Profilbild von Caillean

Caillean

Lesejury Star
offline

Caillean ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Caillean über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.10.2025

Nicht ganz so fesselnd wie Teil 1

Die Freiheit so weit
0

Obwohl man es dem Buch äußerlich nicht ansieht und der Einband keinen Hinweis darauf enthält, handelt es sich bei diesem Buch nicht um einen eigenständigen Roman, sondern den zweiten Teil einer Dilogie. ...

Obwohl man es dem Buch äußerlich nicht ansieht und der Einband keinen Hinweis darauf enthält, handelt es sich bei diesem Buch nicht um einen eigenständigen Roman, sondern den zweiten Teil einer Dilogie. Band 1 hieß „Der Unendlichkeit so nah“ und erzählte die Geschichte von Elias und Emma, die sich auf Hawaii kennen- und lieben lernen. Außerdem wurde dort in Rückblenden von ihren jeweiligen Vorfahren erzählt, die ebenfalls etwas verband.

 

Diese Handlungsstränge werden in diesem zweiten Band fortgesetzt. Bei mir ist es ca. ein dreiviertel Jahr her, dass ich Band 1 gelesen habe und ich hatte die Zusammenhänge – gerade im historischen Teil – nicht mehr so präsent. Ich habe gemerkt, dass mir das nicht gut getan hat für das Leseerlebnis, da ich oft gestutzt habe und Geschehnisse nicht richtig einordnen konnte. Die sehr kurzen Zusammenfassungen der bisherigen Handlung waren für mich persönlich etwas wenig, um den Anschluss wieder richtig zu finden.

 

Der Anschluss in der Gegenwartshandlung war reibungsloser und klarer, so dass ich hier besser zurecht und hineingekommen bin in die aktuelle Handlung.

 

Ich habe mich allerdings mehr als einmal gefragt, warum das Buch in zwei Bücher aufgeteilt wurde. Aus meiner Sicht wären in beiden Büchern Kürzungen ohne Verlust an „Gehalt“ möglich gewesen. Darüber hinaus hätte man sich viele Erläuterungen im zweiten Buch gespart. Klar, es wäre dann ein 600-Seiten-Epos gewesen, aber dies ist bei Familiengeschichten auf zwei Zeitebenen nichts ungewöhnliches und hätte mir persönlich besser gefallen als die Aufteilung in eine Dilogie, bei der die Erscheinungsdaten viele Monate auseinander liegen.

 

Beide Romane sind sicherlich gute Unterhaltungslektüre und durch ihr besonderes Setting Hawaii und das Thema Astronomie sticht insbesondere der erste Teil auch aus der Masse heraus. Der zweite Teil spielt hauptsächlich in Deutschland und der historische Teil in New York, was nicht mehr ganz so exotisch ist. Die Schicksale der Protagonisten werden konsequent weitererzählt und im Gegenwartsteil erleben wir insbesondere Emmas schwierige Trennungsphase von ihrem Exfreund und ihre innerliche Auseinandersetzung damit, von ihm schwanger zu sein. Wer eine romantische Liebesgeschichte sucht, ist also mit diesem Band nicht so gut beraten. Mich persönlich konnte dieser zweite Band nicht ganz so fesseln wie der erste, auch wenn er letztlich natürlich den logischen Abschluss aller Erzählstränge enthält.


Fazit:

Band 1 war top, Band 2 ergänzt ihn und klärt die noch offenen Erzählstränge auf. Allerdings konnte ich Band 1 etwas mehr genießen als Band 2.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.09.2025

Leider sind Gro und ich keine Freundinnen geworden

Die Frau und der Fjord
0

Ich wollte die Geschichte so gern mögen, aber Protagonistin Gro und ich sind leider keine Freundinnen geworden. Mir ist bewusst, dass man bei Trauerbewältigung andere Maßstäbe anlegen muss. Dennoch fand ...

Ich wollte die Geschichte so gern mögen, aber Protagonistin Gro und ich sind leider keine Freundinnen geworden. Mir ist bewusst, dass man bei Trauerbewältigung andere Maßstäbe anlegen muss. Dennoch fand ich beispielsweise die Entscheidung, als Einsiedlerin im Polarwinter bewusst auf Handy und Internet zu verzichten, nicht nur gewagt, sondern einfach leichtsinnig. Über ihre Tat bei der Beisetzung ihres Mannes (ich will nicht spoilern, daher nichts Näheres) war ich entsetzt. Und dass die Schwiegermutter so eindimensional negativ gezeichnet war, während Gro diejenige war, die ihren Mann natürlich immer verstanden hat... ich konnte es nicht wirklich glauben.

