Endzeitstimmung
Es sind nur wirDie Füchsin dringt in das Haus ein. Springt durch das Fenster auf die Küchenzeile, verharrt kurz, orientiert sich. Elegant gleitet sie auf den Fußboden, durchquert den Flur und bleibt vor der schweren ...
Die Füchsin dringt in das Haus ein. Springt durch das Fenster auf die Küchenzeile, verharrt kurz, orientiert sich. Elegant gleitet sie auf den Fußboden, durchquert den Flur und bleibt vor der schweren Metalltüre stehen. Sie kratzt am Eisen, noch einmal, aber die Tür bleibt zu, wie gestern und vorgestern.
Die Tage sind zum Verwechseln ähnlich. Während des Probealarms gießt er seine Blumen und überlegt, wie unwahrscheinlich grausam es wäre, würden sich echte Katastrophen hinter den Sirenen verbergen. Ein explodierendes Atomkraftwerk, ein Krieg, der unerwartet ein paar Hundert Kilometer näher rückt, startende Raketen, einschlagende Raketen. Und die Leute gießen einfach ihre Blumen und leben ihr Leben.
Er hat bis vor Kurzem Informatik unterrichtet, dann aber Antrag auf Dienstfreistellung gestellt, was die Schulleiterin sichtlich erleichterte. „Alles Gute für Ihr Projekt.“ Alles Gute für dein Buch, die Kollegen. Er sammelte schon seit einer Weile Geschichten über das Verlieren und erzählte zu schnell, zu vielen Leuten davon, die jetzt alle glauben, daraus würde ein Buch entstehen.
Nebenbei entwickelt er für ein Start-up Unternehmen Computerspiele. Dabei stellte er fest, wie schwer sich Vögel in das Game implizieren ließen. Die werden nie überzeugend lebensecht. Jetzt hat er den Job, sich ausgiebig damit auseinanderzusetzen und deswegen ist er unterwegs zum Birdwatching. Dort lernt er Mascha kennen. Sie ist Prepperin und hat alles akribisch für das Ende vorbereitet.
Fazit: Martin Peichl hat eine Geschichte geschrieben, mit der er eine Endzeitstimmung thematisiert. Sein Protagonist lässt sich nach dem tragischen Ereignis eines Mitschülers suspendieren. Er hat viel Zeit, über das Leben nachzudenken und sich in die Natur einzufinden. Die Schuldgefühle und seine Traurigkeit versucht er mit dem Daten von Frauen zu unterdrücken. Dabei geht es nur um eins, er bleibt emotional distanziert. Kurz bevor sich zahlreiche Umweltereignisse abspielen, die den Kipppunkt deutlich machen, lernt er Mascha kennen, die in einem Haus mit Bunker und einer Füchsin lebt. Und zum ersten Mal kann er die Nähe zu einem anderen Menschen aushalten, sich sogar wohlfühlen. Der Autor schreibt in der Gegenwart, das macht die Geschichte sehr lebendig. Die Sprache ist unaufgeregt, fast entspannend. Am Ende jedes Kapitels stellt er passende, ja philosophische Fragen, mit denen er sich auseinandersetzt. Wie die Innenschau im wirklichen Leben. Mir hat die Schreibweise des Autors, die ich sehr besonders finde, absolut gefallen.