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Veröffentlicht am 08.07.2025

Was geschah diesen Sommer?

Der dunkle Sommer
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Auch dieses Buch von Vera Buck hat mir nach "Das Baumhaus" wieder sehr gut gefallen.
Wir sind diesmal in Sardinien in einem kleinen fiktiven Bergdorf. Botigalli ist ein verlassenen Ort in den Bergen - ...

Auch dieses Buch von Vera Buck hat mir nach "Das Baumhaus" wieder sehr gut gefallen.
Wir sind diesmal in Sardinien in einem kleinen fiktiven Bergdorf. Botigalli ist ein verlassenen Ort in den Bergen - ein Geisterdorf. Alle Häuser stehen leer und werden für einem Euro angeboten, um wieder Leben in die Region zu bringen. Diese Angebote gibt es in bestimmten Gebieten Italiens wirklich und soll gegen das Abwandern am Land wirken.
Die Architektin Tilda erfüllt sich diesen Traum und kauft sich eines der Häuser in Botigalli, wo sie versucht ein neues Leben zu beginnen. Die Halbitalienerin hat nach einem Vorfall alle Brücken in Deutschland abgebrochen. Vor einem Jahr ist ihr Vater verstorben und in seinen Hinterlassenschaften hat sie einen Zeitungsartikel über das sardische Dorf gefunden. Doch als sie mitten in den Renovierungsarbeiten steckt, entdeckt sie, dass doch noch eines der Häuser bewohnt ist und auf ihrem Haus angeblich ein Fluch lastet. Zu Beginn ignoriert sie diese Tatsache, muss sich aber bald eingestehen, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Plötzlich läuten die Kirchenglocken und in ihrem Haus befinden sich Dinge, die vorher nicht da waren.
Tilda trifft auf dem Journalisten Enzo, der sich für die Geschichte des Dorfes interessiert. Vor vierzig Jahren gab es in Botigelli ein Massaker, bei dem es angeblich nur einen Überlebenden gab: Silvio, der noch immer eines der Häuser bewohnt, aber konstant zum Vorfall damals schweigt.
Als eines Tages auch noch Tildas Bruder Nino auftaucht, ist diese nicht wirklich begeistert davon. Tilda möchte ihre Vergangenheit hinter sich lassen, doch Nino bringt einige unerwünschte Erinnerungen mit sich. Als er eines Tages auf mysteriöse Weise verschwindet, versucht Tilda herauszufinden, was passiert ist und deckt nach und nach das Geheimnis von Botigelli auf....

"Der dunkle Sommer" ist von der ersten Seite an fesselnd. Allerdings empfindet man zu Beginn die Charaktere noch etwas unnahbar. Man weiß nicht, warum sie so handeln und was eigentlich ihre Motivation dazu ist. Doch nach und nach werden hier die einzelnen Schichten abgelegt und man erfährt häppchenweise immer mehr.
In der Gegenwart wird aus der Sicht von Tilda und Enzo erzählt. Es gibt aber noch einen spannenden Vergangenheitsstrang, der das Geheimnis rund um das Dorfleben nach und nach aufdeckt. In diesen Abschnitten erzählt die 17jährige Franca aus ihrem Leben in den Achtziger Jahren. Diese Abschnitte haben mich ganz besonders gefesselt, auch wenn es ein bisschen dauert, bis man beginnt hinter den Kulissen zu blicken und einiges Schlimmes zu erahnen beginnt. Vor allem Francas Figur hat mich wirklich beeindruckt.

Die Autorin greift hier ein Thema auf, das wahrlich verstört. Die dichte Erzählweise, sowie die düstere und leicht gruselige Atmosphäre halten die unterschwellige Bedrohung aufrecht. Unerwartete Wendungen halten die Spannung oben und die drückende Hitze ist durch die Zeilen hinweg spürbar.