Wirklich gut gefallen haben mir an dem Roman eher die kleinen Nebenhandlungen. Wie Gro den kleinen Vogel aufpäppelt. Wie sie versucht, alles nachhaltig zu nutzen was die Natur ihr bietet... da konnte ich mich in sie hineinversetzen. In vielen anderen Momenten leider nicht, so dass es für mich "nur" ein durchschnittliches Leseerlebnis war.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2025

Atmosphärisch und besonders

Moorlande
0


Schon allein das Cover ist ein Hingucker. Das Auge wird übersättigt von einem Gewirr aus Pflanzen, aus dem wie kleine Inseln wunderschöne Blüten sprießen. Eine Metapher zum Inhalt des Buches?


Denn ...


Schon allein das Cover ist ein Hingucker. Das Auge wird übersättigt von einem Gewirr aus Pflanzen, aus dem wie kleine Inseln wunderschöne Blüten sprießen. Eine Metapher zum Inhalt des Buches?


Denn der Roman erzählt von den weiblichen Mitgliedern einer Familie weitab in den Sümpfen von Michigan, auf einer kleinen Insel. Diese Frauen sind unabhängig, unbeugsam und frei. Doch Donkey, die nach der Eselsmilch benannt ist, mit der sie als Säugling aufgezogen wurde, hinterfragt die Geschichte und Geschichten der besonderen familiären Struktur. Und so entspinnt sich eine Geschichte, die kraftvoll ist und nicht immer angenehm, die anprangert, aber auch auffängt, die an- und abstößt.

Es gibt viel, viel, viel Natur in diesem Buch - ich denke der oft gebrauchte Begriff „Nature Writing“ ist hier angebracht, denn Handlung und Rahmen (die Insel in den Sümpfen) bilden hier eine Einheit. Die Geschichte würde ohne die Natur nicht funktionieren, das Setting ist aber auch essentiell für die Eindringlichkeit des erzählten Plots.

Mit dem Schreibstil hatte ich anfangs ein wenig Probleme, ich finde man muss sich einlassen auf die Erzählweise und auch auf die Art, wie die Autorin die Charaktere lebendig werden lässt. Es hat eine Weile gebraucht, bis ich mich daran gewöhnt hatte und bis zum Schluss bin ich damit nicht so 100%ig warm geworden. Trotzdem kann ich verstehen, dass die Story genau so erzählt wird, denn dadurch gewinnt sie an Bedeutung.

Die Hauptthemen des Romans - weibliche Selbstbestimmung, Familie und ihr Zusammenhalt sowie Natur(verbundenheit)  - werden hier zu einem atmosphärischen Buch verflochten, das ich gern gelesen habe, auch wenn es mir beim Lesen Konzentration abgefordert hat und ich mit einigen Figuren nicht richtig warm geworden bin.

Ich würde den Roman nicht unbedingt als „Entspannungslektüre“ empfehlen, sondern schon eher als Anreiz, um sich mit den Themen des Buches auseinanderzusetzen und zu hinterfragen, ob in der doch recht eigenwilligen Welt des Romans und ihrer Figuren nicht doch sehr viel von unserem Alltag und den Fragen unserer Zeit steckt.



  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.05.2025

Es wird viiiiiiiel geredet – aber es passiert nicht viel

Die Garnett Girls
0

Die Dynamiken in einer Familie darzustellen ist nicht einfach. Sie anhand eines Romans so darzustellen, dass Leser gefesselt werden, obwohl das Buch nicht handlungsorientiert ist, ist noch schwerer. Mich ...

Die Dynamiken in einer Familie darzustellen ist nicht einfach. Sie anhand eines Romans so darzustellen, dass Leser gefesselt werden, obwohl das Buch nicht handlungsorientiert ist, ist noch schwerer. Mich konnte die Autorin mit ihrer Erzählweise leider nicht ganz einfangen.

 

In diesem Roman geht es um Margo und ihre Töchter. Margo, die eine Art „Matriarchin“ ist und das Zepter der Familie in der Hand hält, seit ihr Mann sie vor vielen Jahren verlassen hat. Die drei Töchter Rachel, Imogen und Sasha, die aufgrund ihres Alters damals unterschiedlich viel mitbekommen haben vom großen Familiendrama. Aber es prägt sie alle bis ins Erwachsenenalter.

 

Und so werden die Lebenswege aller vier „Garnett Girls“ (einschließlich Margo) rekapituliert und ihre (derzeitigen) Lebenssituationen analysiert. Alle reden miteinander – und das ist in diesem Buch Fluch und Segen zugleich. So schön es ist, ein Buch zu lesen, in dem die Protagonistinnen tatsächlich mal alle miteinander sprechen. Aber wenn sie ständig miteinander sprechen, ohne dass es zu etwas führt, wird es zäh… Hier hatte ich leider den Eindruck, dass endlos geredet wird, die Gespräche aber unproduktiv waren. Somit kam für jede Protagonistin noch ein „Erzählstrang“ dazu, in dem ihre wahren Gedanken und Gefühle thematisiert wurden. Bei mir als Leser führte das dazu, dass ich ein Gewirr von Gedanken (von vier Leuten) aufnahm, welches ich kaum wirklich sortieren konnte. Es wurden viele Baustellen aufgemacht, an denen aber gefühlt endlos gewerkelt wurde. Die Handlung hatte somit auch immer etwas von „angezogener Handbremse“.

