Profilbild von uli123

uli123

Lesejury Star
offline

uli123 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit uli123 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.01.2026

Kritischer Blick auf das Leistungsturnen

Die Routinen
0

Man meint es bei diesem Roman mit der Autobiografie einer Leistungsturnerin zu tun zu haben. Denn aus jeder Zeile springt Insider-Wissen aus der Welt des Mädchen-Leistungsturnens hervor. Umso erstaunlicher, ...

Man meint es bei diesem Roman mit der Autobiografie einer Leistungsturnerin zu tun zu haben. Denn aus jeder Zeile springt Insider-Wissen aus der Welt des Mädchen-Leistungsturnens hervor. Umso erstaunlicher, dass die Autorin gar keine Turnerin ist. Es handelt sich um die schonungslose Offenlegung aller Missstände, die im Leistungssport bis in die jüngste Vergangenheit bestanden haben (oder vielleicht noch bestehen?), und die Abrechnung mit diesem Sport. Beides geschieht stellvertretend durch die Ich-Erzählerin Amik, deren Sportkarriere gerade beendet ist, und der jungen Turnerin Izzy, die sie unter ihre Fittiche nimmt und die gerade einen schweren Unfall bei Ausübung ihres Sports hatte. Eindringlich geht sie auf den Leistungsdruck ein, den Missbrauch durch Trainer und Ärzte, die Schikanen, Erniedrigungen, die verpassten Kindheiten. Dies zu lesen, macht wirklich betroffen. Die gesamte Geschichte wird von diesen Themen beherrscht. Ein Leben außerhalb des Sports scheinen die Turnerinnen nicht zu haben. Dazu passt gut die niemals an Eindringlichkeit verlierende, fast kalt wirkende Sprache. Interessant sind die kurzen Einschübe zu weltbekannten Turnerinnen, z.B. Olga Korbut und Simone Biles.
Wer sich für Sport interessiert, wird dieses Buch mögen; andere werden eher eine fortschreitende Handlung vermissen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.01.2026

Momente sammeln

Jetzt gerade ist alles gut
0

Das Buch liest sich schon angesichts seiner Kürze recht schnell. Es ist eine Aneinanderreihung kleiner Erlebnisse, von Zusammentreffen mit Leuten, von Augenblicken im Alltag, die uns der namenlose Erzähler ...

Das Buch liest sich schon angesichts seiner Kürze recht schnell. Es ist eine Aneinanderreihung kleiner Erlebnisse, von Zusammentreffen mit Leuten, von Augenblicken im Alltag, die uns der namenlose Erzähler aus seinem Leben schildert, nachdem er eine lebensbedrohliche Sepsis knapp überlebt hat. So geht es etwa um kleine Ausflüge, Besuche von Angehörigen, Unternehmungen mit alten und neuen Freunden. Die Krankheit hat ihn veranlasst, achtsamer und nachdenklicher in der Gegenwart zu leben. Und dazu will er auch den Leser bringen. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein, ist aber angesichts des schnelllebigen Alltags nicht immer realisierbar. Ich kenne bereits den vorigen Roman des Autors, „25 letzte Sommer“, der stilistisch ähnlich ist. Richtig warm werden kann ich mit beiden Büchern nicht, was wohl auch daran liegt, dass sie zu kurz sind und keine zusammenhängende Geschichte erzählt wird.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2025

Ein Roman mit Bullerbü-Atmosphäre

Mathilde und Marie
0

Schon nach kurzer Lektürezeit kam mir der Begriff „Bullerbü-Atmosphäre“ in den Sinn. Die gesamte Geschichte ist für mich zu naturnah und idyllisch angelegt, weshalb sie schlichtweg unglaubwürdig ist. Der ...

Schon nach kurzer Lektürezeit kam mir der Begriff „Bullerbü-Atmosphäre“ in den Sinn. Die gesamte Geschichte ist für mich zu naturnah und idyllisch angelegt, weshalb sie schlichtweg unglaubwürdig ist. Der Autor hat sich von dem existierenden Bücherdorf Redu in der belgischen Provinz inspirieren lassen. Dort gibt es tatsächlich gemessen an der nur mehrere Hundert zählenden Einwohnerschaft eine ungewöhnlich hohe Anzahl von Buchantiquariaten. Hinzu erfunden hat er dann die junge Marie, die, belastet durch persönliche Probleme, aus ihrer Heimat Paris flieht und durch eine Reisebekanntschaft nach Redu gelang, wo sie binnen kürzester Zeit zu einer Art beste Freundin und Kümmerin für eine Handvoll Dorfbewohner nebst Hund wird und rasch die Hektik der Großstadt für einen Neuanfang auf dem Dorf hinter sich lässt. Für eine Entschleunigung des Lebens ist dieses Dorf auch geradezu prädestiniert, weil es dort nur eine Stunde am Tag Internet gibt.
Für mich war alles zu vorhersehbar und rosarot gezeichnet. Probleme lösten sich binnen kürzester Zeit auf, als hätte das Dorf nur auf Marie gewartet. Statt einer fortschreitenden Handlung wurden die immer selben Probleme immerfort bis zum Extenso erörtert. Gestört habe ich mich oft an merkwürdigen Bezeichnungen für die Romanfiguren – von Marie war oft als „die junge Französin“ die Rede, von Jonyna als „die Isländerin“, von Thomas als „der Bäcker“.
Mich konnte das Buch nicht verzaubern.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2025

Was sind Erinnerungen?

