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Veröffentlicht am 15.09.2024

Beeindruckendes Portrait einer Leuchtturm-Dynastie und von Robert Louis Stevenson

Die Leuchttürme der Stevensons
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Sabine Weiß nimmt uns mit ins Schottland des 19. Jahrhunderts und zeichnet ein beeindruckendes und detailgetreues Portrait der Leuchtturm-Dynastie der Stevensons und erzählt vom Leben des Schriftstellers ...

Sabine Weiß nimmt uns mit ins Schottland des 19. Jahrhunderts und zeichnet ein beeindruckendes und detailgetreues Portrait der Leuchtturm-Dynastie der Stevensons und erzählt vom Leben des Schriftstellers Robert Louis Stevenson.

Worum geht es?

Robert Louis Stevenson (“Louis”) soll ins Familiengeschäft einsteigen und ebenfalls Leuchttürme entwickeln, konstruieren und bauen. Sein Leben und seine Ausbildung sind vollständig darauf ausgerichtet. Er lernt alles von der “Pike” auf. Auf Inspektionsreisen ist dieser zwar stark beeindruckt von den Werken seiner Vorfahren und sehr interessiert an der Vergangenheit, doch das Ingenieurswesen fällt ihm sehr schwer. Immer wieder driften seine Gedanken zudem ab – denn sein einziger Wunsch ist es, Schriftsteller zu werden.

Meine Eindrücke vom Buch

“Die Leuchttürme der Stevensons” hat mich sehr schnell in seinen Bann gezogen. Allein das im grau-blau-weiß gehaltene Cover ist ein echter Hingucker, welches von der Leuchtturm-Karte in der Innenklappe abgerundet wird.

Leuchttürme haben mich schon immer fasziniert, aber ich habe mich nie näher mit ihnen beschäftigt. Ein paar Romane von Robert Louis Stevenson (“RLS”) habe ich vor vielen Jahren gelesen und sehr gemocht, doch ich habe mich nie mit ihm selber beschäftigt. Dank Sabine Weiß habe ich nun beeindruckende Einblicke in eine außergewöhnliche Familiendynastie und ins Leben eines bemerkenswerten Schriftstellers gewonnen. Sabine Weiß hat sich sehr viel Mühe mit der Recherche zu diesem Buch gegeben und das macht sich bemerkbar. Mich haben ihre Detailtreue und ihre detaillierten Beschreibungen fasziniert. Auch hat sie gleichermaßen die baulichen Leistungen wie auch die Charaktere selbst sehr gut beschrieben. Ich konnte mir alle Personen sehr gut vorstellen und die meisten sind mir auch ans Herz gewachsen. Vor allem die Beschreibungen zu dem Leuchttürmen, die RLS auf dem Inspektionsreisen gesehen hat, haben mich auch dazu bewegt, noch mehr über sie herausfinden zu wollen. (Ich habe tatsächlich aufgrund eines Romans noch nie soviel recherchiert wie bei diesem!) Und besonders gefreut hat es mich, dass Sabine Weiß wirklich viele Details in ihrem Buch verarbeitet hat. Mir hat auch gefallen, dass die Charaktere authentisch und ohne Schönfärberei dargestellt wurden, vor allem RLS, der es sich mit seiner Tagträumerei und Naivität nicht immer leicht gemacht hat und dem auch immer wieder Steine in den Weg gelegt wurden. Ich finde, es grenzt schon an ein Wunder, dass er es (vor allem in der damaligen Zeit) geschafft hat, seinen Weg zu gehen.

Doch bei aller Faszination für dieses Buch habe ich leider zwei Kritikpunkte, die mir das Lesen etwas erschwert haben:

Der Schreibstil passt zur Geschichte und zur Zeit und er birgt auch so manches sprachliche Schätzchen. Ich fand ihn leider trotzdem sehr anstrengend und ich konnte das Buch nicht flüssig lesen.

Im Gegensatz zum gesamten Buch, das durch detaillierte Beschreibungen und ein langsames Tempo auffiel, kam mir leider der Epilog wie ein Sprint vor. Hier hätte ich mir ein paar mehr Details oder weitere Ausführungen gewünscht. Aber vielleicht ist das Stoff für ein zweites Buch zu Robert Louis Stevenson.

Alles in allem habe ich dieses Buch sehr genossen. Ich habe mit den Charakteren mitgefühlt und ich habe das damalige Schottland mit all seiner Natur, seiner Rauheit und auch seiner Schönheit erleben dürfen. Ich habe nun noch mehr Respekt vor Leuchttürmen und werde das eine oder andere Buch von RLS bestimmt noch einmal und dann mit anderen Augen lesen, nun da ich bereits einige Parallelen zwischen seinem Leben und seinen Geschichten sehen kann.

