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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.06.2025

Ein Diebstahl, ein rätselhafter Todesfall, ein Mörder und zahlreiche Spurenfinder

Die Spurenfinder und das Drachenzepter
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Gestaltung:
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Das Titelbild passt gut zur Reihe. Auch hier sind die Silhouetten der Spurenfinder abgebildet sowie die Truhe, in der sich das namensgebende Drachenzepter befindet. Es wirkt ...

Gestaltung:
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Das Titelbild passt gut zur Reihe. Auch hier sind die Silhouetten der Spurenfinder abgebildet sowie die Truhe, in der sich das namensgebende Drachenzepter befindet. Es wirkt leicht düster und weckt Interesse. Auch im Innenteil gibt es wieder viele skizzenhafte Illustrationen, durch die die beschriebenen Situationen gut veranschaulicht werden.

Inhalt:
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Nachdem Elos von Bergen den Mordfall des Dorfvorstehers von Friedhofen aufgeklärt hat und seine Kinder ein Geheimnis über ihre Herkunft entdeckt haben, herrscht im Ort vorerst Ruhe, was dazu führt, dass bereits Langeweile aufkommt. Als ein Bote des Königs vor der Tür steht und den Auftrag erteilt, das verschwundene Drachenzepter zu finden, nehmen Elos und die Zwillinge Ada und Naru diesen mit Freude an. Gemeinsam beginnen sie mit den Ermittlungen, bei denen Adas Leben unerwartet in Gefahr gerät.

Mein Eindruck:
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»Das Drachenzepter gehörte einst Sonkurr, dem ersten Kaiser von Syndrakos«, erzählte Elos, »dem Gründer des Imperiums. Und angeblich ist es ein magischer Gegenstand, der dem Besitzer eine fast unwiderstehliche Autorität verleiht, eine Aura der Macht.«
»Angeblich?«, fragte Naru.
»Vielleicht ist Magie im Spiel. Vielleicht auch nicht. Ich weiß es nicht, aber wisst ihr, es spielt fast keine Rolle. Um das Zepter ranken sich so viele Legenden, dass es allein schon dadurch Wirkung entfaltet. Wenn ihr versteht, was ich meine.«
»Du meinst, das Zepter verleiht Macht, weil alle daran glauben, dass es Macht verleiht?«, fragte Ada. (E-Book, S. 34)

Nachdem ich den ersten Teil verschlungen hatte, habe ich diese Fortsetzung herbeigesehnt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Der Fall beginnt nahtlos mit dem Ende des Vorgängerbandes und so wird man direkt wieder in das Geschehen hineinkatapultiert. Vermutlich lässt sich der Band ohne Vorkenntnisse lesen. Ich würde dies jedoch nicht empfehlen, da viele wichtige Hintergründe sich einem nur durch den ersten Teil vollständig erschließen.

Diesmal hat Elos beim Spurenfinden kräftige Unterstützung durch seine Kinder, aber auch von seinen Freunden Minna und Silas, die selbst Spurenfinder sind. Dies ist besonders wichtig, da sie es offenkundig nicht nur mit einem Dieb zu tun haben. Zusätzlich müssen sie sich um einen Traummörder und den mysteriösen Todesfall eines weiteren Spurenfinders kümmern. Zu allem Überfluss mischen sich auch noch andere Spurenfinder in die Ermittlungen ein. So sind Kombination und Teamarbeit gefragt, um den Fall zu lösen.
Mir hat die Mischung aus Fantasy, Krimi und Freundschaftsgeschichte wieder sehr gut gefallen. Die Kabbeleien zwischen Ada und Naru sowie zwischen den Spurenfindern haben mich häufig zum Schmunzeln gebracht. Auch diesmal ist dem Autorenteam Kling wieder ein spannender Fall mit viel Wortwitz, überraschenden Wendungen sowie einer schlüssigen Auflösung gelungen.
Da das Geheimnis um die Herkunft der Zwillingsgeschwister immer noch nicht gelöst ist, hoffe ich auf mindestens einen weiteren Roman, dem ich ungeduldig entgegenfiebere.

