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Veröffentlicht am 04.08.2025

Undurchsichtiger Fall einer verschwundenen Wissenschaftlerin

Die Lotsin
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Während einer gemeinsamen Übung des niederländischen, deutschen und dänischen Grenzschutzes vor Helgoland geht der Notruf eines Forschungsschiffes mit dem bemerkenswerten Namen Anthropocene ein, eine Wissenschaftlerin ...

Während einer gemeinsamen Übung des niederländischen, deutschen und dänischen Grenzschutzes vor Helgoland geht der Notruf eines Forschungsschiffes mit dem bemerkenswerten Namen Anthropocene ein, eine Wissenschaftlerin wird vermisst. Xander Rimbach von der Bundespolizei See übernimmt die Befragungen an Bord, nachdem die Suche nach der vermissten Iona Grimstedt erfolglos bleibt. Xander, der aus einem Weinbaugebiet am Neckar stammt, ist noch unsicher auf See und auch bei den Ermittlungen ist er unentschieden, wie er am besten vorgehen soll, ihm fehlt sein Kollege und Mentor Liewe Cupido, der zunächst anderweitig beschäftigt ist. Es bleibt das Gefühl, dass auf der Anthropocene irgendetwas nicht stimmt. Aber es kommt auf Fakten an, wie Liewe immer sagt.

Mathijs Deen beschreibt die Anthropocene detailliert und bildhaft, anschaulich und atmosphärisch, so dass ich mir die Abläufe auf dem Schiff vorstellen kann, wie auch das schwierige Leben und Arbeiten in der Forschungsstation auf Grönland zu Beginn der Geschichte, als die Glaziologin Iona, vielleicht desillusioniert, Eisbohrungen vornimmt und auswertet.
Die Ermittlungen verlaufen schleppend und schwierig, die Seeleute sind wortkarg und Iona hatte auf dem Schiff kaum Kontakte. Ihre Figurenzeichnung wird erst spät vervollständigt. Die auftretenden Charaktere finde ich interessant, sie werden alle glaubwürdig dargestellt.

Obwohl ich anfangs den schweigsamen, eigenwilligen Kommissar Cupido vermisst habe, gefällt mir, dass ich Xander diesmal besser kennenlerne. Trotz seiner Unsicherheit kann er seine Stärken zeigen, er entwickelt sich. Auch über Liewe Cupidos familiären Hintergrund erfahre ich mehr. Die Ermittler werden mir immer vertrauter, so dass ich mich jetzt schon auf den Folgeband freue.

Ruhig in die Handlung eingebettet und unaufdringlich greift Deen aktuelle Themen auf, den Klimawandel und wie Wissenschaftler viel zu oft nicht gehört werden, Angriffe und Hass in den Social Media, auch Kränkungen und verletzter Stolz spielen eine Rolle.

Den Titel finde ich nicht wirklich passend und auch das Cover ist weniger atmosphärisch als bei den Vorgängerbänden, aber das sind nur Äußerlichkeiten. Die Übersetzung durch Andreas Ecke ist versiert und wieder rundum gelungen. 'Die Lotsin' hat mir gefallen und mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Vlats Geschichte geht spannend weiter

Seelenschwur
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Der zweite Band ist auch ohne Kenntnis des ersten Buchs gut verständlich, er beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse, die den Läufer Vlat seine Vertraute Hanna finden ließen und stellt die ...

Der zweite Band ist auch ohne Kenntnis des ersten Buchs gut verständlich, er beginnt mit einem kurzen Rückblick auf die Ereignisse, die den Läufer Vlat seine Vertraute Hanna finden ließen und stellt die anderen Seelen vor, die Vlat in sich beherbergt, bis er ihre offenen Wünsche erfüllt hat. Besonders Franka, ehemalige Soldatin, Polizistin und Security-Fachfrau ist mit ihrem Wissen und ihren Fähigkeiten eine Bereicherung für Vlat.
Er macht sich wegen des Rodin Museums auf den Weg nach Paris, wo er sich in den Katakomben am wohlsten fühlt, und dann geht es zu einer Eifeler Kunstgießerei, wo wir die aufwändige Herstellung einer Bronzestatue durch Jean miterleben.

Durch den Verrat von Lus, Hannas Freundin, wird Vlat im Auftrag eines Pharmaunternehmens gejagt und auch gefunden, man will Experimente an ihm vornehmen und ihn erforschen. Durch häufige Perspektiv- und Ortswechsel gewinnt die Geschichte an Tempo und Vlats faszinierende Eigenschaften werden nun, den ersten Band 'Das Erwachen' ergänzend, auf wissenschaftlicher Ebene beleuchtet.

Andrea Revers schreibt klar, lebendig und packend, auch mit feinem Humor, sie schafft interessante Charaktere, die zur Komplexität der Geschichte beitragen, wiederholt lässt mich Vlats Sicht auf die Menschen innehalten und über unser Verständnis der Welt und unsere Konventionen nachdenken. Die Bedrohung für Vlat wird immer größer und die Frage, ob Hanna es schaffen wird, ihn rechtzeitig aus der Forschungseinrichtung zu befreien, sorgt für Spannung bis zum Schluss.

Immer wieder spielt die Handlung in der Eifel, wo die Autorin lebt. Mit ihrer spannenden geologischen Geschichte und der schönen, abwechslungsreichen Landschaft mit all dem Wald ist die Eifel wie geschaffen für uralte geheimnisvolle Wesen wie Vlat. Die Seelenschwur-Dilogie ist gelungene Urban Fantasy mit ungewöhnlichem Thema und Setting und ich würde mich über mehr Bände um den Läufer freuen.

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Veröffentlicht am 03.07.2025

Düster und tragisch

Das Paradies verrät man nicht
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Zu Beginn des Buches gibt es kurze Rückblicke auf Ingrids Vorgeschichte. Trotzdem empfehle ich, den ersten Serienband zu kennen. Die frühere Polizistin lebt nach drei Jahren im Gefängnis versteckt in einem ...

Zu Beginn des Buches gibt es kurze Rückblicke auf Ingrids Vorgeschichte. Trotzdem empfehle ich, den ersten Serienband zu kennen. Die frühere Polizistin lebt nach drei Jahren im Gefängnis versteckt in einem kleinen Ort in Dalarna, immer in Angst vor ihrem rachsüchtigen Ex-Mann Kjell. Sie hat ihr 'Büro für Privatermittlungen' aufgegeben und arbeitet als Zimmermädchen im Hotel. Die Sehnsucht nach ihrer Tochter ist zum Lebenssinn geworden, sie hofft, irgendwann das Sorgerecht wieder zu bekommen.

Auf einem Hof in der Nähe wird eine junge Frau tot aufgefunden. Die Eltern sind überzeugt, dass Lena sich nicht umgebracht hat und bitten Ingrid, Nachforschungen anzustellen. Zögernd nimmt Ingrid den Auftrag an, aus ihrer Erfahrung als Polizistin weiß sie, dass es bei Selbstmorden für Hinterbliebene keine Hilfe und Antworten gibt, ihnen bleibt nur Trauer.

Auf einer zweiten Zeitebene, die acht Monate zuvor beginnt, lerne ich Lena kennen, die zurückhaltende junge Witwe ist einsam und wünscht sich, wieder glücklich zu sein. Je weiter ihre Geschichte voran schreitet, desto mehr fürchte ich die nahende Katastrophe. Besonders diese Erzählebene funktioniert, weil sie in der analogen Zeit der 1980er Jahre spielt, es gab keine Handys und kein Internet. Filme, Bücher und Musik der damaligen Zeit werden erwähnt und tragen zur Glaubwürdigkeit bei, ebenso wie die Beschreibung von Natur und Orten in Dalarna.

Erzählt wird neben Ingrids und Lenas Perspektive auch aus Sicht des manipulativen Kjell, der kein anderes Ziel mehr hat als sich an Ingrid zu rächen, und da ist noch Benny, Ingrids früherer Kollege und Freund, der sie unterstützt, so weit ihm das möglich ist.

Ninni Schulmans ruhiger und bildhafter Schreibstil ist angenehm zu lesen und durch wechselnde Perspektiven und falsche Fährten bleibt die düstere Geschichte spannend. Die Figurenzeichnung ist psychologisch glaubhaft und Ingrid und Benny gewinnen an Tiefe. Sie werden mit ihren Ecken, Kanten, Unsicherheiten und Zwickmühlen, in denen sie stecken, für mich authentisch und nahbar.

'Das Paradies verrät man nicht' hat mich gut unterhalten - trotz des heftigen Cliffhangers am Ende des Buchs - und ich freue mich auf den dritten Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 17.06.2025

Spannend und überraschend

John
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Die Mörderin Yoko lebt seit 5 Jahren als John in einem kleinen Dorf auf einer griechischen Insel, wo sie versucht, den Tod hinter sich zu lassen und zu heilen. Doch die deutschen Ermittler haben ihren ...