Sonnenaufgang Nr. 5
0

Das Buch ist sicherlich eines, das man nebenbei lesen kann, weil es recht unterhaltsam ist. Mir allerdings fehlt der Tiefgang und Vieles wirkt auf mich konstruiert. Besonders gekünstelt finde ich, dass ...

Das Buch ist sicherlich eines, das man nebenbei lesen kann, weil es recht unterhaltsam ist. Mir allerdings fehlt der Tiefgang und Vieles wirkt auf mich konstruiert. Besonders gekünstelt finde ich, dass alle Personen, denen wir in der Geschichte begegnen, ihr Päckchen zu tragen haben. Erwähnen möchte ich nur: Jonas, der sein Studium geschmissen hat und immer noch nicht den Verlust seiner im Kindesalter verstorbenen Mutter überwunden hat; die ehemalige, alternde Filmdiva Stella, die sich die Schuld am Tod ihres als Kleinkind ertrunkenen Sohnes gibt; die nach dem Tsunami in Asien in Deutschland von Pflegeeltern aufgenommene Nessa; der von seinen Schülern einst gemobbte ehemalige Kunstlehrer Geraldo. Sicherlich, ihre Schicksale berühren und es war interessant zu lesen, wie unterschiedlich Erinnerungen erlebt werden, so dass Fiktion und Realität sich vermischen. Ich vermisse aber das gewisse Etwas, das mich nachhaltiger an das Buch denken ließe. Dabei ist nicht zu verkennen, dass einige philosophische Ansätze eingearbeitet sind, die sich mit den angesprochenen Themen Trauer, Verlust, Einsamkeit, Verdrängung von Erinnerungen befassen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.09.2025

Etwas langatmig

Die Assistentin
0

Von Caroline Wahl habe ich bereits „22 Bahnen“ und „Windstärke 17“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben. Von ihrem neuesten Werk bin ich allerdings enttäuscht. Vielleicht lag es zum Teil mit daran, ...

Von Caroline Wahl habe ich bereits „22 Bahnen“ und „Windstärke 17“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben. Von ihrem neuesten Werk bin ich allerdings enttäuscht. Vielleicht lag es zum Teil mit daran, dass ich es in der Hörbuch-Version angehört habe. Die Autorin selbst zum Einlesen zu gewinnen, erscheint mir nicht die beste Wahl. Ihre Stimme empfand ich als zu monoton. Aufgefallen sind mir immer wieder ein Lispeln und die Aussprache von „sch“ als „ch“ (z.B. realistich statt realistisch), was in meinen Ohren wie ein Sprachfehler klingt. Von diesen Formalien abgesehen, war die Geschichte als solche recht fesselnd. Die junge Charlotte tritt nach Abschluss ihres Studiums ihre erste Stelle als Assistentin in einem großen Münchner Verlag an, eher auf Drängen ihrer Eltern, die sie nicht mehr finanziell unterstützen wollen, denn eigentlich hätte sie lieber Musik gemacht. In ihrem neuen Umfeld ist Charlotte total unglücklich. Das fängt bereits mit ihrer Wohnung an und setzt sich fort in fehlenden Freunden/Beziehungen und der räumlichen Trennung von ihren Eltern. Das Schlimmste aber ist ihr Chef, ein exzentrischer, despotischer Verleger, der mit Zuckerbrot und Peitsche arbeitet. Charlotte erlebt auf der Arbeit in nur wenigen Monaten viele Facetten von Psychoterror, was sie krank macht. Unterstützung findet sie von kaum jemandem. Die Eltern spielen gar alles herunter und drängen sie zum Durchhalten, solange sie keine andere Stelle hat. Eigentlich alles aktuelle Themen, die im heutigen Arbeitsleben vielleicht gar nicht so selten sind und in denen sich mancher wiederfinden kann. Das Zuhören wurde mit der Zeit allerdings zunehmend mühevoller, weil immer wieder die gleiche Art von Drangsalierungen geschildert wurde. Gestoßen habe ich mich ferner an den vielen stichwortartigen Einblendungen auf zukünftige Ereignisse. Das sollte wohl die Spannung erhöhen, hatte aber den Beigeschmack, schlicht den Umfang der Geschichte zu strecken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere