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Veröffentlicht am 18.07.2025

Ein ungewöhnliches Buch

Die Schrecken der anderen
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Ich fand es verwirrend, dieses Buch zu lesen. Lange Zeit fehlte der berühmte rote Faden, den es erst gegen Ende der Geschichte gab, ganz entsprechend der Ankündigung auf der Buchrückseite. Deshalb habe ...

Ich fand es verwirrend, dieses Buch zu lesen. Lange Zeit fehlte der berühmte rote Faden, den es erst gegen Ende der Geschichte gab, ganz entsprechend der Ankündigung auf der Buchrückseite. Deshalb habe ich über weite Abschnitte hinweg das Thema nicht verstanden. Erst nach und nach dämmerte es mir, dass es um bei Ende des Zweiten Weltkriegs ins Ausland transferierte Nazigelder geht, die in der Gegenwart über Seilschaften ihren Weg zurück in die (neutrale!) Schweiz gefunden haben, wo sie von entsprechenden Gruppierungen zur Verbreitung ihres unrühmlichen Gedankenguts benutzt werden sollen. Das alles wird uns anhand einiger weniger Personen dargebracht, die allesamt etwas schrullig sind. Es geht der Autorin offenbar darum, auf die Gefahren hinzuweisen, die vom Totschweigen der nationalsozialistischen Vergangenheit auch der Schweiz ausgehen. Die gesamte Atmosphäre in der Geschichte ist düster und unheilvoll. Zwei Gesichtspunkte sollte man bei der Lektüre stets im Hinterkopf behalten, auf die auch eine der Protagonisten hinweist: Nichts läuft je ins Leere, sondern alles ist miteinander verbunden; ein kleiner Stein kann eine große Lawine unaufhaltbar ins Rollen bringen.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Familiengeschichte

Stromlinien
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Bei der Lektüre des immerhin 510 Seiten umfassenden Romans bin ich nur deshalb am Ball geblieben um zu erfahren, wie sich alles in dieser einem Krimi ähnelnden und deshalb durchaus spannenden Geschichte ...

Bei der Lektüre des immerhin 510 Seiten umfassenden Romans bin ich nur deshalb am Ball geblieben um zu erfahren, wie sich alles in dieser einem Krimi ähnelnden und deshalb durchaus spannenden Geschichte am Ende auflöst. Doch richtig packen konnte sie mich nicht. Gefremdelt habe ich bereits mit den für mich fremd klingenden Vornamen der meisten Protagonistinnen, mit denen ich überhaupt nicht warm werden konnte. Geht es hierbei natürlich nur um eine Belanglosigkeit, so wiegt mein anderer Kritikpunkt schon sehr viel schwerer – die Geschichte ist zu konstruiert und nicht recht nachvollziehbar. Das fängt damit an, dass sich die Wege von drei Generationen zweier Familien über ein ganzes Jahrhundert hinweg immer wieder kreuzen und die Mitglieder der einen immer mehrfach kriminelle Handlungen begehen, die sich zum Nachteil der anderen auswirken. Es gibt viel zu viele Tote. Ganz abstrus aber ist, dass eine Frau der mittleren Generation im ganz jungen Erwachsenenalter und unbescholten bis dahin zu einer achtunddreißigjährigen Freiheitsstrafe wegen vermeintlicher Begehung einer linksextremistischer Straftat verurteilt wird und diese dann auf einer Gefängnisinsel verbüßt, während der Haft sogar noch Zwillingstöchter zur Welt bringt, mit denen sie erst nach siebzehn Jahren ein gemeinsames Leben in Freiheit führen kann. In unserem Rechtssystem ginge es doch merkwürdig zu, wenn man das Handeln der jungen Täterin derart verkennen und ihrem von ihr selbst vorgeschobenen Verhalten aufsitzen würde. Dieses Konstrukt können dann auch nicht die atmosphärischen Naturbeschreibungen in den Elbmarschen ausgleichen, die ihrerseits die Region zu sehr romantisieren.
Am ehesten ist das Buch etwas für eine jüngere Leserschaft.

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Etwas langweilig

Halbinsel
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Ich kenne bereits die früheren Bücher der Autorin „Nebenan“ und „Die Glücklichen“. Im Vergleich zu diesen schneidet ihr neuester Roman nicht gut ab. Der Fokus wird auf eine Mutter-Tochter-Beziehung gelegt, ...

Ich kenne bereits die früheren Bücher der Autorin „Nebenan“ und „Die Glücklichen“. Im Vergleich zu diesen schneidet ihr neuester Roman nicht gut ab. Der Fokus wird auf eine Mutter-Tochter-Beziehung gelegt, die nicht unbedingt schwierig, aber durchaus holprig ist, nachdem die 25jährige Tochter nach einem Burn-out wieder in ihr Kinderzimmer zieht und vom Aufbau eines eigenständigen Lebens keine Rede mehr sein kann. Auch die Mutter ist unzufrieden mit ihrer jetzigen Lebenssituation und zieht vage Veränderungen in Betracht. Was eigentlich zwischen beiden zu stehen scheint, ist der frühe Tod des Ehemannes bzw. Vaters. Anstatt sich auf diese allein doch schon anspruchsvolle Thematik zu fokussieren, bezieht die Autorin weitere schwierige Themen ein, wie etwa Umweltschutzprogramme, das Tun von Klimaaktivisten. Dadurch wird jeder einzelne Aspekt letztlich nur angerissen. Gänzlich verzichtbar war für mich z.B. die sich anbahnende amouröse Beziehung zwischen der fast 50jährigen Mutter und ihrem bald 20 Jahre jüngeren neuen Nachbarn. Vom Stil her ist der Text typisch für Bilkau, ruhig und bedächtig. Er wird gestört durch das eine oder andere negative Szenario, wie das Ausreißen eines Pferdes im Watt.
Eine Leseempfehlung würde ich für dieses Buch nicht unbedingt geben.

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Veröffentlicht am 04.06.2025

Eine Stadt im Nationalsozialismus

Ginsterburg
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Vom Autor kenne ich bereits seine Romane „So, und jetzt kommst du“ sowie „Seemann vom Siebener“, die ich gerne gelesen habe. Sein neuestes Buch ist ein historischer Roman. In ihm geht es um das Geschehen ...

Vom Autor kenne ich bereits seine Romane „So, und jetzt kommst du“ sowie „Seemann vom Siebener“, die ich gerne gelesen habe. Sein neuestes Buch ist ein historischer Roman. In ihm geht es um das Geschehen in der fiktiven deutschen Stadt Ginsterburg, vor allem aber um das Ergehen einiger ausgewählter Bewohner in der Zeit des Nationalsozialismus, wobei drei einzelne Jahre – 1935, 1940 und 1945 – im Vordergrund stehen. Die in den Fokus gerückten Romanfiguren sind jede für sich etwas speziell. Die einen profitieren wirtschaftlich vom Krieg, die anderen machen eine Karriere aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit, wieder andere verwirklichen ihren Traum vom Kampf fürs Vaterland. Es handelt sich um Kommunisten, Homosexuelle, Juden, alte Kriegshelden. In dieser Häufung und mit ihren Eigenheiten ist deutlich zu merken, dass die Geschichte fiktiv ist. Mit den meisten Personen konnte ich nicht warm werden und das Beenden des Buchs fiel mir letztlich deshalb schwer, weil . thematisch die Betonung zu sehr auf den Kriegshandlungen und den Schilderungen der mit ihnen einhergehenden Grausamkeiten liegt. Etwas Abstand bieten dann Einschübe von zeitlich parallel erschienenen Zeitungsartikeln, Rundfunkbeiträgen, Briefen u.ä.
Lesenswert für Leser mit Interesse am Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Autobiografische Einblicke

Sputnik
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Dieser Roman ist die Fortsetzung von Christian Berkels (ein bekannter deutscher Schauspieler) biografisch geprägten früheren Büchern „Der Apfelbaum“ und „Ada“. Während es dort um die wirklich dramatische ...

Dieser Roman ist die Fortsetzung von Christian Berkels (ein bekannter deutscher Schauspieler) biografisch geprägten früheren Büchern „Der Apfelbaum“ und „Ada“. Während es dort um die wirklich dramatische und schillernde Vergangenheit seiner Eltern sowie deren Vorfahren während des Nationalsozialismus bzw. um seine ältere Schwester als einer gegen das Schweigen der Elterngeneration ankämpfenden 68erin ging, steht nunmehr sein eigenes Leben von Kindheit bis zum jungen Erwachsenenalter im Fokus. Für mich ist das neueste Buch allerdings das am wenigsten gelungenste dieser Trilogie. Das fing bereits gleich zu Beginn der Lektüre an. Ich fand es befremdend, der Zeugung des Erzählers so viel Raum zu geben. Dieser Kreis schließt sich dann allerdings am Ende des Buches, als sich Berkel mit einem Trupp von Schauspielerkollegen wie ein Fötus bewegen soll. Von dem dazwischen liegenden Teil fand ich wirklich interessant und lesenswert die Schilderungen zu Berkels Kindheit und Jugend bis zum Alter von 15 Jahren. Ab seinem Aufenthalt in Frankreich (also ab S.137) ging es dann im Wesentlichen nur noch um die – zudem noch eher bruchstückhaft gehaltene - Aneinanderreihung seiner aufeinanderfolgenden Stationen und seiner Vita als Schauspieler, die für den normalen Leser wie mich uninteressant sind. Wenngleich alles sachlich erzählt wird und Berkel es vermeidet, einen selbstgefälligen Eindruck zu vermitteln, konnte mich dieser Teil absolut nicht gefangen nehmen. Einzige Ausnahme war dann gegen Ende noch einmal die Passage, in der seine Eltern und deren gleichaltrige Freunde anlässlich der TV-Verfilmung „Holocaust“ ihre NS-Vergangenheit diskutieren. Etwas gestört hat mich letztendlich die wiederholte Beschreibung der Drogenerfahrungen Berkels. Solche intimen Einblicke in das eigene Leben eines Schauspielers muss ich nicht lesen.

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