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Veröffentlicht am 28.07.2025

Philosophie

Feuerwerk des Glücks
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"Glücksphysiker" Tilann Noller versucht mit diesen Buch etwas poetisches und tiefgründiges zu sagen. Leider wirkt es dadurch arg gezwungen und gestellt. Statt wirklich logischer Ableitungen von wissenschaftlichen ...

"Glücksphysiker" Tilann Noller versucht mit diesen Buch etwas poetisches und tiefgründiges zu sagen. Leider wirkt es dadurch arg gezwungen und gestellt. Statt wirklich logischer Ableitungen von wissenschaftlichen Theorien aus Psychologie und anderen Disziplinen ist dieser Roman eine "Küchen-Philosophie". Bilder und religiöse Konzepte ersetzen fundierte Argumente, und Begriffe wie "Wesensblüte" dominieren den Stil. Ein Beispiel für diese Problematik ist der Satz:
>Die Enttäuschung ist aber in Wahrheit eine Ent-Bindestrich-Täuschung.


Das hier hat nichts mit Wissenschaft zu tun, es werden schlicht eine Menge an wilden Hypothesen und daraufhin Simplifizierungen in wiederholendem und überspitzt ausgeschmücktem Sprech vorgetragen. Diese Verkürzungen wirken oft wenig durchdacht und wiederholen sich im Laufe des Buches. Nicht selten finde ich das Gesagte zu kurz gedacht.

CHARAKTERE
Stella wird als das Idealbild einer Partnerin gezeichnet: selbstlos, frei, nicht eifersüchtig und liebenswert. Im Gegensatz dazu ist Melanie das genaue Gegenteil: egoistisch, eifersüchtig, unehrlich und abhängig von der Meinung anderer. Der Protagonist diagnostiziert Melanie gar seelische Verletzungen und behauptet, dass sie, obwohl sie alles zum Glücklichsein hätte, es nicht sei. Die Botschaft des Buches ist klar: Menschen wie Stella sind liebenswert, Menschen wie Melanie hingegen nicht.
Besonders fragwürdig ist der folgende Satz:
>„Wo Liebe präsent ist, existiert Eigenliebe, und wo es keine Eigenliebe gibt, kann auch keine Liebe existieren.“

Das ist eine gefährliche Vereinfachung, denn die meisten Menschen besitzen keine vollkommene Eigenliebe. Solche Ratschläge isolieren Menschen, die mit Selbstliebe kämpfen, unnötig.

SCHREIBSTIL
Auch die Vorstellung von Glück wird im Buch auf problematische Weise dargestellt:
>„Ich frage mich ernsthaft, warum nicht alle Menschen einfach glücklich sein können. Glücklich zu sein ist doch so einfach und so schön.“

Diese Aussage ignoriert die Realität von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder traumatischen Erlebnissen. Glücklich zu sein ist nicht für alle Menschen "einfach". Solche Sätze invalidieren die Erfahrungen jener, die mit dem Glücklichsein kämpfen.

>„Die Liebe tritt in Erscheinung durch die Abwesenheit von Egoismus, allumfassendes Mitgefühl und damit die Abwesenheit von Gefühlskälte, Wahrhaftigkeit und damit die Abwesenheit von Falschheit, gegenseitige Hingabe, Offenheit und damit als Abwesenheit von Verschlossenheit, Ehrlichkeit und damit als Abwesenheit von Lüge, Vertrauen und damit die Abwesenheit von Furcht bzw. Angst.“

Auch hier wird ein Schwarz-Weiß-Denken propagiert, das realitätsfremd wirkt. Egoismus wird als der ultimative Feind der Liebe dargestellt. Es fehlt jedoch eine differenzierte Betrachtung, die anerkennt, dass gewisse Anteile von Egoismus und Angst natürliche und menschliche Verhaltensweisen sind.

FAZIT
Tilann Noller startet einen ambitionierter Versuch, Liebe und Glück auf poetische Weise zu erklären. Das Buch bietet eine klare Meinung zum Thema. Diese Gedanken regen zum Nachdenken an und bieten in ihrer Einfachheit Orientierung für Leserinnen und Leser, die nach Antworten in diesen Bereichen suchen. Allerdings wirkt die Darstellung oft vereinfacht und es fehlt an einer differenzierten Sichtweise auf komplexe menschliche Emotionen. Dennoch bleibt das Buch durch emotionalen Ansätze für Leser interessant, die nach inspirierenden, leicht zugänglichen Impulsen suchen.

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Veröffentlicht am 27.07.2025

Was will dieses Buch eigentlich sein?

Vagus-Yoga
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Dieses Buch ist mir echt ein Rätsel. Laut Klappentext geht es darum, durch gezielte Yoga-Übungen den Vagusnerv zu stimulieren, um Stress zu reduzieren und das Nervensystem zu beruhigen. Ich habe also ein ...

