem besseren Verständnis für einen der bedeutendsten Dichter des 20. Jahrhunderts belohnt.

Veröffentlicht am 06.06.2025

Leopard

Leopard (Ein Harry-Hole-Krimi 8)
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Wenn du Harry Hole noch nicht kennst, dann schnall dich an und mach dich bereit für eine wilde Fahrt durch die düsteren Straßen Oslos, die exotischen Winkel des Kongo und die nebligen Gassen Hongkongs. ...

Wenn du Harry Hole noch nicht kennst, dann schnall dich an und mach dich bereit für eine wilde Fahrt durch die düsteren Straßen Oslos, die exotischen Winkel des Kongo und die nebligen Gassen Hongkongs. Harry Hole ist zurück, und wie! In „Leopard“ zeigt uns Jo Nesbo einmal mehr, warum dieser desolate, aber brillante Ermittler einer der faszinierendsten Charaktere im Krimi-Genre ist.

Harry hat sich nach seinem letzten, verheerenden Fall in Hongkong verkrochen, wo er seine Tage in einem Nebel aus Alkohol und Opium verbringt. Da klopft Kaja Solness an seine Tür, eine junge, entschlossene Ermittlerin aus Norwegen. Sie holt Harry zurück nach Oslo, wo eine Serie aufsehenerregender Morde die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Harry, widerwillig und gebrochen, kehrt zurück in die Welt, die er eigentlich hinter sich lassen wollte.

Nesbo versteht es meisterhaft, die Spannung hochzuhalten und dich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Die Morde sind detailliert und brutal beschrieben – nichts für Zartbesaitete. Aber hey, das ist Harry Hole, hier wird nicht gekuschelt! Die Szenenwechsel zwischen den verschneiten Bergen Norwegens und den schwülen Dschungeln Afrikas sind so lebendig beschrieben, dass du fast den Schweiß auf deiner Stirn spüren kannst.

Was „Leopard“ besonders macht, ist die Tiefe der Charaktere. Harry Hole ist kein strahlender Held, sondern ein Mann, der mit seinen Dämonen kämpft und dabei oft verliert. Sein moralisches Kompass ist verdreht, und doch ist er genau der Richtige, um die Stadt vor einem unberechenbaren Killer zu retten. Nesbo zeigt uns die menschlichen Abgründe, ohne jemals zu moralisieren.

Es gibt jedoch einige Momente, die etwas übertrieben wirken. Der Einstieg ist dramatisch und könnte fast aus einem Actionfilm stammen, und der Epilog wirkt ein wenig gehetzt, als wollte Nesbo sicherstellen, dass alle Handlungsstränge brav zu Ende geführt werden. Aber diese kleinen Schwächen verzeiht man gerne, denn die Reise bis dorthin ist einfach packend.

Wenn du auf der Suche nach einem Krimi bist, der dir den Atem raubt, dir aber auch die leisen, tragischen Momente eines gebrochenen Mannes zeigt, dann ist „Leopard“ genau das Richtige für dich. Jo Nesbo beweist einmal mehr, dass er einer der Großen im Genre ist. Und Harry Hole? Nun, er bleibt der ungeschliffene Diamant, der dir auch nach dem letzten Kapitel nicht aus dem Kopf geht.

Veröffentlicht am 06.06.2025

Leopard

Leopard
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Wenn du Harry Hole noch nicht kennst, dann schnall dich an und mach dich bereit für eine wilde Fahrt durch die düsteren Straßen Oslos, die exotischen Winkel des Kongo und die nebligen Gassen Hongkongs. ...

Wenn du Harry Hole noch nicht kennst, dann schnall dich an und mach dich bereit für eine wilde Fahrt durch die düsteren Straßen Oslos, die exotischen Winkel des Kongo und die nebligen Gassen Hongkongs. Harry Hole ist zurück, und wie! In „Leopard“ zeigt uns Jo Nesbo einmal mehr, warum dieser desolate, aber brillante Ermittler einer der faszinierendsten Charaktere im Krimi-Genre ist.

Harry hat sich nach seinem letzten, verheerenden Fall in Hongkong verkrochen, wo er seine Tage in einem Nebel aus Alkohol und Opium verbringt. Da klopft Kaja Solness an seine Tür, eine junge, entschlossene Ermittlerin aus Norwegen. Sie holt Harry zurück nach Oslo, wo eine Serie aufsehenerregender Morde die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Harry, widerwillig und gebrochen, kehrt zurück in die Welt, die er eigentlich hinter sich lassen wollte.

Nesbo versteht es meisterhaft, die Spannung hochzuhalten und dich von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Die Morde sind detailliert und brutal beschrieben – nichts für Zartbesaitete. Aber hey, das ist Harry Hole, hier wird nicht gekuschelt! Die Szenenwechsel zwischen den verschneiten Bergen Norwegens und den schwülen Dschungeln Afrikas sind so lebendig beschrieben, dass du fast den Schweiß auf deiner Stirn spüren kannst.