Ich kann das Buch wirklich jedem empfehlen, der sich für Leuchttürme, Robert Louis Stevenson als Mensch und Schriftsteller und/oder für Schottland im 19. Jahrhundert interessiert!

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Guter Krimi

Eisfeld – Dunkle Enthüllungen
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"Eisfeld - dunkle Enthüllungen" ist der zweite Teil der Eisfeld-Reihe. Ich kenne den ersten Teil nicht, bin aber sehr gut in die Geschichte und in die Charaktere gekommen.

Mara Eisfeld ist nicht die typische ...

"Eisfeld - dunkle Enthüllungen" ist der zweite Teil der Eisfeld-Reihe. Ich kenne den ersten Teil nicht, bin aber sehr gut in die Geschichte und in die Charaktere gekommen.

Mara Eisfeld ist nicht die typische Sympathieträgerin. Sie hat ihre Ecken und Kanten, kämpft ihre ganz privaten Kämpfe. Noch immer leidet sie unter der Trennung von ihrem noch-Ehemann. Seine Bedarf an Mediationsgesprächen bzgl der Sorgerechtslösungen widerstrebt ihr ebenso wie die neue Frau an der Seite ihres Vaters. Und mitten in ihrem privaten Chaos wird einer der berühmtesten Investigativ-Journalisten brutal auf offener Straße ermordet. Gemeinsam mit ihrem Partner Gideon Blessing ermittelt Mara Eisfeld. Während es zunächst nach einem Mord aus den Reihen der Tiznit aussieht, verdichten sich die Hinweise in eine andere Richtung.

Mir hat der Krimi sehr gut gefallen, die Aufklärungsarbeit wirkt authentisch und die Charaktere haben Tiefgang. Weinert beschreibt alles sehr detailliert, um die Atmosphäre zu erzeugen, was ihm grundsätzlich auch gut gelingt. Ich persönlich hätte trotzdem auf ein paar Details verzichten können. (Aber das ist persönlicher Geschmack.)

Der Schreibstil ist flüssig und lässt sich gut lesen.

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Veröffentlicht am 13.06.2025

Eine schöne Geschichte, die leider an manchen Stellen schwächelt

Das Licht in den Wellen
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Ein an sich schönes Buch, das sich gut lesen ließ. Aber auch ein Buch mit Höhen und Tiefen.

Das Cover find ich unheimlich schön! Mit gefällt das blau mit den Wellen, die nahtlos in den Horizont übergehen ...

Ein an sich schönes Buch, das sich gut lesen ließ. Aber auch ein Buch mit Höhen und Tiefen.

Das Cover find ich unheimlich schön! Mit gefällt das blau mit den Wellen, die nahtlos in den Horizont übergehen und mittendrin eine Frau - vermutlich Inge. Mir gefällt auch, dass das Hardcover direkt bedruckt ist! Das verleiht dem Buch etwas Besonderes!

Worum geht's? Inge begibt sich mit ihren knapp 100 Jahren noch einmal auf eine Reise von Föhr nach New York, wo sie nach dem Krieg über 30 Jahre gelebt hat. Auf der Schiffsreise wird sie von ihrer Urenkelin Swantje begleitet. Während der Fahrt hängt Inge ihren Erinnerungen an ihre New Yorker Jahre nach.

Erzählt wird die Geschichte auf zwei Ebenen - der Gegenwart und den New Yorker Jahren von 1947-1978.

Aufgrund des Klappentexts habe ich einen anderen Verlauf des Buchs erwartet. Mir fehlte in dem Gegenwartsteil die Interaktion zwischen Inge und Swantje. Dem entgegen gefiel mir der Rückblick auf die New Yorker Jahre gut! Es ist beeindruckend, was Inge erlebt hat und wie sie immer weiter aufgestiegen ist. (Dass hier keine klassische oder typische Auswanderergeschichte erzählt wird, ist ziemlich schnell klar, aber das hat mich nicht gestört! Sicherlich gab es auch solche Ausnahmegeschichten.)

Leider endet das Buch quasi mittendrin, als das Schiff mit Inge und Swantje in New York ankommt. Was sie dann in New York erleben und was in den rund 45 Jahren seit 1978 passiert ist, wird erst im zweiten Teil erzählt. (Das Buch soll im Frühjahr 2026 erscheinen.) Dieses offene Ende mitten in der Geschichte hat mir leider nicht gefallen.

Emotional hat mich das Buch weitgehend abgeholt und (mit ein paar Tiefen) auch gut unterhalten. Am Ende konnte es mich aber leider trotzdem nicht ganz überzeugen.

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Veröffentlicht am 22.03.2024

Sehr ergreifend, stellenweise etwas langatmig

Die Scham
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Die Scham von Annie Ernaux ist ein sehr ergreifendes Buch. Ernaux beschreibt/verarbeitet ihr Aufwachsen in einer Arbeiterklasse der Nachkriegszeit und den 50er Jahren und wie das Gefühl der Unwürdigkeit ...

