Profilbild von Schugga

Schugga

Lesejury Star
offline

Schugga ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schugga über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.04.2026

Von Zeitreisen und magischen Tentakeln

Das White Octopus Hotel
0

Ich mag Bücher, die ein wenig anders sind. Zeitreisen? Klar, oft genug gelesen. Magische Gegenstände und Artefakte? In der Fantasy bereits Standard-Requisite. Was also macht dieses Buch so anders? Ich ...

Ich mag Bücher, die ein wenig anders sind. Zeitreisen? Klar, oft genug gelesen. Magische Gegenstände und Artefakte? In der Fantasy bereits Standard-Requisite. Was also macht dieses Buch so anders? Ich fang mal bei der Protagonistin an: Nicht allein die Tatsache, dass Eve emotional verschlossen und stets schwarz gekleidet auftritt, macht sie so besonders. Introvertierte Einzelgänger gibt es zuhauf. Entscheidend ist das WARUM: Unter ihrer Haut lebt ein Oktopus aus Tinte (wie der dort hingekommen ist erfahrt ihr beim Lesen). Nunja, und der wandert eben auch mal hin und her und hinterlässt Tintenflecken. Allein die Vorstellung ist doch total abgefahren, oder? Das jedenfalls schränkt die Kleiderwahl stark ein, wenn Eve nicht sämtliche Mitmenschen in Panik versetzen will. So weit, so verständlich. Hinzu kommt dann noch ein Ereignis in ihrer Kindheit, an dem sie selbst jetzt noch zu knabbern hat (da gebe ich zu, das war das einzige, womit ich wegen der Intensität nach all der Zeit etwas haderte) Trost sucht sie in der Musik eines Komponisten, welcher in den 1930ern spurlos verschwand. Und plötzlich bei ihr im Büro als alter Mann auftaucht. Was natürlich nicht sein kann, der Name ist bestimmt rein zufällig derselbe. Und sein achtarmiges Geschenk an sie kann auch nur Zufall sein, oder? Über einige Umwege gelangt sie ins Octopus Hotel, einst Grand Hotel der Reichen, heute ein Lost Place. Doch war da nicht was mit Zeitreisen? Genau, und hier geht der Spaß erst richtig los. Oder das Verwirrspiel, Komponist inklusive.
Bis zum Schluss habe ich gerätselt, wie die Zeitebenen und gewisse Charaktere im Hotel miteinander in Verbindung stehen könnten. Die Kausalkette ist einerseits nicht zwingend chronologisch, im Nachhinein betrachtet ergibt alles einen Sinn, aus dem Zeitlabyrinth wird eine erkennbare Zeitsprung-Linie. Bis dahin gibt es allerdings so viel Schräges zu erleben, auch aus der Perspektive des Komponisten Max.
Bis zum Schluss hat die Autorin es geschafft, die Spannung hoch zu halten, bis mit dem letzten Oktopus das Puzzle endlich ein Gesamtbild ergibt. Von mir erhält das Buch wohlverdiente 4,5 / 5 Seesterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.11.2025

Gruselige Bedrohung zieht ins Dorf ein

Gänsehaut in Hovenäset 1. Flammenrad
0

Flammenrad ist ein Buch mit gelungenen Gruselelementen. Heidi und ihre Freunde leben in einem kleinen schwedischen Dorf fernab jeglichen Großstadttrubels. Nach einigen Handwerksarbeiten im Haus bemerkt ...