Am Ende führen alle Stränge zusammen. Die Auflösung lässt keine Fragen mehr offen, jedoch sollte man unbedingt noch das Nachwort lesen! Hier erfährt man, dass die Autorin ihre Inspiration für diese Geschichte aus wahren Begebenheiten gezogen hat.

Fazit:
Ein düsterer Pageturner mit einer schlimmen Thematik, die erst nach und nach aufgedeckt wird. Fesselnd und atmosphärisch!

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Veröffentlicht am 26.06.2025

Wem kann man glauben?

Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit
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"Die Insel" ist mein zweiter Thriller von Ulf Kvensler. Sein Vorgänger "Der Ausflug" war spannend, aber das offene Ende hat mich ziemlich enttäuscht zurückgelassen. Doch dann gab es bei Lovelybooks eine ...

"Die Insel" ist mein zweiter Thriller von Ulf Kvensler. Sein Vorgänger "Der Ausflug" war spannend, aber das offene Ende hat mich ziemlich enttäuscht zurückgelassen. Doch dann gab es bei Lovelybooks eine Verlosung und ich hatte ausnahmsweise einmal bei einem Thriller Glück. "Die Insel" hat nun meine Erwartungen erfüllt. Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen ausgelesen!

Isak hat als Kleinkind seine Mutter und seine kleine Schwester bei einem Hausbrand verloren. Der Vater hat ihn daraufhin beim Großvater zurückgelassen, bei dem er aufgewachsen ist. Mittlerweile ist Isak Pfleger und lebt mit seiner Freundin Madde in einer kleinen Wohnung in der Stadt. Als sich plötzlich nach zwanzig Jahren Funkstille sein Vater Fredrik meldet und ihn zu sich nach Gotland einlädt, fällt Isak aus allen Wolken. In der Zwischenzeit ist Fredrik ein berühmter Künstler geworden, dessen Bilder hohe Summen erzielen. Nachdem sein Vater erfahren hat, dass er an einem Gehirntumor leidet und bald sterben wird, möchte er Isak und Madde in seinem Haus auf die Insel Fårö bei Gotland einladen. Die Zweifel nagen an Isak, aber schlussendlich machen sich beide gegen den Rat des Großvaters auf nach Gotland, um noch eine gewisse Zeit zusammen zu verbringen. Doch ist das der einzige Grund, warum Fredrik Isak und Madde zu sich holen will? Und warum hat er sich zwanzig Jahre nicht gemeldet?

Die ersten Tage ist Isak überwältigt von Reichtum und dem Umfeld seines Vaters. Doch immer mehr hat man beim Lesen das Gefühl, dass er sein Leben immer weniger im Griff hat. Der gutmütige junge Mann lässt sich zu untypischen und gefährlichen Handlungen hinreißen und vom Vater manipulieren. Immer wieder quälen ihm Alpträume, die schrecklich real wirken. Alkohol und andere Rauschmittel werden vielfach konsumiert und geben weitere Rätsel betreffend Wahrheiten oder Fiktion auf.
Einige Kapitel, die immer wieder eingeblendet werden, machen die Geschichte noch rätselhafter, denn Isak sitzt in einer Haftanstalt ein. Erst zum Ende wird klar, welches Verbrechen er begangen hat. In Rückblenden erfährt man zusätzlich noch mehr aus seiner der Kindheit. Dieser Perspektivwechsel bringt zusätzliche Spannung in den gut konstruierten und fesselnden Plot. Der Schreibstil ist sehr dialoglastig und äußerst atmosphärisch. Wie bereits in "Der Ausflug" gelingt es dem Autor die Natur sehr bildhaft einzufangen. Auch die elitäre Kunstszene, in der sich Fredrik bewegt, wird ungeschönt dargestellt.

