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Veröffentlicht am 19.08.2025

Lebenserkenntnisse in Japan

Kokoro
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Die Japanologin Beth steckt mitten in ihrer Midlife Krise und muss dabei zusätzlich noch den Verlust ihrer Mutter und einer Freundin verarbeiten.
Im Rahmen der Trauerbewältigung und der Suche nach einer ...

Die Japanologin Beth steckt mitten in ihrer Midlife Krise und muss dabei zusätzlich noch den Verlust ihrer Mutter und einer Freundin verarbeiten.
Im Rahmen der Trauerbewältigung und der Suche nach einer Art Sinn des Lebens begibt sie sich auf mehrere Reisen ins ländliche Japan und dortige Bergwanderungen.

Der Aufbau der Kapitel ist interessant und durchaus gelungen: Nach diversen Erzählungen über ihre Erlebnisse und ihr Leben werden dem Leser im Rahmen einer Übung einige Fragen gestellt, die zum Nachdenken anregen und dies teilweise auch gut schaffen, manchmal jedoch auch kaum Wirkung zeigen.
Im Anschluss folgt noch eine Weisheit, die uns die Autorin mit auf den Weg gibt.

Nach einer doch etwas zu lang geratenen Einleitung hat mich besonders der erste Teil des Buches überzeugen können.
Die japanische Kultur und Religionen wurden gut erklärt, erwecken Interesse und selbst mit viel Vorwissen kann man noch viel Neues lernen.
Immer wieder werden auch Kanji (japanische Schriftzeichen) und ihre Bedeutung erklärt, was für Lernende der Sprache echt toll war, jedoch kann ich mir auch gut vorstellen, dass es für den Rest der Leserschaft doch überwiegend uninteressant sein könnte.
Schilderungen wie Begegnungen mit weisen und freundlichen Einheimischen oder Erlebnisse in der Natur und auf Pilgerreisen wecken hingegen schnell die Aufmerksamkeit und öfters wurde ich an eigene ähnliche Erlebnisse in Japan erinnert.

Der spätere Teil des Buches geht sehr in Richtung Trauerbewältigung der Autorin und hat mich zwiegespalten zurückgelassen. Während ich zu Beginn noch die persönlichen Schilderungen als positiv empfand, wurde es mir hier etwas zu persönlich und hat mich teilweise an eine Art Tagebuch erinnert.
Auch wenn man selbst jemanden verloren hat, ist manches nicht einfach zu lesen.
Ebenso wirkte die Struktur manchmal etwas wirr und ich konnte den Zeitsprüngen nicht immer direkt folgen.
Die Grundidee hat mir besonders als Japan-Fan gut gefallen, meinen Geschmack haben die sehr persönlichen Abschnitte über die Trauer dann jedoch nicht getroffen.

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Veröffentlicht am 17.08.2025

Etwas langsam, aber interessante Einblicke

Wo die Moltebeeren leuchten (Die Norrland-Saga, Bd. 1)
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Auf zwei Zeitebenen in den Jahren um 1938 und 2022 taucht man als Leser in die Leben von der jungen Siv und ihrer späteren Enkeltochter ein.
Beide Geschichten erscheinen zunächst grundverschieden, jedoch ...

Auf zwei Zeitebenen in den Jahren um 1938 und 2022 taucht man als Leser in die Leben von der jungen Siv und ihrer späteren Enkeltochter ein.
Beide Geschichten erscheinen zunächst grundverschieden, jedoch entdeckt man im Verlauf des Romans immer mehr Gemeinsamkeiten und Grundthemen wie die Waldarbeit oder die Rolle der Sámi.

Sivs Geschichte fand ich hierbei um einiges interessanter und konnte auch besser mitfühlen. Die Atmosphäre in der Forsthütte wurde gut eingefangen und ich konnte von Anfang an mit ihr mitfiebern: Der Wunsch nach Bildung, die Verzweiflung in der ungewollten neuen Umgebung, die stetige Entwicklung, erste romantische Gefühle und die Suche nach ihrem Platz im Leben.
Dazu war es echt spannend, mehr über das damalige Leben der Waldarbeiter zu erfahren und einen Einblick in die schwedische Kultur zu bekommen.
Evas Zeitebene hat mir nicht so ganz zugesagt, es gab zwar spannende Momente, aber oft hat sich alles doch etwas gezogen.
Manches erschien mir auch leicht klischeehaft, wie der ganze Teil mit Influencern und veganen Jugendlichen.

Positiv war der Schreibstil für mich, selbst wenn die Geschichte stellenweise langsam war, konnte man doch recht flüssig immer weiterlesen.
Etwas gestört haben mich einige Fehler im Text, die sich in die Übersetzung reingeschlichen haben.
Auch gab es so viele Nebencharaktere, dass ich mir einfach nicht alle merken konnte, vor allem, da manche nur mit einem Satz mal vorgestellt wurden.
Insgesamt ist der Roman eine durchaus schöne Familiengeschichte mit interessantem Hintergrundwissen, hat jedoch auch seine Längen.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Cooles Konzept, etwas schwieriger Stil

Das Ministerium der Zeit
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Das Konzept der Geschichte hat mich direkt überzeugt: Eine geheime neue Technik ermöglicht es, Personen aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart zu holen. Dort bekommen sie eine Art Betreuer an die Seite ...

Das Konzept der Geschichte hat mich direkt überzeugt: Eine geheime neue Technik ermöglicht es, Personen aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart zu holen. Dort bekommen sie eine Art Betreuer an die Seite gestellt, der sie an das neue Leben gewöhnen soll.
Hier im Fokus steht Polarforscher Graham Gore, den es fast 200 Jahre in die Zukunft verschlägt.
Interessant und durchaus auch mal lustig zu lesen fand ich seine Erkundung der heutigen Welt. Wir begleiten ihn auf dieser Reise im altbekannten und doch sehr fremden England und entdecken dabei unsere eigene Welt auch wieder ganz neu, das was für uns selbstverständlich ist, war damals noch eine Sensation oder unvorstellbar.
Parallel zu diesen Kapiteln gehen wir aber auch mit auf die Expedition von Gore, bei der er eigentlich damals ums Leben kam. Diese Kapitel fand ich nochmal besonders interessant, da Gore ja eine historische Persönlichkeit ist und die Erzählungen auf wahren Begebenheiten beruhen.

Gleichzeitig hätte ich mir aber auch gewünscht, dass man noch mehr zu den anderen Zeitreisenden/Expats erfährt, hier hätte man das Potenzial ruhig noch mehr ausschöpfen können.
Auch die Liebesgeschichte hat mich nicht ganz abgeholt, es gab zwar immer wieder mal passende Momente, allerdings hab ich die Chemie nicht wirklich gespürt.
Beim Stil und der Sprache bin ich zwiegespalten. Einerseits mochte ich die zahlreichen Abschweifungen von der Haupthandlung teilweise sehr gerne, andererseits habe ich sie zwischendurch auch mal als zäh empfunden.
Themen wie die Macht der Sprache haben mich zum Nachdenken angeregt, während ich gleichzeitig den Schreibstil mit seinen eher ungewöhnlichen Formulierungen manchmal verflucht habe.
Insgesamt war es nicht so ganz das, was ich zuerst erwartet habe, jedoch hat mich die Geschichte doch zum Großteil überzeugen können.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Mehr Fiktion als Sachbuch

Astro-Tims Sternstunden
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Ich glaube ich bin mit den falschen Erwartungen in dieses Buch gegangen: Während ich eher ein reines Sachbuch erwartet hätte, sind hier doch eher viele Science-Fiction-Elemente verbaut worden.
Dies ist ...

Ich glaube ich bin mit den falschen Erwartungen in dieses Buch gegangen: Während ich eher ein reines Sachbuch erwartet hätte, sind hier doch eher viele Science-Fiction-Elemente verbaut worden.
Dies ist grundsätzlich erstmal nicht schlecht und macht natürlich auch Sinn, wenn man bedenkt, dass Astro Tim hier einen Ausblick auf unsere mögliche Zukunft im All gibt und dadurch natürlich alles ungewiss ist.
Für meinen Geschmack war es dann teilweise jedoch schon etwas zu hypothetisch und ich hätte mir noch mehr Fakten gewünscht.

Gelungen fand ich jedoch die Gliederung: Auf mehreren Stufen von 50 bis 1000 Jahren in der Zukunft wird spekuliert, wie unsere Fortschritte aussehen könnten. Cool war hierbei immer der Rückblick, wo stand die Menschheit vor 50 oder 1000 Jahren in der Vergangenheit? Diese Passagen haben immer schön die Perspektive vermittelt und konnten mit vielen interessanten Fun Facts punkten.
Auch die vielen Bilder haben den Text super ergänzt und manches konnte man sich dadurch erst richtig gut vorstellen.

Die Zukunftsvisionen selbst waren teilweise ganz spannend, an anderen Stellen hat es sich jedoch auch immer wieder mal ein wenig gezogen - kein Buch, das man am Stück lesen sollte. Positiv fand ich hingegen, dass die Zukunft ausgeschmückt wurde und so lebendiger wirkte, es gab immer viele kleine Details oder fiktive Personen. Dadurch wirkte es andererseits dann doch öfters mal wie ein Science-Fiction Roman und weniger wie ein Sachbuch. Hier hätte ich mir noch mehr von den Abschnitten gewünscht, die über Fakten berichten.
Auch bin ich zwiegespalten über den Stil: Der Autor betont im Prolog, dass er einen optimistischen Ausblick auf die Zukunft werfen will, was ich grundsätzlich auch positiv fand, jedoch fand ich manches dann doch schon sehr utopisch und eher unrealistisch.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Außen hui, innen ganz ok

Faebound
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Zunächst muss ich hier echt die absolut geniale Gestaltung der deutschen Ausgabe loben, Cover, Farbschnitt, Einband, hier passt einfach alles.
Auch innen ist eine tolle bunte Weltkarte abgedruckt, die ...

Zunächst muss ich hier echt die absolut geniale Gestaltung der deutschen Ausgabe loben, Cover, Farbschnitt, Einband, hier passt einfach alles.
Auch innen ist eine tolle bunte Weltkarte abgedruckt, die zwischendurch immer wieder ganz nützlich war.
Die Autorin erschafft generell eine spannende Welt: Geschichten über Gottheiten, verschiedene Völker, Magie und Kriege. Immer wieder werden kleine Details eingebaut, die mehr über diese Welt erzählen und sie so lebendiger erscheinen lassen. Viele Beschreibungen fand ich echt toll gemacht und richtig fantasievoll. Jedoch liegt hierin auch ein kleiner Kritikpunkt, vieles wurde für meinen Geschmack dann doch nicht genug beschrieben. Man erhält kleine Einblicke in die Welt, die auch gut überzeugen, aber vieles wird auch nicht richtig ausgebaut - vielleicht bessert sich das ja im nächsten Band.

Besonders spannend fand ich hierbei die Beschreibung der Magie bzw. ihre Herkunft, das Konzept von Trommeln als Waffen und die vielen LGBTQ+ Elemente. Diese haben im Kontext der Handlung total natürlich und nicht gezwungen gewirkt, auch hat das Setting mit Elfen und Fae hier einen schönen Rahmen dafür geliefert.
Ein wenig befremdlich als deutscher Leser war jedoch die Verwendung der Pronomen they/them - während es im englischen Text nicht auffällt, bin ich hier öfters mal dran hängengeblieben.

Erzählt wird die Geschichte aus den Perspektiven von Yeeran und ihrer Schwester Lettle. Zwei Perspektiven fand ich grundsätzlich nicht schlecht, besonders wenn die Handlungen etwas auseinandergingen. Ich bin nur leider noch nicht so richtig warm mit beiden Protagonisten geworden, immer wieder mal fand ich ihr Verhalten oder ihre Denkweisen ein wenig nervig oder manchmal auch unsympathisch, auch wenn es sich im Verlauf etwas gebessert hat. Auch hatte die Handlung zwischendurch doch auch ein paar Längen.
Insgesamt ein netter Auftakt mit einer interessanten Welt, jedoch gibt es noch Luft nach oben für den nächsten Band.

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