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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.06.2025

Seelenvögel und Vaterfigur

Psychopompos
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Als Diplomatentochter wächst Amélie Nothomb fernab der belgischen Heimat, vornehmlich im asiatischen Raum auf. Gerade die ersten Jahre ihres Lebens, die sie mit ihrer Familie in Japan verbringt, wirken ...

Als Diplomatentochter wächst Amélie Nothomb fernab der belgischen Heimat, vornehmlich im asiatischen Raum auf. Gerade die ersten Jahre ihres Lebens, die sie mit ihrer Familie in Japan verbringt, wirken sich prägend auf ihre Faszination für die Vogelwelt aus. Diese wird Amélie auf den weiteren Stationen in ihrem Leben fortan begleiten und letztlich eine elementare Rolle in diesem Roman spielen.

Auf die zentrale Frage, was sich hinter dem Buchtitel verbirgt, geht die Autorin allerdings mit einer solch philosophisch anmutenden Intensität ein, dass ich mich vorübergehend dabei verloren habe. Der Vogel als mythologische Figur des Seelenbegleiters für Verstorbene, ist vielleicht nicht unbedingt mein Interessensschwerpunkt in diesem Buch, dafür haben mich die intimen, persönlichen Einblicke, die Nothomb in diesem Roman wieder einmal gewährt, um so mehr vereinnahmt. Neben den ungewöhnlichen Episoden aus ihrer Kindheit, sind das ein traumatisches Erlebnis in der frühen Jugend und die Anorexie, in die sie sich für Jahre flüchtet. Aber auch ihr Werdegang als Schriftstellerin und die Beziehung zu ihrem Vater, die erst mit seinem Tod an Tiefe gewonnen hat, sind wichtige Themen, denen sich die Autorin hier schonungslos offen widmet.

Es ist lesenswerter literarischer Drahtseilakt zwischen nüchterner Distanz und emotionalen Tönen, gespickt mit viel Persönlichkeit, einem Hauch Selbstironie und einer Spur Provokation.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Romantasy mit Tiefgang

A Fate Forged in Fire – Aus Flammen geboren
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Aemyra, eine junge Schmiedin und Hebamme, verfügt über eine mächtige und gleichzeitig verbotene Feuermagie. Seit Tir Teine fest in männerdominierter Hand ist, wird alles Magische verfolgt und Frauen systematisch ...

Aemyra, eine junge Schmiedin und Hebamme, verfügt über eine mächtige und gleichzeitig verbotene Feuermagie. Seit Tir Teine fest in männerdominierter Hand ist, wird alles Magische verfolgt und Frauen systematisch unterdrückt. Mit dem Tod des Königs hat Aemyra jedoch wieder eine Chance, ihren rechtmäßigen Anspruch auf den Thron einzufordern. Dafür muss sie sich jedoch an seinen furchteinflößenden, eigenwilligen Drachen binden - ein unmögliches Unterfangen. Ihre machtbesessenen Gegenspieler schmieden währenddessen im Hintergrund einen blutigen Komplott und so misslingt der Plan, das Reich von der Tyrannei zu befreien. Ihr bleibt nur ein Ausweg und das ist ausgerechnet eine Bündnisehe mit dem verhassten mit Thronanwärter, Prinz Fiorean. Dieser entpuppt sich von Anfang an als unberechenbare Charakter-Wundertüte. Ebenso seine Mutter, die das Patriarchat freiwillig unterstützt, oder etwa doch nicht?!
Am besten gefällt mir auf jeden Fall Aemyra. Sie ist zäh, mutig und steht für ihre Überzeugungen ein. Mit ihrer queeren Einstellung macht sie keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern - Ein Schachzug, den ich von der Autorin wirklich großartig finde!
Generell hat mir die Story ziemlich gut gefallen, obwohl ich ohne meine Notizen zu den zahlreichen Protas vermutlich verloren gewesen wäre. Der Schreibstil ist dafür flüssig und das Wordbuilding passt ebenfalls. Und wenn man nicht gerade Fan der Serie „House of Dragons“ ist kann man sogar vollkommen unvoreingenommen und spoilerfrei in die Story abtauchen.
Für mich war es deshalb ein aufregender neuer Ausflug in die magische Drachenwelt, mit spannenden politischen Machtkämpfen, einem romantischen Slow-Burn und richtig fiesen Plottwists!
Ob ich jetzt der Fortsetzung entgegenfiebere - Ja, definitiv!

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Sommermärchen

Das Leben fing im Sommer an
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Der 15-jährige Chris erlebt 2006 sein ganz persönliches Sommermärchen. Vielleicht nicht in sportlicher Hinsicht, denn er ist gerade erst aus dem Nachwuchskader eines Bundesligavereins geflogen - sondern ...

Der 15-jährige Chris erlebt 2006 sein ganz persönliches Sommermärchen. Vielleicht nicht in sportlicher Hinsicht, denn er ist gerade erst aus dem Nachwuchskader eines Bundesligavereins geflogen - sondern das schönste Mädel der Schule, Debbie, scheint sich plötzlich für in zu interessieren. Was folgt, ist eine Gefühlsachterbahn und ein bisschen waghalsiges Abenteuer.

Klingt wild, ist es auch - zumindest ein bisschen. Es ist ein Coming-of-Age-Roman der sich wie eine Reise in die Vergangenheit anfühlt. Dabei wirkt nichts davon aufgesetzt oder konstruiert, sondern so, als hätte Christoph Kramer seine Erinnerungen an diese Zeit einfach eingefroren und nun wieder aufgetaut. Vieles davon liest man mit einem wissenden, mitfühlenden Lächeln und darf noch mal an seine eigene Teeniezeit zurückdenken.

Es ist ein großartiges Buch voller Flair, echten Gefühlen und jeder Menge nostalgischer Momente!

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Ruhig, aber dennoch nicht langweilig

Flusslinien
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Die 102-ejährige Margrit lebt in einer Seniorenresidenz in Hamburg. Von dort aus, lässt sie sich von Fahrer Arthur jeden Tag in den Römischen Garten am Elbufer bringen. Mit diesem Ort verbindet sie ein ...

Die 102-ejährige Margrit lebt in einer Seniorenresidenz in Hamburg. Von dort aus, lässt sie sich von Fahrer Arthur jeden Tag in den Römischen Garten am Elbufer bringen. Mit diesem Ort verbindet sie ein Stück Kindheit, doch vor allem für ihre Mutter Johanne hat er einst eine besondere Bedeutung gehabt. Während Margrit dabei auf Episoden aus ihrem Leben zurückblickt, welches sich unweigerlich dem Ende neigt, ist ihre Enkelin Luzie gerade dabei, langsam wieder zu sich selbst zurückzufinden. Nach einem einschneidenden Erlebnis im Internat, hat sie kurz vor dem Abitur die Schule geschmissen, sich in einem Strandhäuschen des DLRG einquartiert und probiert sich nun als Tätowiererin aus. Dabei stellt sich ausgerechnet ihr Oma als Modell zur Verfügung.

Ein berührender Roman über drei Generationen, der dazu einlädt innezuhalten, durchzuatmen, in eine vielschichtige Erzählung einzutauchen und diese auf sich wirken zu lassen. Vom Aufbau her fühlt man sich entfernt an „Der Geschmack von Apfelkernen“ erinnert und dennoch ist es eine vollkommen neue Erzählung, nur eben mit gewohnt fesselnder Sogwirkung. Kein spannungsgeladener Pageturner im klassischen Sinne, aber die kurzgehaltenen Kapitel, sich abwechselnde Perspektiven und Zeitebenen sorgen zwischendurch für eine willkommene Auflockerung dieser ansonsten eher ruhigen Geschichte. Die Atmosphäre wirkt durch nahbare Charaktere, greifbare Natur und originale Schauplätze regelrecht lebendig. Beim Lesen kann man sich gemächlich durch die Geschichte treiben lassen und nebenbei immer wieder Neues und Unerwartetes über die Protagonisten erfahren. Das Ende ist dafür weniger überraschend, wirkt jedoch wie ein kraftvoller und stimmiger Abschluss.

Von mir gibt es auf jeden Fall eine Leseempfehlung für diejenigen, die bereits Romane der Autorin kennen und ansonsten auch für alle anderen, die ruhige und dennoch stimmungsvolle Literatur mit Tiefe schätzen.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

Hochemotional

The Ruthless Fae King - Die Chroniken von Avalier 3
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Band 3 der Reihe handelt von Madelynn Windstrong, die als Prinzessin des Herbsthofes die Aufmerksamkeit des Winterkönigs auf sich zieht. Zu Madelynns Entsetzen,  hält er bei ihrem Vater um ihre Hand an.
Der ...

Band 3 der Reihe handelt von Madelynn Windstrong, die als Prinzessin des Herbsthofes die Aufmerksamkeit des Winterkönigs auf sich zieht. Zu Madelynns Entsetzen,  hält er bei ihrem Vater um ihre Hand an.
Der Herrscher über die Fae ist allseits bekannt für sein kaltherziges Wesen und die unerbittliche Härte, mit der er regiert. Obwohl ihm dieser Ruf voraus eilt, glänzt Lucien Thorne ihr gegenüber jedoch mit Charme und einem unwiderstehlichem Äußeren. Kaum bekommt sie einen Blick hinter die dunkle Fassade und beginnt ihre Meinung über ihn zu ändern, wird das Reich von Außen bedroht und Lucien ist gezwungen zu handeln. 
Währenddessen tragen politische Machtspiele und Intrigen ihre Blüten und Madelynns Vater besiegelt durch seine Feigheit schließlich ihr Schicksal.
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Der 3. Teil dieser Fantasyreihe ist ähnlich stark wie Band 1, nur spitzen sich die politischen Entwicklungen hier auf dramatische Weise weiter zu. Die Zeichen stehen nun endgültig auf Krieg und so bleibt den Hauptprotas kaum Zeit, sich ihrer aufkeimenden Romanze zu widmen.
Über die ganze Story hinweg, sorgen schlagfertige, witzige Dialoge und hochemotionale, spannende Ereignisse für ein tolles und fesselndes Leseerlebnis! Wieder ein Buch, dass man am liebsten erst dann aus der Hand legen mag, wenn die letzte Seite gelesen ist. Leider kommt das Ende viel zu plötzlich und hält wie zu erwarten war, einen gewaltigen Cliffhänger bereit, der die Vorfreude auf den finalen vierten Teil nochmals immens steigert! 
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Wer die Reihe noch nicht kennt, sollte am besten mit Band Eins starten. Da die Hauptcharaktere aus den vorherigen Bänden hier wieder einen Nebenauftritt haben, empfehle ich die Bücher dem besseren Verständnis zuliebe, in der Reihenfolge zu lesen. Es lohnt sich!

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