Dieses Buch ist mir echt ein Rätsel. Laut Klappentext geht es darum, durch gezielte Yoga-Übungen den Vagusnerv zu stimulieren, um Stress zu reduzieren und das Nervensystem zu beruhigen. Ich habe also ein praxisorientiertes Buch erwartet – mit konkreten Übungen, vor allem Atemtechniken, und einer klaren Erklärung, wie und warum diese auf den Vagusnerv wirken.

Was ich bekommen habe, ist erst mal ein über 70-seitiger Theorieteil, der alles Mögliche behandelt: Begriffsdefinitionen, Gesundheitssysteme, moderne Lebensführung, Wirtschaftswachstum, Grundbedürfnisse – aber so gut wie nichts zum Vagusnerv selbst. Und auch nicht wissenschaftlich fundiert: Es gibt keine Belege, keine Literaturhinweise, nur lose Thesen und Andeutungen.

Natürlich gehören Dinge wie Schlaf, Tageslicht, Pausen, sozialer Kontakt, Bewegung oder gesunde Ernährung irgendwie zum Thema Vagusnerv dazu. Aber wenn das alles gleichberechtigt nebeneinandersteht, ohne konkrete Erklärung der physiologischen Zusammenhänge, und der Yoga-Aspekt fast untergeht, dann müsste das Buch vielleicht auch anders heißen – z. B. “Ganzheitlich durch den Alltag” oder so. Aber nicht Vagus-Yoga.

Im zweiten Teil geht es dann um Yoga-Grundlagen, Asanas, anatomische Details – teils interessant, aber sprachlich nicht besonders zugänglich und erneut ohne echten Bezug zum Vagusnerv.

Die Bilder helfen nur bedingt (ist halt kein Video), das Layout ist teils schwer lesbar (rote Schrift auf braunem Hintergrund), und am Ende gibt’s dann zwei kurze Übungszyklen für morgens und abends. Die Übungen werden einfach präsentiert, aber nicht im Detail erklärt – vor allem nicht im Hinblick auf ihre Wirkung auf den Vagusnerv.

Was ich dann eigentlich hilfreich fand: Auf der Website des Verlags gibt es begleitende Audio-Dateien mit den Übungszyklen – sowohl je eine ausführliche (ca. 1 h) als auch eine kompakte (ca. 20 min) Version für morgens und abends. Leider ist auch das eher durchwachsen: Die Sprecherin (die Autorin selbst) atmet sehr laut ins Mikro, wirkt stellenweise unvorbereitet, fast so, als würde sie spontan drauflosreden. Das macht es schwierig, wirklich in eine entspannte Praxis zu kommen.


Fazit: Wer sich für ganzheitliche Lebensführung mit ein bisschen Yoga interessiert, findet hier vielleicht Impulse. Wer aber – wie ich – ein klares, fundiertes Buch zum Thema Vagusnerv und Yoga sucht, wird vermutlich enttäuscht. Der Titel verspricht mehr, als der Inhalt halten kann.

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Veröffentlicht am 23.07.2025

Gutes Thema, aber leider nicht gut erzählt

Dein Körper glaubt dir alles
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Ich fand das Thema von Anfang an total spannend – wie groß der Einfluss unserer Gedanken auf Heilung sein kann, fasziniert mich schon lange. Umso mehr habe ich mich auf dieses Buch gefreut und auf wissenschaftlich ...

Ich fand das Thema von Anfang an total spannend – wie groß der Einfluss unserer Gedanken auf Heilung sein kann, fasziniert mich schon lange. Umso mehr habe ich mich auf dieses Buch gefreut und auf wissenschaftlich fundierte, klar strukturierte Einblicke in den Placebo-Effekt gehofft.

Ein paar interessante neue Perspektiven waren tatsächlich dabei: etwa Placebo-Effekte unter Narkose, der Umgang mit Generika oder der Nocebo-Effekt. Auch der Einstieg ins Thema war vielversprechend und gut verständlich. Danach hat mich das Buch leider zunehmend verloren.

Der Aufbau wirkt sprunghaft, manchmal sogar ein bisschen konfus – es ging plötzlich nicht mehr wirklich um Placebo, sondern eher allgemein um die Arzt-Patienten-Beziehung, Kommunikation, Empathie, Erwartungshaltungen. Alles irgendwie verwandt mit dem Thema, aber nicht immer sinnvoll verbunden. Ich hätte mir da mehr roten Faden gewünscht.

Auch stilistisch war es schwierig: Teilweise klang es fast wie ein wissenschaftlicher Fachartikel, dann wieder sehr locker bis belehrend. Der Wechsel zwischen Ansprache an Ärzt:innen und Patient:innen ohne klare Trennung hat das Ganze zusätzlich unruhig gemacht. Ich hatte oft das Gefühl, das Buch wüsste selbst nicht, an wen es sich eigentlich richtet.

Dazu kamen viele Wiederholungen, viele Abscheifungen und oft nur oberflächliche Studiennennungen – da hätte ich mir mehr Einordnung und Tiefe gewünscht. Vor allem: Was bedeutet ein signifikanter Unterschied konkret? Wie groß ist der Effekt? Ist das übertragbar?

Viel mitnehmen konnte ich leider nicht – außer vielleicht den Appell, als Patientin mit einer positiven Haltung in den Arzttermin zu gehen. Das ist natürlich ein sinnvoller Impuls, aber für ein ganzes Buch über Placebo doch etwas wenig.

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Witzige Idee, aber inhaltlich leider überhaupt nicht rund

My Italian Lovestory
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Eine Geschichte, bei der man selbst Entscheidungen treffen kann? Das hat bei mir richtig Nostalgie ausgelöst – sowas mochte ich früher total gern! Im Text verstecken sich sogar Rezeptideen zwischendurch ...

Eine Geschichte, bei der man selbst Entscheidungen treffen kann? Das hat bei mir richtig Nostalgie ausgelöst – sowas mochte ich früher total gern! Im Text verstecken sich sogar Rezeptideen zwischendurch (die Mandelplätzchen klingen super – die probiere ich!).

Aber inhaltlich hat es bei mir leider gar nicht funktioniert. Die Geschichte ist wahnsinnig kurz und fühlt sich total gehetzt an. Die Kapitel springen einfach wild hin und her, ohne dass die Übergänge Sinn ergeben oder irgendwas vernünftig eingeleitet wird. Man ist plötzlich in einer komplett neuen Situation, ohne zu wissen, wie es dazu kam. Teilweise haben die Kapitel nicht mal zusammengepasst, obwohl sie aufeinander folgen sollten – das hat mich echt rausgebracht.

Die Charaktere bleiben sehr flach, es passiert alles viel zu schnell, und emotionale Entwicklungen wirken eher aufgesetzt als nachvollziehbar. Ich hatte das Gefühl, man arbeitet einfach eine Liste an Romance-Tropes ab, aber ohne Tiefe oder echte Spannung. Auch sprachlich war das Ganze eher schlicht – es hat sich für mich eher wie ein schnell runtergeschriebener Wattpad-Text gelesen als wie ein veröffentlichtes Buch.

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Veröffentlicht am 12.06.2025

Für Viele gut - für mich nix

Sag deiner Angst, sie kann gehen!
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Es freut mich wirklich, dass viele Leserinnen und Leser das Buch als hilfreich und bereichernd empfinden. Das ist schön zu sehen – ein voller Erfolg für die Autorin! Für mich persönlich war es leider nicht ...

Es freut mich wirklich, dass viele Leserinnen und Leser das Buch als hilfreich und bereichernd empfinden. Das ist schön zu sehen – ein voller Erfolg für die Autorin! Für mich persönlich war es leider nicht das Richtige.

Der Schreibstil hat mir nicht so gut gefallen. Er wirkte auf mich ein bisschen zu locker, stellenweise unausgereift und häufig durchsetzt mit Smileys und persönlichen Kommentaren – das ist sicher Geschmackssache, aber für mich eher anstrengend. Dazu kommen viele persönliche Erfahrungen, Geschichten anderer Betroffener und kurze, fast schon philosophische Gedankenanstöße. Wer das mag, findet darin vielleicht etwas – mir war das zu viel.

Das Buch ist in drei große Teile untergliedert (Gedanken, Körper, Seele), die wiederum in viele kleine Unterkapitel aufgeteilt sind. Das liest sich zwar leicht und schnell, aber durch die vielen Überschneidungen und Wiederholungen hätte ich mir eine klarere Struktur gewünscht. Zum Beispiel: Theorie > persönliche Erfahrungen > Umgang > Übungen – das hätte mir mehr Orientierung gegeben. So empfand ich vieles als recht verstreut.

Inhaltlich geht es um das große Thema Angst – und das ist auf 240 Seiten natürlich schwer in der Tiefe zu behandeln. Der Fokus liegt vor allem auf alltäglichen Ängsten wie Fliegen, Autofahren, Einkaufen oder sich zu blamieren. Für viele sicher relevant, aber bei komplexeren sozialen Ängsten hätte ich mir etwas mehr Tiefe oder andere Schwerpunkte gewünscht.

Die Autorin kommt aus der Soziologie – eine therapeutische Ausbildung hat sie nicht, und das merkt man auch. Es gibt viele Verweise auf andere kluge Köpfe, aber wissenschaftlich fundierte Erklärungen oder neue Erkenntnisse findet man kaum. Die Übungen waren für mich größtenteils bekannt, manche etwas vage oder schwer nachvollziehbar. Es wirkt eher wie ein Gespräch mit einer guten Bekannten, aber nicht wie ein fundierter Ratgeber.

Was mich dann leider wirklich gestört hat, war die Menge an Eigenwerbung. Es ist völlig verständlich, dass man auf eigene Angebote hinweist – aber hier war es mir einfach zu viel: Website, Shop, Kurse, Podcast, Bonusmaterial … Und das Bonusmaterial gibt es nur, wenn man sich für den Newsletter anmeldet – das fand ich schade.

Fazit: Wer einen sehr persönlichen, leicht zugänglichen Einstieg ins Thema Angst sucht, könnte mit dem Buch etwas anfangen. Für mich persönlich war es leider nicht hilfreich – weder inhaltlich noch stilistisch.

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