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Veröffentlicht am 07.01.2025

Kurzgeschichten, die nicht wirklich fesseln können

Tod in Sils Maria
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Was soll ich sagen? Tod in Sils Maria hätte so viel Potenzial gehabt. Die Grundideen der Geschichten sind wirklich interessant: Ein Hotel voller düsterer Geheimnisse, Intrigen auf der Loipe, ein verschwundener ...

Was soll ich sagen? Tod in Sils Maria hätte so viel Potenzial gehabt. Die Grundideen der Geschichten sind wirklich interessant: Ein Hotel voller düsterer Geheimnisse, Intrigen auf der Loipe, ein verschwundener Gast, der nicht mehr auftaucht – das alles klingt nach den perfekten Zutaten für spannende Kurzkrimis. Und ja, es gibt tolle Ansätze in den Geschichten, keine Frage.

Doch leider hapert es gewaltig an der Umsetzung. Die Spannung, die bei einer guten Kurzgeschichte sofort greifen sollte, will einfach nicht richtig aufkommen. Und wenn sie doch mal kurz aufflackert, ist die Geschichte auch schon wieder vorbei. Oft fühlt es sich an, als würden die Geschichten gehetzt erzählt. Es bleibt kaum Zeit, um wirklich in die Atmosphäre einzutauchen oder die Figuren so kennenzulernen, dass man mit ihnen mitfiebern könnte.

Klar, bei einer Kurzgeschichte ist das immer eine Herausforderung und auch nicht immer das Ziel, aber hier hat es bei mir leider gar nicht funktioniert – oder schlimmer noch: Es kam Langeweile auf. Vielleicht wäre weniger tatsächlich mehr gewesen. Wenn Knellwolf die Anzahl der Geschichten reduziert und dafür den einzelnen mehr Raum gegeben hätte, hätten sie sich vermutlich besser entfalten können.

Ich verstehe den Balanceakt zwischen einer dichten Atmosphäre und der Kürze, die Kurzgeschichten mit sich bringen. Doch während Letzteres hier durchaus funktioniert, scheitert es an der Atmosphäre.

Am Ende bleibt bei mir ein Gefühl von verpasstem Potenzial. Die Ideen sind da, und manche Geschichten haben Momente, die wirklich faszinieren. Aber insgesamt bleibt die Spannung auf der Strecke – und genau das ist so schade. Ich wollte mitfiebern, wurde aber zu oft aus dem Moment gerissen.

Fazit: Tolle Ansätze, aber unspannend umgesetzt. Wer winterliche Krimi-Episoden ohne viel Tiefgang sucht, könnte hier fündig werden. Für Leser, die sich mitreißende Spannung und eine nachhaltige Wirkung wünschen, dürfte die Sammlung jedoch zu blass bleiben. Für mich bleibt es ein Buch, das ich gern mehr gemocht hätte – schade drum.

5/10

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  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2024

Ein Thriller, der sich selbst im Weg steht

Genesis
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Zitat:

„Nein, Daten sind das neue Gold. Ihre und meine. Daten sind die harte Währung des Internets. Daten SIND das Internet.“

So hat es mir gefallen:

Wer mich kennt, weiß, dass mein Herz für Polit- ...

Zitat:

„Nein, Daten sind das neue Gold. Ihre und meine. Daten sind die harte Währung des Internets. Daten SIND das Internet.“

So hat es mir gefallen:

Wer mich kennt, weiß, dass mein Herz für Polit- und Tech-Thriller schlägt, und in Genesis steckt sogar beides. Die Ausgangslage des Buches ist hochaktuell und spannend. Schönberger greift Themen auf, die uns täglich umgeben: die Manipulation durch Tech-Giganten, Datenklau und Cybersicherheit. Mit diesem Plot dürfte doch alles für einen Knaller angerichtet sein, oder?

Der erste große Schwachpunkt offenbart sich bereits bei den Figuren. Schönberger füllt seine Geschichte mit einer schieren Anzahl an Figuren, die aber kaum Tiefe entwickeln. Zu viele Namen, zu viele Perspektiven. Obwohl erkennbar ist, dass einzelne Figuren näher beleuchtet werden, bleibt der Versuch meist oberflächlich. Bis zum Ende des Buches war mir das Schicksal der Figuren völlig egal. Thriller leben von der Entwicklung und Tiefe der Figuren – dieser Schwachpunkt ist ein fataler Fehler.