Die Mörderin Yoko lebt seit 5 Jahren als John in einem kleinen Dorf auf einer griechischen Insel, wo sie versucht, den Tod hinter sich zu lassen und zu heilen. Doch die deutschen Ermittler haben ihren Fall wieder aufgenommen und eines Tages steht Yoko Hauptkommissarin Liebermann gegenüber. Es beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden Frauen. Yoko weiß nicht, wie viel Liebermann weiß, und so erzählt sie der Kommissarin nicht alles, was ich als Leserin in Rückblenden auf einer zweiten Zeitebene erfahre.

Dabei wird schnell klar, dass Yoko keine bösen Absichten hat, aber sie ist clever und auf alles gefasst. Sie beschränkt sich darauf, auf die schrägen Figuren zu reagieren, die versuchen, sie zu manipulieren und für ihre Zwecke einzuspannen. Nachdem sie Fassungslosigkeit und Panik überwunden hat, versucht Yoko, sich aus der Opferrolle zu befreien und die Kontrolle über ihr Leben zurück zu gewinnen.

Neben der Perspektive eines neutralen Erzählers, bei dem immer Yoko im Mittelpunkt des Geschehens steht, vermittelt mir Yokos Ich-Perspektive ihre Gedanken und Überlegungen, so dass ich ihre Gefühle verstehe, obwohl ihr Handeln für mich nicht immer nachvollziehbar ist.

Bernhard Aichners Schreibstil ist rasant, dynamisch und schnörkellos, seine Sätze sind prägnant und oft kurz und können Szenen und Bilder in meinem Kopf entstehen lassen. Bei Aichners Dialogen, lediglich durch voran gesetzte Gedankenstriche gekennzeichnet, lenkt nichts ab, Konzentration allein auf den Wortwechsel erzeugt eine erstaunliche Intensität.

Dieser einfallsreich konzipierte zweite Band der Rache-Reihe ist spannend, packend und überrascht mit unerwarteten Wendungen. Obwohl ich den ersten Teil nicht gelesen habe, hatte ich keine Verständnisschwierigkeiten. Johns verrückte Geschichte hat mich gut unterhalten.

Erwähnenswert finde ich das Cover im Zusammenspiel mit dem Vorgängerbuch. Es ist farblich wie ein Negativ des ersten Bandes gestaltet, auffallend ist, dass der Titel 'John' nicht fast unkenntlich gemacht ist wie bei 'Yoko', da sind nur noch ein paar Kleckse.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Erschreckend aktuell

Reset
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Weltweit nehmen Fake News sowohl als Audionachrichten als auch Videos zu und bald weiß niemand mehr, was wahr ist und was nicht. Verunsicherung wird zu Angst, die Gesellschaft droht im Chaos zu versinken.

Der ...

Weltweit nehmen Fake News sowohl als Audionachrichten als auch Videos zu und bald weiß niemand mehr, was wahr ist und was nicht. Verunsicherung wird zu Angst, die Gesellschaft droht im Chaos zu versinken.

Der Thriller ist von Beginn an nervenaufreibend fesselnd und wird aus wechselnden Perspektiven und auf mehreren Handlungsebenen erzählt, was die Spannung erhöht, da ich immer wissen will, wie es für die verschiedenen Protagonisten weiter geht.
Die Charaktere werden in einer Alltagssituation eingeführt, im Austausch mit anderen werden sie schnell lebendig. Die Vielzahl der Figuren, vor allem die Experten verschiedener Cyberbereiche, verdeutlicht, wie vielschichtig die zu lösenden Probleme sind. Sehr gut gefallen hat mir, dass der Autor mehrere starke weibliche Charaktere geschaffen hat.

Peter Grandls Schreibstil ist technisch detailliert, trotzdem angenehm und flüssig zu lesen. Beeindruckend finde ich auch, wie gelungen der Autor sein durch umfassende Recherchen gewonnenes Wissen in die Handlung einbringt und einen realistisch anmutenden düsteren und atmosphärischen Thriller geschrieben hat, in dem nur 'überholte' Technik aus der Zeit vor der Digitalisierung im entstandenen Chaos hilfreich ist.

Das Finale war mir fast zu melodramatisch, statt des filmreifen Showdowns hätte ich mir mehr Informationen über die KI und deren Entwickler gewünscht. Insgesamt hat mich 'Reset' mit dem schlichten, aber auffallenden und sehr passenden Cover gut unterhalten und mir dabei eindrucksvoll, anschaulich und erschreckend die Gefahren unserer Abhängigkeit von digitaler Technologie in einer packenden Geschichte vor Augen geführt.

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