Die Figuren sind sehr vielschichtig gezeichnet. Isak war mir zu Beginn sehr sympathisch. Im Laufe der Geschichte verändert er sich jedoch und zeigt Verhaltensweisen, die ihn mir immer unsympathischer werden ließen. Sein Vater war hingegen von Beginn an ein Kotzbrocken! Ein Manipulator seinesgleichen! Menschliche Abgründe tun sich immer mehr auf, umso länger man liest! Gruselig und etwas unklar ist die Rolle von Barbro, die in Fredriks Haus wohnt.
Trotzdem fragt man sich immer wieder, was hier eigentlich dahinterstecken mag. Die dichte psychologische Spannung hält sich bis zum Ende aufrecht.
Die teilweise düstere Stimmung und zahlreiche Wendungen lassen einem misstrauisch werden und man weiß bald nicht mehr, wem man trauen kann und wer die Wahrheit spricht. Szenarien wie diese, mag ich sehr.

Ab einem gewissen Zeitpunkt war ein Teil der Handlung vorhersehbar, was den Überraschungseffekt etwas gelindert hat. Der Spannungsbogen blieb aber trotzdem hoch und es gab noch einige Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hatte.


Fazit:
Ein psychologischer Thriller, der nicht nur die Figuren in der Geschichte, sondern auch die Leser manipuliert. Spannung vom Feinsten und vielschichtige Charaktere erzeugen einen fesselnden Thriller, den ich gerne weiter empfehle!

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Veröffentlicht am 21.06.2025

Gefälschte Schmuckstücke?

Gold aus der Wiener Werkstätte
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Mit "Gold in der Wiener Werkstätte" sind wir zum zweiten Mal mit Ermittler Max von Krause und Lilli Feigl im Wien Anfang des 20. Jahrhunderts unterwegs.
Lilli ist mittlerweile fest als Putzfrau in der ...

Mit "Gold in der Wiener Werkstätte" sind wir zum zweiten Mal mit Ermittler Max von Krause und Lilli Feigl im Wien Anfang des 20. Jahrhunderts unterwegs.
Lilli ist mittlerweile fest als Putzfrau in der Wiener Werkstätte angestellt und steht auch diesmal neben Max im Fokus der Handlung.
Als in einem Hotel eine Prostituierte tot aufgefunden wird, soll der Mord an der Frau auf Befehl von Oberkommissar Sobotka, Max von Krauses Vorgesetzten, vertuscht werden. Sobotkas Cousin ist der Inhaber des Hotels Kaiserkrone, dem der Ruf des Hauses wichtiger ist, als die Aufklärung eines Mordfalles. Max denkt jedoch nicht daran den Befehl zu befolgen, vor allem nachdem er wertvollen und auffälligen Schmuck bei der Toten gefunden hat. Dieser wurde eindeutig in der Wiener Werkstätte gefertigt. Darum führt sein Weg wieder zu Lilli Feigl, die das Schmuckstück sofort wiedererkennt. Die künstlerisch begabte Lilli hat den Entwurf nämlich mitkreiert, nachdem sie Goldschmied Alfred Pribil etwas zur Hand gegangen ist, der sie - natürlich unentgeltlich - um Hilfe bat. Lilli fällt jedoch auf, dass nicht die Initialen der Wiener Werkstätte, sondern statt den beiden "W"s zwei "M" eingraviert sind. Hat Pribil gegen den Code der Wiener Werkstätte verstoßen, die nur Unikate herstellen darf?
Als eine weitere Tote aufgefunden wird, die ebenfalls dieselben Schmuckstücke in ihrem Besitz hat, muss Pribil zugeben, dass er insgesamt drei Kopien der Schmuckstücke angefertigt hat. Wird es noch zu einen weiteren Mord geben? Lilli und Max versuchen beide auf ihre Weise dem Täter auf die Spur zu kommen....

Beate Maly hat sich diesmal an einem realen Fall orientiert, der 1906 ein riesiger Skandal war. Die Bordellbesitzerin Regine Riehl hat jahrelang sehr junge Mädchen ihren Eltern abgekauft, sie eingesperrt und als Prostituierte arbeiten lassen. Riehl hatte Männer aus den höchsten gesellschaftlichen Reihen und auch Polizeibeamte als Kunden. Diese sahen bei diversen Kontrollen einfach weg und überließen die Mädchen ihrem Leid.