Flammenrad ist ein Buch mit gelungenen Gruselelementen. Heidi und ihre Freunde leben in einem kleinen schwedischen Dorf fernab jeglichen Großstadttrubels. Nach einigen Handwerksarbeiten im Haus bemerkt Heidi nachts seltsame Geräusche, als würde etwas oder jemand versuchen, in ihr Zimmer zu gelangen. Auch die Gegenstände, welche durch die Bauarbeiten unter ihrem Fußboden gefunden wurden, sind äusserst rätselhaft. Zur gleichen Zeit kommt ein Riesenrad-Betreiber in den Ort und stellt sein Riesenrad auf dem örtlichen Campingplatz auf. Heidis Oma warnt eindringlich vor dem Rad, dies sei gefährlich. Durch ihre fortschreitende Demenz wird sie jedoch nicht ernst genommen. Bis die Kinder den Zusammenhang zwischen dem Riesenrad und dem nächtlichen Spuk erkennen ist es fast schon zu spät.
Ich fand vor allem die nächtlichen Szenen sehr gelungen, in denen Heidi sich jedesmal ganz sicher ist, dass da jemand ist, nur um von ihrem Vater gesagt zu bekommen das sei alles Einbildung gewesen. Die Nachforschungen gemeinsam mit ihren beiden Freunden gestalten sich ebenfalls als spannend gestaltet, die schockierenden Hintergründe kommen nach und nach ans Licht.
Eine kleine Kritik habe ich zum anfänglichen Aufhänger, wo mir viel zu lange die Geldsorgen der Erwachsenen breitgetreten werden. Für Kinder ein langweiliges, schlimmstenfalls triggerndes Thema, wenn die Eltern kein Geld auf dem Konto haben. Auch die demente Oma, da muss ich sagen fand ich es ziemlich fragwürdig, einem Kind aufzubürden, sich alleine um die Oma zu kümmern. Ohne diese Kritikpunkte wäre es der perfekte Kindergruselroman, der latente Horror, der da in den Ort zieht, ist angenehm spürbar beim Lesen. Somit gebe ich dem Buch wohlverdiente 4,5/5 Punkte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.10.2025

Reinlesen und wohlfühlen

Der Laden in der Mondlichtgasse
0

Mit diesem Roman hält man einen asiatischen Wohlfühlroman in Händen, ein Buch, in dem es um emotionale Themen geht in Verbindung mit kleinen Naschereien. Letztere erhält man in der Confiserie Kohaku, einem ...

Mit diesem Roman hält man einen asiatischen Wohlfühlroman in Händen, ein Buch, in dem es um emotionale Themen geht in Verbindung mit kleinen Naschereien. Letztere erhält man in der Confiserie Kohaku, einem Laden voller ausgefallener Süßigkeiten. Gelegen in der Mondlichtgasse, welche sich nur verlorenen Wesen und Menschen zeigt, die etwas auf dem Herzen haben.
Gestaltet ist das Buch als Episodenroman. In jeder der sechs Episoden geht es um eine Person, die innerlich mit einer Unsicherheit ringt und die neben einem Schrein gelegen den Weg in die Mondlichtgasse und somit zur Confiserie entdeckt. Wobei die sechste Episode ein wenig mehr zum Besitzer der Confiserie verrät, Kogetso, der sich gleich zu Beginn kurz vorstellt und ein halber Fuchsgeist ist.
Über die Süßigkeiten entwickeln sich die Geschehnisse jeweils dahingehend, dass Missverständnisse und Unsicherheiten ausgeräumt werden und die Personen anschließend glücklicher sind. Die Episoden sind leicht verständlich gehaltene und locker aufeinander aufbauende Erzählungen, der Stil ist ebenso sympathisch wie empathisch und es gibt ein wenig Informationen zu den verschiedenen Süßigkeiten. Die Themen der meist jungen Personen sind so gewählt, dass diese bestimmt auch ohne Kogetsos Süßigkeiten hätten gelöst werden können, wodurch offen bleibt, inwiefern in den Süßigkeiten nun Magie stecken könnte oder nicht. Ein Glossar am Ende gibt zudem ein paar hilfreiche Informationen.
Ein sympathisches kleines Wohlfühlbuch mit japanisches Süßigkeiten, die auf magische Weise den Anstoß geben, Missverständnisse und Unsicherheiten zu klären.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.06.2025

Japanische Mythologie trifft auf urbane Legenden

A Tale of Foxes and Moons
0

Zu unzähligen Reinkarnationen verdammt lebt die einstige Fuchsgöttin als Medizinstudentin Aiko im heutigen Tokio. An ihrer Seite ein kleiner Naturgeist. In einem fast vergessenen Schrein im Wald trifft ...

