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Veröffentlicht am 03.10.2025

✎ Thomas Brussig - Am kürzeren Ende der Sonnenallee

Am kürzeren Ende der Sonnenallee
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Ich war kurz davor, „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ abzubrechen. Doch ich habe dem Roman noch eine Chance gegeben und so landet er jetzt zumindest in meiner Liste der gelesenen Bücher. Leider muss ich ...

Ich war kurz davor, „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ abzubrechen. Doch ich habe dem Roman noch eine Chance gegeben und so landet er jetzt zumindest in meiner Liste der gelesenen Bücher. Leider muss ich sagen: Er hat mich nicht überzeugen können.

Die Handlung bleibt für mich überwiegend farblos. Es gibt wenige Momente, in denen Spannung aufkommt - eine einzige Stelle ließ mein Herz kurz schneller schlagen -, doch viel zu häufig driftet die Geschichte ins Banale ab. Die Sprache greift gerne zu Ausdrücken, die unter die Gürtellinie gehen, was bei manchen Szenen ablenkt statt zu verstärken. Ich hatte gehofft, dass gerade das Leben in der DDR, das mich interessiert, lebendiger und tiefer gezeichnet wird - denn in meiner Familie erzählen nur noch meine Mutter und meine Tante davon -, aber ich habe schon bessere literarische Darstellungen dieser Zeit erlebt.

Dass das Buch als Schullektüre verwendet wird, überrascht mich nicht. Es bietet zweifelsfrei Material für Diskussionen über Alltag, Ideologie und Jugendjahre zwischen Mauern und Idealen. Doch für mich funktioniert der Coming-of-Age-Ansatz nicht. Die Jugendlichen und ihre Erlebnisse wirken in vielen Passagen unfertig, wie Skizzen statt vollständige Charaktere. Der Roman reiht Episoden an Episoden, ohne dass große Entwicklung oder Nachdruck spürbar wären.

Manchmal gibt es humorvolle, pointierte Szenen, nostalgische Erinnerung an Kleinigkeiten im DDR-Alltag und Darstellungen westlicher Einflüsse wie Musik oder Lebensstil. Meist hat das Buch einen leichten, nicht allzu bedrückenden Zugang zur Geschichte, aber ich denke, es ist nicht dafür gedacht, jeden Aspekt realitätsnah darzustellen.

Und genau dieser Mangel an Tiefgang stört mich. Wenn alles locker und poetisch vermittelt wird, leidet oft die Glaubwürdigkeit und das Mitgefühl. Ich vermisste echt Momente, in denen die Härte und Komplexität der DDR-Realität mehr Gewicht bekommen.

Die Erzählsprache hat Stilmittel, die Authentizität schaffen wollen - Umgangs- und Jugendsprache, lokale Bezüge, gedankliche Abschweifungen. Diese Elemente sind mir allerdings nicht konsistent genug eingesetzt, um das Buch über das Mittelmaß hinauszuheben. Stattdessen entstehen Abschnitte, die wie unfertige Überlegungen wirken, nicht wie sorgfältig gearbeitete Szenen. Vielleicht mögen manche das als „Wohlfühlroman“ empfinden, als sanfte Nostalgie ohne große Widerstände, und für sie funktioniert das - bei mir jedoch nicht.

Insgesamt hat „Am kürzeren Ende der Sonnenallee“ seine Stärken: kleine, charmante Beobachtungen, ein leichter Zugang zur Jugendzeit in einer besonderen historischen Situation und Szenen, die man nicht sofort vergisst. Für mich überwiegen aber die Schwächen: mangelnde Tiefgründigkeit, uneinheitliche Gestaltung, gelegentliche Geschmacklosigkeiten. Für mich ist es ok, dass ich das Buch schlussendlich gelesen habe, denn es regt zum Nachdenken an. Aber ich würde es nicht weiterempfehlen, wenn man auf der Suche ist nach einem Roman, der wirklich eindringlich und vollständig das Leben in der DDR abbildet.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 27.07.2025

✎ Sabine Kuegler - Dschungelkind 3 Jägerin und Gejagte

Jägerin und Gejagte
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Nach dem Auftakt mit „Dschungelkind“ und der Fortsetzung „Ruf des Dschungels“ waren meine Erwartungen an den dritten Teil, „Jägerin und Gejagte“ nicht sehr hoch. Ich mochte bereits die Vorgänger nicht ...

Nach dem Auftakt mit „Dschungelkind“ und der Fortsetzung „Ruf des Dschungels“ waren meine Erwartungen an den dritten Teil, „Jägerin und Gejagte“ nicht sehr hoch. Ich mochte bereits die Vorgänger nicht allzu sehr, wollte diesem aber, weil er bereits in meinem Regal stand, noch eine Chance geben. Doch das Buch hat mich emotional leider nicht wirklich erreicht.

Sabine Kuegler erzählt erneut aus ihrem bewegten Leben zwischen zwei Kulturen, doch vieles davon wirkt wie ein Déjà-vu. Zahlreiche Passagen scheinen aus den vorherigen Bänden recycelt. Zwar bringt sie auch neue Aspekte ein, etwa über ihr Leben in Asien, doch trotz dreier Bücher bleibt die Autorin für mich persönlich erstaunlich unnahbar.

Statt klarer Selbstreflexion wirkt vieles wie die literarische Verarbeitung persönlicher Krisen. Verantwortung wird oft abgeschoben, während sie selbst stets in der Opferrolle bleibt. Die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten? Fehlanzeige. Kueglers Sicht auf Integration bleibt oberflächlich, ihr eigenes Bemühen um ein „Ankommen“ in der westlichen Welt wirkt halbherzig - auch nach all den Jahren.

Auffällig ist auch das ständige Hin- und Herspringen zwischen Themen, Zeiten und Stimmungen. Das macht es schwer, der Erzählung wirklich zu folgen. Inhaltlich verliert sich das Buch oft in Klagen über Missverständnisse, Enttäuschungen und das Unverständnis der westlichen Gesellschaft. Dadurch entsteht ein eher negativer Grundton. Mein Mitgefühl blieb aus, weil man das Gefühl bekommt, die Autorin tritt auf der Stelle.

Insgesamt bleibt „Jägerin und Gejagte“ für mich durchwachsen. Wer die ersten beiden Bücher kennt, findet hier kaum neue Antworten - und wer auf eine tiefere Einsicht in Kueglers Persönlichkeit hofft, wird vermutlich enttäuscht.

Für eingefleischte Fans mag es eine runde Ergänzung sein, für mich war es eher ein langgezogener Nachhall ohne echte Entwicklung.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 09.06.2025

✎ Cecelia Ahern - Dem Sturm entgegen

Dem Sturm entgegen
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Vor rund zwei Jahrzehnten habe ich mein erstes Buch von Cecelia Ahern gelesen: „P.S. Ich liebe dich“. Damals hat mich die emotionale Tiefe völlig mitgerissen - ein Roman, der mir noch lange im Gedächtnis ...

Vor rund zwei Jahrzehnten habe ich mein erstes Buch von Cecelia Ahern gelesen: „P.S. Ich liebe dich“. Damals hat mich die emotionale Tiefe völlig mitgerissen - ein Roman, der mir noch lange im Gedächtnis geblieben ist. Genau aus diesem Grund habe ich der Autorin immer wieder eine Chance gegeben. Ihre Klappentexte versprechen stets bewegende Geschichten mit Gefühl, Drama und zwischenmenschlicher Tiefe - und doch: Die Romane konnten mich selten wirklich berühren.

Mit „Dem Sturm entgegen“ habe ich es nun ein letztes Mal versucht. Leider bleibt auch dieses Buch für mich hinter den Erwartungen zurück.

Im Zentrum der Geschichte steht Enya, eine Frau, die nicht nur Mutter, sondern auch Ärztin ist - ein Balanceakt, der Potenzial für Spannung und emotionale Konflikte bietet. Doch genau an dieser Figur habe ich mich aufgerieben. Enyas Reaktionen wirken oft überzogen, ihre Entscheidungen schwer nachvollziehbar. So bliebt die Hauptfigur für mich schwer zugänglich.

Besonders in Schlüsselszenen, wie etwa am Unfallort, hätte ich mir mehr Professionalität gewünscht - immerhin steht sie dort in ihrer ärztlichen Rolle. Die emotionale Verarbeitung darf und soll natürlich Raum bekommen - aber nicht auf Kosten der Glaubwürdigkeit.

Was mir persönlich gefehlt hat, war eine tiefere psychologische Auseinandersetzung mit ihrem familiären Trauma. In einer Zeit, in der mentale Gesundheit immer mehr in den Fokus rückt, wäre der Schritt zu therapeutischer Hilfe nicht nur realistisch, sondern auch ein starkes Zeichen gewesen.

Ein weiterer Kritikpunkt: Die Nebenfiguren. Sie bleiben größtenteils blass, ihre Entwicklungen treten auf der Stelle. Zwar versucht Ahern, viele Themen und Konflikte zu verweben, doch die Vielzahl an Handlungssträngen wirkt irgendwann überladen. Statt Spannung entsteht Langatmigkeit. Dadurch habe ich mich schwergetan, emotional in die Geschichte einzutauchen.

Ich habe das Buch mit der Hoffnung begonnen, wieder einen emotional bewegenden Roman von Cecelia Ahern zu lesen - so wie damals. Doch „Dem Sturm entgegen“ hat mich erneut nicht erreicht. Vielleicht hat sich mein Lesegeschmack verändert, vielleicht passen Aherns Geschichten und ich einfach nicht zusammen.

Für Fans der Autorin lohnt sich der Blick ins Buch vielleicht dennoch: Die Thematik rund um Familie, Verlust und inneren Konflikt ist durchaus relevant. Wer allerdings auf tiefgehende Charakterentwicklung und authentische Emotionen hofft, könnte hier enttäuscht werden.

„Dem Sturm entgegen“ war somit mein letzter Versuch mit der Bestsellerautorin.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 05.06.2025

✎ Lucy Fricke - Das Fest

Das Fest
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Bislang war mir von Lucy Fricke nichts bekannt, „Das Fest“ war mein erster Kontakt mit ihrem Werk - ganz ohne Erwartungen, dafür mit Neugier. Gekoppelt mit dem Hörbuch-Format versprach ich mir eine unterhaltsame ...

Bislang war mir von Lucy Fricke nichts bekannt, „Das Fest“ war mein erster Kontakt mit ihrem Werk - ganz ohne Erwartungen, dafür mit Neugier. Gekoppelt mit dem Hörbuch-Format versprach ich mir eine unterhaltsame Reise. Bekommen habe ich... eine durchwachsene Erfahrung.

Die Geschichte rund um Jakob und seinen „Trip“ hatte durchaus Potenzial. Besonders beeindruckt hat mich die stille Kraft seiner Freundin Ellen, die im Hintergrund die Fäden zieht. Wie viel Aufwand, Planung und psychologisches Fingerspitzengefühl in ihrem Handeln steckt, wird nur angedeutet – genau das fand ich spannend. Leider blieb es dabei auch schon.

Die im Klappentext zitierte „unerschütterliche Komik“ erschloss sich mir nicht wirklich. Einige Situationen wirkten auf mich eher bemüht ins Absurde gedrückt, als wollten sie komisch sein, ohne es tatsächlich zu sein. Vielleicht fehlte mir hier einfach der Zugang - oder schlicht die emotionale Verbindung zu den Figuren. Die konstruiert wirkenden Missgeschicke waren für mich eher Lückenfüller und mir erschloss sich der Sinn dahinter nicht.

Tatsächlich hatte ich das Gefühl, das Buch wolle gleichzeitig leichtfüßig und tiefgründig sein - eine Balance, die für mich nicht ganz aufging. Nostalgische Momente blitzen zwar gelegentlich auf, weil ich selbst anfing über meine Kindheit und Jugend nachzudenken, doch echte emotionale Tiefe kam kaum auf. Die Charaktere blieben mir zu distanziert, sogar Jakob als Protagonist erschien mir eher sperrig als nahbar.

Trotz der teils pointierten Sprache Frickes, vermisste ich eine gewisse Substanz und emotionale Fallhöhe.

Unterm Strich ist „Das Fest“ vielleicht ein Buch für Zwischendurch - kurzweilig, gut geschrieben, aber für mich nicht einprägsam. Die angegangene Kürze war hier leider nicht die erhoffte Würze.

Für mich war es ein Roman mit viel Kulisse, doch wenig Nachhall.

©2025 Mademoiselle Cake

Veröffentlicht am 05.06.2025

✎ Ian Rankin - Inspector Rebus 2 Das zweite Zeichen

Verborgene Muster/Das zweite Zeichen
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Da sie in einem Band bei mir im Schrank auf ihren Einsatz warteten, habe ich beiden Romanen eine Chance gegeben. Leider endet meine Reise mit Inspector Rebus nach hier - „Das zweite Zeichen“ konnte mich ...

Da sie in einem Band bei mir im Schrank auf ihren Einsatz warteten, habe ich beiden Romanen eine Chance gegeben. Leider endet meine Reise mit Inspector Rebus nach hier - „Das zweite Zeichen“ konnte mich nicht wirklich fesseln. Und wenn ich ehrlich bin, hat mir dieser zweite Teil sogar noch weniger zugesagt als der erste.

Ian Rankins Schreibstil ist angenehm zugänglich, beinahe mühelos - das erleichtert das Lesen ungemein. Dennoch hat sich bei mir keine rechte Spannung eingestellt. Es fehlte mir an Sogwirkung. Zu oft hatte ich das Gefühl, dass Rebus weniger ermittelt als stolpert - mit ein bisschen zu viel Unterstützung vom Zufall. Gerade in einem Krimi erwarte ich mehr innere Logik und weniger Glücksgriffe.

Es gab Längen in der Handlung und ich vermisste die Tiefe, die ein guter Kriminalfall braucht, um im Gedächtnis zu bleiben. Die Erzählung verliert sich stellenweise in Nebenpfaden, ohne den zentralen Spannungsbogen durchgehend zu halten.

Was mir hingegen wirklich gefallen hat, ist das Setting. Rankin gelingt es, das Edinburgh der späten 80er lebendig werden zu lassen - rau, realistisch und atmosphärisch dicht. Für mich ein klarer Pluspunkt: Die Szenerie fühlt sich glaubwürdig an und weckt Erinnerungen an eine Zeit, die ich selbst nur in Ansätzen erlebt habe.

Für Fans britischer Krimis mit viel Lokalkolorit könnte „Das zweite Zeichen“ interessant sein. Wer jedoch auf einen packenden, konsequent aufgebauten Fall hofft, wird hier möglicherweise enttäuscht.

©2025 Mademoiselle Cake