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Veröffentlicht am 28.12.2025

✎ Rolf Lappert - Pampa Blues

Pampa Blues
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„Pampa Blues“ von Rolf Lappert landete eher zufällig bei mir. Eine Freundin gab mir das Buch weiter, weil ihr Kind es als Schullektüre lesen musste und auch mein eigenes Kind dieselbe Schule besuchen wird. ...

„Pampa Blues“ von Rolf Lappert landete eher zufällig bei mir. Eine Freundin gab mir das Buch weiter, weil ihr Kind es als Schullektüre lesen musste und auch mein eigenes Kind dieselbe Schule besuchen wird. Bis es dort so weit ist, vergehen zwar noch einige Jahre und Lehrpläne ändern sich, dennoch wollte ich wissen, was Jugendliche hier erwartet.

Der Roman erzählt vom 16-jährigen Ben, der in einem nahezu ausgestorbenen Dorf lebt und seinen an Demenz erkrankten Großvater pflegt, während die Mutter unterwegs durch Europa ist. Diese Ausgangslage verspricht zunächst Tiefe und Konflikt, bleibt für mich jedoch ohne nachhaltige Wirkung. Bens ständige Unzufriedenheit, sein resignierter Blick auf die Welt und insbesondere die abwertende Art, mit der er über seinen Großvater spricht, erzeugten bei mir Distanz statt Empathie.

Die Coming-of-Age-Story mit skurrilen Figuren und einer Mischung aus Ernst und Ironie, konnte mich zu keiner Zeit abholen, da ich die Ruhe und Monotonie im Setting und die ersten Kapitel als zu lang und ereignisarm empfand. Statt Atmosphäre entstand Leerlauf.

Thematisch wird viel angerissen: erste Liebe, Dorfgerüchte, angebliche UFO-Sichtungen, dazu Selbstverletzung und Depressionen. In meinen Augen bleibt vieles im Raum stehen und wirkt dadurch eher überladen statt tiefgründig.

Die Idee, jugendliche Enge und Perspektivlosigkeit auf dem Land darzustellen, funktioniert grundsätzlich. Hier jedoch dominieren Nörgelei und ein dauerhaft depressiver Unterton, der eher ermüdet als zum Nachdenken anregt. Ich empfand die Figuren überwiegend als anstrengend. Bens Verhalten gegenüber seinem Umfeld, insbesondere gegenüber seinem Großvater, erschien mir häufig respektlos und wenig reflektiert. An emotionaler Entwicklung mangelt es ihm.

Problematisch ist zudem die Normalisierung von Alkoholkonsum. Ben trinkt regelmäßig Bier, bereits mit 15 Jahren, und dies wird im Text nicht hinterfragt. Für ein Jugendbuch halte ich diese Darstellung für gefährlich und unverantwortlich, da sie ohne kritische Einordnung stehen bleibt.

Unterm Strich konnte ich aus dieser Lektüre keinen persönlichen Gewinn ziehen. Weder inhaltlich noch emotional bot mir „Pampa Blues“ einen Mehrwert.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 11.11.2025

✎ Joanna Quinn - Das Theater am Strand

Das Theater am Strand
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Ich bin mit dem Gefühl gestartet, dass diese Lektüre Kraft verlangen wird. Der Umfang signalisiert Ausdauerarbeit und der Plan, das Buch gemeinsam zu lesen, hat den Einstieg überhaupt erst praktikabel ...

Ich bin mit dem Gefühl gestartet, dass diese Lektüre Kraft verlangen wird. Der Umfang signalisiert Ausdauerarbeit und der Plan, das Buch gemeinsam zu lesen, hat den Einstieg überhaupt erst praktikabel gemacht. Der erwartete Sog blieb jedoch aus.

Der Zugang zur Handlung verlangte Disziplin. Der Stil fordert konstante Aufmerksamkeit und die Vielzahl an Figuren erzeugt eine Streuung, die den Fokus verwässert. Diese strukturelle Weite zog das Erzähltempo zusätzlich in die Länge.

Die Entwicklung der Kinder, die Kriegsjahre und die Zeit danach bilden zwar ein breites Panorama, doch die narrative Ausdehnung wirkt überzogen. Der Titel suggeriert eine Schwerpunktsetzung, die der Roman kaum erfüllt. Das titelgebende Theater tritt erst spät auf und bleibt trotz Ankündigung eine Randerscheinung. Die Diskrepanz zwischen Paratext und tatsächlicher Gewichtung irritiert und war ein großer Bruch zwischen meiner Erwartung und der Umsetzung.

Einzelne historische Aspekte schärfen den Blick, etwa die Rolle der WAAF, deren Bedeutung hier sichtbarer wird als in vielen gängigen Darstellungen. Dieser Informationsgewinn trägt jedoch nur bedingt durch die schleppenden Passagen.

Für mich bleibt es ein historischer Roman, der seine erzählerische Energie verzettelt. Ohne die gemeinsame Lektüre hätte ich das Buch nicht beendet.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 03.10.2025

✎ Thomas Brussig - Am kürzeren Ende der Sonnenallee

Am kürzeren Ende der Sonnenallee
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Ich war kurz davor, „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ abzubrechen. Doch ich habe dem Roman noch eine Chance gegeben und so landet er jetzt zumindest in meiner Liste der gelesenen Bücher. Leider muss ich ...

Ich war kurz davor, „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ abzubrechen. Doch ich habe dem Roman noch eine Chance gegeben und so landet er jetzt zumindest in meiner Liste der gelesenen Bücher. Leider muss ich sagen: Er hat mich nicht überzeugen können.

Die Handlung bleibt für mich überwiegend farblos. Es gibt wenige Momente, in denen Spannung aufkommt - eine einzige Stelle ließ mein Herz kurz schneller schlagen -, doch viel zu häufig driftet die Geschichte ins Banale ab. Die Sprache greift gerne zu Ausdrücken, die unter die Gürtellinie gehen, was bei manchen Szenen ablenkt statt zu verstärken. Ich hatte gehofft, dass gerade das Leben in der DDR, das mich interessiert, lebendiger und tiefer gezeichnet wird - denn in meiner Familie erzählen nur noch meine Mutter und meine Tante davon -, aber ich habe schon bessere literarische Darstellungen dieser Zeit erlebt.

Dass das Buch als Schullektüre verwendet wird, überrascht mich nicht. Es bietet zweifelsfrei Material für Diskussionen über Alltag, Ideologie und Jugendjahre zwischen Mauern und Idealen. Doch für mich funktioniert der Coming-of-Age-Ansatz nicht. Die Jugendlichen und ihre Erlebnisse wirken in vielen Passagen unfertig, wie Skizzen statt vollständige Charaktere. Der Roman reiht Episoden an Episoden, ohne dass große Entwicklung oder Nachdruck spürbar wären.

Manchmal gibt es humorvolle, pointierte Szenen, nostalgische Erinnerung an Kleinigkeiten im DDR-Alltag und Darstellungen westlicher Einflüsse wie Musik oder Lebensstil. Meist hat das Buch einen leichten, nicht allzu bedrückenden Zugang zur Geschichte, aber ich denke, es ist nicht dafür gedacht, jeden Aspekt realitätsnah darzustellen.

Und genau dieser Mangel an Tiefgang stört mich. Wenn alles locker und poetisch vermittelt wird, leidet oft die Glaubwürdigkeit und das Mitgefühl. Ich vermisste echt Momente, in denen die Härte und Komplexität der DDR-Realität mehr Gewicht bekommen.

Die Erzählsprache hat Stilmittel, die Authentizität schaffen wollen - Umgangs- und Jugendsprache, lokale Bezüge, gedankliche Abschweifungen. Diese Elemente sind mir allerdings nicht konsistent genug eingesetzt, um das Buch über das Mittelmaß hinauszuheben. Stattdessen entstehen Abschnitte, die wie unfertige Überlegungen wirken, nicht wie sorgfältig gearbeitete Szenen. Vielleicht mögen manche das als „Wohlfühlroman“ empfinden, als sanfte Nostalgie ohne große Widerstände, und für sie funktioniert das - bei mir jedoch nicht.

Insgesamt hat „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ seine Stärken: kleine, charmante Beobachtungen, ein leichter Zugang zur Jugendzeit in einer besonderen historischen Situation und Szenen, die man nicht sofort vergisst. Für mich überwiegen aber die Schwächen: mangelnde Tiefgründigkeit, uneinheitliche Gestaltung, gelegentliche Geschmacklosigkeiten. Für mich ist es ok, dass ich das Buch schlussendlich gelesen habe, denn es regt zum Nachdenken an. Aber ich würde es nicht weiterempfehlen, wenn man auf der Suche ist nach einem Roman, der wirklich eindringlich und vollständig das Leben in der DDR abbildet.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 27.07.2025

✎ Sabine Kuegler - Dschungelkind 3 Jägerin und Gejagte

Jägerin und Gejagte
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Nach dem Auftakt mit „Dschungelkind“ und der Fortsetzung „Ruf des Dschungels“ waren meine Erwartungen an den dritten Teil, „Jägerin und Gejagte“ nicht sehr hoch. Ich mochte bereits die Vorgänger nicht ...

Nach dem Auftakt mit „Dschungelkind“ und der Fortsetzung „Ruf des Dschungels“ waren meine Erwartungen an den dritten Teil, „Jägerin und Gejagte“ nicht sehr hoch. Ich mochte bereits die Vorgänger nicht allzu sehr, wollte diesem aber, weil er bereits in meinem Regal stand, noch eine Chance geben. Doch das Buch hat mich emotional leider nicht wirklich erreicht.

Sabine Kuegler erzählt erneut aus ihrem bewegten Leben zwischen zwei Kulturen, doch vieles davon wirkt wie ein Déjà-vu. Zahlreiche Passagen scheinen aus den vorherigen Bänden recycelt. Zwar bringt sie auch neue Aspekte ein, etwa über ihr Leben in Asien, doch trotz dreier Bücher bleibt die Autorin für mich persönlich erstaunlich unnahbar.

Statt klarer Selbstreflexion wirkt vieles wie die literarische Verarbeitung persönlicher Krisen. Verantwortung wird oft abgeschoben, während sie selbst stets in der Opferrolle bleibt. Die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten? Fehlanzeige. Kueglers Sicht auf Integration bleibt oberflächlich, ihr eigenes Bemühen um ein „Ankommen“ in der westlichen Welt wirkt halbherzig - auch nach all den Jahren.

Auffällig ist auch das ständige Hin- und Herspringen zwischen Themen, Zeiten und Stimmungen. Das macht es schwer, der Erzählung wirklich zu folgen. Inhaltlich verliert sich das Buch oft in Klagen über Missverständnisse, Enttäuschungen und das Unverständnis der westlichen Gesellschaft. Dadurch entsteht ein eher negativer Grundton. Mein Mitgefühl blieb aus, weil man das Gefühl bekommt, die Autorin tritt auf der Stelle.

Insgesamt bleibt „Jägerin und Gejagte“ für mich durchwachsen. Wer die ersten beiden Bücher kennt, findet hier kaum neue Antworten - und wer auf eine tiefere Einsicht in Kueglers Persönlichkeit hofft, wird vermutlich enttäuscht.

Für eingefleischte Fans mag es eine runde Ergänzung sein, für mich war es eher ein langgezogener Nachhall ohne echte Entwicklung.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.06.2025

✎ Cecelia Ahern - Dem Sturm entgegen

Dem Sturm entgegen
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Vor rund zwei Jahrzehnten habe ich mein erstes Buch von Cecelia Ahern gelesen: „P.S. Ich liebe dich“. Damals hat mich die emotionale Tiefe völlig mitgerissen - ein Roman, der mir noch lange im Gedächtnis ...

Vor rund zwei Jahrzehnten habe ich mein erstes Buch von Cecelia Ahern gelesen: „P.S. Ich liebe dich“. Damals hat mich die emotionale Tiefe völlig mitgerissen - ein Roman, der mir noch lange im Gedächtnis geblieben ist. Genau aus diesem Grund habe ich der Autorin immer wieder eine Chance gegeben. Ihre Klappentexte versprechen stets bewegende Geschichten mit Gefühl, Drama und zwischenmenschlicher Tiefe - und doch: Die Romane konnten mich selten wirklich berühren.

Mit „Dem Sturm entgegen“ habe ich es nun ein letztes Mal versucht. Leider bleibt auch dieses Buch für mich hinter den Erwartungen zurück.

Im Zentrum der Geschichte steht Enya, eine Frau, die nicht nur Mutter, sondern auch Ärztin ist - ein Balanceakt, der Potenzial für Spannung und emotionale Konflikte bietet. Doch genau an dieser Figur habe ich mich aufgerieben. Enyas Reaktionen wirken oft überzogen, ihre Entscheidungen schwer nachvollziehbar. So bliebt die Hauptfigur für mich schwer zugänglich.

Besonders in Schlüsselszenen, wie etwa am Unfallort, hätte ich mir mehr Professionalität gewünscht - immerhin steht sie dort in ihrer ärztlichen Rolle. Die emotionale Verarbeitung darf und soll natürlich Raum bekommen - aber nicht auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

Was mir persönlich gefehlt hat, war eine tiefere psychologische Auseinandersetzung mit ihrem familiären Trauma. In einer Zeit, in der mentale Gesundheit immer mehr in den Fokus rückt, wäre der Schritt zu therapeutischer Hilfe nicht nur realistisch, sondern auch ein starkes Zeichen gewesen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Nebenfiguren. Sie bleiben größtenteils blass, ihre Entwicklungen treten auf der Stelle. Zwar versucht Ahern, viele Themen und Konflikte zu verweben, doch die Vielzahl an Handlungssträngen wirkt irgendwann überladen. Statt Spannung entsteht Langatmigkeit. Dadurch habe ich mich schwergetan, emotional in die Geschichte einzutauchen.

Ich habe das Buch mit der Hoffnung begonnen, wieder einen emotional bewegenden Roman von Cecelia Ahern zu lesen - so wie damals. Doch „Dem Sturm entgegen“ hat mich erneut nicht erreicht. Vielleicht hat sich mein Lesegeschmack verändert, vielleicht passen Aherns Geschichten und ich einfach nicht zusammen.

Für Fans der Autorin lohnt sich der Blick ins Buch vielleicht dennoch: Die Thematik rund um Familie, Verlust und inneren Konflikt ist durchaus relevant. Wer allerdings auf tiefgehende Charakterentwicklung und authentische Emotionen hofft, könnte hier enttäuscht werden.

„Dem Sturm entgegen“ war somit mein letzter Versuch mit der Bestsellerautorin.

©2025 Mademoiselle Cake