Zu unzähligen Reinkarnationen verdammt lebt die einstige Fuchsgöttin als Medizinstudentin Aiko im heutigen Tokio. An ihrer Seite ein kleiner Naturgeist. In einem fast vergessenen Schrein im Wald trifft sie auf Chiaki, Reinkarnation des Mondgottes und den Überlieferungen nach ihr tödlicher Rivale. Durch gewisse Umstände sind die beiden gezwungen, diverse Aufgaben gemeinsam zu bewältigen und kommen dabei dem wahren Geheimnis ihrer göttlichen Vergangenheit auf die Spur.
Zum Inhalt selbst will ich gar nicht viel mehr verraten als dass hier japanische Mythologie wunderbar mit japanischen, urbanen Legenden der heutigen Zeit verknüpft wird und nicht nur die beiden gewisse Geheimnisse mit sich herumtragen. Ich empfand es als wunderschön, wie beides mit der modernen Welt verknüpft wird, wie die beiden ihre Abenteuer bestehen (die ich überaus lesenswert fand) und die Autorin sich nicht von Klischees hat leiten lassen. Da die beiden erwachsen sind sag ich mal so: verklemmt sind sie nicht, auf der spicy Ebene betrachtet. Natürlich gibt es auch cat content, was wäre ein japanischer Roman ohne Katzen? Der Showdown war herrlich spannend und das Ende, hach, wunderschön!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2025

Japanisches Feelgood-Buch über Kalligraphie und das Briefeschreiben

Hatokos wunderbarer Schreibwarenladen
0

Auf poetische Art nimmt uns die Autorin in ihrem Buch mit in die Welt der japanischen Kalligraphie und den alten Beruf der Schreiberin. Sie erzählt von der 25-jährigen Hatoko, die kürzlich den Laden ihrer ...

Auf poetische Art nimmt uns die Autorin in ihrem Buch mit in die Welt der japanischen Kalligraphie und den alten Beruf der Schreiberin. Sie erzählt von der 25-jährigen Hatoko, die kürzlich den Laden ihrer verstorbenen Großmutter in Kamakura übernommen hat.
Hierbei wendet die Autorin einen besonderen Kniff an: So, wie man beim Lesen die vier Jahreszeiten eines Jahres erlebt, verändert sich nach und nach auch das Leben der jungen Frau. Das Buch beginnt im Sommer, die Welt ist träge und Hatoko funktioniert nur in ihrer Alltagsroutine statt wirklich zu leben. Auch sitzt das schlechte Verhältnis, welches sie zuletzt zu ihrer Großmutter hatte, noch tief. Im Herbst kommt Hatoko mehr aus sich heraus, alte Emotionen brechen sich Bahn. Nach dem Neuanfang im Winter folgt letztlich das neue (emotionale) Leben im Frühling.
Begleitet wird die Erzählung von mehreren Aufträgen, welche sie als Schreiberin übernimmt. Neben Details zu Kalligraphie, Tinte und Wortwahl in Briefen sind sowohl die sowohl die japanischen Texte als auch in Übersetzung die deutschen Texte abgebildet. Zudem erfährt man einiges über die alten Traditionen, welche Hatoko noch halbherzig lebt. Eine wichtige Rolle spielt auch die Nachbarin, eine sehr lebensfrohe Person, welche Hatoko nach und nach aus ihrem Schneckenhaus hervorholen kann. Und natürlich das Aufarbeiten der Vergangenheit mit der Großmutter, welche sie nun lernt, aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich habe es sehr gern gelesen, lediglich ein Punkt zum Ende hin wirkte mir ein wenig zu übereilt, den konnte ich emotional nicht nachvollziehen.
Ein wirklich schönes Wohlfühlbuch, tatsächlich mal ohne Katzen, dafür mit Briefen und Kalligraphie und einer jungen Frau, die endlich zu leben beginnt. Einfühlsam und detailverliebt, wenn auch stets mit einer gewissen Distanz geschrieben, welche man bei dem deutschen Titel evtl so nicht erwarten würde.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere