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Veröffentlicht am 07.06.2025

Abteilung für Übernatürliches

Guardian 1. Seelenwächter
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Zhao Yunlan ist der Direktor der Abteilung für Übernatürliches und als solcher muss er sich mit außergewöhnlichen Dingen befassen. Zuerst jedoch wird ihm ein neuer Mitarbeiter untergeschoben, der zwar ...

Zhao Yunlan ist der Direktor der Abteilung für Übernatürliches und als solcher muss er sich mit außergewöhnlichen Dingen befassen. Zuerst jedoch wird ihm ein neuer Mitarbeiter untergeschoben, der zwar nicht qualifiziert, aber dafür der Neffe eines hochrangigen Ministeriumsangestellten ist. Sie machen sich auf den Weg zu einem Tatort: Eine junge Frau ist unter mysteriösen Umständen gestorben. Geistererscheinungen, eine sprechende Katze, unheimliche Halbgötter der Unterwelt und ebenso unheimliche Wesen haben ihren Auftritt in den folgenden Tagen. Dazu kommt, dass sich Yunlan in den Intellektuellen Shen Wei verliebt, hinter dessen schüchternen Fassade weitaus mehr steckt, als man zunächst annimmt.

Ich gebe zu, ich habe einfach mehr erwartet. Zumindest keinen oft unsympathischen Protagonisten wie Zhao Yunlan, der die Leute um sich herum oft herablassend und verletzend behandelt. Mir taten gerade seine MitarbeiterInnen immer leid. Dazu kommt, dass sich die ganze Geschichte wie eine Art Fanfiction liest, die irgendwann mal kapitelweise irgendwo eingestellt wurde und bei der nicht unbedingt alle Kapitel immer zueinander passten bzw. einfach irgendwer irgendwas machte ohne dass ein echter Grund oder wenigstens Hintergrund ausgearbeitet wurde. So ist auch die sprechende Katze oder die verschiedenen Wesen, die in der Abteilung arbeiten, zwar ein nettes Gimmick, hätte aber viel mehr zur Geschichte beitragen können. Auch was Shen Wei angeht, war eigentlich von seinem ersten Auftritt klar, wer er ist bzw. welche Aufgabe er hat. Alles in allem konnte mich das Buch nicht wirklich abholen und ich glaube auch nicht, dass ich die Reihe weiterverfolgen werde.

Veröffentlicht am 25.02.2025

Wild Wild West East

Kummersee
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Vor mehr als dreißig Jahren hat die Polizistin und Personenschützerin Lena im Kummersee ihren Bruder verloren, der bei dem Versuch, sie zu retten, selbst ertrunken ist. Die damals Neunjährige war überzeugt ...

Vor mehr als dreißig Jahren hat die Polizistin und Personenschützerin Lena im Kummersee ihren Bruder verloren, der bei dem Versuch, sie zu retten, selbst ertrunken ist. Die damals Neunjährige war überzeugt davon, ein Monster gesehen zu haben, doch niemand glaubte ihr. Jetzt kehrt Lena mit Vermessern in ihre alte Heimat zurück, doch niemand ist davon begeistert. Die Vermesser sollen herausfinden, ob man ein Atomendlager in der Gegend anlegen kann; nicht nur Umweltschützer gehen auf die Barrikaden. Dann stirbt zuerst einer der Vermesser, dann jugendliche Umweltschützer und Lena erkennt, dass alles nicht nur mit dem Kummersee zusammenhängt, sondern auch mit ihrer eigenen Vergangenheit.

Ich weiß gar nicht so recht, was ich von der Geschichte halten soll. Der Prolog war sehr stimmig und konnte gut mitnehmen, doch dann ging es mit der Gegenwart und der erwachsenen Lena weiter. Und ganz ehrlich: Ich glaube nicht, dass Lena mit ihren psychischen Problemen überhaupt Polizistin hätte werden können, geschweige denn Personenschützerin. Aber gut. Die Geschichte plätschert eine Weile wie der Kummersee vor sich hin, bis dann die Morde geschehen. Was nach dann nach einer eher zähen Ermittlung folgt, lässt schon manchmal an den Kopf greifen. Die von Angstzuständen geplagte Lena, die noch nie ihrem Leben getaucht ist, geht bei Nacht und Nebel in ein offenes Wasser, taucht auf zehn Meter runter und verteidigt sich da unten gegen ausgebildete Kampfschwimmer. Als wäre das nicht genug, dreht der Autor danach erst völlig auf, als wollte er den etwas zu ruhigen Anfang irgendwie ausgleichen und macht zum Schluss eine wilde All-Out-Shooting-Story draus, bei der gefühlt alle Leute, die im Buch vorkamen, drauf gehen. Dass die Begründung für all die Geschehnisse dann mit einer an den Haaren herbeigezogenen Ost-West-Geschichte erklärt werden, hat mich dann auch nicht mehr groß gestört. Ich sag's, wie es ist: Dank des guten Sprechers erhält das Buch noch wohlwollende 3 Punkte.

Veröffentlicht am 15.01.2025

Profil K

The Killer Profile
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Midnight Jones arbeitet für eine milliardenschwere Biotech-Firma, in der Daten gesammelt und ausgewertet werden. Eines Tages wird ihr ein Profil K angezeigt: ein Mensch, der völlig soziopathisch ist, das ...

Midnight Jones arbeitet für eine milliardenschwere Biotech-Firma, in der Daten gesammelt und ausgewertet werden. Eines Tages wird ihr ein Profil K angezeigt: ein Mensch, der völlig soziopathisch ist, das klassische Beispiel für einen Killer. Midnight meldet das ihren Vorgesetzten, wird aber nicht ernst genommen bzw. wird ihr sogar mit rechtlichen Schritten und Rauswurf gedroht, sollte sie darüber sprechen. Da sich Midnight um ihre beeinträchtigte Zwillingsschwester kümmern muss, hält sie still. Doch dann passieren in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft grauenhafte Morde und ihr wird bewusst, dass auch sie in den Fokus des Killers geraten ist.

Eigentlich ein megaspannendes Thema, zumal es auch die Ethik anspricht: Wer ist das größere Ungeheuer - der Mörder selbst oder diejenigen, die ihn "schaffen"? Dennoch empfand ich die Story unausgewogen. Die Balance zwischen spannendem Krimianteil, reinem, puren Splatter um des Schockeffekts willen und dann lauter cosy Sachen mit der Adoptivoma oder der neuen besten Bäckerfreundin brachte mich ständig aus dem Lesefluss. Dass sich Midnight so sehr um ihre Schwester kümmert, fand ich dabei sehr sympathisch und ihre Überlegungen auch nachvollziehbar. Wer möchte sich schon mit einer milliardenschweren Firma und ihren Anwälten anlegen? Aber seitenweise brutalste, blutige Beschreibungen, wie der Killer sich an den Opfern vergeht ... da verging mir persönlich das Interesse. Das Buch hätte jedenfalls größeres Potenzial gehabt, als schlussendlich ausgeschöpft wurde.

Veröffentlicht am 06.01.2025

Okay, Chefin!

Degrees of Engagement
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Bianca Dimitriou hat soeben ihren Doktortitel erhalten und möchte das feiern. Doch niemand aus ihrem Freundeskreis kommt zu dieser Feier und sie ist stinksauer. Als dann der von ihr heimlich angeschwärmter ...

Bianca Dimitriou hat soeben ihren Doktortitel erhalten und möchte das feiern. Doch niemand aus ihrem Freundeskreis kommt zu dieser Feier und sie ist stinksauer. Als dann der von ihr heimlich angeschwärmter Ex-Kommilitone Xavier Byrne ihr den Vorschlag macht, eine Verlobung zu faken, stimmt sie unter Alkoholeinfluss zu. Und plötzlich können alle ihre FreundInnen zu ihrer angeblichen Verlobungsparty kommen. Das macht sie noch wütender, aber auch schwerer, die Fake-Verlobung einfach so zu lösen. Und plötzlich kommen sich Bianca und Xavier weitaus näher als geplant - allerdings werden sich in kurzer Zeit ihre Wege trennen ...

Ich mag die Stem-Romanzen von Ali Hazelwood sehr gern und ging davon aus, dass es in dieselbe Richtung deutet. Ein bisschen passt es hier, weil sowohl Bianca als auch ihre FreundInnen alles sehr gescheite und gebildete Leute sind. Und Xavier war eine sehr angenehme Green Flag als LI, über den ich mich nicht ein einziges Mal aufregen musste. Das ist ja schon mal immer ein dicker Pluspunkt. Was mich mehr gestört hat, war, dass die beiden - obwohl doch als blitzgescheit beschrieben - nicht ein einziges Mal wenigstens die Möglichkeit diskutiert haben, eine Beziehung irgendwie möglich zu machen. Und dass scheinbar eine Beziehung zwischen zwei Leuten nur funktioniert, wenn man heiratet und Kinder kriegt (oder adoptiert). Niemand schien (trotz eines homosexuellen Paars) auch nur ansatzweise zu glauben, man könne auch anders glücklich werden. Alles steht und fällt mit einem Partner/einer Partnerin. Dazu fand ich die Spice-Szenen eindeutig zu viele. Nichts gegen Sex, aber wenn ich einen Softporno lesen will, dann tue ich das einfach. Ein oder zwei Szenen hätten (mir) hier durchaus gereicht. Es war alles in allem nett mit einem Paar auf Augenhöhe, die sich auch respektvoll behandelt haben (SEHR WICHTIG), aber in großem und ganzen zu wenig (Alleinstellungsmerkmal und Konfliktpotenzial) und zu viel (Familienplanung, Partnerschaft, Sex).

Veröffentlicht am 16.11.2024

Most wanted

Einer kriegt sie alle
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Tommy - mehr als den Vornamen erfahren wir nie, wobei es kein Problem wäre, mehr herauszufinden, vorausgesetzt, die Angaben über ihn stimmen - ist ein Zielfahnder. Das heißt, er sucht Kriminelle, die sich ...

Tommy - mehr als den Vornamen erfahren wir nie, wobei es kein Problem wäre, mehr herauszufinden, vorausgesetzt, die Angaben über ihn stimmen - ist ein Zielfahnder. Das heißt, er sucht Kriminelle, die sich abgesetzt haben, ihrer Strafe entgehen wollen oder nicht gefunden werden, weil die Justiz nicht weiß, wo sie sich aufhalten. Tommy fahndet daher nicht nur in Wien oder Österreich, wo er herkommt, sondern weltweit. Dabei lässt er sich nicht immer nur von modernster Technik leiten, sondern auch von seinen Instinkten.

Manche der Kriminellen sind die most wanted ihrer Zeit und ob Tommy wirklich alle kriegt, weiß ich nicht. Zumindest behauptet das der Autor, aber der behauptet auch, dass eine österreichische Sondereinheit ihre scharfen Hunde wirft: 25 - 30 Kg Lebendgewicht Hund - wer's glaubt? In sechzehn Geschichten berichtet er über Tommy und seine Jagd. Auf Mörder und Mörderinnen, Bankräuber, Kriegsverbrecher. Und ganz ehrlich: Eigentlich sind diese Geschichten ziemlich cool. Eigentlich. Denn plaudern kann er, der Herr Autor. Allerdings kann er auch oft extrem rassistisch und diskriminierend sein, und das ist dann wiederum sehr, sehr uncool. Keine Ahnung, warum da das Lektorat nicht mal mit der Faust auf den Tisch gehauen hat (oder hat es und die schlimmsten Sachen sind schon draußen?). Wer weiß. Bei diesem Buch handelt es sich jedenfalls nicht um ein Sachbuch in dem Sinne, dass tatsächlich akribisch von der Arbeit von Zielfahndern berichtet wird. Ich denke jedenfalls, es gibt mehr als Telefonüberwachung oder das Bemerken von offenen Fenstern. Die Geschichten sind kurzweilig und interessant, und wer über Rassismus und Diskriminierung hinwegsehen kann oder sie überhaupt nicht bemerkt, wird seine reine Freude an Tommy, Andy, Claudia und fliegenden Hunden haben.