Was „Leopard“ besonders macht, ist die Tiefe der Charaktere. Harry Hole ist kein strahlender Held, sondern ein Mann, der mit seinen Dämonen kämpft und dabei oft verliert. Sein moralisches Kompass ist verdreht, und doch ist er genau der Richtige, um die Stadt vor einem unberechenbaren Killer zu retten. Nesbo zeigt uns die menschlichen Abgründe, ohne jemals zu moralisieren.

Es gibt jedoch einige Momente, die etwas übertrieben wirken. Der Einstieg ist dramatisch und könnte fast aus einem Actionfilm stammen, und der Epilog wirkt ein wenig gehetzt, als wollte Nesbo sicherstellen, dass alle Handlungsstränge brav zu Ende geführt werden. Aber diese kleinen Schwächen verzeiht man gerne, denn die Reise bis dorthin ist einfach packend.

Wenn du auf der Suche nach einem Krimi bist, der dir den Atem raubt, dir aber auch die leisen, tragischen Momente eines gebrochenen Mannes zeigt, dann ist „Leopard“ genau das Richtige für dich. Jo Nesbo beweist einmal mehr, dass er einer der Großen im Genre ist. Und Harry Hole? Nun, er bleibt der ungeschliffene Diamant, der dir auch nach dem letzten Kapitel nicht aus dem Kopf geht.

Veröffentlicht am 06.06.2025

Nicht mein Tag

Nicht mein Tag
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Stell dir vor, du lebst das Leben einer Tatort-Folge: mäßig spannend, kaum Überraschungen, und du ahnst schon zur Hälfte, wie es ausgehen wird. Genau so geht es Till Reiners, dem Durchschnittstypen par ...

Stell dir vor, du lebst das Leben einer Tatort-Folge: mäßig spannend, kaum Überraschungen, und du ahnst schon zur Hälfte, wie es ausgehen wird. Genau so geht es Till Reiners, dem Durchschnittstypen par excellence. Sein Name ist nicht hip, er wohnt am Rand des Ruhrgebiets, und sein Leben plätschert so ruhig dahin, dass selbst ein spannendes Wochenende in einem IKEA-Möbelhaus aufregender wäre. Doch dann taucht Nappo auf – und plötzlich ist alles anders.

Nappo, ein Typ mit einer Tätowierung, einer Sporttasche und einer echten Waffe, reißt Till aus seiner langweiligen Routine. Was folgt, ist eine irrwitzige Odyssee, die Till und Nappo in eine Kleingartenkolonie, nach Holland und schließlich nach Frankreich führt. Dabei entdeckt Till nicht nur neue Seiten an sich, sondern auch eine Vorliebe für das Absurde. Wer hätte gedacht, dass ein biederer Bankangestellter so gut in das Leben eines flüchtigen Kriminellen passen würde?

Husmann schafft es, die Tragikomik des Alltags wunderbar einzufangen. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet, und der Humor trifft oft ins Schwarze. Besonders Tills Entwicklung vom braven Spießer zum abenteuerlustigen Antihelden sorgt für viele Lacher. Die Situationskomik ist grandios, und man kann nicht anders, als mit Till mitzufiebern – auch wenn man manchmal denkt: „Oh Mann, was machst du da nur?“

Natürlich gibt es auch ein paar Schwächen. Ab der Mitte verliert die Geschichte etwas an Schwung, und man fragt sich, warum Till nicht einfach abhaut. Auch das Ende wirkt ein wenig zu konstruiert und vorhersehbar. Doch das trübt das Lesevergnügen nur geringfügig. Der Schreibstil ist flott, die Dialoge spritzig, und die Situationen oft so absurd, dass man aus dem Schmunzeln gar nicht mehr herauskommt.

Ein Highlight des Buches ist definitiv die Erzählweise. Husmanns Humor ist trocken und manchmal bitterböse, aber immer treffend. Wenn du also Lust auf eine unterhaltsame Geschichte hast, die dich zum Lachen bringt und gleichzeitig zum Nachdenken anregt, dann ist „Nicht mein Tag“ genau das Richtige für dich. Bereite dich darauf vor, dass du dich manchmal selbst in Tills Alltagstrott wiedererkennst – und vielleicht inspiriert dich seine Geschichte ja zu deinem eigenen kleinen Abenteuer.

Denn eins ist sicher: Nach der Lektüre dieses Buches wirst du deinen nächsten Besuch im Bankfilialen auf jeden Fall mit anderen Augen sehen. Wer weiß, vielleicht steht ja hinter dem Schalter der nächste Till Reiners, der nur darauf wartet, aus seinem Alltag gerissen zu werden.