Die Liebe sucht ein Zimmer
Die Liebe sucht ein ZimmerDavid Safier kennt man von seinen humorvollen Romanen wie "Mieses Karma" oder "Miss Merkel". Seine Bücher sind ein No-Brainer für mich, denn kaum ein Autor bringt mich mit Worten so zum Lachen wie Safier. ...
David Safier kennt man von seinen humorvollen Romanen wie "Mieses Karma" oder "Miss Merkel". Seine Bücher sind ein No-Brainer für mich, denn kaum ein Autor bringt mich mit Worten so zum Lachen wie Safier.
Doch diesmal wird es tiefsinnig-humorvoll. Eine Tragikomödie. Safier erzählt von einem Theateressemble in Kriegszeiten. Während das Stück läuft, muss sich die Protagonistin entscheiden: Nimmt sie das Angebot ihres Ex an, zu fliehen, oder bleibt sie? Die Ereignisse drehen und wenden sich im Stück, wie bei den Protagonisten. Und so ist es quasi ein Theaterstück im Theaterstück. Während die Aufführung dem Höhepunkt entgegensteuert, tut es auch die Geschichte der Protagonistin. Linear? Das sind sie beide nicht. Safier verbindet seine humorvolle Ader mit Geschichte: Denn dieses Theaterstück gab es wirklich und lediglich die Figuren spinnt Safier drumherum. Ich liebe ein wenig historische Korrektheit in solchen Romanen.
Außergewöhnlich ist der Stil. Entweder liest man einen Roman, oder man liest ein Theaterstück. Aber beides in einem? Auf die Idee muss man erstmal kommen. Doch Safier setzt noch eins oben drauf und so träumt Protagonistin Sara von ihrem eigenen Stück. Dieses baut sich in ihrem inneren immer weiter auf, bis es irgendwann explodiert und mich fassungslos zurücklässt. So bildgewaltig wird die ganze damalige Situation dargestellt. Ein Abwägen der Gefahren, des Nutzen. Was wäre ein jeder bereit zu opfern? Für die Freiheit? Oder für unsere Zukunft? Kann beides überhaupt zusammengehören? Und wird man unter diesem Druck ein anderer Mensch?
Zugegeben, manchmal fiel es mir schwer, am Ball zu bleiben. Sympathien aufzubauen. Weder Sara, noch die anderen sind große Sympathieträger. Sie bleiben weit entfernt, als schaue man wie bei einem Theaterstück nur auf die Fassade und nicht auf das Innenleben. Das macht es oft schwer, einen Roman wirklich zu fühlen.
Safier versucht es also in einem neuen Gewand und lässt seine üblichen Stärken einfließen. Das Buch ist ein besonderes Erlebnis, das sollte man nicht verpassen.