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Veröffentlicht am 14.08.2025

Nicht schlecht

Holmes & Moriarty
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Ich habe „Holmes & Moriarty“ von Gareth Rubin gelesen und meine Erwartungen waren nicht gerade niedrig. Die Ausgangslage klingt einfach zu gut, um nicht spannend zu sein: London, 1889. Sherlock Holmes, ...

Ich habe „Holmes & Moriarty“ von Gareth Rubin gelesen und meine Erwartungen waren nicht gerade niedrig. Die Ausgangslage klingt einfach zu gut, um nicht spannend zu sein: London, 1889. Sherlock Holmes, Dr. Watson und ausgerechnet Erzfeind Professor Moriarty, sind gezwungen zusammenzuarbeiten. Dazu ein junger Schauspieler, dessen Publikum jeden Abend in anderen Verkleidungen auftaucht, und ein Mord, der Moriarty und seinen Gefolgsmann Moran in die Flucht treibt. Klingt nach einer genialen Mischung aus klassischem Holmes-Rätsel, düsterer Atmosphäre und bissigen Dialogen.

Der Start hat mich dann auch richtig abgeholt. Gareth Rubin schreibt bildhaft, hallo Kopfkino, das viktorianische London lebt in den Seiten, Nebel und Gaslaternen inklusive. Besonders Moriarty bekommt mehr Tiefe, als man es aus vielen Adaptionen kennt. Er ist nicht nur der geniale Bösewicht, sondern ein Charakter mit Zweifeln und sogar verletzlichen Momenten. Das hat mir gefallen, weil es ihn menschlicher macht und frischen Wind ins bekannte Setting bringt.

Und genau hier liegt aber auch mein größtes Problem: Während Moriarty so präsent ist, bleibt Holmes erstaunlich blass. In den Originalen von Conan Doyle ist er das Zentrum jeder Szene, doch hier wirkt er eher wie eine Nebenfigur. Das berühmte Funkeln, die geniale Arroganz, die kühle Beobachtungsschärfe? Irgendwie Fehlanzeige. Dadurch fehlt dem erzwungenen Zusammenspiel zwischen Holmes und Moriarty die erwartete Spannung. Das wführt dazu, dass wir eher eine Zweckgemeinschaft bekommen, die zwar solide, aber eben nicht legendär ist.

Das alles liegt auch daran, dass Gareth Rubin, bei allem Respekt, am Ende nicht das literarische Gespür eines Conan Doyle hat. Ist wirklich nicht böse gemeint und keine Schande, schließlich sprechen wir hier von einem der meist adaptierten Krimiautoren aller Zeiten. Aber wenn man sich an Holmes wagt, dann konkurriert man automatisch mit einer extrem hohen Messlatte.

Mein Fazit: Nicht schlecht und lesenswert für alle, die Moriarty mal von einer anderen Seite sehen wollen. Wer aber die Magie eines Doyle-Falls sucht, sollte vielleicht lieber wieder zu den alten Bänden greifen.

6/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/14/holmes-moriarty-ein-neuer-blick-auf-moriarty/

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Ziemlich widersprüchlich

Tokyo Sympathy Tower
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Tokyo in der nahen Zukunft: Statt Gefängnismauern gibt’s einen Luxusturm für Straftäter. Architektin Sara Machina soll ihn entwerfen, doch sie zweifelt. „Sympathy Tower“ nennt sich das Ganze, und der Name ...

Tokyo in der nahen Zukunft: Statt Gefängnismauern gibt’s einen Luxusturm für Straftäter. Architektin Sara Machina soll ihn entwerfen, doch sie zweifelt. „Sympathy Tower“ nennt sich das Ganze, und der Name ist schon Programm: Empathie statt Strafe, Täter und Opfer gleichwertig. Klingt radikal, oder absurd? Das lässt Rie Qudan offen und genau das ist mein Problem mit dem Buch.

Rie Qudan packt auf gerade mal 160 Seiten Themen rein, die locker für drei Bücher gereicht hätten: sexuelle Gewalt, Gleichberechtigung, Zensur, gesellschaftliche Oberflächlichkeit, Umgang mit Tätern, künstliche Intelligenz, emotionale Kontrolle. Das ist mutig, aber es kratzt eben vieles nur an. Und vor allem: Ich konnte die moralische Haltung der Autorin nicht greifen. Mal wirkt es wie ein Lob auf eine egalitäre Gesellschaft, mal wie eine Warnung vor ihrer Absurdität. Dazu mischen sich Vorurteile und subtile rassistische Stereotype, gleichzeitig aber auch Gleichheit und Empathie rein.

Spannend ist, dass Japan real gesehen fast das komplette Gegenteil lebt: ein hartes Strafsystem, hohe Verurteilungsquote, soziale Ausgrenzung. In diesem Kontext wirkt die Idee vom „Sympathy Tower“ fast schon wie ein Tabubruch. Aber will Qudan provozieren oder ernsthaft ein neues Gesellschaftsmodell entwerfen? Keine Ahnung und genau das macht’s für mich so frustrierend.

Trotzdem mochte ich Sara als Figur. Sie ist kalt und emotional zugleich, voller innerer Konflikte und damit ein gutes Spiegelbild des ganzen Romans. Tokyo Sympathy Tower ist widersprüchlich, manchmal überladen, aber irgendwie hat es mich trotzdem gepackt, es hätte nur mehr Raum gebraucht, um sein volles Potenzial zu entfalten.

6/10

Auf meinem Blog findet ihr eine ausführlichere Rezension: https://buchkomet.wordpress.com/2025/08/05/rie-qudans-tokyo-sympathy-tower-kritik-oder-vision/

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Veröffentlicht am 07.02.2025

Kein Highlight für mich

The Great Library Of Tomorrow
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Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr im Fantasy-Genre unterwegs, aber mit The Great Library of Tomorrow wollte ich mich mal wieder in eine magische Welt stürzen. Die Idee einer Welt aus Papier, in ...

Ich war schon eine ganze Weile nicht mehr im Fantasy-Genre unterwegs, aber mit The Great Library of Tomorrow wollte ich mich mal wieder in eine magische Welt stürzen. Die Idee einer Welt aus Papier, in der Bücher über Schicksale entscheiden, klang einfach zu spannend, um sie nicht zu lesen. Doch während mich der Einstieg sofort gepackt hat, wurde das Weiterlesen mit der Zeit immer schwieriger.

Die Welt, die Rosalia Aguilar Solace erschafft, ist einzigartig und atmosphärisch – eine riesige Bibliothek, dunkle Bedrohungen und eine Protagonistin, die sich ihrem Schicksal stellen muss. Helia, die Weise der Bibliothek, soll den mysteriösen Aschenmann aufhalten, doch dafür braucht sie eine verlorene Erinnerung. Anfangs war ich begeistert von der bildhaften Sprache und der Idee hinter der Geschichte. Die Papierwelt war ein echtes Highlight, und auch die ersten Kapitel waren vielversprechend.

Doch dann kamen die Probleme. Die Figuren, allen voran Helia, blieben für mich über weite Strecken blass. Ich konnte keine echte Verbindung zu ihnen aufbauen. Dazu wurde die Handlung mit der Zeit immer chaotischer. Während der Anfang noch klar strukturiert war, häuften sich später die Ereignisse so sehr, dass es schwer war, den Überblick zu behalten. Die Geschichte wirkte überfrachtet, und das hat mir das Weiterlesen erschwert.

Ich musste mich stellenweise richtig motivieren, weiterzulesen, und das ist für mich immer ein Zeichen, dass ein Buch mich nicht komplett fesseln kann. Dennoch will ich betonen, dass das nicht zwangsläufig an der Qualität des Buches liegt – vielleicht war es einfach nicht der richtige Zeitpunkt für mich oder meine Lust auf Fantasy ist gerade nicht groß genug.

Für eingefleischte Fantasy-Fans könnte The Great Library of Tomorrow trotzdem ein tolles Buch sein. Die Welt ist kreativ, der Schreibstil atmosphärisch und das Konzept einzigartig. Wer jedoch klare, strukturierte Geschichten mit tiefgehenden Charakteren bevorzugt, könnte hier seine Schwierigkeiten haben.

Wertungstendenz: 5–7 – großartige Welt, aber mit Schwächen in der Umsetzung.

Auf meinem Blog findet ihr eine sehr ausführlichere Rezension, https://buchkomet.wordpress.com/2025/02/07/the-great-library-of-tomorrow-rezension/

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Veröffentlicht am 07.01.2025

Kurzgeschichten, die nicht wirklich fesseln können

Tod in Sils Maria
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Was soll ich sagen? Tod in Sils Maria hätte so viel Potenzial gehabt. Die Grundideen der Geschichten sind wirklich interessant: Ein Hotel voller düsterer Geheimnisse, Intrigen auf der Loipe, ein verschwundener ...

Was soll ich sagen? Tod in Sils Maria hätte so viel Potenzial gehabt. Die Grundideen der Geschichten sind wirklich interessant: Ein Hotel voller düsterer Geheimnisse, Intrigen auf der Loipe, ein verschwundener Gast, der nicht mehr auftaucht – das alles klingt nach den perfekten Zutaten für spannende Kurzkrimis. Und ja, es gibt tolle Ansätze in den Geschichten, keine Frage.

Doch leider hapert es gewaltig an der Umsetzung. Die Spannung, die bei einer guten Kurzgeschichte sofort greifen sollte, will einfach nicht richtig aufkommen. Und wenn sie doch mal kurz aufflackert, ist die Geschichte auch schon wieder vorbei. Oft fühlt es sich an, als würden die Geschichten gehetzt erzählt. Es bleibt kaum Zeit, um wirklich in die Atmosphäre einzutauchen oder die Figuren so kennenzulernen, dass man mit ihnen mitfiebern könnte.

Klar, bei einer Kurzgeschichte ist das immer eine Herausforderung und auch nicht immer das Ziel, aber hier hat es bei mir leider gar nicht funktioniert – oder schlimmer noch: Es kam Langeweile auf. Vielleicht wäre weniger tatsächlich mehr gewesen. Wenn Knellwolf die Anzahl der Geschichten reduziert und dafür den einzelnen mehr Raum gegeben hätte, hätten sie sich vermutlich besser entfalten können.

Ich verstehe den Balanceakt zwischen einer dichten Atmosphäre und der Kürze, die Kurzgeschichten mit sich bringen. Doch während Letzteres hier durchaus funktioniert, scheitert es an der Atmosphäre.

Am Ende bleibt bei mir ein Gefühl von verpasstem Potenzial. Die Ideen sind da, und manche Geschichten haben Momente, die wirklich faszinieren. Aber insgesamt bleibt die Spannung auf der Strecke – und genau das ist so schade. Ich wollte mitfiebern, wurde aber zu oft aus dem Moment gerissen.

Fazit: Tolle Ansätze, aber unspannend umgesetzt. Wer winterliche Krimi-Episoden ohne viel Tiefgang sucht, könnte hier fündig werden. Für Leser, die sich mitreißende Spannung und eine nachhaltige Wirkung wünschen, dürfte die Sammlung jedoch zu blass bleiben. Für mich bleibt es ein Buch, das ich gern mehr gemocht hätte – schade drum.

5/10

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Veröffentlicht am 17.11.2024

Ein Thriller, der sich selbst im Weg steht

Genesis
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Zitat:

„Nein, Daten sind das neue Gold. Ihre und meine. Daten sind die harte Währung des Internets. Daten SIND das Internet.“

So hat es mir gefallen:

Wer mich kennt, weiß, dass mein Herz für Polit- ...

Zitat:

„Nein, Daten sind das neue Gold. Ihre und meine. Daten sind die harte Währung des Internets. Daten SIND das Internet.“

So hat es mir gefallen:

Wer mich kennt, weiß, dass mein Herz für Polit- und Tech-Thriller schlägt, und in Genesis steckt sogar beides. Die Ausgangslage des Buches ist hochaktuell und spannend. Schönberger greift Themen auf, die uns täglich umgeben: die Manipulation durch Tech-Giganten, Datenklau und Cybersicherheit. Mit diesem Plot dürfte doch alles für einen Knaller angerichtet sein, oder?

Der erste große Schwachpunkt offenbart sich bereits bei den Figuren. Schönberger füllt seine Geschichte mit einer schieren Anzahl an Figuren, die aber kaum Tiefe entwickeln. Zu viele Namen, zu viele Perspektiven. Obwohl erkennbar ist, dass einzelne Figuren näher beleuchtet werden, bleibt der Versuch meist oberflächlich. Bis zum Ende des Buches war mir das Schicksal der Figuren völlig egal. Thriller leben von der Entwicklung und Tiefe der Figuren – dieser Schwachpunkt ist ein fataler Fehler.

Ein weiterer Schwachpunkt ist das Pacing. Genesis ist in drei Teile aufgeteilt. Der erste Abschnitt ist dynamisch und spannend und macht Lust auf mehr. Doch schon der zweite Teil bremst das Tempo massiv aus. Hier widmet sich der Autor der Vertiefung seiner Figuren und der Hintergrundgeschichte, was für mich aber nur minimal gelang. Der Mittelteil fühlt sich oft langatmig und zäh an, und die Spannung, die der Einstieg aufgebaut hat, verpufft völlig. Mein Interesse ließ spürbar nach. Der dritte Teil bringt das große Finale. Hier zieht der Autor nochmal sämtliche Register, und die Handlung nimmt wieder an Fahrt auf. Doch der Spannungsabfall aus dem mittleren Teil wiegt schwer, und obwohl das Ende einiges rettet, bleibt ein fader Beigeschmack von dem, was hätte sein können. Als Thriller kann Genesis sein Versprechen nicht einlösen.

Genesis ist ein Buch, das viel will – vielleicht auch einfach zu viel. Schönberger scheitert daran, die vielen Handlungsstränge und Figuren zu einer kohärenten und fesselnden Geschichte zu verknüpfen. Der Plot hat enormes Potenzial, aber der Autor verliert sich in der Fülle seiner Ambitionen. Weniger Figuren und ein strafferer Plot hätten dem Thriller gutgetan. Und wer weiß, vielleicht wäre es der Kracher des Jahres geworden. Für die akribische Recherche und auch den gelungenen Schreibstil ziehe ich meinen Hut, doch das allein reicht natürlich nicht aus, um das Buch auf eine höhere Wertung zu heben. Genesis ist lesenswert für Fans des Genres, die sich vor allem rund um die Thematik Cybersicherheit und Datenmissbrauch interessieren, müssen aber an einigen Stellen mit Abstrichen rechnen. Ein solides Buch, das an seinen großen Visionen und Ambitionen stolpert.

6/10

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