Kritischer Blick auf das Leistungsturnen
Die RoutinenMan meint es bei diesem Roman mit der Autobiografie einer Leistungsturnerin zu tun zu haben. Denn aus jeder Zeile springt Insider-Wissen aus der Welt des Mädchen-Leistungsturnens hervor. Umso erstaunlicher, ...
Man meint es bei diesem Roman mit der Autobiografie einer Leistungsturnerin zu tun zu haben. Denn aus jeder Zeile springt Insider-Wissen aus der Welt des Mädchen-Leistungsturnens hervor. Umso erstaunlicher, dass die Autorin gar keine Turnerin ist. Es handelt sich um die schonungslose Offenlegung aller Missstände, die im Leistungssport bis in die jüngste Vergangenheit bestanden haben (oder vielleicht noch bestehen?), und die Abrechnung mit diesem Sport. Beides geschieht stellvertretend durch die Ich-Erzählerin Amik, deren Sportkarriere gerade beendet ist, und der jungen Turnerin Izzy, die sie unter ihre Fittiche nimmt und die gerade einen schweren Unfall bei Ausübung ihres Sports hatte. Eindringlich geht sie auf den Leistungsdruck ein, den Missbrauch durch Trainer und Ärzte, die Schikanen, Erniedrigungen, die verpassten Kindheiten. Dies zu lesen, macht wirklich betroffen. Die gesamte Geschichte wird von diesen Themen beherrscht. Ein Leben außerhalb des Sports scheinen die Turnerinnen nicht zu haben. Dazu passt gut die niemals an Eindringlichkeit verlierende, fast kalt wirkende Sprache. Interessant sind die kurzen Einschübe zu weltbekannten Turnerinnen, z.B. Olga Korbut und Simone Biles.
Wer sich für Sport interessiert, wird dieses Buch mögen; andere werden eher eine fortschreitende Handlung vermissen.