Ein weiterer Schwachpunkt ist das Pacing. Genesis ist in drei Teile aufgeteilt. Der erste Abschnitt ist dynamisch und spannend und macht Lust auf mehr. Doch schon der zweite Teil bremst das Tempo massiv aus. Hier widmet sich der Autor der Vertiefung seiner Figuren und der Hintergrundgeschichte, was für mich aber nur minimal gelang. Der Mittelteil fühlt sich oft langatmig und zäh an, und die Spannung, die der Einstieg aufgebaut hat, verpufft völlig. Mein Interesse ließ spürbar nach. Der dritte Teil bringt das große Finale. Hier zieht der Autor nochmal sämtliche Register, und die Handlung nimmt wieder an Fahrt auf. Doch der Spannungsabfall aus dem mittleren Teil wiegt schwer, und obwohl das Ende einiges rettet, bleibt ein fader Beigeschmack von dem, was hätte sein können. Als Thriller kann Genesis sein Versprechen nicht einlösen.

Genesis ist ein Buch, das viel will – vielleicht auch einfach zu viel. Schönberger scheitert daran, die vielen Handlungsstränge und Figuren zu einer kohärenten und fesselnden Geschichte zu verknüpfen. Der Plot hat enormes Potenzial, aber der Autor verliert sich in der Fülle seiner Ambitionen. Weniger Figuren und ein strafferer Plot hätten dem Thriller gutgetan. Und wer weiß, vielleicht wäre es der Kracher des Jahres geworden. Für die akribische Recherche und auch den gelungenen Schreibstil ziehe ich meinen Hut, doch das allein reicht natürlich nicht aus, um das Buch auf eine höhere Wertung zu heben. Genesis ist lesenswert für Fans des Genres, die sich vor allem rund um die Thematik Cybersicherheit und Datenmissbrauch interessieren, müssen aber an einigen Stellen mit Abstrichen rechnen. Ein solides Buch, das an seinen großen Visionen und Ambitionen stolpert.

6/10

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.11.2024

Viel Potenzial verschenkt

Brixton Hill
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Zitat:

„Jay konnte nur vermuten, dass Em ihre Abgründe, ihre Dämonen von ihrer Mutter geerbt hatte und sie hinter der pragmatischen, harten Schale, die von ihrem Vater kam, in Schach hielt.“

Darum geht’s:

Als ...

Zitat:

„Jay konnte nur vermuten, dass Em ihre Abgründe, ihre Dämonen von ihrer Mutter geerbt hatte und sie hinter der pragmatischen, harten Schale, die von ihrem Vater kam, in Schach hielt.“

Darum geht’s:

Als in einem Luxushochhaus die gesamte Technik ausfällt und Rauch aus den Belüftungsschächten strömt, muss Emma hilflos zusehen, wie ihre Freundin aus dem 15. Stock in den Tod springt. Kurz darauf wird Emma verhaftet: Man beschuldigt sie, sich in die Gebäudetechnik gehackt und die Katastrophe ausgelöst zu haben. Emma sieht sich einer Intrige ausgesetzt. Als sie selbst Ziel eines weiteren Angriffs wird, beschließt sie, zurückzuschlagen. Die Spur führt nach Brixton Hill, zu einem Stalker – doch Emma entdeckt bald ein Verbrechen, bei dem es um sehr viel Geld geht und in das möglicherweise auch ihre Familie verstrickt ist.

So hat es mir gefallen:

Das Buch beginnt mit einem vielversprechenden Szenario: Als Emmas Freundin aus dem 15. Stock eines Luxushochhauses springt, verwandelt sich ihr Leben in einen Albtraum. Diese tolle Prämisse legt den Grundstein für einen wirklich spannenden Thriller, der das Potenzial gehabt hätte, von der ersten bis zur letzten Seite zu fesseln. Die Figuren, insbesondere Emma, sind gut ausgearbeitet. Sie ist vielschichtig und authentisch, was sie zu einer sympathischen Hauptfigur macht. Die Andeutungen über ihre Vergangenheit und die ständige Bedrohung, die sie umgibt, lassen hoffen, dass sich hier ein komplexes Netz aus Lügen und Machenschaften entfaltet.

Doch leider erfüllt das Buch in puncto Spannung nicht die hohen Erwartungen. Trotz der guten Ausgangssituation und der interessanten Thematik leidet die Geschichte stark am fehlenden Spannungsbogen. Es kommt zu keiner Zeit wirkliche Spannung auf, und oft fehlte mir der Anreiz, umzublättern und weiterzulesen. Es mangelt viel zu oft an Höhepunkten und spektakulären Wendungen, die einen Thriller eben auszeichnen. Stattdessen gibt es viele lange Passagen, in denen die Handlung ins Stocken gerät.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Brixton Hill“ ein Buch ist, das zwar mit einer starken Ausgangslage und interessanten Figuren beginnt, jedoch in der Umsetzung an Spannung und Dramatik erheblich schwächelt. Während die Zutaten für einen großartigen Thriller vorhanden sind, bleibt das Buch letztlich hinter den Erwartungen zurück. Ich wollte es wirklich mögen, aber ohne die nötige Spannung war es schwer, sich vollends auf die Geschichte und die Figuren einzulassen.

6/10

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Veröffentlicht am 10.06.2025

Das war leider nix

Code Kill – Ein tödliches Spiel
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Abgelegene Insel, maskierter Killer, fünf Gäste und ein Hotel im Sturm – was klingt wie die perfekte Bühne für einen dichten Psychothriller, driftet in Code Kill – Ein tödliches Spiel leider zunehmend ...

Abgelegene Insel, maskierter Killer, fünf Gäste und ein Hotel im Sturm – was klingt wie die perfekte Bühne für einen dichten Psychothriller, driftet in Code Kill – Ein tödliches Spiel leider zunehmend ins Absurde ab.

Der Einstieg macht Lust auf mehr: düsteres Setting, sturmgepeitschte Atmosphäre, ein Protagonist mit Mystery-Potenzial. Hendrik Klein beginnt stark und liefert klassisches Whodunit-Flair mit moderner Härte. Doch je weiter die Handlung fortschreitet, desto mehr eskaliert das Ganze – und zwar nicht im guten Sinne.

Statt psychologischem Nervenkitzel hagelt es drastische Gewalt, überdrehte Szenen und Figuren, die mehr reagieren als handeln. Besonders legendär (leider im negativen Sinn): die „Spiceszene“, bei der sich zwei Figuren mitten im Überlebenskampf lieber der Erotik als der Flucht widmen. Das wirkt so deplatziert, dass man sich fragt, ob hier versehentlich ein anderes Genre reingerutscht ist.

Und das Finale? Ein Twist, der eher für Augenrollen als Aha-Momente sorgt. Was spannend begann, endet wie ein Mix aus Splatterkino und Trash-TV – mit dem bitteren Beigeschmack, dass hier mal richtig Potenzial auf der Strecke geblieben ist.

Immerhin: der Schreibstil ist solide, flott und gut lesbar. Aber auch das kann nicht retten, was am Ende eher wie ein durchgeknallter Ideenstapel wirkt, als wie ein Thriller mit Substanz.

Fazit: „Weniger wäre mehr gewesen.“ Oder wie man nach der Spiceszene denkt: WTF?

4/10

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Enttäuschend

Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume
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So hat es mir gefallen:

Das Jahr endet für mich mit einem Buch, das meine Erwartungen enttäuscht hat: „Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume“. Die Grundidee des Romans klang vielversprechend. ...

So hat es mir gefallen:

Das Jahr endet für mich mit einem Buch, das meine Erwartungen enttäuscht hat: „Das Tagebuch im Waschsalon der lächelnden Träume“. Die Grundidee des Romans klang vielversprechend. Ein Waschsalon, der als Dreh- und Angelpunkt für Menschen mit Sorgen, Ängsten und Geschichten dient, schien eine warme, hoffnungsvolle Geschichte zu versprechen – ein literarisches Wohlfühlprogramm also. Doch am Ende entpuppt sich das Buch als ein zuckersüßes Potpourri aus Belanglosigkeiten.

Die Charaktere, fünf ungleiche Menschen, die durch das grüne Tagebuch verbunden werden, bleiben oberflächlich und klischeehaft. Ihre Probleme mögen authentisch wirken und bilden sicherlich die Lebensrealitäten wider, doch die Erzählung bleibt träge und uninspiriert. Es fehlt an erzählerischem Schwung, an echten Konflikten, oder Momenten, die tatsächlich berühren. Stattdessen zieht sich die Handlung wie ein endloser Waschgang ohne jeglichen Glanz.

Besonders fand ich die „zuckersüßen Happy Ends“, die so vorhersehbar und übertrieben daherkommen, dass sie fast schon schmerzen. Was als emotionaler Abschluss gedacht ist, wirkt mehr wie eine kitschige Aneinanderreihung von Szenen aus einem billigen Lebensratgeber. Dazu kommt die teils seichte „Psychologie“, die wie aus einem Abreißkalender für alltägliche Weisheiten wirkt und dem Buch jeglichen intellektuellen Anspruch nimmt. Auch die sprachliche Umsetzung trägt nicht dazu bei, das Buch zu retten. Stilistische Fehler und Nachlässigkeiten machen das Leseerlebnis mühsam und untergraben den Charme, den die Geschichte eigentlich ausstrahlen könnte.

Wer leichte, vorhersehbare Geschichten ohne große Tiefen liebt und einfach mal abschalten möchte, könnte hier auf seine Kosten kommen. Wer hingegen ein Werk sucht, das nachhaltig berührt, inspiriert oder intellektuell fordert, wird enttäuscht sein. Für mich bleibt es ein Roman, der viel Potenzial hatte, dieses aber gnadenlos verschenkt hat. Schade.

4/10

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