Die Scham von Annie Ernaux ist ein sehr ergreifendes Buch. Ernaux beschreibt/verarbeitet ihr Aufwachsen in einer Arbeiterklasse der Nachkriegszeit und den 50er Jahren und wie das Gefühl der Unwürdigkeit und des Nicht-Dazugehörens, mit dem ihre Eltern leben, ihr eigenes Leben bestimmt und geprägt haben.

Das Buch ist (wieder) im Tagebuchstil geschrieben und lässt den Leser tief in Ernaux's Seele blicken. Auch, wenn Die Scham stellenweise etwas langatmig ist, erklären sich "die Exkurse" am Ende.

Fazit: Ein ergreifendes und erschütterndes Buch, das es absolut wert ist, gelesen zu werden!

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Guter Kreuzfahrt-Krimi, leider mit ein paar Schwächen

Kein Land in Sicht
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“Kein Land in Sicht” ist ein spannender Auftakt zu Christina Pertls neuer Krimi-Reihe, in der Kriminalkommissarin Sarah Peters im Mittelpunkt steht. Mit ihrem angenehmen Schreibstil gelingt es Pertl, den ...

“Kein Land in Sicht” ist ein spannender Auftakt zu Christina Pertls neuer Krimi-Reihe, in der Kriminalkommissarin Sarah Peters im Mittelpunkt steht. Mit ihrem angenehmen Schreibstil gelingt es Pertl, den Lesenden sofort in die fesselnde Geschichte hineinzuziehen. Der Auftakt ist vielversprechend und sticht mit einer originellen Aufmachung hervor. Das Cover mit einem ausgeschnittenen Bullauge ist sehr stimmungsvoll und passend zum Thema!

Worum geht es?

Eine Frau findet sich auf dem Boden eines ihr unbekannten Badezimmers wieder. Sie hat keine Ahnung, wer sie ist und wo sie sich befindet. Anhand der Gegenstände in ihrer Umgebung versucht sie sich an irgendetwas zu erinnern und ihr Leben zu rekonstruieren. Doch nichts kommt ihr bekannt vor. Ihre Zimmernachbarin steht ihr in dieser schwierigen Situation zur Seite und hilft ihr durch die festgelegten Tagesabläufe. Langsam, aber sicher meldet sich das Gedächtnis der Frau zurück.

Währenddessen befindet sich ein Mann in einer äußerst brisanten Lage – gefangen in einem Käfig, ohne Essen, ohne Trinken – und er ist nicht allein. In anderen Käfigen sind weitere Personen eingesperrt. Besorgt um sein eigenes Leben und das seiner Mitgefangenen, sucht er verzweifelt nach einer Lösung, während er auf ihre Rettung hofft.

Schnell stellt sich heraus, dass sie sich auf einem Kreuzfahrtschiff befinden. Doch wieso? Und wer sind die beiden? Was ist ihnen zugestoßen?

Meine Eindrücke von dem Buch

Meine Eindrücke von dem Buch sind insgesamt positiv. Die Geschichte, das Setting und die Charaktere haben mir sehr gut gefallen.

Allerdings gibt es einige Aspekte in der Umsetzung, die mein Lesevergnügen etwas getrübt haben. Mal passen Zeitabstände meiner Meinung nach nicht, mal wirkt das Verhalten der Charaktere für die jeweilige Situation untypisch. Zudem werden ein paar Sachverhalte an verschiedenen Stellen unterschiedlich dargestellt. Auch die Vielzahl an Charakteren, von denen einige mit doppelten Identitäten agieren, erschwerten es mir ab und zu, den Überblick zu behalten.

Dennoch hat Pertl die Charaktere gut dargestellt und überzeugend umgesetzt. Ich konnte mir alle Charaktere sehr gut vorstellen – sowohl optisch als auch in ihrer Persönlichkeit. Während des Lesens hatte ich stets klare Bilder von ihnen vor mir – zumindest, soweit ich den Überblick nicht verloren hatte.

Die zahlreichen Plotttwists haben mir sehr gut gefallen, so blieb immer genügend Raum für Überraschungen – auch, wenn der eine oder andere Twist für meinen Geschmack etwas unlogisch erschien. Am Ende gab es jedoch einen Moment, auf den ich zwar gehofft, ihn aber nicht erwartet hatte. Hier hat Pertl mich positiv überrascht, indem sie auf ein klassisches Happy End verzichtete und sich stattdessen für eine (zumindest teilweise) realistische Wendung entschied.

Mein Fazit: Ein gelungener Krimi-Auftakt mit ein paar Schwächen, aber dennoch sehr lesenswert.

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