Profilbild von Schugga

Schugga

Lesejury Star
offline

Schugga ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Schugga über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.07.2026

Verflucht zur Gemütlichkeit

Cursed for Good – Eine Prinzessin. Ein Pirat. Und ein verfluchter Buchladen.
0

Prinzessin Tandy reist von einer Verpflichtung zur nächsten. Sie nimmt den Stress mit Humor: wenigstens kann sie auf ihren vielen Reisen mit der Kutsche ausreichend lesen. Es sei denn, ihr gehen die Bücher ...

Prinzessin Tandy reist von einer Verpflichtung zur nächsten. Sie nimmt den Stress mit Humor: wenigstens kann sie auf ihren vielen Reisen mit der Kutsche ausreichend lesen. Es sei denn, ihr gehen die Bücher aus, wie im beschaulichen Little Pepperidge, bekannt für seine pastellfarbenen Bauten sowie seine erfolgreiche Schafzucht. Ihr spontaner Besuch im hiesigen Buchladen ist allerdings auf eher unerwartete Weise ihre Rettung: Ein Fluch bindet sie an den Buchladen. Als neue Besitzerin ist sie fortan zur Gemütlichkeit gezwungen, bis ihr Herzenswunsch sich erfüllt. Nach der Logik ihrer Eltern kann das nur der Kuss eines der sieben Prinzen sein.
Ihr ahnt es bestimmt bereits, so einfach ist die Sache dann doch nicht. Welche Frau hat schon als Herzenswunsch, von jemandem geküsst zu werden, für den sie keinerlei Gefühle hegt? Die Cozy Fantasy entwickelt sich auf ruhige, aber charmante Weise mit dem Ziel, für sich selbst zu entscheiden, was man will, statt es immer nur anderen Recht zu machen. An Tandys Seite gibt es eine Katze, bei der man nie weiß, wo sie gerade wirklich ist. Teenager-Drakonin Sasha (so eine Art Drachenmensch) räumt sowohl im Buchladen als auch in Tandys Leben mal so richtig auf. Und dann wäre da noch ein Pirat, der auf frech-charmante Weise Tandys Herz gewinnt und nebenbei ihre Sachen klaut.
Die Besuche der verschiedenen Prinzen sind natürlich ebenfalls ganz amüsant, wenn auch meist wenig spektakulär, und ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich sie jeweils mit teilweise veralteter Etikette umgehen. Wie Tandy machen sie eine kleine Charakterentwicklung durch, sind allerdings eher Nebenbei-Charaktere, die kommen und gehen. Der Fokus liegt auf Tandy, Drakonin Sasha und dem Piraten.
Das Buch bildet in etwa ein halbes Jahr ab und ich empfand es als sehr (!) gemütliche Fantasy mit dem Ziel, dass Tandy endlich für ihre eigenen Wünsche einsteht, die sie für sich erstmal definieren muss. Da Tandy und der Pirat bereits Erwachsene sind entwickelt sich ihre Beziehung zueinander auch entsprechend, wenn auch sehr, sehr slow-burn, wobei das Buch ohne explizite Szenen auskommt.
Die Stärke des Romans ist zugleich auch dessen Schwäche, für manche ist der Roman evtl etwas zu gemütlich, denn wirkliche Highlights kommen kaum vor und Tandys Aussprache mit den königlichen Eltern würde ich doch eher in einem Jugendroman verorten. Ebenso wurde kaum kritisiert, dass eine Prinzessin hier von fremden Männern geküsst wird, weil jemand anderes es so wünscht, statt von vornherein gemeinsam mit der Verfluchten nach einer anderen Lösung zu suchen. Diese Übergriffigkeit wurde nur relativ am Schluss wie nebenbei angesprochen. Die Art des des Piraten, nur faul rumzusitzen und Fragen zu umschiffen, also Raum für sich zu beanspruchen ohne hilfreich zu sein, empfand ich mit der Zeit als immer nerviger. Und Tandy selbst war mir auf Dauer auch zu passiv, sie hat sich fast schon gegen alles gewehrt, was eine wirkliche Veränderung mit sich bringen könnte. Das hätte vielleicht auf eine 82-jährige gepasst, aber doch nicht auf eine 22-jährige, die noch was erleben will, weil sie bisher kaum etwas Eigenes erlebt hat!
Gute Ideen, denen in der Umsetzung der Pfiff gefehlt hat mit einer jungen Protagonistin, die zwar sympathisch ist, zugleich frei fast jeglicher altergerechter Ambitionen. Von mir 3,5/5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.12.2025

Das Leben als Patentochter von Gevatter Tod

Das Dreizehnte Kind
0

Als dreizehntes Kind gehört Hazel zu den für die Götter besonders interessanten Kindern. Noch vor ihrer Geburt wurde sie dem Gott des Todes versprochen, der sich seit jeher ein Patenkind gewünscht hat. ...

Als dreizehntes Kind gehört Hazel zu den für die Götter besonders interessanten Kindern. Noch vor ihrer Geburt wurde sie dem Gott des Todes versprochen, der sich seit jeher ein Patenkind gewünscht hat. Und der Gott hat gewisse Pläne für ihr Leben.
Doch zunächst scheint es, als hätte der Gott seine Patenschaft vergessen. Hazel muss weiterhin bei ihrer Familie aufwachsen, ist dort unerwünscht und wird entsprechend vernachlässigt, bis ihr Patenonkel endlich auf den Plan tritt. Dieser will sie zu einer großartigen Heilerin machen, die selbst von Königen angefordert wird. Als genau dies der Fall ist und sie vor einem sterbenden König steht muss sie sich entscheiden, ob es ihr das Opfer wert ist, den Todgeweihten dennoch zu retten. Eine Entscheidung mit schwerwiegenden Konsequenzen.
Bis auf ein kurzes Intro verläuft die Erzählung chronologisch geradlinig. Dadurch wandert man mit Hazel durch ihr Leben, was zwar für einige Details sorgt, über Längen jedoch Spannung vermissen lässt. Mit dem Gott des Todes gibt es für meinen Geschmack zuwenig Interaktionen, wodurch sein Charakter enttäuschend flach bleibt. Dasselbe gilt leider auch für alle weiteren Charaktere, die ihr Leben kreuzen.
Mit einer sich im Reich ausbreitenden, mysteriösen Krankheit bietet sich zwar ein Werkzeug, Spannung in die Handlung zu bringen, doch in Bezug auf die vielen Hinweise zu einer Palastintrige trägt Hazel viel zu lange ihre Scheuklappen, was sich dann irgendwann frustrierend las.
Trotz der vorhandenen Intrige, welche Hazel aufdecken muss, fehlt dem Ganzen über Längen ein gewisses Maß an Spannung. Es liest sich eher wie die märchenhaften Memoiren einer Protagonistin, die sich wiederholt scheut, die richtigen Fragen zu stellen oder Entscheidungen zu fällen. Die Idee der Gottheiten im Buch sowie der Bereich der Kerzen, wie auf dem Cover zu sehen, sind hingegen schöne Details. Von mir gibt es für das Buch 3,5/5 Seelenkerzen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.08.2025

Was kostet die perfekte Welt?

Immerland – Die Stadt der Ewigkeit
0

Der zwölfjährige Mika wird in den Sommerferien zur Oma mitten im Nirgendwo abgeschoben, da sein Vater mal wieder beruflich unterwegs ist. Sich stundenlang hinter dem Controller verstecken fällt für den ...

Der zwölfjährige Mika wird in den Sommerferien zur Oma mitten im Nirgendwo abgeschoben, da sein Vater mal wieder beruflich unterwegs ist. Sich stundenlang hinter dem Controller verstecken fällt für den zurückhaltenden Jungen somit flach, denn Internet hat Oma nicht. Dafür ein Telefon mit Wählscheibe und sonderbare Messgeräte im Garten. Gewisse Umstände sorgen dafür, dass Mika und seine Oma von einer Chauffeurin nach Immerland gebracht werden. Eine Anfangs verwirrende Welt die Mika schnell das Gefühl vermittelt, nicht mehr unzulänglich zu sein und das bisherige Leben aufgeben zu wollen. Doch zu welchem Preis?
Immerland ist ein Buch, welches mich zwiegespalten zurücklässt. Die bisherigen Werke des Autors Flix mag ich insbesondere wegen seiner vielfältigen Fantasie sowie sein Vermögen, auch problematischere Themen zu hinterfragen und empathischmit einem zwinkernden Auge darzustellen. Wie Mika in dieser Erzählung lernt, selbstsicherer zu werden und für sich und andere einzustehen, ist ihm auch in diesem Roman wunderbar und auf fantastische Weise geglückt zu beschreiben. Vor allem die vielen ausgefallenen Ideen lohnen es, diese für sich zu entdecken. Schwierigkeiten hatte ich allerdings mit dem belastenden Thema, Mika könne seine Oma an den Tod verlieren. Der Tod als Einleitung in die fantastische Welt war über Längen sehr bedrückend, nur um Mika dann von diesem Thema bzw. seiner Oma einfach abdriften zu sehen. Als wenn die Oma wie vergessen wäre. Das empfand ich als sehr befremdlich, auch wenn es zum Gesamtkonzept passt. Im späteren Verlauf war mir ein Abschnitt zu lange zu zäh, hier gab es mehr Beschreibungen auf Kosten der Handlung. Nur um dann von einer bildhaft dargestellten Brutalität beendet zu werden, die mich sehr schockierte. Demgegenüber steht wiederum, dass es schnell fantastisch wird und die Ideen erfrischend anders sind. Diverse Zeichnungen im Buch machen es zudem einfach, sich Personen, Wesen und Erfindungen wunderbar vorstellen zu können.
Trotz einiger Abstriche freue ich mich bereits auf den Folgeroman, der am Schluss angeteasert wird. Ich gebe dem Roman 3,5 von 5 Flische (Fliegende Fische).

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.06.2025

Göttliche Pläne und wütende Geister

The Legend of Lady Byeoksa
0

Seit ihrer Kindheit nimmt Bin Seomoon die Welt der Lebenden ebenso wie Geister des Jenseits wahr. Als Seelenjägerin, auch Byeoksa genannt, bekämpft sie nun diese Geister, ausgestattet mit praktischer Männerkleidung ...

Seit ihrer Kindheit nimmt Bin Seomoon die Welt der Lebenden ebenso wie Geister des Jenseits wahr. Als Seelenjägerin, auch Byeoksa genannt, bekämpft sie nun diese Geister, ausgestattet mit praktischer Männerkleidung und speziellen Waffen. Die dabei manchmal anfallenden Perlen haben für sie eine besondere Bedeutung. Ebenso wie Eunho, der junge Minister des Königs, auf den sie bei einer Geisterjagd trifft und der sich nicht mehr an ihre gemeinsame Vergangenheit erinnern kann.
Insgesamt beinhaltet das Buch eine sehr schöne Geschichte, in der Göttinnen der Unterwelt ebenso ihre Pläne der Macht verfolgen wie die Gemahlin des jungen Königs in der Menschenwelt. Und zwischendrin die Seelenjägerin Bin, ein arroganter Schlangengott und diverse rachsüchtige Geister. Die Schauplätze wechseln, neben den Intrigen am Königshof und in der Unterwelt jagt Bin Geister, klärt einen Todesfall auf und nähern sich Bin und Eunho an. Es gibt also Spannung, Mythologie und Romantik. Ebenso kommen hier die weiblichen Hauptcharaktere stark zum tragen und die Frauen-unterdrückende Gesellschaft wird hier beispielhaft kritisiert.
Womit ich mich vor allem zu Beginn schwertat ist der Schreibstil. Von einem Satz zum nächsten kann die Perspektive oder die Szene wechseln und nicht immer war mir sofort klar, wer denn nun am Sprechen ist. Mit dem leicht distanzierten Stil kann ich wiederum leben, den kenne ich bereits von anderen Romanen aus Fernost. Wobei die Szenen, in denen es um die Liebe zwischen Bin und Eunho geht, emotional deutlich bewegender geschrieben sind. Doch grad zu Beginn empfand ich diesen sprunghaften Stil unnötig anstrengend und verwirrend, da ich an dieser Stelle noch keine wirklichen Bezugspunkte hatte.
Von der Idee und der Aufmachung her eine wirklich schöne Erzählung mit einer aussergewöhnlichen Protagonistin, nur der Schreibstil hat mir vor allem zu Beginn einige unnötige Hürden bereitet.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.12.2024

Magische Ritualmorde in den Goldenen Zwanzigern

Diviners – Aller Anfang ist böse
0

Evie wird von ihren Eltern zu Onkel Will nach New York geschickt, nachdem sie daheim im Ort dank ihrer magischen Fähigkeiten für Unruhe gesorgt hat. Tagsüber kann sie nun in Wills Museum für Okkultes mithelfen, ...

Evie wird von ihren Eltern zu Onkel Will nach New York geschickt, nachdem sie daheim im Ort dank ihrer magischen Fähigkeiten für Unruhe gesorgt hat. Tagsüber kann sie nun in Wills Museum für Okkultes mithelfen, während nachts Party angesagt ist. Zugleich geht ein Ritualmörder in der Stadt um, zu dessen Aufklärung Onkel Will um Hilfe gebeten wird.
Der Roman ist zunächst eine bunte Mischung verschiedener Charaktere, welche im Wechsel vorgestellt werden und die jeweils auf ihre Art mit Magie in Verbindung stehen. So kann Evie bei Berührung eines Gegenstandes in die Vergangenheit dessen Besitzers schauen, während andere in die Zukunft schauen oder heilen können. Auch die Leben der Personen unterscheiden sich, einige kommen aus dem Künstlerbereich, was hervorragend zur Atmosphäte der Goldenen Zwanziger passt. Neben den Perspektiven dieser Diviners ist auch der Ritualmörder relevant, welche die New Yorker in Angst und Schrecken versetzt.
Tatsächlich hab ich recht lange gebraucht, um mit dem Roman warm zu werden. Die vielen, zunächst vorgestellten Personen mitsamt ihrer Leben bremsten die Spannung aus, ich empfand es stellenweise als ermüdend zu lesen und auch Evie handelte zunächst wie eine verantwortungslose Partymaus. Erst mit der Zeit fanden die jungen Leute nach und nach zusammen, wurden deren Stränge miteinander verknüpft und alles wurd etwas weniger wirr. Mit den Ermittlungen zum Mörder, die ebenfalls in die Welt des Paranormalen führen, kommt Spannung rein, in welchen Evie ihre Fähigkeiten sinnvoll, wenn auch riskant einsetzen kann. Ihre diversen Egotrips zwischendurch verleideten mir leider wiederholt, sie zu mögen, vor allem war es dann ärgerlich, wenn sie mir grad sympathisch wurd und sie erneut ihre Egonummer durchzog. Zum Ende hin wird es etwas gruseliger, wenn es darum geht, den Täter aufzuhalten. Damit hatte ich nicht gerechnet. Die versprochene Romantik würd ich hingegen eher als kaum vorhanden abhaken. Da ist das romantisch gestaltete Cover evtl etwas irreführend. Wegen des mir zu zähen Anfangs geb ich dem Buch 3,5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere