Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.09.2025

Etwas langatmig

Die Assistentin
0

Von Caroline Wahl habe ich bereits „22 Bahnen“ und „Windstärke 17“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben. Von ihrem neuesten Werk bin ich allerdings enttäuscht. Vielleicht lag es zum Teil mit daran, ...

Von Caroline Wahl habe ich bereits „22 Bahnen“ und „Windstärke 17“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben. Von ihrem neuesten Werk bin ich allerdings enttäuscht. Vielleicht lag es zum Teil mit daran, dass ich es in der Hörbuch-Version angehört habe. Die Autorin selbst zum Einlesen zu gewinnen, erscheint mir nicht die beste Wahl. Ihre Stimme empfand ich als zu monoton. Aufgefallen sind mir immer wieder ein Lispeln und die Aussprache von „sch“ als „ch“ (z.B. realistich statt realistisch), was in meinen Ohren wie ein Sprachfehler klingt. Von diesen Formalien abgesehen, war die Geschichte als solche recht fesselnd. Die junge Charlotte tritt nach Abschluss ihres Studiums ihre erste Stelle als Assistentin in einem großen Münchner Verlag an, eher auf Drängen ihrer Eltern, die sie nicht mehr finanziell unterstützen wollen, denn eigentlich hätte sie lieber Musik gemacht. In ihrem neuen Umfeld ist Charlotte total unglücklich. Das fängt bereits mit ihrer Wohnung an und setzt sich fort in fehlenden Freunden/Beziehungen und der räumlichen Trennung von ihren Eltern. Das Schlimmste aber ist ihr Chef, ein exzentrischer, despotischer Verleger, der mit Zuckerbrot und Peitsche arbeitet. Charlotte erlebt auf der Arbeit in nur wenigen Monaten viele Facetten von Psychoterror, was sie krank macht. Unterstützung findet sie von kaum jemandem. Die Eltern spielen gar alles herunter und drängen sie zum Durchhalten, solange sie keine andere Stelle hat. Eigentlich alles aktuelle Themen, die im heutigen Arbeitsleben vielleicht gar nicht so selten sind und in denen sich mancher wiederfinden kann. Das Zuhören wurde mit der Zeit allerdings zunehmend mühevoller, weil immer wieder die gleiche Art von Drangsalierungen geschildert wurde. Gestoßen habe ich mich ferner an den vielen stichwortartigen Einblendungen auf zukünftige Ereignisse. Das sollte wohl die Spannung erhöhen, hatte aber den Beigeschmack, schlicht den Umfang der Geschichte zu strecken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2025

Begegnungen mit Menschen

Jahre zwischen Hund und Wolf
0

Ein Roman ohne besondere Handlung, in dem das Augenmerk auf verschiedene Personen gerichtet ist, die sich in irgendeinem Lebensumbruch befinden. Wichtigste unter ihnen ist der deutsche Comic-Zeichner Hardy, ...

Ein Roman ohne besondere Handlung, in dem das Augenmerk auf verschiedene Personen gerichtet ist, die sich in irgendeinem Lebensumbruch befinden. Wichtigste unter ihnen ist der deutsche Comic-Zeichner Hardy, der sich in einem Dorf in der Normandie niedergelassen hat und dort am Strand eine Erkennungsmarke aus dem Zweiten Weltkrieg findet, die ihn die Bekanntschaft mit der Deutschen Gisela machen lässt (übrigens ein derart gekünstelter Erzählstrang, der verzichtbar gewesen wäre) und der unverhofft einen Hund erbt, was die bis dahin gut verdrängte Erinnerung an ein gesetzloses Verhältnis vor Jahrzehnten zurückruft. Auch die weiteren Personen sind aus Hardys Umfeld und stehen vor Veränderungen im Leben – u.a. seine Lebensgefährtin, deren Vater verstirbt; seine Nachbarin, die den immer im Familienbesitz befindlichen Hof verkaufen will; ein befreundeter Polizist, der Schürzenjäger ist und in den Ruhestand geschickt wird. Alles nichts Besonderes. Weil der Plot allerdings in der Normandie angesiedelt ist, gibt es den ein oder anderen interessanten Hinweis auf den D-Day. Woran ich mich schon sehr gestoßen habe, war, wie oft das Wort „Notfallzigarette“ fällt, zu der Hardy regelmäßig greift, und wie die Figuren immer wieder zum Alkohol greifen und anschließend auch noch Auto fahren, betonend, dass auf dem Dorf eh keine Polizeikontrollen stattfinden.
Während mir der frühere Roman „Mitgift“ des Autoren gefallen hat, lässt der vorliegende mich etwas enttäuscht zurück.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.07.2025

Ein ungewöhnliches Buch

Die Schrecken der anderen
0

Ich fand es verwirrend, dieses Buch zu lesen. Lange Zeit fehlte der berühmte rote Faden, den es erst gegen Ende der Geschichte gab, ganz entsprechend der Ankündigung auf der Buchrückseite. Deshalb habe ...

Ich fand es verwirrend, dieses Buch zu lesen. Lange Zeit fehlte der berühmte rote Faden, den es erst gegen Ende der Geschichte gab, ganz entsprechend der Ankündigung auf der Buchrückseite. Deshalb habe ich über weite Abschnitte hinweg das Thema nicht verstanden. Erst nach und nach dämmerte es mir, dass es um bei Ende des Zweiten Weltkriegs ins Ausland transferierte Nazigelder geht, die in der Gegenwart über Seilschaften ihren Weg zurück in die (neutrale!) Schweiz gefunden haben, wo sie von entsprechenden Gruppierungen zur Verbreitung ihres unrühmlichen Gedankenguts benutzt werden sollen. Das alles wird uns anhand einiger weniger Personen dargebracht, die allesamt etwas schrullig sind. Es geht der Autorin offenbar darum, auf die Gefahren hinzuweisen, die vom Totschweigen der nationalsozialistischen Vergangenheit auch der Schweiz ausgehen. Die gesamte Atmosphäre in der Geschichte ist düster und unheilvoll. Zwei Gesichtspunkte sollte man bei der Lektüre stets im Hinterkopf behalten, auf die auch eine der Protagonisten hinweist: Nichts läuft je ins Leere, sondern alles ist miteinander verbunden; ein kleiner Stein kann eine große Lawine unaufhaltbar ins Rollen bringen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.06.2025

Familiengeschichte

Stromlinien
0

Bei der Lektüre des immerhin 510 Seiten umfassenden Romans bin ich nur deshalb am Ball geblieben um zu erfahren, wie sich alles in dieser einem Krimi ähnelnden und deshalb durchaus spannenden Geschichte ...

Bei der Lektüre des immerhin 510 Seiten umfassenden Romans bin ich nur deshalb am Ball geblieben um zu erfahren, wie sich alles in dieser einem Krimi ähnelnden und deshalb durchaus spannenden Geschichte am Ende auflöst. Doch richtig packen konnte sie mich nicht. Gefremdelt habe ich bereits mit den für mich fremd klingenden Vornamen der meisten Protagonistinnen, mit denen ich überhaupt nicht warm werden konnte. Geht es hierbei natürlich nur um eine Belanglosigkeit, so wiegt mein anderer Kritikpunkt schon sehr viel schwerer – die Geschichte ist zu konstruiert und nicht recht nachvollziehbar. Das fängt damit an, dass sich die Wege von drei Generationen zweier Familien über ein ganzes Jahrhundert hinweg immer wieder kreuzen und die Mitglieder der einen immer mehrfach kriminelle Handlungen begehen, die sich zum Nachteil der anderen auswirken. Es gibt viel zu viele Tote. Ganz abstrus aber ist, dass eine Frau der mittleren Generation im ganz jungen Erwachsenenalter und unbescholten bis dahin zu einer achtunddreißigjährigen Freiheitsstrafe wegen vermeintlicher Begehung einer linksextremistischer Straftat verurteilt wird und diese dann auf einer Gefängnisinsel verbüßt, während der Haft sogar noch Zwillingstöchter zur Welt bringt, mit denen sie erst nach siebzehn Jahren ein gemeinsames Leben in Freiheit führen kann. In unserem Rechtssystem ginge es doch merkwürdig zu, wenn man das Handeln der jungen Täterin derart verkennen und ihrem von ihr selbst vorgeschobenen Verhalten aufsitzen würde. Dieses Konstrukt können dann auch nicht die atmosphärischen Naturbeschreibungen in den Elbmarschen ausgleichen, die ihrerseits die Region zu sehr romantisieren.
Am ehesten ist das Buch etwas für eine jüngere Leserschaft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.06.2025

Etwas langweilig

Halbinsel
0

Ich kenne bereits die früheren Bücher der Autorin „Nebenan“ und „Die Glücklichen“. Im Vergleich zu diesen schneidet ihr neuester Roman nicht gut ab. Der Fokus wird auf eine Mutter-Tochter-Beziehung gelegt, ...

Ich kenne bereits die früheren Bücher der Autorin „Nebenan“ und „Die Glücklichen“. Im Vergleich zu diesen schneidet ihr neuester Roman nicht gut ab. Der Fokus wird auf eine Mutter-Tochter-Beziehung gelegt, die nicht unbedingt schwierig, aber durchaus holprig ist, nachdem die 25jährige Tochter nach einem Burn-out wieder in ihr Kinderzimmer zieht und vom Aufbau eines eigenständigen Lebens keine Rede mehr sein kann. Auch die Mutter ist unzufrieden mit ihrer jetzigen Lebenssituation und zieht vage Veränderungen in Betracht. Was eigentlich zwischen beiden zu stehen scheint, ist der frühe Tod des Ehemannes bzw. Vaters. Anstatt sich auf diese allein doch schon anspruchsvolle Thematik zu fokussieren, bezieht die Autorin weitere schwierige Themen ein, wie etwa Umweltschutzprogramme, das Tun von Klimaaktivisten. Dadurch wird jeder einzelne Aspekt letztlich nur angerissen. Gänzlich verzichtbar war für mich z.B. die sich anbahnende amouröse Beziehung zwischen der fast 50jährigen Mutter und ihrem bald 20 Jahre jüngeren neuen Nachbarn. Vom Stil her ist der Text typisch für Bilkau, ruhig und bedächtig. Er wird gestört durch das eine oder andere negative Szenario, wie das Ausreißen eines Pferdes im Watt.
Eine Leseempfehlung würde ich für dieses Buch nicht unbedingt geben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere