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Veröffentlicht am 05.01.2018

Eine Frau will nach oben

Hinter dem Orangenhain
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Und zwar aus einer ganz besonders schwierigen Lage: Pérsomi lebt in Südafrika in ärmlichsten Verhältnissen und hat oft genug nicht ausreichend zu essen. Wir begleiten sie von Kindheit an und erleben ihr ...

Und zwar aus einer ganz besonders schwierigen Lage: Pérsomi lebt in Südafrika in ärmlichsten Verhältnissen und hat oft genug nicht ausreichend zu essen. Wir begleiten sie von Kindheit an und erleben ihr Schicksal als eines von vielen Kindern einer Beiwohnerfamilie, die bei reicheren Gutsbesitzern auf dem Grundstück lebt und für diese arbeitet. Leider will ihr Vater seinen Töchtern auch auf andere Art beiwohnen und bei Pérsomis Schwester gelingt ihm das auch.

In ganz jungen Jahren sagt Pérsomi vor Gericht gegen den Willen ihrer Mutter gegen ihn aus, nachdem sie erfahren hat, dass er gar nicht ihr leiblicher Vater ist und macht so von sich reden. Bald darauf hat sie die Möglichkeit, in die örtliche Schule zu kommen, wo sie in einem Internat hat. Im Gegensatz zur Heldin Hildegard aus dem Vorgängerroman "Sehnsuchtsland", in dem sich der Protagonistin wenig Möglichkeiten zur Selbstentfaltung bieten, bietet sich Pérsomi die Möglichkeit, ihren eigenen Weg zu gehen, die Schule mit Auszeichnung abzuschließen und Jura zu studieren. Unterwegs begegnen ihr Menschen, die ihr zeigen, was Freundschaft und Wertschätzung ist und auch ihr starker Glaube nicht nur an Gott, sondern vor allem an die Gerechtigkeit hilft ihr, so manche Situation durchzustehen.

Privat läuft es nicht ganz so glatt - hier muss sich Pérsomi schon früh mit Verlusten auseinandersetzen, die nicht zuletzt damit zusammenhängen, dass ihre Mutter ihr den Namen ihres wahren Vaters nicht nennen will. Aber auch die schwierigen Bedingungen - der Roman spielt während und nach dem Zweiten Weltkrieg - tragen das ihre dazu bei und Pérsomi muss sich häufig in politischen Angelegenheiten gegen diejenigen, die ihr die Liebsten sind, stellen.

Eine Frau, die in vielerlei Hinsicht etwas erreichen will - ob es ihr gelingt, das können Sie erlesen. Dabei erfahren Sie eine Menge über die politischen Entwicklungen gerade in den Jahren, in denen die Apartheid-Politik am stärksten zum Tragen kam.

Ein Frauenschicksal in Deutschland in der Mitte und der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts, wie ich es so bislang noch nicht gelesen habe. Die Autorin Irma Joubert eröffnet neue Perspektiven, Blickwinkel und Aspekte. Manches wird nicht so vertieft, wie ich es mir gewünscht hätte, dennoch habe ich dieses fesselnde Buch nicht aus der Hand legen können. Mitreißend, aufwühlend, ab und an auch überraschend: ein historischer Roman über den Lebensweg einer besonderen Frau, der lesenswert ist!

Veröffentlicht am 05.01.2018

Um Leib und Leben

Don't You Cry - Falsche Tränen
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fürchtet die junge Quinn - Ich-Erzählerin des vorliegenden Buches, die in einer Wohngemeinschaft mit der ordentlichen, geradlinigen Evelyn lebt, nachdem selbige seit mehreren Tagen nicht mehr aufgetaucht ...

fürchtet die junge Quinn - Ich-Erzählerin des vorliegenden Buches, die in einer Wohngemeinschaft mit der ordentlichen, geradlinigen Evelyn lebt, nachdem selbige seit mehreren Tagen nicht mehr aufgetaucht ist und sich einige überaus verwirrende, ja beängstigende Entwicklungen ergeben haben.

Wollte ihre Mitbewohnerin sie loswerden? Einbicke in das Innerste der Protagonisten - wenn auch zunächst sehr punktuelle - offenbart dieses bewegende Buch, die zunächst überaus verwirrend sind, denn in einem zweiten Erzählstrang kommt Alex zu Wort, offenbar ein Junge aus der Nachbarschaft. Allerdings lässt sich beim besten Willen weder ein Zusammenhang zu Quinn noch zu Evelyn herstellen. Ist es überhaupt eine Geschichte, können die zwei Handlungsteile zusammengeührt werden? Nun, sie können: und zwar auf eine absolut unerwartete, doch durchaus nachvollziehbare Art und Weise. Aber bis dahin ist es ein langer Weg.

Durch den Stil wird eine besondere Dynamik eingebracht, leider jedoch ist das Buch nicht frei von Längen. Zwischendurch plätschert die Handlung so vor sich hin, dass es mir immer mal wieder schwer fiel, am Ball zu bleiben. Doch man sollte durchhalten: es lohnt sich.

Denn im Verlauf der Geschichte offenbart sich so einiges Überraschende, vieles ist dann doch anders, als es scheint. Ein oft trauriges, doch aus meiner Sicht dennoch nicht deprimierendes Buch, denn die Autorin versteht es, den Leser auf eine sehr angenehme Art aus den allertiefsten Verstrickungen der Geschichte herauszuhalten. Nicht alle Charaktere sind die, die sie zu sein scheinen.

Zudem gibt es ganz klar ein Happy End, was bei dieser Art von Literatur ja nicht unbedingt üblich ist. Und: es ist definitiv eines, das passt! Auch wenn es nicht ohne "Ecken und Kanten" ist - eines Thrillers würdig eben!

Eine lohnens- und empfehlenswerte Lektüre, die ich im Gegensatz zum Vorgängerband "Pretty Baby" durchaus als Thriller, wenn auch fern jeglicher Actionhandlung, bezeichnen würde. Vielmehr ist dieses Buch aus meiner Sicht einfühlsamer Psychothriller mit rundem Ende zu klassifizieren, dem allerdings auf dem Weg dorthin streckenweise die Puste ausgeht, wenn auch nur kurz. Dennoch lesenswert!

Veröffentlicht am 05.01.2018

Lechaim - aufs Leben!

Köstliches Israel
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So sagt man "Prost" auf hebräisch, aber es beinhaltet so viel mehr, denn das Leben an sich verdient es, Tag für Tag gefeiert zu werden: einfach dafür, dass man es noch hat. Dies ein Gedanke, der mir bei ...

So sagt man "Prost" auf hebräisch, aber es beinhaltet so viel mehr, denn das Leben an sich verdient es, Tag für Tag gefeiert zu werden: einfach dafür, dass man es noch hat. Dies ein Gedanke, der mir bei diesem israelischen Kochbuch, das den Festen und Feiertagen gewidmet ist, durch den Kopf geht. Warum sonst sollte eines der Kapitel dem Alltag gewidmet sein?

Der christlich bzw. religiös orientierte SCM Verlag hat dieses Buch herausgegeben und das spürt man auf jeder Seite - durch die Erläuterungen zu den einzelnen Festen und Feiertagen vor jedem Kapitel, vor allem jedoch durch die Bibelzitate zu jedem Rezept, die das Buch aus meiner Sicht ganz besonders abrunden. Hier wird deutlich, was für weite Kreise die Juden oft ziehen mussten - geographisch und dadurch bedingt dann auch soziokulturell, denn es ist ein kosmopolitisches Kochbuch. Allerdings mit einem starken - aus meiner Sicht etwas zu starken Fokus auf den arabischen Raum, die osteuropäischen Rezepte, die in der israelischen Küche ja auch durchaus eine Rolle spielen, sind in der Minderzahl. Vermisst habe ich Klassiker wie "Gefilte Fisch", die bei Feiertagen doch sicher auch eine Rolle spielen. Und außerdem - trotz des arabischen Schwerpunkts Rezepte mit Avocado. Diese Frucht liebe ich sehr, gerade auch im Kontext der israelischen Küche.

Eine Besonderheit ist auch der Umstand, dass alle Rezepte von Hobbyköchen, die sich freiwillig für diesen "Job" gemeldet hatten, gekocht und fotografiert wurden. Sie alle haben ihre Kocherfahrungen zum jeweiligen Rezept kommentiert, was dem Buch eine ganz besondere individuelle Note verleiht.

Viele der Rezepte sind ein Kleinod für sich. Es ist zahlreiche dabei - wie ein absolut köstlicher marokkanischer Karottensalat und Zucchinipuffer, um nur zwei Beispiele zu nennen, die ich noch öfter nachkochen werde: Schnell und unkompliziert, mit preisgünstigen Zutaten, dennoch mit einer ganz besonderen Note. Gestört hat mich allerdings eines: In Deutschland ungewöhnliche Zutaten wie Kaschkawal-Käse oder Baharat werden weder erläutert noch werden Alternativen vorgeschlagen. Muss man selbst drauf kommen! Empfehlungen und Erklärungen hierzu hätte ich sehr hilfreich gefunden!

Dennoch ein ganz besonderes und empfehlenswertes Kochbuch, das die jüdische Kultur auf ganz besondere, vielfältige Weise vermittelt und deutlich macht, wie weit verbreitet das Judentum in der ganzen Welt von jeher war und gottseidank - wenn auch leider nicht mehr in dem Ausmaß wie früher - wieder ist.

Veröffentlicht am 05.01.2018

So hätte es sein können

Spätes Gewissen
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Begebenheiten, wie sie sich hätten zutragen können in der ehemaligen DDR und die auch solchen, die in dieser Beziehung schon einiges gelesen und auch anderweitig mitbekommen haben, die Haare in die Höhe ...

Begebenheiten, wie sie sich hätten zutragen können in der ehemaligen DDR und die auch solchen, die in dieser Beziehung schon einiges gelesen und auch anderweitig mitbekommen haben, die Haare in die Höhe und die Tränen in die Augen schießen lassen und das Herz gehörig zum Rasen bringen: Solche schildert Wolfgang Westphal in "Spätes Gewissen". Und er ist einer, der es wissen muss, gelang ihm doch als Teenager gemeinsam mit den Eltern die Republikflucht.

Ja, auch in der DDR gab es Sexualverbrechen, aber aufgrund des alles andere als freien Journalismus war es möglich, diese weitgehend unter Verschluss zu halten, die Staatsapparate konnten Angehörige der Opfer und andere Betroffene leicht einschüchtern.

Wobei es Peter, dem Alter Ego des Autors, der nach langen Jahren im Westen in die heimatlichen Gefilde zurückkehrt, zunächst um etwas ganz anderes geht: er will seinen Jugendfreund wiedersehen, der dort zurückgeblieben ist und gerät dadurch in eine ganz andere, viel größere Geschichte, in der es um eine Mordserie an Frauen geht, die sich über Jahrzehnte erstreckte und möglicherweise noch andauert. Fast beiläufig erfährt er, dass der Freund schon vor Jahren ums Leben kam - etwa in Zusammenhang mit diesen Morden?

Peter trifft auf diverse Menschen, die ihm etwas erzählen können und nach und nach offenbaren sich wahre Abgründe. Wirklich nach und nach erst, denn die Geschichte ist lang, nimmt viele Wendungen und gerät auch mal auf Abwege. Sie ist gut erzählt, alle Figuren sind eindringlich, wenn auch ausgesprochen ausgiebig beschrieben und man kann sich als Leser nach der Lektüre ein gutes Bild davon machen, wie das Leben in der DDR auch heute noch Einfluss auf gewisse Vorgänge hat. Nicht zu knapp, kann ich Ihnen sagen! Doch mir war es insgesamt viel zu umständlich und obwohl es viele sehr spannende Stellen im Buch hat, gab es auch mindestens ebenso viele Längen, die mich das Buch wiederholt aus der Hand legen ließen. Kurzum: ich empfand die Geschichte als umständlich und kam nach den Pausen schwer wieder rein. Die zahlreichen Charaktere, die sich hier tummeln, musste ich dann stets wieder neu sortieren. Ein dennoch ausgesprochen lesenswertes Buch, das aber um mindestens ein Drittel kürzer hätte ausfallen können!

Veröffentlicht am 05.01.2018

Klassisch geht es zu

Ein unmöglicher Mord
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in diesem very british gehaltenen Krimi und das betrifft sowohl Inhalt als auch Konzept dieses historischen Spannungsromans, den ich als klassischen Whodunnit bezeichnen würde.

Das deutsch-englische ...

in diesem very british gehaltenen Krimi und das betrifft sowohl Inhalt als auch Konzept dieses historischen Spannungsromans, den ich als klassischen Whodunnit bezeichnen würde.

Das deutsch-englische Verhältnis und der Golfsport spielen eine entscheidende Rolle im Geschehen wie auch Mr. Holmes (nein, nicht DER Holmes). Er ist insofern der Initiator der Ereignisse, als dass er seinen Freund Stableford, der mit Gattin Harriet gerade auf dem Lande bei den Schwiegereltern weilt, um Unterstützung bittet und zwar auf dem nachbarlichen Anwesen, wo ein offiziell internationales, de facto jedoch deutsch-englisches Golftournier stattfinden soll.

Wir schreiben das Jahr 1938 und im Vorfeld dieses sportlichen Events tragen sich geheimnisvolle Dinge zu, die die Anwesenden um Leib und Leben fürchten lassen und ich kann Ihnen, ohne in medias res zu gehen, bereits verraten, dass dies nicht unbegründet ist.

Aber mehr erfahren Sie nicht von mir, denn Sie sollen das Buch ja selber lesen! Nur so viel: Autor Rob Reef schreibt unterhaltsam, dabei mit einem Augenzwinkern und entwirft wunderbar aussagekräftige Charaktere, die ich beim Lesen förmlich vor Augen hatte: ein Buch bzw. eine Serie, die wunderbar verfilmt werden könnte. Und Reef liebt Golf, was man auf Schritt und Tritt bzw. auf (fast) jeder Seite spürt - ein Faible, dass ich nicht unbedingt teile, das aber - wie drückt man es am besten britisch-diplomatisch aus - auch nicht stört.

Alles in allem ein wirklich charmanter Krimi mit einer klaren und gut nachvollziehbaren Auflösung (was bei Krimis längst nicht immer der Fall ist) und einer Reihe von Alleinstellungsmerkmalen, die den Leser förmlich dazu verführen, sich auch die vorherigen Bände zu gönnen. Auch gut geeignet für den Urlaubskoffer - nicht nur, wenn es nach Britain geht!