 

Ich konnte allerdings gut eintauchen in die Atmosphäre der Isle of Wight und des Sommerhauses, auch wenn ich nichts dagegen gehabt hätte, wenn Setting und Landschaft eine noch größere Rolle gespielt hätten.

 

Was mich ein wenig irritiert hat: Alle vier Frauen schoben die Trennung von Margo und ihrem Mann darauf, dass er ein Trinker war und verteufelten dies. Gleichzeitig schienen alle vier hieraus in keinster Weise gelernt zu haben und schlugen selbst gern über die Stränge. Ich habe die Whiskys und Gin Tonics nicht gezählt, die von den Ladies verbraucht wurden… das fand ich merkwürdig und unreflektiert, da hätte ich mir mehr Auseinandersetzung mit dem Thema gewünscht.


Fazit:

Ein Sommerroman, der wie leichte Wellen am Strand dahinplätschert und der mich zwar gut unterhalten, aber nicht mitgerissen hat.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.01.2025

Für mich erst in der zweiten Hälfte richtig interessant

Sophia und die Suche nach Troja
0

Sophia Engastromenos ist zarte 17 Jahre alt, als ihr der wesentlich ältere Deutsche Heinrich Schliemann als Heiratskandidat vorgestellt wird. Zunächst kann Sophia daher wenig anfangen mit dem Geschäftsmann, ...

Sophia Engastromenos ist zarte 17 Jahre alt, als ihr der wesentlich ältere Deutsche Heinrich Schliemann als Heiratskandidat vorgestellt wird. Zunächst kann Sophia daher wenig anfangen mit dem Geschäftsmann, der sich ausdrücklich eine griechische Frau als zweite Ehegattin wünscht. Am Ende muss Sophia sich fügen und heiratet ihn.

 

Dass sie später selbst einmal Berühmtheit erlangen wird als „die Frau von …“ und Herausgeberin der Biografie ihres berühmt gewordenen Gatten, ahnt sie zu dieser Zeit noch nicht. In der heutigen Zeit kennt man Sophia als unerschrockene Frau, die an den Ausgrabungen ihres Mannes teilnahm und das sagenumwobene Troja (mit)entdeckte.

 

Susanne Lieder blickt zurück auf das Leben von Sophia und - titelgebend - insbesondere ihre Mitwirkung bei der Suche nach der verschollenen Stadt. Doch über die erste Hälfte konnte mich das Buch nicht wirklich packen, da ich mich auf Archäologie und Abenteuer gefreut hatte. Bekommen habe ich in dieser ersten Hälfte vor allem Hauswirtschaft und eheliche Streitereien. Eigentlich hätte das Buch zu diesem Zeitpunkt eher den Titel „Sophia und die Widrigkeiten des Ehelebens“ verdient.

 

 


Wirklich interessant wurde es - zumindest für mich - erst, als es dann tatsächlich um die Grabungen in Hisarlik ging und Sophia auch dort eine größere Rolle spielte. Diesen Teil des Buches mochte ich sehr und habe neben einer spannenden Archäoloiegeschichte auch vieles darüber gelernt, wie man früher bei einer solchen Ausgrabung vorging, wie die Arbeiter behandelt wurden und  wie es zum dem berühmten Foto von Sophie kam, auf dem sie den Schmuck aus dem Schatz des Priamos trägt.

 

Ich hätte mich gefreut, wenn sich das Buch auf diese Zeit konzentriert hätte und (vielleicht nur in Rückblenden) verkürzt von der Anbahnung der Ehe und den ersten Ehejahren erzählt worden wäre. Dann hätte es mich vor allem in der ersten Hälfte mehr bei der Stange halten können. Zwar hat die Autorin mich durchgängig mit Sophia als Person erreichen können, hat sie mir nahegebracht und auch ihre Gedanken und Gefühle gut transportieren können. Ich war jedoch (auch anhand des Titels) auf einen anderen Schwerpunkt des Romans eingestellt und empfand den Anteil der Suche nach Troja daher als etwas zu gering.

 

Wer sollte das Buch zur Hand nehmen?

 

Geschichtsinteressierte Leser*innen, die ganzheitlich an der Person Sophia Schliemann (geb. Engastromenos) interessiert sind und sich nicht nur für die Geschichte rund um Troja, sondern auch für ihre ersten Ehejahre ohne Reisen und archäologischen Background interessieren.

 

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere