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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.08.2025

Unterhaltsam und überraschend modern erzählt

Lasset die Kinder zu mir kommen
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Inhalt:
Nicht nur das Wetter schlägt Brunetti in diesem Spätsommer aufs Gemüt, auch das Schicksal eines Babys lässt ihn nicht los. Undurchsichtige Machtspiele, illegale Adoption, gefälschte ärztliche Rezepte ...

Inhalt:
Nicht nur das Wetter schlägt Brunetti in diesem Spätsommer aufs Gemüt, auch das Schicksal eines Babys lässt ihn nicht los. Undurchsichtige Machtspiele, illegale Adoption, gefälschte ärztliche Rezepte und Berichte, umgangene Dienstwege...in diesem Fall ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Immerhin kann sich Brunetti auf den Rückhalt seines Teams und seiner Familie verlassen.

Meine Meinung:
Dieser Fall hat sehr spannend gestartet und immer wieder für Überraschungen gesorgt. Auch wenn ich bald einen Verdacht hatte, der sich dann auch bewahrheitete, bleibt bis zum Schluss noch einiges im Dunkeln. Gegen Ende wurde mir die Geschichte allerdings ein wenig zu ausschweifend. Ich habe mich aber trotzdem über sehr viele andere Dinge in diesem Buch gefreut. Einerseits werden die Lega-Partei und deren Rassismus heftig kritisiert, andererseits positioniert sich Brunetti in Bezug auf Abtreibungen und den Machtmissbrauch von Politikern deutlich liberal und feministisch und ist damit - einmal mehr - seiner Zeit voraus. Die Figur des Commissario wird mit jedem Roman vielschichtiger und moderner, Brunetti behält aber seinen Charme, die Liebe zum Essen, zu historischen Romanen und vor allem natürlich zu seiner Familie bei, was mir sehr gut gefällt.

Meine Empfehlung:
"Lasset die Kinder zu mir kommen" ist ein spannender, wenn auch gegen Ende ein wenig ausufernder Fall, der aber modern und hochaktuell daherkommt und einmal mehr die wundervollen Seiten der Serenissima ins beste Licht rückt.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Erschütternder Fall, langsam erzählt, traumhafte Szenerie

Blutige Steine
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Inhalt:
Nachdem ein afrikanischer Strassenhändler mitten im vorweihnachtlichen Trubel aus nächster Nähe erschossen wird, deutet alles auf eine rassistisch motivierte Tat hin. Bald aber zeigt sich, dass ...

Inhalt:
Nachdem ein afrikanischer Strassenhändler mitten im vorweihnachtlichen Trubel aus nächster Nähe erschossen wird, deutet alles auf eine rassistisch motivierte Tat hin. Bald aber zeigt sich, dass Brunetti bei den Ermittlungen Steine in den Weg gelegt werden. Akten verschwinden und Computer werden gehackt und als Brunetti den Verantwortlichen nachgeht, führen ihre Spuren ins Innen- und Aussenministerium. Es wird brandgefährlich in der winterlichen Serenissima.

Meine Meinung:
Im Januar noch bin ich durch die gleichen Strassen geschlendert, wie Commissario Brunetti und weil "Blutige Steine" zufällig im Winter spielt - allerdings kurz vor Weihnachten - habe ich mich beim Lesen um so mehr an die schöne Zeit in Venedig erinnert.
Dieser vierzehnte Band der Reihe ist vor 20 Jahren in englischer Sprache erschienen und auch wenn ich einigen Rollenbildern und technischen Möglichkeiten im Buch das Alter wirklich angemerkt habe, wirken die Themen der Ermittlungen leider aktueller denn je. Ein Mensch, der sich illegal in Italien aufhält, wird ermordet und Brunetti kämpft zwar gegen ganz hohe Mächte, aber auch gegen den alltäglichen Rassismus der Bevölkerung und der Polizei. Er geht kritisch mit sich und seinem Umfeld ins Gericht und es zeigt sich dabei immer wieder, dass er seiner Zeit voraus ist. Das sinnlose Töten und die ausgebeuteten Opfer erschüttern nicht nur Brunetti, auch mir ging der Fall sehr nahe.
Brunettis Ermittlungsmethoden in diesem Fall umgehen den Dienstweg fast immer und zeigen Korruption und Vetternwirtschaft in der Polizei und Politik auf. Dies geschieht zwar in meinen Augen ein wenig plakativ, ist aber leider wohl nicht so weit hergeholt.
Besonders gut haben mir dafür einmal mehr die kulinarischen Exkurse und die in diesem Band besonders liebevoll dargestellte winterliche, kalte, regnerische und trotzdem unglaublich elegante Stadt Venedig gefallen. Die Beschreibungen haben Fernweh geweckt und ich würde am liebsten einmal in der Adventszeit nach Venedig reisen.

Meine Empfehlung:
Ein Muss für alle Fans der Reihe, wenn auch die Handlung ein wenig vor sich hin plätschert. Dafür kann man um so besser in die wunderschönen Beschreibungen eintauchen und der Fall hat es definitiv in sich. Ich freue mich schon auf die weiteren Bände.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Atmosphärisch mit Luft nach oben

Die Schwestern
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Inhalt:
Juli und September, September und Juli. September ist die ältere, dominantere Schwester. Die, vor der man sich manchmal fürchten muss. Und Juli ist sanfter, fügsamer, heftet sich wie ein Schatten ...

Inhalt:
Juli und September, September und Juli. September ist die ältere, dominantere Schwester. Die, vor der man sich manchmal fürchten muss. Und Juli ist sanfter, fügsamer, heftet sich wie ein Schatten an Septembers Fersen und vergisst dabei manchmal, sich selbst zu sein. Doch nach einem Ereignis, das Juli in der Zwischenzeit komplett verdrängt hat, wird die Familie aus ihrem Umfeld gerissen, die Mutter spricht nicht mehr mit den Töchtern und Juli beginnt, seltsame Dinge wahrzunehmen. Wird sie sich erinnern können, was damals in der Schule geschah?

Meine Meinung:
Das Buch ist mir schon einige Male begegnet und empfohlen worden und dann habe ich es mir ausgerechnet von meiner Schwester leihen dürfen. Von Anfang an herrscht eine bedrohliche Stimmung und bedrohlich ist auch September, die immer wieder zu weit geht, Grenzen überschreitet, Juli und sich selber in Gefahr bringt und ihre Mitmenschen ihre Kraft und ihre Wut spüren lässt. Doch warum ist sie so wütend? Und was verbirgt sich in den Schatten des einsamen Hauses, in dem die Familie Zuflucht findet?
Obwohl ich von Anfang an ahnte, wie alles zusammenhängen würde, hat mich die Art und Weise, wie diese Geschichte erzählt ist, überzeugt. Allerdings muss ich ehrlich sagen, dass ich aufgrund der Beschreibungen einen blutrünstigen Thriller oder zumindest Hochspannung erwartet habe. Spannung kam aber nicht wirklich auf und gegruselt habe ich mich auch überhaupt nicht, vielmehr ist Johnson eine Meisterin der leisen Töne. Sie schafft es, eine geheimnisvolle Atmosphäre zu schaffen, die stets ins Übernatürliche zu kippen droht. Trotzdem war mir die Geschichte insgesamt zu wenig intensiv und ich denke, dass eine andere Beschreibung besser zum Buch gepasst und auch andere Erwartungen geweckt hätte.

Meine Empfehlung:
"Die Schwestern" ist eine atmosphärische Erzählung, die mich gut unterhalten hat und die auch in jedem der drei Teile neue Überraschungen bereithält. Durch viele Leerstellen wird eine klug aufgebaute Geschichte erzählt, die es in sich hat. Mir persönlich hat Spannung gefehlt und für mich waren viele Ereignisse zu vorhersehbar, aber ich werde mir auf jeden Fall weitere Bücher der Autorin ansehen.

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Veröffentlicht am 09.06.2025

Benötigt Sitzfleisch, ist aber grandios recherchiert

Das letzte Viertel des Mondes
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Inhalt:
Innerhalb eines einzigen Tages erzählt die über neunzigjährige namenlose Erzählerin, die Witwe des letzten Häuptling der Ewenken - ihre Lebensgeschichte und die Geschichte ihres Volkes. Detailliert ...

Inhalt:
Innerhalb eines einzigen Tages erzählt die über neunzigjährige namenlose Erzählerin, die Witwe des letzten Häuptling der Ewenken - ihre Lebensgeschichte und die Geschichte ihres Volkes. Detailliert wird das Leben im Einklang mit der Natur, den Rentieren und den verschiedenen Geistwesen beschrieben. Mehr und mehr wird das Fortbestehen des Nomadenvolkes allerdings bedroht, Japanische Besatzer, die Sowjetunion sowie die Umbrüche der Moderne gefährden ihre Wälder, ihre Nahrung und ihren Frieden.

Meine Meinung:
Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass ich vor dem Lesen dieses Buches noch nie vom Volk der Ewenken gehört hatte und dies, obwohl dieses aus zahlreichen regionalen Clans bestehende Volk Nordasiens über ein Gebiet verstreut lebt, das grösser ist, als Europa. Chi Zijian hat es aber geschafft, dass ich mich mit der Geschichte der Ewenken auseinandergesetzt habe. Die chinesische Autorin liess sich vom Schicksal der ewenkischen Malerin Liu Ba zu diesem Roman inspirieren. Sie hat einige Monate bei einer Gruppe Ewenken gelebt, jahrelang recherchiert sowie sich mit dem ewenkischen Schriftsteller Ureltu ausgetauscht. Diese grandiosen Recherchen geben dem Roman eine besondere Tiefe und aus jedem Satz ist spürbar, mit welch grossem Respekt und Feingefühl sich Zijian der ewenkischen Kultur und Lebensweise angenähert hat. Dies hat mich tief beeindruckt.

Schreibstil und Aufbau:
Durch die sehr detaillierten, manchmal verzettelt wirkenden Beschreibungen und die vielen Namen ist mir der Einstieg ins Buch - trotz Personenverzeichnis im Anhang - nicht so gut gelungen. Auch hat mir zwar gefallen, dass die Erzählerin ihre ganze Familiengeschichte erzählt, diese wirkte allerdings teilweise wie eine Aufzählung. Die vielen Geschichten, Anekdoten und Märchen der Ewenken haben ein stimmiges Bild ihrer Kultur und ihres Glaubens vermittelt, der Roman plätscherte dadurch aber auch ein wenig vor sich hin.
In vier sehr ungleich langen Teilen wird ein Bogen von der Kindheit der Erzählerin bis in ihr hohes Alter geschlagen und die Bedrohung des Volkes wird dabei immer deutlicher, die Geschichte dadurch gegen Ende immer intensiver, was das ganze Können der Autorin zeigt.

Meine Empfehlung:
Dieses Buch benötigt ein wenig Zeit und Sitzfleisch. Es hat mich nicht ganz einfach in den Lesemonat Juni starten lassen, mir aber tiefe und sehr berührende Einblicke in das Leben und Schicksal eines bedrohten Volkes gewährt. Wer gerne etwas lernen und sich auf eine sehr ausufernde Geschichte einlassen will, ist mit dem Roman bestens beraten.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Ein wenig gar konstruiert, aber dennoch sehr unterhaltsam

Am Horizont wartet die Sonne
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Inhalt:
Nach einer Trennung ist die Hamburger Autorin Katrin dabei, sich ein neues Leben aufzubauen. Aber ausgerechnet mit dem Schreiben klappt es gerade nicht so, wie es sollte. Sie beschliesst, sich ...

Inhalt:
Nach einer Trennung ist die Hamburger Autorin Katrin dabei, sich ein neues Leben aufzubauen. Aber ausgerechnet mit dem Schreiben klappt es gerade nicht so, wie es sollte. Sie beschliesst, sich eine Auszeit zu nehmen. Gemeinsam mit ihrer Cousine Julia reist sie einer ganz einzigartigen Spur nach: einem Liebesbrief mit unvollständiger Adresse, welchen sie am Flughafen gefunden hat. In einem kleinen Küstenstädtchen in Portugal angekommen sind aber plötzlich unvorhergesehene Gefühle und Komplikationen im Spiel.

Meine Meinung:
Zum ersten Mal spielt ein Buch von Meike Werkmeister nicht mehrheitlich in Deutschland und an der Nordsee. Vielmehr verreist die Protagonistin nach Portugal und verbringt dort einen folgenschweren Urlaub im kleinen (fiktiven) Küstenstädtchen Marinal. Besonders gut gefallen hat mir, dass nicht nur Katrins Hund Murmel eine prominente Rolle einnimmt, sondern dass die Hauptfigur und die Menschen in Marinal auch ein Herz für Strassenhunde haben.
Auch Katrins Cousine Julia erlebt ihre eigenen Abenteuer. Ausgerechnet ein junger Surfer hat es ihr besonders angetan. Kann sie ihm vertrauen, oder gehört es zum Sport dazu, dass er sich regelmässig auf deutsche Touristinnen einlässt?

Schreibstil und Aufbau:
Die Beschreibungen haben mich begeistert, ich habe die Meerluft gerochen und den Sand zwischen meinen Zehen gespürt. Auch liess Werkmeister mir mit ihren kulinarischen Experimenten immer wieder das Wasser im Munde zusammenlaufen.
Weniger passend und somit auch weniger glaubwürdig sind allerdings die vielen konstruiert wirkenden Zufälle sowie das doch sehr verdächtig glückliche Ende gestaltet. Ausgerechnet die realistischen Schilderungen von Freundschaften, Beziehungen und dem Leben selbst sind es, welche mir in den anderen Romanen der Autorin so gut gefallen haben. Aber in diesem Buch wurde die Handlung leider immer unrealistischer. Trotzdem habe ich die Geschichte sehr gerne gelesen und mich mit grosser Freude an den schönen portugiesischen Strand entführen lassen.

Meine Empfehlung:
Dieser Roman der Autorin hat mich zwar nicht ganz überzeugen können, der Schreibstil und die schönen Beschreibungen haben mich aber trotzdem sehr gut unterhalten und mich ein wenig in den portugiesischen Sommer entführt.

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