Max von Krause hat diesmal sehr starken Gegenwind von seinem Vorgesetzten Sobotka, der gegen ihn arbeitet. Zusätzlich sonnt er sich in Max Erfolgen und gibt diese als seine aus, während er täglich im Kaffeehaus sitzt und dem Nichtstun frönt.
Auch in der Wiener Werkstätte erleiden die weiblichen Künstlerinnen ähnliches. Während Männer sich in allen Sparten künstlerisch betätigen dürfen, sind diese für Frauen eingeschränkt. Oftmals wird auch statt der eigentlichen Künstlerin ein männlicher Name auf dem Kunststück verewigt.
Sehr gefallen hat mir, dass wir diesmal auch wieder Fanny Harflinger-Zakucka in der Wiener Werkstätte begegnen dürfen, die in meinem Geburtsort geboren wurde und die ich bereits bei meiner Bloggerpost zur Lesung von Beate Maly klick erwähnen durfte.

Die Charaktere sind wieder sehr lebendig beschrieben. Max Mutter ist ein Unikat aus alten, aber verarmten Adelsgeschlecht, die unbedingt ihren Sohn standesgemäß verheiratenwill. Nach wie vor ist sie mit seiner Berufswahl nicht einverstanden und zieht im Hintergrund ihre Fäden für eine Beförderung ihres Sohnes. So muss Max nicht nur vor seinem Vorgesetzten "fliehen", sondern auch von seiner Mutter.
Auch Lilli muss sich weiterhin um ihren alkoholkranken Vater sorgen, der immer wieder neue Schulden anhäuft. Zusätzlich kümmert sie sich auch um die Kinder ihrer verarmten Nachbarin Grete, die auf nicht ganz legale Art Geld zu verdienen versucht. Dabei gerät sie unweigerlich in Gefahr...

Beate Maly hat die damalige Zeit wieder hervorragend eingefangen. Die Einwohner Wiens, die aus Menschen aus der reichen Oberschicht, verarmten Adeligen, Handwerkern und Tagelöhnern besteht - sind ein buntes Sammelsurium und lassen tief in die damalige Wiener Gesellschaft blicken.
Die Autorin hat einige (alt-)österreichische Wörter verwendet, die noch mehr Lokalkolorit verströmen. Die oft spritzigen Dialoge runden den Gesamteindruck hervorragend ab. Wieder ein absolut gelungener historischer Krimi!

Fazit:
Ein sehr gelungener Kriminalroman im alten Wien um die Jahrhundertwende. Ich freue mich, dass es mit Ermittler Max von der Krause und Lilli Feigl weitergeht und wir weitere Einblicke in die Welt der Wiener Werkstätte bekommen. Mir hat das Lesen wieder sehr viel Spaß bereitet und ich freue mich bereits auf den - hoffentlich kommenden - dritten Band.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Auswirkungen einer Entführung auf zwei Familien

Beeren pflücken
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Jedes Jahr im Sommer kommt eine indigene Mi'kmaq Familie als Erntehelfer von Nova Scotia nach Maine. Im Sommer 1962 verschwindet die vierjährige Ruthie, die jüngste der fünf Kinder, spurlos. Besonders ...