Fazit:
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Spannende, humorvolle Fortsetzung, die durch knifflige Spurenlage, Teamgeist und clevere Auflösung der Spurenfinder begeistert.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Detektivin mit Erinnerungslücken

Der Tag, an dem Barbara starb
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Inhalt:
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"Ich schließe die Tür hinter ihnen ab, meine Hände zittern. Mitten in unserer Straße hat jemand eine furchtbare Tat begangen. Zorn frisst sich durch meine Müdigkeit. Ich muss ...

Inhalt:
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"Ich schließe die Tür hinter ihnen ab, meine Hände zittern. Mitten in unserer Straße hat jemand eine furchtbare Tat begangen. Zorn frisst sich durch meine Müdigkeit. Ich muss wissen, wer Barbara das angetan hat. Und warum. Versprich es mir, Margaret. Ich muss mich daran erinnern, was mir Barbara mit ihren letzten Worten sagen wollte." (S. 22)

Margaret Winterbottom ist 89 Jahre alt und verwitwet. Sie trägt ein jahrelanges Geheimnis mit sich herum, das sie auch vor ihrer Tochter und deren Familie versteckt hält. Doch eines Tages wird in ihrer Nachbarschaft ihre Freundin Barbara ermordet und Margaret möchte den Mörder finden. Dabei ist ihr Enkel James ihr behilflich, der jedoch bald selbst unter Verdacht gerät. Können sie es schaffen, den Fall zu lösen, bevor eventuell ein weiterer Mord geschieht? Und warum kann sich Margaret nicht an das wichtige Versprechen erinnern, dass sie Barbara kurz vor ihrem Tod gegeben hat?

Mein Eindruck:
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Ich muss vorneweg schicken, dass ich ähnlich wie viele andere Rezensenten, aufgrund des Klappentextes etwas völlig anderes erwartet hatte. Die Beschreibung lässt auf einen Cosy Crime im Stil von Miss Marple hoffen. Doch der Roman entwickelt sich anders. Der Plot ist aus Margarets Sicht in der Ich-Perspektive geschrieben. Sie fühlt sich seit dem Tod ihres Mannes Albert sehr einsam, obwohl ihre Tochter Shirley und ihr Enkel James sie häufig besuchen. So führt sie in Gedanken immer wieder Gespräche mit Albert. Gleichzeitig lässt sie ihr Erinnerungsvermögen öfter im Stich und im Verlauf der Handlung wird klar, dass ihre Erkrankung an Alzheimer der Grund hierfür ist.
Auf der einen Seite kann die Geschichte als Cosy Crime einsortiert werden, denn Margaret und James befragen alle möglichen verdächtigen Menschen in Barbaras Umfeld und ziehen ihre Schlussfolgerungen. Spannung kommt auch dadurch auf, dass in Margarets Haus seltsame Dinge geschehen und bis zum Schluss unklar ist, wer dahinter steckt oder ob sie sich dies nur eingebildet hat.
Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Roman übers Älterwerden, dem Verlust von Erinnerungen und der Krankheit Alzheimer. Die gedanklichen Gespräche, die sich zeitweise sehr ähnelten, zogen für mich die Geschichte unnötig in die Länge. Da hätte man an einigen Stellen kürzen können.

"Die ganze Welt ist nicht mehr in Ordnung, seit du sie verlassen hast, Albert. Verbrechen und Mord in unserer Straße, Verdächtige, Argwohn, verlorene Erinnerungen. Was ist überhaupt noch real? Ich kann mich nicht mal auf mich selbst verlassen. Bin ich nicht die Summe meiner Erinnerungen? Definiert nicht das, was mein Gehirn an Wissen und Erfahrung gesammelt hat, wer ich bin? Wenn wir von Erinnerungen geformt werden, meine aber nun verschwinden, was bin ich dann noch? Hohl und leer wie ein Gespenst? Ich schaue nicht zurück, bis ich unser sicheres Heim erreiche. Dann verschließe und verriegele ich die Tür hinter mir." (S. 226)

Margarets Gedanken über ihre Krankheit haben mich sehr berührt und nachdenklich gemacht.

Insgesamt betrachtet, weckt der Klappentext falsche Erwartungen, aber das Buch hat mir dennoch gut gefallen durch diese außergewöhnliche Mischung. Die Auflösung empfand ich nicht vollständig plausibel und es war auch einiges Glück dabei, dass der Täter gefasst werden konnte. Durch das Geheimnis der Protagonistin wurde ein wichtiges Stück britischer Historie thematisiert, was ich sehr interessant fand. Daher gebe ich diesem ungewöhnlichen Krimi gerne 4 Sterne.

Fazit:
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Ungewöhnliche Mischung aus Kriminalfall und Roman übers Älterwerden mit Einblicken in ein Stück britischer Historie

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Veröffentlicht am 16.12.2025

Mads erster Fall

Über die Toten nur Gutes
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Cover:
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Das Titelbild zeigt einen Hund, der einen Sarg anpinkelt. Somit ahnt man schon, dass hier ein etwas makaberer Humor nicht zu kurz kommt. Es ist schlicht, aber witzig und passt auch ...

Cover:
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Das Titelbild zeigt einen Hund, der einen Sarg anpinkelt. Somit ahnt man schon, dass hier ein etwas makaberer Humor nicht zu kurz kommt. Es ist schlicht, aber witzig und passt auch sehr gut.

Inhalt:
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"Zu Mads’ positiven Eigenschaften gehörte, dass er nicht so leicht einzuschüchtern war, was weniger an einem überbordenden Selbstvertrauen als an einer gewissen Naivität lag. Im Grunde hielt er den Menschen an sich nicht für böse oder feindselig, obwohl ihm das Gegenteil – wie jedem anderen auch – täglich in den Nachrichten und im Internet vorgeführt wurde. Aber Mads war ein Optimist, der fest daran glaubte, dass Zorn und Hass nur vorübergehende Phänomene waren, allenfalls Ausdruck von Hilflosigkeit und Verzweiflung. Gelangte man hinter die wütende Fassade, trat der wahre Mensch zum Vorschein, der von den Bitternissen des Lebens verätzt worden, doch im Wesenskern freundlich war. Empathie und Neugier waren die Politur, mit der man von einem Strolch die schlechten Eigenschaften abschleifen konnte." (S. 69)

Der Trauerredner Mads wohnt im wunderschönen Glücksburg an der Ostsee und geht seinem Beruf mit Leidenschaft nach. Aber als sein ehemaliger bester Freund Patrick bei einem Autounfall ums Leben kommt und ihm eine geheime Botschaft zukommen lässt, wird bei Mads die Neugier geweckt. Und obwohl er immer wieder gewarnt wird und sein Leben zunehmend in Gefahr gerät, muss er unbedingt rausfinden, woran Patrick verwickelt war und weshalb er sterben musste. Dabei helfen ihm sein treuer Freund Fiete und dessen neue Bekannte Laura und seine Wege mit der Kommissarin Mills (Spitzname "Mills kills") kreuzen sich dabei öfter als ihm lieb ist.

Mein Eindruck:
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Dieser Krimi ist eine sehr ungewöhnliche Mischung. Es ist einerseits Cosy-Crime, aber andererseits auch gemischt mit ein paar brutaleren Szenen. Die Spannung baut sich anfangs sehr langsam auf, wird aber bis zum Showdown durch die Komplexität der Story immer höher und so konnte ich das Buch etwa ab der Hälfte nicht mehr aus der Hand legen.
Die Charaktere sind teilweise sehr skurril, vor allem Mads Vater Fridtjof mit seiner Bingo-Besessenheit und seiner etwas seltsamen Logik hat mich sehr amüsiert. Aber auch der Bestattungsunternehmer Fiete in seiner blinden Verliebtheit gefiel mir gut. Mads selbst mochte ich auch, wenngleich er mir teilweise zu naiv war. Aber dass er nicht locker lässt und sich nicht einschüchtern lässt, fand ich gut.
Neben der Krimihandlung erfährt man einiges über die Arbeit als Trauerredner und erhält generell Einblicke ein Bestattungsunternehmen. So war mir beispielsweise vorher der Beruf des Thanatopraktikers nicht geläufig. In die Handlung sind auch immer wieder philosophisch anmutende Texte über den Tod und das Leben enthalten, die für nachdenkliche Momente sorgen, wie z. B. "Der Tod schuf vollendete Tatsachen, interessierte sich weder für gute Absichten noch für verpasste Gelegenheiten. Er war nur ein stummer Zeuge der unerfüllten Versprechen." (S. 273)

Am Ende driftet die Handlung zum Showdown hin ins Unrealistische ab und wird teilweise auch etwas verworren. So hat der Krimi, der vielversprechend begann, mich zum Ende hin leider etwas verloren. Auch die ambivalente Beziehung zwischen Mads und der Kommissarin konnte ich nicht nachvollziehen, man wird aus beiden nicht so richtig schlau.
Dennoch hat mich der Roman gut unterhalten und ich werde dem zweiten Teil, der nächstes Jahr erscheinen soll, gerne eine Chance geben, besser zu werden als der erste.

Fazit:
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Interessanter Protagonist + humorvoller Cosy-Crime durchmischt mit anderen Elementen und einem actionreichen, aber unrealistischen Showdown

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Veröffentlicht am 21.07.2025

Wunderschönes Andachtsbuch!

Andachten für die ganze Familie
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Gestaltung:
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Optisch ist das Buch TOP! Es ist mit braunem Kunstleder eingebunden, die Seiten haben eine robuste Stärke, ein farbig passendes Lesebändchen ist vorhanden und die Illustrationen ...

Gestaltung:
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Optisch ist das Buch TOP! Es ist mit braunem Kunstleder eingebunden, die Seiten haben eine robuste Stärke, ein farbig passendes Lesebändchen ist vorhanden und die Illustrationen zu den Geschichten sind wunderschön! Die Texte sind ebenfalls mit braunen, fast goldfarben scheinenden Überschriften versehen. Das Buch wirkt wirklich sehr edel und ist seinen Preis definitiv wert. Das einzige, was ich etwas schade finde, ist, dass der Klappentext nur als Papierbanderole hinten befestigt ist, weil es sich anders wohl nicht in das Kunstleder integrieren lässt. Insgesamt gefällt es mir sehr gut und ist durch seine robuste Gestaltung auch für eine lange Nutzungsdauer geeignet.

Mein Eindruck:
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Ganz zu Beginn gibt es ein Inhaltsverzeichnis, in dem alle biblischen Geschichten strukturiert in 10 Oberthemen aufgelistet sind. So kann man sich gut orientieren und gezielt Themen wählen, die einen ansprechen.
Jede der Geschichten ist etwas 2 Seiten lang, sodass sie alle auch mit Kindern gut lesbar sind. Am Ende jeder Geschichte gibt es eine passende Bibelstelle zum Nachlesen, gefolgt von 2-3 Fragen, um das Gelesene zu rekapitulieren. Die entsprechenden kurzen Antwortvorschläge hierzu befinden sich gleich darunter. So kann man die Fragen nutzen, um sie mit Kindern in der Familie zu besprechen oder auch für religiöse Kindergruppen.
Zum Schluss jedes Kapitels gibt es einen passenden Liedvorschlag zum Lob Gottes.
Mir gefielen die kleinen Geschichten ganz gut. Sie stellen die Bibeltexte komprimiert dar bzw. sind etwas leichter verständlich formuliert, sodass sie mit Kindern besser gelesen werden können. Mit den Fragen habe ich mich stellenweise etwas schwergetan. Ich fand zum einen die Antwortvorschläge oft etwas kurz und konnte selber damit nicht immer etwas anfangen. Auch gefiel mir der subtil erhobene Zeigefinger nicht immer. Den "warmherzigen und seelsorgerischen Ton", der in der Beschreibung des Buches erwähnt wird, konnte ich leider nicht unbedingt ausmachen. Die Antworten sind m. E. ohne Erläuterung eines Erwachsenen für Kinder allein nicht verständlich. Aber deswegen ist es ja auch ein Familienandachtsbuch, die Bibel soll gemeinsam gelesen und besprochen werden. Einige der Fragen trugen aber auch Wissenserkenntnisse zum besseren Verständnis bei. Da habe auch ich etwas dazugelernt.
Von den Liedern kannte ich fast keines. Dafür ist es eine große Hilfe, dass am Ende ein Verweis auf das passende Liederbuch eingefügt ist und man die Lieder sogar kostenlos downloaden kann auf diversen Kanälen wie YouTube, Spotify etc. Der entsprechende QR-Code ist im Buch vorhanden. Dieser Aspekt hat mir gut gefallen.
Die Illustrationen zu jedem Kapitel sind mein persönliches Highlight.

Das Buch eignet sich sehr gut, um Kinderbibelkreise oder Familiengottesdienste vorzubereiten oder eben, wie der Name sagt, die Bibel in der eigenen Familie zu thematisieren und ins Gespräch zu kommen.

Fazit:
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Bibelgeschichten für jeden Tag mit Unterstützung von Frageimpulsen, Liedempfehlungen und wunderschönen Illustrationen

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Veröffentlicht am 18.05.2025

Einmal Platte, immer Platte?

Achtzehnter Stock
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Cover:
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Das Titelbild sieht gar nicht so trist aus, wie man es von einem Plattenbau und der Geschichte vermuten würde. Durch den blauen Himmel wirkt es fast romantisch und hoffnungsvoll. Daher ...

Cover:
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Das Titelbild sieht gar nicht so trist aus, wie man es von einem Plattenbau und der Geschichte vermuten würde. Durch den blauen Himmel wirkt es fast romantisch und hoffnungsvoll. Daher ein Grund für mich, den Roman zu lesen, auch wenn der Beschreibungstext mich zunächst skeptisch gemacht hat.

Inhalt:
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"Ich hätte ihm nicht schreiben dürfen. Es war ein Fehler. Ich bin nicht frei. Niemand ist frei. Es entscheiden immer die anderen, was man wert ist. Egal, was man sich einredet, wir sind alle Opfer." (E-Book, S. 96)

Wanda ist alleinerziehende Mutter der fünfjährigen Karlie und lebt mit ihr in einer Plattenbau-Siedlung in Berlin im achtzehnten Stock. Sie träumt davon, auszubrechen und ihrer Tochter ein besseres Leben zu ermöglichen. Sie strebt an, als Schauspielerin groß rauszukommen und ein Star zu werden. Als sie nach vielen ungezählten Versuchen endlich eine Hauptrolle bekommt, scheint ihr Traum sich zu erfüllen. Doch das Glück ist sehr zerbrechlich, und schließlich stellt sich die Frage, ob man seine Herkunft verleugnen und aus seinem ursprünglichen Leben ausbrechen kann oder letztendlich dort verwurzelt bleibt. Und ist es überhaupt erstrebenswert, ein anderes Leben anzustreben?

Mein Eindruck:
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Die Frage, inwieweit ein Mensch durch seine Herkunft bestimmt ist oder ihm ein Ausbruch in ein vermeintlich "besseres Leben" gelingen kann, fand ich immer schon spannend. Daher hat mich dieser Roman interessiert. Die Geschichte ist aus der Ich-Perspektive von Wanda geschrieben. Aus ihrer Sicht erlebt der Leser hautnah die Enge der Sozialbausiedlung, den täglichen Überlebenskampf, aber auch den Zusammenhalt der Bewohner und die Liebe, die Wanda für ihre Tochter empfindet. Das Buch entwickelte durch den Schreibstil einen regelrechten Sog auf mich. Ich konnte die Hoffnung, aber auch die Verzweiflung sowie manchmal die leicht überheblichen Gefühle gegenüber den anderen gut nachempfinden. Nichts desto trotz empfand ich Wandas Verhalten auch manchmal verantwortunglos, wenn sie Karlie längere Zeit alleine lässt oder sie gegenüber ihrem Schauspielergeliebten verschweigt.
Ich bin in meinem Leben bisher glücklicherweise noch nicht in Kontakt mit solchen Situationen wie Wanda gekommen. Ich kann mir aber vorstellen, dass das Leben in einer Plattenbau-Siedlung so verlaufen kann und auch die Dekadenzen des Film-Business sind gut, aber auch gesellschaftskritisch beschrieben.
Gegen Ende nimmt die Handlung eine unerwartete Wende und den Schluss empfand ich als etwas kitschig und unrealistisch, aber auch hoffnungsvoll. "Hart und rau und schön" trifft es sehr gut. Insgesamt ein gutes Debüt von Frau Gmuer.

Fazit:
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Gesellschaftskritischer Roman in fesselndem Erzählstil und mit vielen Emotionen, der aber am Ende leider etwas kitschig-unrealistisch wird.

4 von 5 Sternen

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