Jedes Jahr im Sommer kommt eine indigene Mi'kmaq Familie als Erntehelfer von Nova Scotia nach Maine. Im Sommer 1962 verschwindet die vierjährige Ruthie, die jüngste der fünf Kinder, spurlos. Besonders Joe, der jüngste Bruder, der Ruthie besonders nahe stand, leidet sehr darunter. Er war der Letzte, der sie gesehen hat und gibt sich seither die Schuld an ihrem Verschwinden. Die Polizei ignoriert das Abhandenkommen des kleinen Mädchens, denn die Familie sei nur als Farmhelfer hier und hätte eben besser aufpassen sollen. Als Indigene haben sie kaum Rechte, werden diskriminiert und nach dem Vorfall versucht man der Familie auch noch die anderen vier Kinder wegzunehmen. Dies weiß der Vater jedoch zu verhindern. Die darauffolgenden Jahre kommen die Eltern und Geschwister wieder nach Maine zum Beeren pflücken und suchen weiter nach Spuren von Ruthie - doch leider erfolglos.

In einem zweiten Handlungsstrang erzählt die Autorin von Norma. Sie wächst in Maine bei einer emotional distanzierten Familie auf. Besonders die Mutter ist überfürsorglich und lässt Norma kaum aus dem Haus. Das Mädchen leidet unter wiederkehrenden und quälenden Träumen, die sie beunruhigen, jedoch mit den Jahren verschwinden.
Als Leser weiß man von Beginn an, dass Norma Ruthie ist, doch was damals passiert ist und ob Ruthie jemals wieder ihre Familie findet, wird erst am Ende des Romans aufgeklärt.

Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Joe und Ruthie/Norma. Wir begleiten die beiden über fünf Jahrzehnte. Der Schreibstil ist einfühlsam und bildhaft. Der Aufbau des Romans ist gelungen und hat mich von der ersten Seite an begeistert. Obwohl man von Beginn an weiß, dass Nora die verschwundene Ruthie ist, bleibt die Geschichte durchgehend spannend.
Die Charaktere sind lebendig und authentisch. Sie haben Stärken und Schwächen und man fühlt sich ihnen nahe.
Joe ist in der Gegenwart Ende Fünfzig und schwer krank. Er erinnert sich an Ruthies Verschwinden und erzählt von seinem rastlosen Leben, seinem Suchen und seinen Schuldgefühlen. Er geht engen Bindungen aus dem Weg und verhält sich teilweise verantwortungslos gegenüber anderen Mitmenschen.
Auch Norma hat Schwierigkeiten mit Bindungen. Sie hat durch die traumatischen Verhaltensweise ihrer Mutter, die einige Fehlgeburten verkraften musste, ähnliche Ängste und verweigert Gefühle. Zusätzlich fühlt sie sich immer irgendwie fremd in ihrer weißen Familie.
Die Entführung hat auf beide Familien weitreichende Auswirkungen und begleitet alle ihr Leben lang. Ich habe mit all den Menschen aus Ruthies Familie mitgelitten und das Ende hat mich sehr berührt.

Die Autorin spricht im Roman immer wieder die Stellung der Indianer an. Es ist leider bekannt, dass damals indigene Kinder bewusst in weiße Pflegefamilien oder in Heime gebracht wurden, um sie "kulturell" anzupassen. Die Autorin hat selbst zum Teil indigene Abstammung und kann aus Erfahrungen aus ihrer Familie schöpfen.


Fazit:
Ein eher ruhiger, aber sehr berührenden Debütroman (!), der mich von der ersten bis zur letzten Seite mit den Figuren mitfühlen hat lassen. Auch die schwierige Situation der indigenen Bevölkerung in der Gesellschaft wird gut beleuchtet. Ein Roman, der unter die Haut geht und noch lange nachhallt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Erschütternd

Zwei Leben
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Von Astrid Korten kenne ich bisher nur Bücher aus dem Genre Thriller. Umso neugieriger war ich auf diesen Familienroman auf zwei Zeitebenen, der auf den Erinnerungen ihrer Großeltern und wahren Begebenheiten ...

Von Astrid Korten kenne ich bisher nur Bücher aus dem Genre Thriller. Umso neugieriger war ich auf diesen Familienroman auf zwei Zeitebenen, der auf den Erinnerungen ihrer Großeltern und wahren Begebenheiten aus dem Zweiten Weltkrieg basiert. Mit diesem historischen Roman hat sie eine sehr berührende und emotionale Geschichte erschaffen.

Nora lebt seit zehn Jahren mit ihrer großen Liebe Thomas zusammen. Sie haben einen achtjährigen Sohn, Oliver, arbeiten in derselben Firma und haben erst vor einem halben Jahr endlich geheiratet. Sie fällt aus allen Wolken, als ihr Mann eines Tages die Koffer packt und sich scheiden lassen will. Zur selben Zeit muss sie auch ihre Großmutter Xanna zu Grabe tragen. Nora fühlt sich allein, verlassen und leer. Beim Ausräumen des Hauses findet sie auf dem Dachboden ein altes Holzkästchen mit einem Davidstern, einem schlichten Metallring und einen Ausweis mit einem ihr unbekannten Namen. Auch ihre Eltern wissen keine Antwort auf den Fund, was Nora zum Nachforschen anregt. Nach einem kurzen Trip nach Paris, wo Xanna geboren sein soll, führen die Spuren jedoch nach Belarus. Gemeinsam mit dem Journalisten Andreas Schwarz, der ein Bekannter ihrer Freundin Ella ist und russisch spricht, bricht Nora auf, um mehr über die Herkunft ihrer Großmutter zu erfahren. Was sie dabei jedoch entdeckt, ist schmerzvoll und grausam. Nora ist zutiefst erschüttert und hinterfragt das Schweigen von Xanna - aber es ändert auch die Sicht auf ihr eigenes Leben.

Der Roman wird auf zwei Zeitebenen erzählt. Nora macht sich im Jahr 2013 auf die Suche nach ihren Wurzeln, nachdem sie in der Holzschatulle ihre Großmutter Dinge gefunden hat, auf die sie sich keinen Reim machen kann. Wer war ihre Großmutter wirklich?
In der Vergangenheit blicken wir auf Hannahs Leben in Belarus von 1941-1944. Diese Abschnitte sind erschütternd und obwohl ich schon einiges an historischen Romanen zum Thema Zweiten Weltkrieg gelesen habe, gibt es eine Szene in der Geschichte, wo ich das Buch zur Seite legen und eine Pause einlegen musste.

Der Schreibstil ist fesselnd und die Charaktere sind sehr authentisch dargestellt. Ich konnte mich in sie hineinversetzen und hatte lebhafte Bilder vor meinen Augen.
Nora wirkt anfangs etwas lebensfremd. Sie verschließt die Augen vor der Realität und lebt in ihrer eigenen "Heile-Welt-Blase". Im Laufe des Romans gewinnt sie jedoch an Stärke und findet zu sich selbst.
Hannah ist ein wahnsinnig starker und mutiger Charakter, der mich beeindruckt hat. Der Titel "Zwei Leben - Hinter dem Schweigen" ist sehr passend, denn alles was Hannah damals an Grausamkeiten erlebt hat, lässt sie zurück....muss sie zurücklassen, damit sie nicht komplett daran zugrunde geht. Niemand möchte erleben, was sie durchgemacht hat.

Es gibt leider auch kleine Kritikpunkte, was sich aber nicht auf den Inhalt bezieht. Leider stimmt des Öfteren die Formatierung am Anfang eines Kapitels nicht. Mehrmals steht in der ersten Zeile nur ein Wort und darunter der restliche Teil des Satzes. Es gibt außerdem einige Fehler im Buch, die auf ein schlechtes Lektorat schließen lassen.
Abgesehen davon ist die Geschichte aber wunderbar erzählt und hat mich tief berührt.

Fazit:
Ein Roman über ein erschütterndes Geheimnis und verdrängten Kriegserinnerungen, die oftmals bis heute verschwiegen werden. Nicht umsonst wird die Kriegsgeneration auch "Die stumme Generation" genannt. Ein Roman, den ich gerne weiterempfehle!

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